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Category Archives: über-denken

Vor paar Monaten bekam ich ein Bild gesendet, was ich jetzt mal poste:volks_notebook-saturn_2013_ikl959.com(Volks-Notebook; thx @ N.)

Das Volks-Notebook nur die Fortsetzung einer schwarz-weiß-rot-angestrichenen Volks-Verkaufs-Kooperation der BILD-Zeitung, auf welche hier im Blog bereits vor knapp zwei-ein-halb Jahren mit dem Post „Volkskühlschrank reloaded“ hingewiesen wurde… To be continued, probably.

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Eine Frau, die ihr Können in den Dienst eines Regime stellte welches den Krieg verherrlichte und den Tod heroisierte, ist Leni Riefenstahl (1902-2003). Der Film „Das blaue Licht“ (Zusammenfassung: eine Art Bergmärchen, die Bedrohung durch den Berg, die Entzauberung und Zerstörung der Welt) zeigt sie in der Hauptrolle.

leni_riefenstahl03-ikl959.comEs ist ihr erster eigener Film, der zusammen mit dem Filmtheoretiker und -produzenten Béla Balázs 1932 entstand. Doch es scheint vor allem ihr Produkt – sie übernahm neben dem Drehbuch und der Hauptrolle auch Produktion, Schnitt und „Bildgestaltung“ (erzählt sie auch hier -4 Min; mögliche Einflüsse durch Béla Balázs sollten jedoch nicht abgestritten werden). Viele Rezensionen sind sich einig, dass die Autorin es verstand mit den Mitteln der Cinematografie etwas in Szene zu setzen – sich.
leni_riefenstahl02-ikl959.comIhre Rolle ist die einer außerhalb der Gesellschaft lebenden – von der Dorf-Gemeinschaft gemiedenen, beargwöhnt, auch gejagten – Bergbewohnerin. Den Filmkonsumenten wird sie auch als eine Frau gezeigt, die sexuelle Assoziationen weckt (Zizek sagt eh: alles Freud…).  „Das blaue Licht“ (watch) ist einer der Filme, durch welchen die Nazis um Hitler und Goebbels auf die Person Riefenstahl und ihr filmisches Können aufmerksam wurden. leni_riefenstahl-ikl959.com Leni Riefenstahl stand später mehr hinter, als vor der Linse, tauchte dann mit Linse vor dem Helm ganz ab. Ihre Begeisterung für die Tiefsee Jahre später wirkt letztlich wie eine Absage an die Oberfläche, von der sie sich in eine menschenleere Umwelt zurückzog – missverstanden und zu Unrecht geschelten. Der Film „Das blaue Licht“ sei insofern „eine Voraussage meines eigenen Schicksals„.

Es sollte immer wieder gefragt werden: wie groß war die Ablehnung der Gesellschaft nach 1945 gegenüber ihrem Schaffen zwischen 1933 bis 1945 wirklich? Wie kritisch ist der Umgang mit ihr heute? Und: was hat sie da eigentlich für den bis 1945 existierenden deutschen Staat gemacht? Auch wenn vermeintlich apolitisch aktiv so wusste sie doch um die Radikalität der Ideen, vom Inhalt ganz zu schweigen. In jedem Fall hat sie, wie viele andere nicht nur unter den Kunstschaffenden, die von dem Regime gebotenen Bequemlichkeiten genossen und die neuen Möglichkeiten genutzt – um sowohl den Auftraggeber zufrieden zu stellen als auch um am großen deutschen Kriegs-Volks-Projekt teilzuhaben und dieses mitzugestalten.

vgl. zum Thema auch: „was blieb sind mehr als Bilder„, „gesichtslos – Opfer wie Täter

Wie „normal“ die Situation in Israel derzeit ist zeigt der Vorfall um Eden Atias. Der junge Soldat der IDF saß in einem Fernbus und wurde dort am Morgen des 13. November Opfer einer Messerattacke eines 16 jährigen aus Jenin (Westjordanland), welcher sich ohne Erlaubnis in Israel aufhielt.

Der Angriff trug sich während der Fahrt von Nazareth nach Tel Aviv zu, als der Bus in den zentralen Busbahnhof in Afula einfuhr. Eden Atias begann erst vor wenigen Wochen seinen Armeedienst und war auf dem Weg zu seiner Ausbildungsbasis. Er schlief, als der Täter zustach. Die Notärzte brachten den jungen Mann in sehr kritischem Zustand ins Krankenhaus Emek, wo er noch auf dem Operationstisch verstarb.(src)

In der Jerusalem Post finden sich eine Reihe von Reaktionen, welche etwa auch die anstehende Freilassungsaktion von Häftlingen kritisieren. Solcherlei Vorkommnis bestätigt die Hassenden und Grabenziehenden – das Vertrauen im täglichen Umgang dürfte jedenfalls kaum wachsen. Normal ist etwas anderes – & wird es absehbar auch bleiben.

Während in den USA 2009 mit Obama erstmals ein Schwarzer Präsident wurde, so liegt die rechtliche Abschaffung der Sklaverei in den USA doch in diesem Jahr „nur“ 148 Jahre zurück. Getrennte Busse, Kindergärten und vieles weitere blieb bestehen – bis die  Bewegung um Martin Luther King oder Malcom X Mitte des 20. Jahrhunderts auf die diskriminierende Situation der Schwarzen verwiesen (diese mussten etwa auch in Tanzlokalen durch die Hintertür hinein und hinaus – der normale Eingang blieb nur den Crackern vorbehalten; im Bus hatten sie hinten zu sitzen uvm.) und eine Veränderung, eine Gleichstellung einforderten.

emmett_tills_death(mother of Emmett Till during the trial against the murder)

Noch vor der Bürgerrechtsbewegung ereignete sich 1955 der Mord an Emmett Till – das Motiv nichts als Rassismus. Der an der Tat beteiligte J. W. Milam:

‚Chicago boy,‘ I said, ‚I’m tired of ‚em sending your kind down here to stir up trouble. Goddam you, I’m going to make an example of you—just so everybody can know how me and my folks stand.‘ (src)

emmett_tills_murderBob Dylan hat die Geschichte über den Mord an einem 14 jährigen Jungen in ein Lied gepackt. (Listen it on yt!)

