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Category Archives: Sehenswertes

Das Leben in der Stadt – weniger Platz für Tiere und Menschen? Naja, die Nischen werden gesucht. Einige mit der Zeit genommen, wie u.a. das von der Räumung bedrohte Projekt „Rote Flora“ in Hamburg. Heute sind einige tausend Menschen unterwegs, in der Hansestadt, um ihren Unmut darüber auf die Straße zu tragen. Doch genau diese ist zu einem Rechts-freien-Raum geworden. Es wurde ein Ausnahmezustand verhängt. Menschen können & werden ohne Verdacht von der Exekutive kontrolliert, Platz-verwiesen oder verhaftet aka gewahrsamgenommen (welt.de). Was wird heute in Hamburg noch alles passieren?

Ein paar Stadtfüchse begannen im Sommer nach Einbruch der Dämmerung miteinander zu spielen, sich im Sand zu wälzen, Mülltonnen zu plündern. Auf etwa einen Meter konnten wir uns den (gar nicht mehr so wild erscheinenden) Wildtieren nähern. fox-vs-light(Illuminated fox, seen in Dresden; click pic to enlarge)

Dazu fiel mir das Lied von Shaban & Käptn Peng ein:shaban_käptn-peng-sie_mögen_sichListen it on yt.

„Mein wahres Wesen ist kein Fuchswesen.“

Eine Frau, die ihr Können in den Dienst eines Regime stellte welches den Krieg verherrlichte und den Tod heroisierte, ist Leni Riefenstahl (1902-2003). Der Film „Das blaue Licht“ (Zusammenfassung: eine Art Bergmärchen, die Bedrohung durch den Berg, die Entzauberung und Zerstörung der Welt) zeigt sie in der Hauptrolle.

leni_riefenstahl03-ikl959.comEs ist ihr erster eigener Film, der zusammen mit dem Filmtheoretiker und -produzenten Béla Balázs 1932 entstand. Doch es scheint vor allem ihr Produkt – sie übernahm neben dem Drehbuch und der Hauptrolle auch Produktion, Schnitt und „Bildgestaltung“ (erzählt sie auch hier -4 Min; mögliche Einflüsse durch Béla Balázs sollten jedoch nicht abgestritten werden). Viele Rezensionen sind sich einig, dass die Autorin es verstand mit den Mitteln der Cinematografie etwas in Szene zu setzen – sich.
leni_riefenstahl02-ikl959.comIhre Rolle ist die einer außerhalb der Gesellschaft lebenden – von der Dorf-Gemeinschaft gemiedenen, beargwöhnt, auch gejagten – Bergbewohnerin. Den Filmkonsumenten wird sie auch als eine Frau gezeigt, die sexuelle Assoziationen weckt (Zizek sagt eh: alles Freud…).  „Das blaue Licht“ (watch) ist einer der Filme, durch welchen die Nazis um Hitler und Goebbels auf die Person Riefenstahl und ihr filmisches Können aufmerksam wurden. leni_riefenstahl-ikl959.com Leni Riefenstahl stand später mehr hinter, als vor der Linse, tauchte dann mit Linse vor dem Helm ganz ab. Ihre Begeisterung für die Tiefsee Jahre später wirkt letztlich wie eine Absage an die Oberfläche, von der sie sich in eine menschenleere Umwelt zurückzog – missverstanden und zu Unrecht geschelten. Der Film „Das blaue Licht“ sei insofern „eine Voraussage meines eigenen Schicksals„.

Es sollte immer wieder gefragt werden: wie groß war die Ablehnung der Gesellschaft nach 1945 gegenüber ihrem Schaffen zwischen 1933 bis 1945 wirklich? Wie kritisch ist der Umgang mit ihr heute? Und: was hat sie da eigentlich für den bis 1945 existierenden deutschen Staat gemacht? Auch wenn vermeintlich apolitisch aktiv so wusste sie doch um die Radikalität der Ideen, vom Inhalt ganz zu schweigen. In jedem Fall hat sie, wie viele andere nicht nur unter den Kunstschaffenden, die von dem Regime gebotenen Bequemlichkeiten genossen und die neuen Möglichkeiten genutzt – um sowohl den Auftraggeber zufrieden zu stellen als auch um am großen deutschen Kriegs-Volks-Projekt teilzuhaben und dieses mitzugestalten.

vgl. zum Thema auch: „was blieb sind mehr als Bilder„, „gesichtslos – Opfer wie Täter

