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Tag Archives: digitale welt

Auf dem #33C3 gab es ne Menge Vorträge. Viele sind online zu finden. Doch ein lecture, welches mich interessierte, lieferte in der Suche auf der offiziellen Site der CCC-Kongresse leider kein Ergebnis:

ss_ccc-serach-faception-nothing-foundAufmerksam auf das Topic wurde ich über einen Tweet von Caroline Sinders:

ss_ccc-faception-tweet_33c3-c-sindersDie ersten Reaktionen auf den Tweet entsprachen auch meinen spontanen Gedanken: geht’s noch? Anhand des Aussehen eines Menschen auf dessen Intelligenz, sexuelle Neigung oder kriminelle Vorlieben zu schließen? Was wurde auf dem 33C3 eigentlich verhandelt – bot man mehr als einen Draufblick auf die Öffentlichkeitsarbeits-Gesichtsoberfläche – oder was wurde da außer PR-Krams eigentlich präsentiert oder gar noch diskutiert?

Der Markt zum Thema face-ial-profiling ist seit Jahren florierend. Das Unternehmen mit Namen Faception (auf wired gab’s auch schon nen Artikel) hat nach eigenen Angaben 15 oder 20 oder wieviele Cluster auch immer gebildet, welchen die analysierten Gesichter zugeordnet werden. Einige davon stellt die Firma online vor: von „High-IQ„, „Academic Researcher„, „Professional Poker Player„, „Bingo Player„, „Brand Promoter„, „White Collar Offender“ und „Terrorist“ bis hin zu „Pedophile„.

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Ursache dieser Klassen: die DNA. Denn die bilde im Gesicht ab was das Hirn denkt und will und schließlich auch getan wird – anders lässt sich die Begründung, welche etwa Shai Gilboas (CEO) verlautbart, nicht verstehen. Wer sich jetzt hundert Jahre zurückversetzt fühlt liegt vermutlich nicht ganz falsch – damals gab es Maßband und Klemme um Schädel zu vermessen, heute machen das Sensoren – genauer, schneller und unbemerkter. Die Absicht hinter der Physiognomieanalyse ist die gleiche wie ehedem.

Ein Presskit der Company Faception versammelt mehr als ein dutzend Berichte aus diversen Zeitungen und online Medien und zeigt den weltweiten Einschlag des Themas und enthält auch kritische Bemerkungen dazu. N-TV hat das Topic auch schon gefunden:

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Dass es sich dabei um kein neues Phänomen handelt wird beim Blick auf das seit etwa zehn Jahren in den USA laufende „FAST“ – Future_Attribute_Screening_Technology deutlich. Auch in anderen Ländern wird an automatisierter Gesichtsverarbeitung gearbeitet.

China too has tinkered with “pre-crime” to identify terrorists; China being China, one has to wonder if dissident is synonymous with terrorist. Its “Citizen Score” is already an Orwellian nightmare. (src, Darlene Storm, May 2016)

Es ist offenbar: viele Staaten und Unternehmen arbeiten mit dem Thema Gesichtserkennung und facial-profiling. Es ist das Bedürfnis nach mehr Sicherheit in Zeiten von Terror – oder potentieller Gefahr. Schließlich bietet der Ausbau der Überwachung doch auch scheinbar regulative Möglichkeiten, ein Instrument der Prävention. Die Sicherheit ist und bleibt ein originäres Aufgabenfeld der staatlichen Ordnung – jede dahingehende Maßnahme ist jedoch nicht immer mit den Rechten seiner Bürger vereinbar.

„Certainly advancement in technologies that enable to monitor an individual and actually to assess certain traits or certain attributes about individuals in the open space opens surveillance and monitoring capabilities which kind of like put in risk private freedoms that we used to enjoy, like the freedom of privacy, like the freedom of communication that we used to enjoy and now the technoligy certainly changes the balance.“ (Nimrod Kozlovski, Security Expert on reuters.com)

Also: hier gerät etwas aus dem Gleichgewicht. Die Albernheit des Rassismus soll mit diesen Methoden angeblich nicht Anwendung finden – soll doch die Hautfarbe bei der Analyse des Gesichts ignoriert werden. Vernachlässigt wird jedoch die Möglichkeit der plastischen Chirurgie. Und die persönliche Freiheit – ungerastert und unanalysiert. Und die Möglichkeit, dass nicht alles in DNA eingeschrieben ist und zwangsweise sichtbar auf der (Gesichts-)Oberfläche liegt.