Das Thematisieren von angewandter Überwachung durch staatliche Organisationen, welche zuletzt aufgrund einiger Ereignisse (etwa das intensive Mithören/-tagging von Kommunikation/sdaten) durch die Medien gingen, ist eines. Der Grund, weshalb dies zum Thema werden konnte war das Veruntreuen von Dokumenten aus behördlichen Einrichtungen und deren Veröffentlichung. Letzteres – weil es gegen den Willen der Institution war – der Moment, welcher tatsächlich einen Einblick in die täglichen Abgründe zu ermöglichen schien und scheint. Unangenehm bleibt im Nachhinein das Gefühl sowohl für die staatliche Führung als auch den Staatsbürger wenn privates öffentlich wird. Nur haben letztere ein Recht auf Privatsphäre – in rechtsstaatlichen Gebilden ist dies formell verankert.

public_vs_privateAndererseits ist das Phänomen des Leak kein neues – weitere Fälle von Whistleblowing hier (vom Lastwagenfahrer bis zum Diplomaten). Nichtsdesto trotz ist das ungenehmigte Veröffentlichen noch heute ein wirkungsmächtiges Instrument um nicht nur politische Debatten anzustoßen und zu verstärken. Dies wird auch im Film über den Edward Snowden e.g. Bradley aka Chelsea Manning der 1970er Jahre deutlich –  Daniel Ellsberg.

daniel_ellsberg_(Daniel Ellsberg)

Damals – während der 1960er – gab es einen Krieg in Vietnam welcher für die amerikanische Regierung länger dauerte als lieb war und die Kriegs-Opposition mit jedem weiteren Monat stärkte. Die Verlautbarungen der Regierenden waren über die Regierungswechsel hinweg nicht mit dem identisch was inoffiziell schon anerkannt war und verhandelt wurde. Ein junger Mann mit Namen Ellsberg vermochte es einen ganzen Haufen Akten aus dem Pentagon zu kopieren und an Publikationsorgane weiter zu geben.

Die Dokumentation „The Most Dangerous Man In America“ vollzieht die Geschichte und Entscheidung Ellsbergs zu diesem Schritt und seine Motivation nach. Der Film macht auf englisch um einiges mehr Sinn als die deutsche Synchronisierung, da der Hauptprotagonist schließlich den Zuschauenden selbst über sich und die Ereignisse berichtet. (klick here; 93 Min, eng)

Eine Einschätzung der jüngsten Leaks durch Daniel Ellsberg findet sich im Guardian unter dem Titel United Stasi of America. Darin:

[…] The NSA, FBI and CIA have, with the new digital technology, surveillance powers over our own citizens that the Stasi – the secret police in the former „democratic republic“ of East Germany – could scarcely have dreamed of. Snowden reveals that the so-called intelligence community has become the United Stasi of America. […] (src)

Provokation mithilfe der Übertragung von vermeintlich genuin kommunistischen aka staatssozialistischen Repressions- und Überwachungsmethoden auf die Vereinigten Staaten von Amerika das Stilmittel? Am Ende gar eine (altersbedingte) Enttäuschung welche zu radikalen Vergleichen verleitet? Schließlich wurde Ellsberg damals, 1973, – im Gegensatz zu Manning heute – für sein Vergehen freigesprochen. Der heute über 80 jährige animierte bis zuletzt zu Leaks und beteiligte sich an diversen Protesten.

Noch vor Beginn der viel beachteten Aufstände in der arabischen Welt (deren Beginn ab 2010 in Tunesien gesehen wird) gab es 2009 in Iran im Nachklang der Präsidentschaftswahlen monatelang Proteste (wiki). „The smell of burning garbage – it is the perfume of liberty“ so die Aussage eines Augenzeugen, die von Paolo Woods zitiert wird (video on vimeo, 13 Min.).

iran_green-wave_ Protest 2009.

Doch das Scheitern der Proteste 2009 ist Jahre her – der Duft der Freiheit verzogen. Ahmadinejad seit diesem Jahr nicht mehr an der Macht. Die neue Regierung weckte – vor allem im Westen – neue Hoffnungen. Fraglich ob diese gerechtfertigt sind oder mehr vom sehen-wollen geprägt sind. Die derzeitigen Ereignisse in Iran heute sind weniger von öffentlichen Protesten als von staatlicher Härte geprägt. Das Land soll nach China die meisten Hinrichtungen zu verzeichnen haben, über 500 in diesem Jahr. Dabei wurden einige der Verurteilten auch an öffentlichen Plätzen oder Sportstadien aufgehängt. Der häufigste Grund weshalb Menschen in Iran exekutiert werden: ein Drogendelikt (ai-report2011). Einer der zuletzt an einem Kran Erhängten überlebte die Hinrichtung:

Laut iranischen Quellen, verbrachte der Mann vergangene Woche 12 Minuten in einer Schlinge baumelnd an einem Kran in einem Gefängnisvorhof in der nordöstlichen Stadt Bojnurd und ein Arzt erklärte ihn für tot. Aber am nächsten Tag entdeckte das Personal in der Gefängnis-Leichenhalle, dass er noch atmete, als die Familie auf dem Weg war, seinen Körper mitzunehmen. Die Quellen sagten, dass der vorsitzende Richter befahl, ihn in ein Krankenhaus zu bringen, um ihn nach seiner Genesung erneut zu hängen. Das medizinische Personal bestätige, dass sein Gesundheitszustand dafür gut genug sei. (src)

Ob er tatsächlich nochmals gehängt wird, wurde von staatlicher Seite angeblich bereits in Frage gestellt (taz). Fraglos indes, dass auch zukünftig in der islamischen Republik Menschen an Baukränen baumelnd ihren Tod finden werden.

 

Möglicherweise lohnend, zweifelsfrei unterstützenswert in seiner Zielsetzung scheint Shumway.

index

Das Projekt ist jüngst gestartet… YT kann ich tatsächlich ohne Adobe Flash Player nutzen. Mehr zu Shumway hier oder hier.

teil 7 hier zu finden

  • Vortrag von Stephan Grigat – Politische Ökonomie des Antisemitismus download (via)
  • WDR: Heinrich Schöpe sammelte auf dem Weg zur Schule Flugblätter der Alliierten. (download)
  • WDR: Atomenergie-Verräter aka Spion und Held Klaus Fuchs (download)
  • SWR2: Petra Kelly (27 Min.) Die grünste Grüne, oder so. Ihr & Bastians Tod trugen zum Mythos Kelly bei. (download)
  • SWR2: Buchenwälder in Europa (27 Min.) (download)
  • NDR: Margarethe von Trotta, Filmemacherin (download)
  • SWR2: Christen im Nahen Osten (download)
  • DLF: 1933 tritt die deutsche Volksgemeinschaft aus dem Bund der Völker aus (download) (via)
  • B5: Gewalt gegen Frauen in Indien (download)