Das Thematisieren von angewandter Überwachung durch staatliche Organisationen, welche zuletzt aufgrund einiger Ereignisse (etwa das intensive Mithören/-tagging von Kommunikation/sdaten) durch die Medien gingen, ist eines. Der Grund, weshalb dies zum Thema werden konnte war das Veruntreuen von Dokumenten aus behördlichen Einrichtungen und deren Veröffentlichung. Letzteres – weil es gegen den Willen der Institution war – der Moment, welcher tatsächlich einen Einblick in die täglichen Abgründe zu ermöglichen schien und scheint. Unangenehm bleibt im Nachhinein das Gefühl sowohl für die staatliche Führung als auch den Staatsbürger wenn privates öffentlich wird. Nur haben letztere ein Recht auf Privatsphäre – in rechtsstaatlichen Gebilden ist dies formell verankert.

public_vs_privateAndererseits ist das Phänomen des Leak kein neues – weitere Fälle von Whistleblowing hier (vom Lastwagenfahrer bis zum Diplomaten). Nichtsdesto trotz ist das ungenehmigte Veröffentlichen noch heute ein wirkungsmächtiges Instrument um nicht nur politische Debatten anzustoßen und zu verstärken. Dies wird auch im Film über den Edward Snowden e.g. Bradley aka Chelsea Manning der 1970er Jahre deutlich –  Daniel Ellsberg.

daniel_ellsberg_(Daniel Ellsberg)

Damals – während der 1960er – gab es einen Krieg in Vietnam welcher für die amerikanische Regierung länger dauerte als lieb war und die Kriegs-Opposition mit jedem weiteren Monat stärkte. Die Verlautbarungen der Regierenden waren über die Regierungswechsel hinweg nicht mit dem identisch was inoffiziell schon anerkannt war und verhandelt wurde. Ein junger Mann mit Namen Ellsberg vermochte es einen ganzen Haufen Akten aus dem Pentagon zu kopieren und an Publikationsorgane weiter zu geben.

Die Dokumentation „The Most Dangerous Man In America“ vollzieht die Geschichte und Entscheidung Ellsbergs zu diesem Schritt und seine Motivation nach. Der Film macht auf englisch um einiges mehr Sinn als die deutsche Synchronisierung, da der Hauptprotagonist schließlich den Zuschauenden selbst über sich und die Ereignisse berichtet. (klick here; 93 Min, eng)

Eine Einschätzung der jüngsten Leaks durch Daniel Ellsberg findet sich im Guardian unter dem Titel United Stasi of America. Darin:

[…] The NSA, FBI and CIA have, with the new digital technology, surveillance powers over our own citizens that the Stasi – the secret police in the former „democratic republic“ of East Germany – could scarcely have dreamed of. Snowden reveals that the so-called intelligence community has become the United Stasi of America. […] (src)

Provokation mithilfe der Übertragung von vermeintlich genuin kommunistischen aka staatssozialistischen Repressions- und Überwachungsmethoden auf die Vereinigten Staaten von Amerika das Stilmittel? Am Ende gar eine (altersbedingte) Enttäuschung welche zu radikalen Vergleichen verleitet? Schließlich wurde Ellsberg damals, 1973, – im Gegensatz zu Manning heute – für sein Vergehen freigesprochen. Der heute über 80 jährige animierte bis zuletzt zu Leaks und beteiligte sich an diversen Protesten.

click pics to enlarge!gadfly_total(gadfly total)

gadfly_detail2(gadfly detail close)

here another gadfly-macro-pic

Während sich in Leipzig zu einer Soli-Demo zu den Protesten in Istanbul  (welche gegen die geplante Einebnung eines Parkes zugunsten eines Kaufhauses begannen, schell zu einer Partei übergreifenden Regierungsopposition heran wuchsen) weniger Menschen zusammen fanden als bei einem wenige Tage später in Leipzig stattfindenden Michael-Jackson-Gedenkmarsch ist die Situation in der Türkei derzeit durchaus interessant.

kadnilar

Sie zeigt wie die Protestbewegung aussah, wogegen der türkische Staat so rigoros vorging (vier tote Zivilisten, ein toter Polizist; über 8000 verletzte Demonstrierende, etwa 3300 Verhaftungen). Derzeit jedenfalls wehrt sich die Regierung der Türkei mit Verhaftungs- und Anklagewellen gegen organisierte Menschen, wie hier nachzulesen ist.

