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Tag Archives: gentrifizierung

bayerischer_platz-leipzig_s-bahn_ikl959.com(neue S-Bahn-Haltestelle Bayerischer Platz in Leipzig)

Heute ist in Leipzig nach etwa zehn Jahren werken der City-Tunnel für die Öffentlichkeit in Betrieb gegangen. Nun beginnt eine Phase der Neugestaltung – alte S-Bahn-Stationen an der alten Route gelegen werden zukünftig der Vergangenheit angehören (Leipzig Ost, Sellerhausen); die alte Bahnstrecke soll(te ?) nach Stilllegung für den unmotorisierten Verkehr und Pedastriants als Weg und/oder Naherholung nutzbar gemacht werden – ob dem so wird darf beobachtet werden.

Nun beginnt also die Tunnel-Ära in Leipzig. Dies wird nicht ohne Veränderung innerhalb der Immobilienlandschaft bleiben bzw. hat sich schon vollzogen. Mobilitätsaspekte bestimmen nachhaltig die Wohnungs- und Lebensumgebungswahl.

Derzeit noch ungebaut in Leipzig das Williams-Quartier (Bernhard-Göring Str.)
b.göringstr.-williams-quartier-leipzig-ikl959.com

(unten) Den Baustart schon hinter sich die Stadtvillen in der Südvorstadt:

alfred_kästner_strasse_stadtvillen_leipzig02-ikl959.com(oben/unten: im Bau befindlich „Stadtvillen Südvorstadt“, Alfred-Kästner-Straße Leipzig; klick to enlarge)

alfred_kästner_strasse_stadtvillen_leipzig-ikl959.com

Wie schön dass es bald neuen Wohnraum gibt (zuletzt verschwanden immer mehr Sozialwohnungen, jedoch sind Stadtvillen kein bezahlbarer Ersatz), obwohl trotz dessen der existierende Leerstand unverständlich bleibt, wie etwa hier zu sehn.

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Bildunterschrift: Die Friedrichsgracht zwischen Fischerstraße und Spittelmarkt während der Neugestaltung der Fischerinsel. Die alten Wohnhäuser am Wasser wurden inzwischen abgebrochen. (aus DDR-Bildband, 1960er Jahre)

oder: Die vermeintliche Insel Connewitz

Derzeit in Leipzig plakatiert zu finden „Who killed Bambi?„. Es ist ein Text, welcher sich mit dem gesprühten Handwerk in der Öffentlichkeit, im öffentlichen Raum, beschäftigt. Primär geht es um die Frage, ob es gerechtfertigt ist gesprühte Auftragswerke mit Hatelines zu crossen. Im Text wird zur Schlussfolgerung gekommen: Die „private Aneignung des öffentlichen Raums sowie den damit verbundenen Versuch der Verdrängung einer Subkultur halten wir für nicht hinnehmbar.“ Gesprühte Auftragsarbeiten werden als Aufwertung des Lebensraumes verstanden – jene bunten Bilder im eigenen Kiez würden die Gentrifizierungsspirale auch vor der eigenen Haustür weiter drehen, nun sei auch von der eigene Wohnraum, das Lebenskonzept Connewitz bedroht (click pic to enlarge).

who_killed_bambiDoch schräg wird der Text an späterer Stelle. Dort wird der Insel-Charakter des Kiezes zum Identifikationspunkt. Wider besseres Wissen scheint sich das Wohlfühlen unter vermeintlich herrschaftsfreien Connewitzern breit gemacht. Es ist ein Ort zum wohl fühlen.

„In Connewitz ergibt sich zusätzlich noch die lokale Besonderheit, dass das Gebiet Aktions-, Wohn-, Rückzugsraum und vieles mehr ist für Menschen, die sich in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft unwohl fühlen und frei sein wollen von den mit dieser Gesellschaft verbundenen Zwängen staatlicher Kontrolle. Vor allem linksradikale Menschen und Gruppen sammeln sich deshalb in diesem Stadtteil und erreichen durch diese Konzentration von emanzipatorischer Politik eine erhöhte Effizienz und Aktionsfreiheit, sowie auch persönliche Freiheit, welche in Deutschland sonst so nicht zu finden ist. Dadurch bildet Connewitz auch einen Schutzraum für Menschen, welche von […] Gewalt betroffen sind, welche leider fester und systematischer Bestandteil der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft sind.“ (src)

Dass die Exekutive auch vor den Connewitzer Haustüren patrouilliert, kontrolliert und observiert ist bekannt. Welcher Rückzugsraum? Welche Aktionsfreiheit, welche „persönliche Freiheit, welche in Deutschland sonst so nicht zu finden ist“ macht den Ort so beliebt, die Mieten steigend, das Leben dort so vermeintlich unbeschwert und süß? Es ist das Einrichten in der Kiezigkeit.

Eine Analyse könnte etwa lauten: es sind nicht die bunten (Auftrags-)Bilder, welche den günstigen Lebensraum bedrohen, sondern der Grad der Bereitschaft sich dort niederlassen zu wollen (welcher die Mietpreise bestimmt). Gewiss spielen dabei auch bunte Wände eine Rolle, aber mehr als das der schicke neue (Bio-)Supermarkt um die Ecke, der Weg zum Bahnhof/Straßenbahn/Autobahn, die Clubdichte oder das Freiheits-Lebensgefühl-Versprechen, welches einige Faktoren der Gentrifizierung sind. Letzteres findet sich etwa in der Überheblichkeit an einem Ort zu leben, welcher eine persönliche Freiheit bereithält, die „in Deutschland sonst so nicht zu finden ist“ und dürfte wider der Absicht zur weiteren Aufwertung des Stadtteils und damit zur Gefährdung der Bezahlbarkeit des eigenen Wohnraums beitragen.