In Folge vielleicht mal wieder öfter Hinweise auf Hoerenswertes (wobei auch hier wieder darauf hin zu weisen ist, dass einige Sachen, wie etwa der Bericht über Frauen in Indien, in ihrer Haltung/Botschaft durchaus kritikwürdig sind)

oder: Die vermeintliche Insel Connewitz

Derzeit in Leipzig plakatiert zu finden „Who killed Bambi?„. Es ist ein Text, welcher sich mit dem gesprühten Handwerk in der Öffentlichkeit, im öffentlichen Raum, beschäftigt. Primär geht es um die Frage, ob es gerechtfertigt ist gesprühte Auftragswerke mit Hatelines zu crossen. Im Text wird zur Schlussfolgerung gekommen: Die „private Aneignung des öffentlichen Raums sowie den damit verbundenen Versuch der Verdrängung einer Subkultur halten wir für nicht hinnehmbar.“ Gesprühte Auftragsarbeiten werden als Aufwertung des Lebensraumes verstanden – jene bunten Bilder im eigenen Kiez würden die Gentrifizierungsspirale auch vor der eigenen Haustür weiter drehen, nun sei auch von der eigene Wohnraum, das Lebenskonzept Connewitz bedroht (click pic to enlarge).

who_killed_bambiDoch schräg wird der Text an späterer Stelle. Dort wird der Insel-Charakter des Kiezes zum Identifikationspunkt. Wider besseres Wissen scheint sich das Wohlfühlen unter vermeintlich herrschaftsfreien Connewitzern breit gemacht. Es ist ein Ort zum wohl fühlen.

„In Connewitz ergibt sich zusätzlich noch die lokale Besonderheit, dass das Gebiet Aktions-, Wohn-, Rückzugsraum und vieles mehr ist für Menschen, die sich in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft unwohl fühlen und frei sein wollen von den mit dieser Gesellschaft verbundenen Zwängen staatlicher Kontrolle. Vor allem linksradikale Menschen und Gruppen sammeln sich deshalb in diesem Stadtteil und erreichen durch diese Konzentration von emanzipatorischer Politik eine erhöhte Effizienz und Aktionsfreiheit, sowie auch persönliche Freiheit, welche in Deutschland sonst so nicht zu finden ist. Dadurch bildet Connewitz auch einen Schutzraum für Menschen, welche von […] Gewalt betroffen sind, welche leider fester und systematischer Bestandteil der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft sind.“ (src)

Dass die Exekutive auch vor den Connewitzer Haustüren patrouilliert, kontrolliert und observiert ist bekannt. Welcher Rückzugsraum? Welche Aktionsfreiheit, welche „persönliche Freiheit, welche in Deutschland sonst so nicht zu finden ist“ macht den Ort so beliebt, die Mieten steigend, das Leben dort so vermeintlich unbeschwert und süß? Es ist das Einrichten in der Kiezigkeit.

Eine Analyse könnte etwa lauten: es sind nicht die bunten (Auftrags-)Bilder, welche den günstigen Lebensraum bedrohen, sondern der Grad der Bereitschaft sich dort niederlassen zu wollen (welcher die Mietpreise bestimmt). Gewiss spielen dabei auch bunte Wände eine Rolle, aber mehr als das der schicke neue (Bio-)Supermarkt um die Ecke, der Weg zum Bahnhof/Straßenbahn/Autobahn, die Clubdichte oder das Freiheits-Lebensgefühl-Versprechen, welches einige Faktoren der Gentrifizierung sind. Letzteres findet sich etwa in der Überheblichkeit an einem Ort zu leben, welcher eine persönliche Freiheit bereithält, die „in Deutschland sonst so nicht zu finden ist“ und dürfte wider der Absicht zur weiteren Aufwertung des Stadtteils und damit zur Gefährdung der Bezahlbarkeit des eigenen Wohnraums beitragen.

Während sich in Leipzig zu einer Soli-Demo zu den Protesten in Istanbul  (welche gegen die geplante Einebnung eines Parkes zugunsten eines Kaufhauses begannen, schell zu einer Partei übergreifenden Regierungsopposition heran wuchsen) weniger Menschen zusammen fanden als bei einem wenige Tage später in Leipzig stattfindenden Michael-Jackson-Gedenkmarsch ist die Situation in der Türkei derzeit durchaus interessant.

kadnilar

Sie zeigt wie die Protestbewegung aussah, wogegen der türkische Staat so rigoros vorging (vier tote Zivilisten, ein toter Polizist; über 8000 verletzte Demonstrierende, etwa 3300 Verhaftungen). Derzeit jedenfalls wehrt sich die Regierung der Türkei mit Verhaftungs- und Anklagewellen gegen organisierte Menschen, wie hier nachzulesen ist.

Bei google aka yt ein sehenwerter Einblick in 14 Tage Ausnahmezustand zu finden (via).

istan_rise

Es geht um die Besetzung des Parkes (also die Zeit vor dessen Räumung vor knapp einem Monat, Mitte Juni;

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Claudia Roth weiß aus eigener Erfahrung und Augenzeugenschaft einiges zu berichten siehe hier) und die sich herausbildenden Organisationsstadien und das selbstbewusste Auftreten. Es zeigt einprägsam was hiesige Protestbewegungen erfolgreicher und lauter machen könnte: eine breite Solidaritätswelle der Bevölkerung – auch ältere Mitbürger gebärden sich rebellisch; wenige/viele Entschlossene; ein wenig Volksfeststimmung

volksbeweg

Unternehmungsgeist; Trommeln und Töpfe zum rhythmisieren & einiges mehr; wie

festung

(a) das Gefühl an etwas Aufregendem und Nachhaltigem mitzuwirken, 

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(b) eine Revolution zu starten oder mitten drin zu sein oder (c) religiöse/soziale/kulturelle/politische Fragen); der Film lässt ein wenig Interpretationsspielraum und wird dadurch interessant.

Derzeit jedenfalls ereignen sich scheinbar repressive Dinge – vor allem der juristische Hebel wird derzeit gedrückt, um das eigene entschiedene Handeln im Nachhinein zu legitimieren und eine weitere Organisierung von Protest und ein weiteres Aufflackern der wütenden Rebellion zu unterbinden.

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11.07.2013: Der Gezi-Park wurde inzwischen wieder eröffnet, und seit Dienstag stellen Stadtbedienstete jeden Abend Dutzende Tische auf dem Taksim-Platz auf, wo sie zum Fastenbrechen Hunderte Menschen mit Reis, Hühnchen und süßem Gebäck bewirten. Ein festliches Bild und eine alte Sitte zur wohltätigen Speisung der Armen, der in Istanbul auf rund 50 öffentlichen Plätzen mit Steuermitteln nachgekommen wird. Doch bedürftige Anwohner aus dem Viertel Beyoglu finden keinen Platz an den Tischen, die besetzt sind von gutbürgerlichen Familien und Freundeskreisen aus den konservativ-islamischen Vororten Istanbuls. (src)