Bei google aka yt ein sehenwerter Einblick in 14 Tage Ausnahmezustand zu finden (via).

istan_rise

Es geht um die Besetzung des Parkes (also die Zeit vor dessen Räumung vor knapp einem Monat, Mitte Juni;

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Claudia Roth weiß aus eigener Erfahrung und Augenzeugenschaft einiges zu berichten siehe hier) und die sich herausbildenden Organisationsstadien und das selbstbewusste Auftreten. Es zeigt einprägsam was hiesige Protestbewegungen erfolgreicher und lauter machen könnte: eine breite Solidaritätswelle der Bevölkerung – auch ältere Mitbürger gebärden sich rebellisch; wenige/viele Entschlossene; ein wenig Volksfeststimmung

volksbeweg

Unternehmungsgeist; Trommeln und Töpfe zum rhythmisieren & einiges mehr; wie

festung

(a) das Gefühl an etwas Aufregendem und Nachhaltigem mitzuwirken, 

revol

(b) eine Revolution zu starten oder mitten drin zu sein oder (c) religiöse/soziale/kulturelle/politische Fragen); der Film lässt ein wenig Interpretationsspielraum und wird dadurch interessant.

Derzeit jedenfalls ereignen sich scheinbar repressive Dinge – vor allem der juristische Hebel wird derzeit gedrückt, um das eigene entschiedene Handeln im Nachhinein zu legitimieren und eine weitere Organisierung von Protest und ein weiteres Aufflackern der wütenden Rebellion zu unterbinden.

ours

11.07.2013: Der Gezi-Park wurde inzwischen wieder eröffnet, und seit Dienstag stellen Stadtbedienstete jeden Abend Dutzende Tische auf dem Taksim-Platz auf, wo sie zum Fastenbrechen Hunderte Menschen mit Reis, Hühnchen und süßem Gebäck bewirten. Ein festliches Bild und eine alte Sitte zur wohltätigen Speisung der Armen, der in Istanbul auf rund 50 öffentlichen Plätzen mit Steuermitteln nachgekommen wird. Doch bedürftige Anwohner aus dem Viertel Beyoglu finden keinen Platz an den Tischen, die besetzt sind von gutbürgerlichen Familien und Freundeskreisen aus den konservativ-islamischen Vororten Istanbuls. (src)

Ein Einblick in die Vergangenheit um zu verstehen was Momentan passiert – das Heute bricht sich an dem (verklärten) Aktionismus vergangener Tage…
gezi

 

Seltsam war es zu sehen wie den Häusern in Halle die Augen zugemauert wurden. Dies passierte meist in den unteren Etagen/Parterre-Wohnungen. Doch es gibt auch (wie hier an der Merseburger-Straße in Ammendorf) die zugemauerten Fenster in der obersten Etage. Ein Grund dürfte in der damit einhergehenden finanziellen Erleichterung für den Besitzenden liegen. halle_zugemauert_ecke

 

side_spider_macro(spider in macro)

—> Here you can find a *.pdf with some more pictures of this spider you never have seen before<—… Maybe it cause Arachnophobia.

wie_leben_nordbad_dd_ikl959.com Wir leben – Wie leben? (seen in Dresden @ Nordbad)

Ein erneuter Verweis auf eine Dokumentation. Sie hat den Titel: „Hausbesetzer in Kreuzberg. Im Turm.“

Es ist eine Reise in eine Zeit vor etwa 30 Jahren, was jedoch eher wie 50 erscheint – sehr viel hat sich geändert mit dem Verschwinden der DDR (aber auch der vorpersonalcomputerisierten Welt). Die Freien Räume die es mal an der Mauer, besser: in deren Schatten auf der Westseite gab, sind verschwunden (angefangen vom Kubat-Dreieck bis hin zur privaten hinter-Mauer-Romantik). mom_with_child.ikl959Die Dokumentation von Backes, welcher die Haus-Besetzer-Szene in Berlin-Kreuzberg (54% der Berliner hatten damals angeblich Verständnis für die Aktivisten) zeigt, bietet einen unvermittelten Einblick in den Alltag der Hausbewohner, steht wegen der Nähe sogar vor dem vorzeitigem Abbruch. Der Alltag ist wie der Film nicht immer spannend, nichts desto trotz finden einige Aspekte Erwähnung (wie etwa dass die Bewohner Häuser bewohnen welche für preussische Offiziere gebaut wurden, selbst jedoch Sozialhilfe beziehen oder studieren) die für die heutige Auseinandersetzung mit dem Thema relevant sein könnten. „Zusammen lieben, lachen, kämpfen“ ist eine der Handlungsmaximen der Bewohner – das Kollektiv gegen das Kollektiv – und scheint wie einem Märchenbuch entnommen. Dass keine heile Welt herrscht in dem genommenen und selbstbestimmten Haus wird offenbar. Dies liegt jedoch nicht nur an dem Innen, auch an dem Außen. So wird etwa gesprochen über Gewalt, über die Konzentration von chemischen Stoffen im Wasser der ~werfer der Polizei. der_staat_sagt_halt_ikl959.comDie Dokumentation zeigt gemeinsame Träume & Ängste & Utopien und stellte unwillkürlich die Frage nach deren Wirksamkeit und Ausdruck heute. 90 besetzte Häuser gab es damals in Berlin-West und es war etwas, womit sich die Stadt durchaus ein wenig  schmückte. „Instandbesetzt“…

instandbesetzt_ikl959Die Bezugnahme auf eine Studie aus der Schweiz ist in ihrer Analyse scheinbar noch immer aktuell. Die Experten schrieben 1981:

