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Tag Archives: internet

Ein nicht ganz aktueller doch trotzdem wichtiger Film, der zeigt in welchem Ausmaß staatliche Kontrolle, Überwachung, Speicherung unserer Kommunikation und Datenströme stattfindet ist Citizenfour.

citizenfour-german-subtitle-www_youtube_com_watch_v00cbm9m5ruiEs ist ein persönliches und spannendes Dokument (mit einigen Preisen versehen, siehe z.B. IMDB.com), welches die Aktivitäten des NSA und dessen vormaligen Mitarbeiter Edward Snowden beleuchtet – ohne dabei zu verschweigen, dass es diesem vor allem um den institutionellen Bruch der Gesetze und Menschenrechte ging. Der Film zeigt die ersten Kontakte von Snowden zu Journalisten und dessen Schilderungen des alltäglichen Geschäft als Mitarbeiter des NSA. Er ist die Antwort auf die Frage, was Snowden letztlich bewegte diesen Schritt zu gehen.

Einen möglichen Hype um seine Person sah Edward Snowden bereits vor Veröffentlichung der Dokumente als Bedrohung für die eigentliche Botschaft, welche er in die Welt gesendet wissen wollte: die totale Kontrolle und das Ende der Freiheit. Mehrmals ist aus dem Mund von Snowden zu vernehmen:

„Ich möchte mich selbst nicht zum Thema machen, bevor es sowieso passiert. Ich will nicht von den Storys ablenken.“

Die Storys sind der Umfang und die Größe der Datensammlungen der (nicht nur amerikanischer) Geheimdienste. Es ist die Bestätigung eines parlamentarisch unkontrollierten und verfassungswidrigem Verhalten. Es ist der Beleg über  sich in Verantwortung befindliche Politiker welche offen lügen. Es ist der Versuch eine gesellschaftliche Auseinandersetzung anzustoßen, über Vorgänge die im Verborgenen längst etabliert sind.

(Citizenfour: Laura Poitras, 2014, 114 Min.; youtu.be/google)

netwars_cyberwar-blackhat_screenZuletzt immer öfter zu vernehmen gewesen – die digitale Kriegsführung wird relevanter. In den USA macht das Militär regelmäßig Werbung für Hacker – etwa auf einer Konferenz der Blackhat in den USA. Die Bundeswehr hat zuletzt auch über Frau von der Leyen verlautbaren lassen, an informatisch-geschulten Bewerbern interessiert zu sein welche körperlich nicht den bisherigen Ansprüchen genügen. Mit der Tastatur und dem Bildschirm lassen sich zunehmend erhebliche Schäden anrichten, wofür in der Vergangenheit andere Mittel nötig waren. Heute geht das quasi von zu Hause aus. netwars_screen_cyberterroristDie Doku „Netwars – Krieg im Netz“ von Marcel Kolvenbach zeigt neben einem praktischen Hackerangriff auf ein Wasserwerk auch eine Spezialeinheit des israelischen Militärs. Neben konkreten Auswirkungen der digitalen Welt auf unsere analoge Wirklichkeit gibt der Film auch einen kleinen Einblick in philosophische Sichtweisen auf das Thema. Etwa Daniel Statman, Professor für Philosophie in Haifa:

„Angenommen wir können mit einer Cyberattacke den Computer eines Passagierflugzeugs angreifen und es dann zum Absturz bringen – natürlich wäre das in einem Krieg ein Kriegsverbrechen. Nichts anderes als eine Rakete auf das Flugzeug zu schießen. Wenn wir aber mit einem solchen Angriff den zentralen Computer im Hauptquartier des Feindes ausschalten, dann wäre das ein legitimer Kriegsakt.“

Nicht ganz zufällig wird Israel als ein Land präsentiert, welches eine nationale Sicherheitsstrategie zum Thema Cybersicherheit entwickelt hat – das Land hat seit Jahren Erfahrungen und Strategien entwickelt um das Internet für Nutzer (Unternehmen und Privatleute) sicherer zu machen. Einige Aspekte welche seit Jahren in Israel bereits diskutiert werden sind hierzulande erst jetzt auf dem Tableau erschienen.

„Wer ist verantwortlich die Bürger gegen einen Cyber-Angriff zu schützen, der entweder von einem 16 jährigen Hacker, Kriminellen, Terroristen oder einem feindlichen Staat geführt wird? […] Wir hatten die Möglichkeit diesen digitalen Iron-Dome tatsächlich zu realisieren.“  Erez Kreiner, Ex-Direktor National Cyber Security Authority, Israelnetwars_cyberwar_israel_screen

Dass mit der Digitalisierung nicht alle Probleme gelöst sind – gerade in Bezug auf die Privatsphäre – bringt Gabi Siboni (Direktor der Sektion Cyberkrieg – Institut für Nationale Sicherheitsstudie) treffend auf den Punkt:

„Mit dem Voranschreiten des Internet wird alles private eliminiert. In unserer Welt ist nichts mehr privat. […] Ich kann davon ausgehen, dass alles was ich in meinen Computer schreibe, von jemand Anderem gelesen werden kann – von einem Menschen oder einer Maschine. Die Werbung die ich kriege bezieht sich auf den Inhalt meiner Mails. Meine Mail wird also von einer Maschine gelesen, die sicherstellt, dass wenn ich über Möbel schreibe mich Werbung über Möbeln erreicht. […]
Facebook verkauft unsere Privatsphäre an kommerzielle Unternehmen – und wir haben kein Problem damit. Bei Google ebenso. Aber wir haben plötzlich ein Problem damit, wenn die NSA versucht Terror zu verhindern. Da sagen wir: warum hört uns die NSA ab? Das ist sehr irrational.“

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Der Film spricht wichtige Aspekte an, welche heute bei vielen Internet-Teilnehmenden – Usern und Administratoren, Politikern und Unternehmen – unterbelichtet scheinen. Es wird davon gesprochen, dass die Tage des bisherigen Netzes gezählt sind. Das Plädoyer, der angebotene Ausweg am Ende der Doku: ein nationales Netz, völlig neu gedacht und gebaut, biete die notwendige Sicherheit. Die Rückkehr ins nationale ist jedoch meiner Meinung nach fraglich – vielmehr wird es eine systemische Antwort geben. Und neben digital gibts ja auch immernoch analog. Zufall, dass die Nerds ihren Weg zum zu hackenden süddeutschen Wasserwerk per Karte aus Papier suchen?

netwars_cyberwar_screen-analog_map52 Min; Netwars – Krieg im Netz (2014)

Möglicherweise lohnend, zweifelsfrei unterstützenswert in seiner Zielsetzung scheint Shumway.

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Das Projekt ist jüngst gestartet… YT kann ich tatsächlich ohne Adobe Flash Player nutzen. Mehr zu Shumway hier oder hier.