Ein Einblick in die Vergangenheit um zu verstehen was Momentan passiert – das Heute bricht sich an dem (verklärten) Aktionismus vergangener Tage…
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In der Süddeutschen-Zeitung fand sich jüngst ein Bild, welches in einen Zusammenhang mit Israel gestellt wurde. Nun ist von Seiten der Süddeutschen-Zeitung tatsächlich in der Rückmeldung auf die Rückmeldungen zu diesem Bild (und der Bildunterschrift „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde betrachten das Land als einen gefräßigen Moloch. Peter Beinart beklagt, dass es dazu gekommen ist.“) zu vernehmen, es handele sich um ein unschuldiges Bild – „Ist ein gehörntes Monster antisemitisch?“ lautet die Frage. Die Antwort kann nur lauten: wenn unter dem Bild Deutschland (welches als servierende Dame) und Israel (welches als unmenschliches, grauenerregendes auf das Essen und die Dame wartende Monster) als die im Bild sichtbaren genannt werden, ja, dann ist das ganze mehr als nur Zufall, Unglück, Gedankenlosigkeit.

sz_antisem(src)

Es ist fragwürdig und interessant wie die Redaktion (welche für eine kulturelle Aufklärung, nicht Verklärung) dieser Zeitung (mag im Text daneben – „Der Niedergang des liberalen Zionismus“ – stehen was mag) tätig ist. Beim Redaktions-Meeting überlegte man sich, welches Bild zum Thema „Der Niedergang des liberalen Zionismus“ passen könnte. In den Köpfen der Redakteure schien dann eben jenes grauenerregende Wesen am besten geeignet, eine Sicht auf das Land abzubilden, den Hass anschaulich zu reproduzieren. Die vermeintliche Entschuldung der SZ:Nur die Feinde Israels sehen Israel in der Weise, die dem abgebildeten Monster ähnelt. Außerdem ist der Staat Israel nicht mit dem Judentum gleichzusetzen“  lässt vermuten, dass mit der Wahl eben jenes Bildes durch die Redakteure, unter diesen Feinde Israels zu finden sind. Man bedauerte zwar von Seiten der SZ, „dass es zu solchen Missverständnissen kommen konnte. Die Veröffentlichung der Zeichnung in diesem Kontext war ein Fehler.“ (src) Dass das Bild jedoch schließlich (nach nochmaliger Prüfung durch den Chefredakteur) gedruckt wurde, lässt erahnen, wie israelfeindlich sich zu gebärden unter den publizistischen Eliten Normalität ist.

Nicht nur die Feinde Israels sehen in dem abgebildeten Monster den jüdischen Staat, sondern jeder der dieses Bild ansieht und des Lesens mächtig ist. Es ist der Blick auf ein unschuldiges Bild, welches durch die gesetzte Kontextualisierung bewusst an bisherige Narrative anknüpft. Broder hat also nicht ganz unrecht, wenn er meint, dass die SZ da weitermacht wo der Stürmer 1945 aufhören musste. (zum Thema auch ruhrbarone, Jüd. Allgemeine)

Nicht neu (aber trotz dessen nicht weniger aktuell) gingen mir die Worte aus Günter Eichs Hörspiel „Träume“ nach dem Hören eine Weile durch den Kopf. Hier im Folgenden ein Auszug, welcher mit den viel zitierten Worten des „Sandes im Getriebe der Welt“ endet.

Ich beneide sie alle, die vergessen können,
die sich beruhigt schlafen legen und keine Träume haben.
[…]

Sieh, was es gibt: Gefängnis und Folterung,
Blindheit und Lähmung, Tod in vieler Gestalt,
den körperlosen Schmerz und die Angst, die das Leben meint.
Die Seufzer aus vielen Mündern sammelt die Erde,
und in den Augen der Menschen, die du liebst, wohnt die Bestürzung.
Alles, was geschieht, geht dich an.

[…]
”Ah, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.”

Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid mißtrauisch gegen ihre Macht,
die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind,
wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder,
die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

 (src  ohne [Auslassungen])

Der aufwallende bürgerliche Antisemitismus nach dem Ersten Weltkrieg findet einen Niederschlag auch in den Bade- und Erholungsorten an der deutschen See (später auch in den Bergen, etwa in dem „Deutsch-Österreichischen Alpenverein„). Frank Bajohr schildert in seinem Buch „Unser Hotel ist judenfrei“ die Politisierung der Erholungsstätten, welche dabei auch einem ökonomischen Kalkül folgten. Das Buch berichtet über einige interessante Aspekte in der Entwicklung des Antisemitismus der bürgerlichen Schichten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in den deutschen Ostsee- und Nordseebädern, einigen europäischen Kurorten und auch solche Erscheinungen in den USA.  Nichts desto trotz keine vollends zu empfehlende Lektüre – Kritik wäre etwa die Redundanz (er erwähnt immer wieder die Exzessivität des Antisemitismus auf Borkum) und der wenig abwechslungsreiche und damit ermüdende Narrativ. Das Thema bleibt trotz dessen ein anschauliches Beispiel für die damalige Zeit und die schleichende Akzeptanz der kollektivierten Projektionsaversion. Die Maßnahmen zur Zeit der Weimarer Republik zeigen indes, wie weit die praktizierenden Judenfeinde gehen konnten und gingen, als wie normal und politisch etabliert das Phänomen in den besitzenden Schichten dato wahrgenommen wurde und war. Anders formuliert: die Forderung nach judenfreien Zonen (gegen den Besuch von „feindlichen Ausländern und undeutschen Inländern“) stellten nicht erst die Nazis auf, sondern verwirklichten lokale Politiker und Bürgervertreter bereits lange vor der Machtübertragung an die NSDAP.

Der Bäder-Antisemitismus als Ausdruck judenfeindlicher Einstellungen in der deutschen Gesellschaft hatte zwar nie unabhängig vom politischen Antisemitismus existiert, doch gingen nun gesellschaftlicher und politischer Antisemitismus eine engere Verbindung ein. Einzelne Kur- und Badeorte entwickelten sich nach 1918 zu Zentren der antisemitischen Agitation, und der politische Antisemitismus mit seiner charakteristischen Symbolik drückte nun auch dem Badeleben seinen Stempel auf; Antijüdische Kundgebungen und Aufmärsche, gewalttätige Übergriffe auf jüdische Gäste, Hakenkreuze auf Sandburgen, schwarz-weiß-rote Schleifen an der Kleidung der Kurgäste, Werbeanzeigen der Hotel- und Pensionsinhaber, die mit Hakenkreuzen versehen waren, Kurverwaltungen, die ihre Prospekte mit „deutschem Gruß“ versandten – dies alles hatte es im Kaiserreich – wenn überhaupt – nur an einzelnen Orten wie Borkum gegeben. Vor 1914 hatten nur wenige Gäste ihre politische Gesinnung mit Flaggen an Strandkörben oder politischen Abzeichen in aller Öffentlichkeit dokumentiert, ja den öffentlichen Raum symbolisch besetzt.

norderney_judenfrei-1933_ikl959.com(SA auf Norderney Oktober 1933)