Wir können die Augen nicht davor verschließen, dass die gewalttätigen Jugendlichen in einer Welt aufwachsen, in der sie dauernd mit Gewalt, auch mit legitimierter Gewalt, konfrontiert sind. Am Fuße des NKZ, des Neuen Kreuzberger Zentrums, steht: „Schade, daß Beton nicht brennt.“

Hausbesetzer in Kreuzberg. Im Turm (D 1981, ca. 55 Min.) von Wieland BackesDerzeit noch hier zu finden.

Ein sehenswerter, da in seiner Form und Umsetzung überaus ästhetisch und (manchmal alles andere als) kleinteilig, kritischer und fast zeitloser Film (der unausweichlich ein Abbild seiner Entstehungszeit ist, der jedoch die industriellen Prozesse und Entwicklungen markant heraus präpariert welche noch heute wirken) ist eine Dokumentation von Hartmut Bitomsky: Der VW-Komplex (1989). vw_komplex-das_volkswagen_werk_und_die_deutsche_arbeitsfrontEin Blick in die Vergangenheit und Anfänge der Autofabrik ist ebenso enthalten wie ein Blick in die Zukunft. In der Dokumentation von Bitomsky geht es um einen VW-Komplex – so wird auch die Architektur und Stadtplanung der (als wenig lebenswert dargestellten) Autostadt Wolfsburg gezeigt. In Analogie zu den ersten Filmaufnahmen der Cinematographie (Arbeiter verlassen die Fabrik, der Gebrüder Lumiere) werden Arbeiter beim Verlassen der VW-Fabrik Ende des 20. Jahrhundert gezeigt. Es scheint sich zunächst nichts geändert zu haben. Der Arbeiter wird gezeichnet im Spannungsverhältnis zwischen seinem Dasein als Individuum und der gesichtslosen arbeitenden Masse. Die Frage nach der Erwerbsarbeit und dem Verhältnis zu den Menschen entwickelt sich zu einer immer wieder zu findenden Fragestellung. Immer wieder wird auch das Spannungsverhältnis der stetigen Technisierung und Enthumanisierung der Industrie offenbart – der Mensch in Konkurrenz zur Maschine (oder umgekehrt?).

Die Werkstätigen sind VWs stärkste Kundenschicht. Ein Zehntel der Produktion geht an sie. Mit jedem Arbeitsplatz der irgendwo abgebaut wird geht ein potentieller Autokäufer verloren. […] Ein Verkehr lässt sich vorstellen, der Autofahrer nicht mehr benötigt, ebenso die Autofabrik, den Arbeiter. Es gibt den Zusammenhang von Autofahren und Industriearbeit.

Es verschwinden nicht nur die Arbeitsplätze, es verschwindet die Arbeit selbst. Was damit verloren geht ist noch gar nicht auszudenken. (src: VW-Komplex)

vw_komplex-kaefer_und_arbeiter_Gewiss ist die Diskussion um Erwerbsarbeit und Industrialisierung kein neues Themenfeld. Mit dem von heute aus gesehen Zeitsprung um über zwanzig Jahre zurück wird der offensichtliche Grad menschlicher Abhängigkeit (richtiger: der Industrieproduktion) von der Robotik um einiges eindrücklicher. In der Dokumentation werden die Besonderheit (die Nazis finanzierten sich über Anlagen von privaten Einzahlern ihre Kübelwagen für die Front; zunächst waren Zwangsarbeiter eine billige auszubeutende Arbeitskraft) und der spätere und anhaltende Erfolg des deutschen Projekts Volkswagen nach gezeichnet, hinterfragt, angedeutet. Film (D 1989, 90 Min.) derzeit noch hier zu finden.

http://streetfiles.org/photos/detail/1786348(src, via)

1363866087(src)

Im deutschen Rechtsstaat wird seit einer Weile gedealt – vor Gericht, mit den Richtern und Verfahrenbeteiligten. Vielleicht hat damit auf justizieller Ebene etwas Ausdruck gefunden, was in der Gesellschaft schon immer zu finden war. Nur komisch bleibts – der Dealer in der Robe. Und eine kritische Vorstellung von etwas, das zukünftig so benannt werden könnte: Der eine hat Geld, der andere das Verfahren. Oder auch: Bist du mal angeklagt und hast genügend Finanzen  – dann kauf Dich vom Verfahren frei! Der eine dealt mit den Richtern, der Andere ist gezwungen sich von diesen Befragen zu lassen, hat vielleicht dabei nicht mal das Geld das Verfahren angemessen zu finanzieren.