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netwars_cyberwar-blackhat_screenZuletzt immer öfter zu vernehmen gewesen – die digitale Kriegsführung wird relevanter. In den USA macht das Militär regelmäßig Werbung für Hacker – etwa auf einer Konferenz der Blackhat in den USA. Die Bundeswehr hat zuletzt auch über Frau von der Leyen verlautbaren lassen, an informatisch-geschulten Bewerbern interessiert zu sein welche körperlich nicht den bisherigen Ansprüchen genügen. Mit der Tastatur und dem Bildschirm lassen sich zunehmend erhebliche Schäden anrichten, wofür in der Vergangenheit andere Mittel nötig waren. Heute geht das quasi von zu Hause aus. netwars_screen_cyberterroristDie Doku „Netwars – Krieg im Netz“ von Marcel Kolvenbach zeigt neben einem praktischen Hackerangriff auf ein Wasserwerk auch eine Spezialeinheit des israelischen Militärs. Neben konkreten Auswirkungen der digitalen Welt auf unsere analoge Wirklichkeit gibt der Film auch einen kleinen Einblick in philosophische Sichtweisen auf das Thema. Etwa Daniel Statman, Professor für Philosophie in Haifa:

„Angenommen wir können mit einer Cyberattacke den Computer eines Passagierflugzeugs angreifen und es dann zum Absturz bringen – natürlich wäre das in einem Krieg ein Kriegsverbrechen. Nichts anderes als eine Rakete auf das Flugzeug zu schießen. Wenn wir aber mit einem solchen Angriff den zentralen Computer im Hauptquartier des Feindes ausschalten, dann wäre das ein legitimer Kriegsakt.“

Nicht ganz zufällig wird Israel als ein Land präsentiert, welches eine nationale Sicherheitsstrategie zum Thema Cybersicherheit entwickelt hat – das Land hat seit Jahren Erfahrungen und Strategien entwickelt um das Internet für Nutzer (Unternehmen und Privatleute) sicherer zu machen. Einige Aspekte welche seit Jahren in Israel bereits diskutiert werden sind hierzulande erst jetzt auf dem Tableau erschienen.

„Wer ist verantwortlich die Bürger gegen einen Cyber-Angriff zu schützen, der entweder von einem 16 jährigen Hacker, Kriminellen, Terroristen oder einem feindlichen Staat geführt wird? […] Wir hatten die Möglichkeit diesen digitalen Iron-Dome tatsächlich zu realisieren.“  Erez Kreiner, Ex-Direktor National Cyber Security Authority, Israelnetwars_cyberwar_israel_screen

Dass mit der Digitalisierung nicht alle Probleme gelöst sind – gerade in Bezug auf die Privatsphäre – bringt Gabi Siboni (Direktor der Sektion Cyberkrieg – Institut für Nationale Sicherheitsstudie) treffend auf den Punkt:

„Mit dem Voranschreiten des Internet wird alles private eliminiert. In unserer Welt ist nichts mehr privat. […] Ich kann davon ausgehen, dass alles was ich in meinen Computer schreibe, von jemand Anderem gelesen werden kann – von einem Menschen oder einer Maschine. Die Werbung die ich kriege bezieht sich auf den Inhalt meiner Mails. Meine Mail wird also von einer Maschine gelesen, die sicherstellt, dass wenn ich über Möbel schreibe mich Werbung über Möbeln erreicht. […]
Facebook verkauft unsere Privatsphäre an kommerzielle Unternehmen – und wir haben kein Problem damit. Bei Google ebenso. Aber wir haben plötzlich ein Problem damit, wenn die NSA versucht Terror zu verhindern. Da sagen wir: warum hört uns die NSA ab? Das ist sehr irrational.“

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Der Film spricht wichtige Aspekte an, welche heute bei vielen Internet-Teilnehmenden – Usern und Administratoren, Politikern und Unternehmen – unterbelichtet scheinen. Es wird davon gesprochen, dass die Tage des bisherigen Netzes gezählt sind. Das Plädoyer, der angebotene Ausweg am Ende der Doku: ein nationales Netz, völlig neu gedacht und gebaut, biete die notwendige Sicherheit. Die Rückkehr ins nationale ist jedoch meiner Meinung nach fraglich – vielmehr wird es eine systemische Antwort geben. Und neben digital gibts ja auch immernoch analog. Zufall, dass die Nerds ihren Weg zum zu hackenden süddeutschen Wasserwerk per Karte aus Papier suchen?

netwars_cyberwar_screen-analog_map52 Min; Netwars – Krieg im Netz (2014)

Rasterfahndung umdrehen – mithilfe des Stromverbrauchs gucken wo unbewohnte Häuser sind, welche dann besetzt werden können. So lautet eine Idee in dem Hörstück Radio Wauland über die vernetzte digitalisierte und doch reale Welt.

800px-Akustikkoppler_CCC_Datenklo(eigenbau des Akustikkoppler aka Datenklo des CCC  – src)

Der Untertitel Tune in, turn on and hack yourself kommt indes ein wenig selbstzerstörerischer daher als das LSD-Original von Prof. Leary.  Protagonist in dem zeitweise psychedelischen Hörstück ist Wau Holland, dem Mitbegründer des CCC (bis dato unveröffentlichte O-Töne fanden von ihm Verwendung), der so Dinge sagte wie „Was ist denn das einen Rechner aufzumachen, dagegen die Gesellschaft aufzumachen“ (src).

Das Stück gibts hier zum download finden & sei an dieser Stelle zum anhören empfohlen.