 In der Weimarer Republik hingegen spiegelte dieses Massenphänomen einen schleichenden Formwandel der bürgerlichen Öffentlichkeit wider. Die individuelle Inszenierung verlor gegenüber Bekundungen politischer Gemeinschaftlichkeit an Bedeutung. „Die Uniformierung und Politisierung des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens“ habe – so der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ – einen „verhängnisvollen Umfang angenommen“, der in das tägliche Leben des Einzelnen tief einschneide und sich „naturgemäß auch im Bade“ auswirke. Überschriften im „Israelitischen Familienblatt“ wie „Der antisemitische Bäderfeldzug“ oder „Das Hakenkreuz in der Sommerfrische“ dokumentieren diesen Formwandel der bürgerlichen Öffentlichkeit im Allgemeinen und des Bäder-Antisemitismus im Besonderen. Ein Stimmungsbericht von der Nordseeinsel Juist vom Sommer 1920 macht die Radikalisierung des Bäder-Antisemitismus und die hohe Bedeutung politischer Symbolik in der Weimarer Zeit besonders deutlich:

 „Flaggen flattern am Strande, schwarz-weiß-rot und schwarz-weiß und dazwischen zwei Schweizer Fahnen mit dem Wimpel in französischen Farben. Am Tag, da Joachim von Hohenzollern sich erschoß, senkten sich einige auf Halbmast. Burgen stehen da, viele hundert, und auf dem Burggraben wird das Hakenkreuz eingemauert und weht hoch in der Luft auf den Fahnen. Sechs Juden hat ein junger Mann aus Berlin gezählt. Daraufhin entwarf er ein antisemitisches Gedicht und ließ es am schwarzen Brett des Kurhauses anschlagen. Dann berief er eine Versammlung, die Stellung nahm zur Judenfrage auf Juist. Heute abend findet bei Ankunft des Dampfers eine Demonstration am Bahnhof statt. Plakate mit dem Hakenkreuz fordern zur Beteiligung auf. Man wird zuerst das Lied ‚Deutschland, Deutschland über alles‘ singen und dann das Judenlied. Man weiß ja, daß man keine Gegenwehr finden kann, und so ist man tapfer.“ (Adolf von Hatzfeld von der Nordseeinsel Juist, in: Abendblatt 16.8.1920)

Quelle: Frank Bajohr: „Unser Hotel ist judenfrei“. Bäder-Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert.Frankfurt/Main 2003. S. 57f

Ein erneuter Verweis auf eine Dokumentation. Sie hat den Titel: „Hausbesetzer in Kreuzberg. Im Turm.“

Es ist eine Reise in eine Zeit vor etwa 30 Jahren, was jedoch eher wie 50 erscheint – sehr viel hat sich geändert mit dem Verschwinden der DDR (aber auch der vorpersonalcomputerisierten Welt). Die Freien Räume die es mal an der Mauer, besser: in deren Schatten auf der Westseite gab, sind verschwunden (angefangen vom Kubat-Dreieck bis hin zur privaten hinter-Mauer-Romantik). mom_with_child.ikl959Die Dokumentation von Backes, welcher die Haus-Besetzer-Szene in Berlin-Kreuzberg (54% der Berliner hatten damals angeblich Verständnis für die Aktivisten) zeigt, bietet einen unvermittelten Einblick in den Alltag der Hausbewohner, steht wegen der Nähe sogar vor dem vorzeitigem Abbruch. Der Alltag ist wie der Film nicht immer spannend, nichts desto trotz finden einige Aspekte Erwähnung (wie etwa dass die Bewohner Häuser bewohnen welche für preussische Offiziere gebaut wurden, selbst jedoch Sozialhilfe beziehen oder studieren) die für die heutige Auseinandersetzung mit dem Thema relevant sein könnten. „Zusammen lieben, lachen, kämpfen“ ist eine der Handlungsmaximen der Bewohner – das Kollektiv gegen das Kollektiv – und scheint wie einem Märchenbuch entnommen. Dass keine heile Welt herrscht in dem genommenen und selbstbestimmten Haus wird offenbar. Dies liegt jedoch nicht nur an dem Innen, auch an dem Außen. So wird etwa gesprochen über Gewalt, über die Konzentration von chemischen Stoffen im Wasser der ~werfer der Polizei. der_staat_sagt_halt_ikl959.comDie Dokumentation zeigt gemeinsame Träume & Ängste & Utopien und stellte unwillkürlich die Frage nach deren Wirksamkeit und Ausdruck heute. 90 besetzte Häuser gab es damals in Berlin-West und es war etwas, womit sich die Stadt durchaus ein wenig  schmückte. „Instandbesetzt“…

instandbesetzt_ikl959Die Bezugnahme auf eine Studie aus der Schweiz ist in ihrer Analyse scheinbar noch immer aktuell. Die Experten schrieben 1981:

Wir können die Augen nicht davor verschließen, dass die gewalttätigen Jugendlichen in einer Welt aufwachsen, in der sie dauernd mit Gewalt, auch mit legitimierter Gewalt, konfrontiert sind. Am Fuße des NKZ, des Neuen Kreuzberger Zentrums, steht: „Schade, daß Beton nicht brennt.“

Hausbesetzer in Kreuzberg. Im Turm (D 1981, ca. 55 Min.) von Wieland BackesDerzeit noch hier zu finden.

Eine durchhalte-Kampagne („Ich bin gut“) des Jobcenter findet sich derzeit in deren Räumlichkeiten. Für alle, die nach 50, 70 oder 90 Bewerbungen keinen Sinn mehr sehen, keine Hoffnung mehr haben einen Platz zum Arbeiten zu finden: auch nach 100 Bewerbungen besteht, ja: was besteht eigentlich. Hoffnung? Bewerben um der Bewerbung willen. („Potentiale erkennen, Chancen nutzen“) Die Frage nach der (fairen) Bezahlung der geleisteten Tätigkeit wird dabei noch nicht gestellt…

die_perfekte_bewerberin_agentur_fuer_arbeit_ikl959.com„Die perfekte Bewerberin: Eine, die auch nach 100 Absagen nicht aufgibt.“ (click pic to enlarge)

old_vs_new_gdr-1_ikl959renovated one vs. old oneold_vs_new_gdr-n2_ikl959new (above) vs. …old_vs_new_gdr-o2_ikl959old vs. …old_vs_new_gdr-n1_ikl959new vs. …old_vs_new_gdr-o1_ikl959old. (seen in dresden); click pics to enlarge!

Im Jahr 1942 wurde das für Zollhundeführer „bestehende Verbot der Hundezucht aufgehoben und das Züchten geeigneter Hündinnen gestattet. Die Kosten der Aufzucht trug das Reich. Die Aufsicht über den Zuchtbetrieb lag bei den Zollhundelehrern. Um ihnen die dafür notwendigen Kenntnisse [der Rassenkunde, Anm.] zu vermitteln, wurden sie in einer Heeresschule für Diensthunde- und Brieftaubenwesen als Zuchtwarte ausgebildet. […] Im übrigen kam es in den letzten beiden Kriegsjahren auf die Rasse der Hunde nicht mehr an. Es wurden schließlich alle Hunde genommen, die wesensmäßig den Ansprüchen entsprachen.

(Walter Eulitzer: Der Zollgrenzdienst. Bonn 1968. S. 290)

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Im deutschen Rechtsstaat wird seit einer Weile gedealt – vor Gericht, mit den Richtern und Verfahrenbeteiligten. Vielleicht hat damit auf justizieller Ebene etwas Ausdruck gefunden, was in der Gesellschaft schon immer zu finden war. Nur komisch bleibts – der Dealer in der Robe. Und eine kritische Vorstellung von etwas, das zukünftig so benannt werden könnte: Der eine hat Geld, der andere das Verfahren. Oder auch: Bist du mal angeklagt und hast genügend Finanzen  – dann kauf Dich vom Verfahren frei! Der eine dealt mit den Richtern, der Andere ist gezwungen sich von diesen Befragen zu lassen, hat vielleicht dabei nicht mal das Geld das Verfahren angemessen zu finanzieren.

[/ wildes Gedankenformulieren im Fall von Wulfs-50.000 Euro-Verfahrensendbetrag und dem stockend angelaufenen Verfahren gegen Lothar König]

(via)

update: auch im Prozess gegen einen Beschuldigten welcher in Leipzig mehrere Autos angezündet haben soll, wurde versucht zu dealen….

Aus einem Publikationsorgan der Volkspolizei während der 1950er:

die_leitungen_sind_abhoerbar.ikl959Vorsicht bei Gespraechen auf dem Polizeinetz. Die Leitungen sind abhoerbar!

In diesem Fall mal wieder „Antikommunismus“. Angstmachenwollende antisowjetische Propaganda – ein Rotarmist vor dem Kölner Dom…er_ist_bewaffnet-wollt_ihr_ihn_hier_haben_ikl959„Er ist bewaffnet – wollt Ihr ihn hier haben?“; Werbeplakat für einen westdeutschen Wehrbeitrag.

„Aus jemandem einen Soldaten machen, heißt, ihn das Gehorchen in alltäglichen Situationen lehren, die das Gehorchen auch dann noch als etwas Alltägliches erscheinen lassen, wenn die Situation alles andere als alltäglich ist. […] Da die Einübung des Gehorsams mittels (oftmals sinnlos erscheinender und einander widersprechender) normativer Forderungen erfolgt, die sich auf einen routinisierten Alltag beziehen, außerdem jene Ausbildungssituationen, die sich auf den Kampf beziehen, fiktiv sind, tritt das eigentliche Ziel der militärischen Ausbildung, im Ernstfall mit dem Töten ernst zu machen, auf eigentümliche Weise in den Hintergrund – eine der Vorraussetzungen dafür, dass das Töten als ‚Handwerk‘ gelernt werden kann.“

(Hubert Treiber – Wie man Soldaten macht. 1992 S. 397 f)

kommuismus_globe_propaganda_1961-ikl959.com(the sovjetstar wear on, the globe follows on the way to communism; propaganda 1961)

Weil heutzutage der Begriff Kommunismus so gern unkritisch Verwendung findet hier der Beginn einer Bildserie mit kommunistischer Propaganda (mal sehen wie lang die wird…). Teil 1 aus dem Jahr 1961:

Programm des Kommunismus.  Востокprogramm_des_kommuismus_1961-ikl959.com

(„Das sind die Zeichen unsrer Zeit:

Vom Himmel hoch hat’s neuerdings geklingelt!

Auf Posten gegen die Vergangenheit

umrauscht ein rotes Weltraumschiff die Erde.

Schubkraft? Das Kommunistische Programm.

Die Völker sehen fröhlich sich umarmt,

und ihre Feinde wissen sich umzingelt.

Paul Wiens)

Der Mythos um die Bombardierung der Stadt Dresden im Jahr 1945 ist so alt wie teilweise ungeheuerlich. Und das Gedenken daran bis heute umstritten. Die Gedenken müsste es wohl treffender formuliert werden, denn es gibt derer einige:

Aus Anlass der Bombenangriffe auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 und mit Blick auf die Geschichte unserer Stadt erinnern wir an die Opfer von Nationalsozialismus und Krieg. (src)

menschenkette_dresden_2013_ikl959(geplante Menschenkette über zwei Elbbrücken zum 13. Februar 2013 in Dresden)

Wir? Wir:

Die Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden […] gemeinsam mit den Fraktionen des Stadtrates, Vertreterinnen und Vertretern von Wirtschaft und Wissenschaft, Kultur, Sport,  Gewerkschaften und Kirchen, mit der Jüdischen Gemeinde und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren [und, Anm.] alle Bürgerinnen und Bürger […]. Menschenkette am 13. Februar 2013 Auftakt 17.00 Uhr am Rathaus (Brunnen hinter dem Rathaus, gegenüber der Kreuzkirche) Zusammenschluss um 18.00 Uhr (src)

Es soll ein Gedenken sein an die „Opfer des NS und des Krieges“. (waren nicht alle Opfer des Nationalsozialismus? – Nein.) Selbst bei den Toten wird kategorisiert – jedoch andere Kategorien als z.B. Jean Amery gefunden hat (s.u.). Die Sinnlosigkeit des Sterbens in diesem Krieg des deutschen Volkstaumels für eben jene idealisierte und ideologisierte völkische Einheit kristallisiert sich bis heute ungerechtfertigter Weise in dem Opfergedenken einiger Dresdner und angereister Revisionisten. Dieses Gedenken, welches zu oft nur im luftleeren Raum stattfindet bzw. die eigentlich von der Volksgemeinschaft  gestärkte ultimative Opferrolle (=deren Tod) der anders Definierten & Gekennzeichneten selbst einzunehmen gedenkt/eingenommen hat/einnimmt. Der als anders wahrgenommenen fremde Teil, ja zum Teil verfremdete Teil der Volksgemeinschaft, wird dem eigenen Leid gleichgesetzt oder schlicht verneint. Jean Amery formulierte treffend:

“Da  und  dort  wird  vielleicht  jemand  einwenden, dass  auch  der  Frontsoldat ständig  [zu ergänzen wäre wohl: und auch die an der Heimatfront irgendwann, es war ein „totaler und radikaler Krieg“ – O-Ton-Goebbels – Anm.] vom  Tode umfangen war und dass darum der Tod im Lager nicht eigentlich einen spezifischen Charakter und eine unvergleichliche Problematik hatte. Muss ich erst noch sagen, dass dieser Vergleich untauglich ist? Der Soldat starb den Helden – oder Opfertod: der Häftling den des Schlachtviehs. Der Soldat wurde ins Feuer getrieben, und sein Leben war nicht viel wert, das ist wahr, dennoch war ihm vom Staate nicht das Sterben verordnet, sondern das Überstehen. Des Häftlings letzte Pflicht aber war der Tod.” (src)

Im Verbecherverlag jüngst ein Buch erschienen (fast schon zu spät), welches das Gedenken an die Bombardierung Dresdens ganz abschaffen möchte. Inhaltlich habe ich keinen Einblick genommen, die Textankündigung des Verlags lautet:

Dresden, imaginiert als die schöne, unschuldige Kunst- und Kulturstadt, ist das deutsche Opfernarrativ schlechthin – unnötig bombardiert, kurz vor Ende des Krieges mit »Hunderttausenden Toten«. Die alliierten Luftangriffe vom 13. bis 15. Februar 1945 bilden einen festen Bezugspunkt der Erinnerung und des Gedenkens in Dresden. Durch die Jahrzehnte war die Stadt Kulminationspunkt und Ausdruck jeweils aktueller Geschichtspolitik. Sie präsentiert sich als Symbol für Frieden und Versöhnung und inzwischen
sogar für wahrhaftiges Erinnern gegen geschichtsrevisionistische Nazis. Nicht zuletzt aufgrund des jährlichen Naziaufmarsches werden nun Mythen hinterfragt, Fakten erforscht und die  nationalsozialistische Geschichte Dresdens benannt. Aber reicht das? Muss nicht vielmehr das Gedenken selbst abgeschafft werden? Dieser Band sagt: ja! (src)

Soviel Geschichtsverdruss… Dabei würde vielleicht schon ein anderes Gedenken (inhaltlicher & formaler Art) reichen, oder gibt es etwas gegen denken gehen einzuwenden? Die victimisierte Haltung einiger erinnernder Versammlungen in der Stadt heute hätte vermutlich auch gut zum alljährliches Gedenken an der Ruine (=dem Opfer, dem Niederlagenresultat, der anschaulich gemachten Zerstörung) der Frauenkirche gepasst (dort wurden mit imperialismuskritischen Attitüden giftige Worte und Aussagen gegenüber dem sinnlosen anglo-amerikanischen Bombenterror verlautbart). So sah das alljährliches Gedenken zu DDR-Zeiten am Denkmals-Schuttberg  Frauenkirche während der 1980er aus:

_frauenkirche-dresden-ruine-1980er-ikl959.com

Heute sitzt & schlendert man wieder hindurch, durch die wieder aufgebaute Altstadt am Neumarkt. Man ist wieder drinnen, im warmen und bunten, musikalischeren (& auch wieder verkompletierten Bild) der barocken Stadt. Der Versuch heute etwas aus der Geschichte gelernt zu haben wird am deutlichsten in einer Kampagne, welche  Wörter stark machen will, schlicht: Werte einfordert über deren Inhalt und Definition sich lange diskutieren ließe.

13.februar-dresden_bekennt_farbe_ikl959(„13. Februar 2013 Mit Mut, Respekt und Toleranz – Dresden bekennt Farbe„, gesehn in Dresden)

Diese Kampagne der Stadt Dresden ist ein Signal. & es ist gleichzeitig schon im Vorhinein des 13. Februars ein Moment, der (Volks-?)Gemeinschaft suggeriert die so schon lange nicht mehr existiert. Und wenn: dann nur einmal im Jahr – am 13. Februar. Oder eben auch (in anderer Form) während des Jahre im nationalen scheinbar kollektiven Fußballtaumel. Das Gedenken an die Bombardierung Dresdens wird & sollte m.M.n. nicht in Vergessen geraten. Weshalb? Weil sich vor, aber auch nach der Bombardierung der Stadt die Spuren der massenhaften Menschenvernichtung der als minderwertig, gefährlich, rebellisch, schlicht: aus der Gesellschaft auzuschließender Elemente, finden ließ:

„[…] [Es] war mehr als eine Ironie des Schicksals, dass bei den Leichenverbrennungen nach den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 Überreste jener Wachmannschaften [unter der Bezeichnung SS Bataillon Streibel, Anm.] tätig waren, die die gleiche ‚Praxis‘ in den Vernichtungslagern der ‚Aktion Reinhardt‚ und nach den Massenerschießungen der ‚Aktion Erntefest‚ […] ausgeübt hatten.“

(Wolfgang Scheffler: Probleme der Holocaustforschung, S. 281; in: Deutsche Polen Juden, Berlin 1987)

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Der Tod wurde ein Meister wegen Deutschland. Der Tod wird kein Meister gegen Deutschland.

(part I 2013 hier; Dresden 2010; Dresden 2011, Dresden 2012, to be continued…)

13.feb.2010-dd_hansastr_ikl959_(Dresden Februar 2010, Hansastraße/Bischofsweg)

Wie siehts aus derzeit im Freistaat? Einige Urteile wurden gefällt. Auch in Zusammenhang mit den alljährlichen Ereignissen im Februar. Einiges erscheint leicht als der Versuch die Staatskasse aufgrund von Straf-Zahlungen von widerspänstigen Geistern finanziell zu bespülen; ach nein, es wird eingesperrt. Hinzukommen so Sachen wie die „Absprechung der Immunität von Abgeordneten“ (von Hahn bis Lichdi, um gegen jene ermitteln und ein Verfahren einleiten zu können) welche sich an den Protesten gegen den victimisierten Trauermarsch der Rassisten beteiligten. In Sachsen-Anhalts-Landeshauptstadt Magedburg verlief der Nazi-Marsch zuletzt nicht ganz unerfolgreich, siehe das Bild:magdeburg_nazidemo_route_2013_ikl959& die Naziroute hier; immerhin: weniger Innenstadt als die Jahre zuvor, doch ist das relevant?). Die Polizei musste den Nichtdemokraten ihr demokratisches Recht zugestehen & deren deutsche Weltanschauung sicher auf die Straße tragen.

Die Strategie scheint erkennbar: Nazis laufen lassen & Protestierende festsetzen/verhaften. Letzten Endes ja sogar nachvollziehbar – in der Öffentlichkeit taucht kaum etwas über verletzte Menschen durch einen Naziaufmarsches auf; statt dessen Berichte über gefrustete Gegendemonstranten bzw. die Versuche den Rassisten den Weg zu verbauen. All dies lässt erahnen wie sich Dresden in etwa einem Monat anfühlen könnte. Der Eventcharakter (und damit vielleicht sogar schon bedeutsam für Tourismus & sonstwas in der Barock-Stadt) hat sich die letzten Jahr gut entwickelt. Für die sächsische Landeshauptstadt ist es das Jahres-Großereignis; (die Menschenanzahl die sich im Stadtgebiet bewegte findet sich sonst nur bei Fussballnationalspielen mit deutscher Beteiligung; 2010 wurde der große Februar-Umzug der aus ganz Europa angereisten Trauermärschler durch die Stadt erstmals verhindert – am wenigsten durch die bürgerliche Veranstaltung der Stadt jenseits der Elbe, sondern durch die massenhaft – auch von Auswärts angereisten – in der Kälte harrenden Blockierer & spazierenden Anwesenden diesseits der Elbe – Fussballspielen hätte vielleicht dem ein oder anderen besser getan, vor lauter Langweile) 13.feb.2010-dd_ikl959(Friedensstr., Dresden Februar 2010)

Wie wirds 2013 in Dresden aussehen? Einfach, wichtig und richtig bleibt die Kritik & das Mobilisierungspotential gegen den Braun-gefärbten Umzug in Dresden, schon weil das über die Jahre zu einem Event geworden ist an dem Niemand fehlen sollte. Oder so… „Naiv“ und „seltsam komisch“ erscheint im Rückblick ein Foto aus dem Jahr 2010 (unbekannt da noch die Ereignisse um die zur Tat schreitenden mordenden nationalen Untergründler, von einigen Publikationsorganen nichts weniger als diffamierend als „Dönermorde“ bezeichnet…):13.feb.2010-dd_nazis_essen_heiml.doener_ikl959to be continued…

Was zeigt der NSU und die darauf folgende Medien-Welle eigentlich? Redok über einen Bombenanschlag des NSU in Wurzen, wo noch nicht bekannt war, welches organisierte Ausmaß die selbsternannte Nationale-Guerilla-Gruppe haben sollte (am Ende ist es nur die Hälfte welche bekannt wird, die andere wurde schon geschreddert…):

Der jüngste Anschlag [November .2004, Anm.] zeige, dass die Rechtsextremen nach dem Wahlerfolg der NPD bei der Landtagswahl in Sachsen im September jetzt zum „offenen Angriff“ auf linke Demonstranten und Andersdenkende übergingen, ohne das dies zu Protesten in der Bevölkerung führe. (src, via)

Was gilt es auch zu Protestieren – ein Sachschaden. Aber selbst bei schlimmerem: Menschen sterben doch immer und überall. Dabei ist jedoch auch zur Entschuldung der Wurzner zu sagen, dass die Schäden des NSU-Anschlags 2004 überschaubar blieben, wie hier verzeichnet ist. Doch ich würde zweifeln dass es bei einem ermordeten Menschen zu Protesten gekommen wäre, im Gegenteil: in der sächsischen Provinz wird man gern mal selbst aktiv um eben jene zu verdeutschen:

Die Rufe „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“, die den Überfall [von einer etwa 50 deutschköpfigen Gruppe in Mügeln 2007, Anm.] begleitet hatten, kommentierte er [der Bürgermeister Mügelns, Gotthard Deuse, Anm.] mit den Worten: „Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen.“ (src)

In was für einer Zeit leben wir eigentlich, wtf? Mügeln 2007:
muegeln-sachsen_doku-inder-ueberfall_2007_ikl959

In Dresden waren Ende 2012 ein oder zwei Haufen junger Menschen unterwegs um in der Neustadt Flyer zu verteilen. Sie wiesen darin auf eine Veranstaltung hin, die in wenigen Tagen (07. Januar) in Dessau stattfinden soll, versuchten des weiteren über die Hintergründe des Todes von Oury Jalloh zu berichten.oury_jalloh_spontandemo_dresden_flyer(der Text ist auch bei Indymedia zu finden)

Am 7. Januar soll in Dessau an den Tod von Oury Jalloh erinnert werden, der 2005 auf einer feuerfesten Matratze in der gefließten Polizeizelle Nummer fünf verbrannte (er verstarb an einem Hitzeschlag – die Staatsanwaltschaft im Jahr 2010: „Die Todesursache sieht das Gerichtsmedizinische Institut in einem sogenannten Hitzeschock, weil aufgrund der Flammenentwicklung sich Temperaturen bis 345 Grad Celsius nach zwei einhalb Minuten, entwickelt haben. Das führt zu einem schlagartigem Atemstillstand und dem Herztod.„;  anders als der zwei Jahre zuvor in der selben Zelle an einem Schädelbasisbruch gestorbene Mario Bichtemann)…

plakata3_initiativeouryjalloh(src)

Verwiesen sei nochmals auf einen Film und ein Hoerstück, welche die Ereignisse und Folgen des Unfassbaren darzustellen versuchen.

Nach einer Weile mal wieder eine Liste mit „Hoerenswertem Kram“ (von v.a. oeffentl.-rechtl. Anstalten)…

Hoerenswertes Teil 6 hier zu finden. In Folge hier im Blog weitere Ergänzungen.

40 Jahre Mordmission von Terroristen auf israelische Sportler während der Olympiade in München (via):

  1. Der Überlebende Shaul Paul Ladany im Gespräch mit Jochanan Shelliem, (DLF, 29 Min) download
  2.  Die Hinterbliebene Ankie Spitzer im Gespräch mit Jochanan Shelliem (DLF, 29 Min) download

Und fragwürdig unterhaltsam: Frau Domscheit-Berg von der Piratenpartei (download, lohnt sich aber bis auf die täglich neuen Schmetterlinge aus dem Bauch? -s.u. – nicht wirklich sich anzuhören, habs auch nicht komplett geschafft, 44 Min):

Was ich auch richtig gern mache, im Garten: ich sehe fast jeden Tag einen Schmetterling, den ich vorher noch nie gesehen habe [Anm.: Hierzulande gibts es vielleicht eine Hand voll verschiedene Schmetterlinge im Garten zu sichten]. Und da gibt es auch mehrere kleine Apps wo ich Schmetterling identifizieren kann, und dann weiß ich genau, es ist ein soundso Falter und freu mich da einfach dran. (3.30 Min) ]

Ergänzungen über interessante Podcasts in Folge. Hoerenswertes 5 im übrigen hier zu finden.

update:

  • DRS: Marie Luise Knott über das Verhältnis Hannah Arendts zum Zionismus (30 Min) download (via)
  • SWR2 Wissen: Zwang und Gewalt in der Psychiatrie (28 Min) download
  • WDR Zeitzeichen: 1967 – Die Hippies (15 Min) download

-> weiteres siehe auch Kommentare hier

-> hoerenswert im übrigen im Moment das SWR2 Archivradio mit einer (zumindest akustischen) Rückversetzung in die Zeit des Deutschen Herbst (RAF) und dessen Folgen bis in die 1990er

 

update:

HR2 Doppelkopf: Georg Kreisler (42 Min) download

NDR Forum: Rostock Lichtenhagen – Vor 20 Jahren und heute (30 Min) download