[/ wildes Gedankenformulieren im Fall von Wulfs-50.000 Euro-Verfahrensendbetrag und dem stockend angelaufenen Verfahren gegen Lothar König]

(via)

update: auch im Prozess gegen einen Beschuldigten welcher in Leipzig mehrere Autos angezündet haben soll, wurde versucht zu dealen….

Aus einem Publikationsorgan der Volkspolizei während der 1950er:

die_leitungen_sind_abhoerbar.ikl959Vorsicht bei Gespraechen auf dem Polizeinetz. Die Leitungen sind abhoerbar!

Gescheiterte Freundschaftswerbung? Irritierend & erheiternd bleibt es…bei_den_genossen_der_polnischen_volksarmee-ikl959(„BEI DEN GENOSSEN DER POLNISCHEN VOLKSARMEE“, aus NVA-Journal)

In diesem Fall mal „Antikommunismus“:antikommunismus_in_muenchen-1960

Bolschewistische
Agenten
propagieren den
Kommunismus
Afrikaner werden in
Moskau zu
Agenten…

Der K….
nütz…

DDR-Bildunterschrift: „Diese antikommunistische Hetzaustellung gehörte wie Bundeswehrzeltlager und NATO-Gebetsstunden zum Programm des Eucharistischen Weltkongresses (München 1960). Der evangelische Kirchentag dieses Jahres [1961, Anm.]  aber soll ein noch gefährlicherer Höhepunkt des kalten Krieges werden. Deshalb die Wahl der Frontstadt Westberlin als Tagungsort.“ (Juli 1961)

e-t-und-t1Erst ist dem Tod kalt.e-t-und-t2Dann ist der Ente kalt.e-t-und-t3

Lange schaute er der Ente hinterher.

Als er sie aus den Augen verlor war der Tod fast ein wenig betrübt.

Aber so war das Leben.

(src via d.t., thx!)

kommuismus_globe_propaganda_1961-ikl959.com(the sovjetstar wear on, the globe follows on the way to communism; propaganda 1961)

_asteroid2012_da14_closest_distance_to_earth_screenshot_animation_ikl959.com(screenshotsrc; 2013.02.15: Distance to earth: 1,620,000 Miles ~ 27.700 km; nur einer von vielen in der letzten Zeit entdeckten Erdbahnkreuzern? „1990 kannte man 72, 1999 schon 515,  2003 waren es 1386 Erdbahnkreuzer. 2010 sind 4789 bekannt gewesen.“(src) Es ist davon auszugehen dass es heute noch mehr sind. Bleibt die Frage ob es wirklich mehr oder wir nur sensibler geworden sind? via t.r. thx!)

Weil heutzutage der Begriff Kommunismus so gern unkritisch Verwendung findet hier der Beginn einer Bildserie mit kommunistischer Propaganda (mal sehen wie lang die wird…). Teil 1 aus dem Jahr 1961:

Programm des Kommunismus.  Востокprogramm_des_kommuismus_1961-ikl959.com

(„Das sind die Zeichen unsrer Zeit:

Vom Himmel hoch hat’s neuerdings geklingelt!

Auf Posten gegen die Vergangenheit

umrauscht ein rotes Weltraumschiff die Erde.

Schubkraft? Das Kommunistische Programm.

Die Völker sehen fröhlich sich umarmt,

und ihre Feinde wissen sich umzingelt.

Paul Wiens)

i listened some MGMT & i liked it… (instead [or despite??] the one-hit-wonders; the audience looks dead – what did u expect? just another body-count with some handmade music…- enjoy!) (via t.r., thx!)
mgmt_live_letterman

frozen_water_ikl959(ice-puddle, macro & inv.)

Was zeigt der NSU und die darauf folgende Medien-Welle eigentlich? Redok über einen Bombenanschlag des NSU in Wurzen, wo noch nicht bekannt war, welches organisierte Ausmaß die selbsternannte Nationale-Guerilla-Gruppe haben sollte (am Ende ist es nur die Hälfte welche bekannt wird, die andere wurde schon geschreddert…):

Der jüngste Anschlag [November .2004, Anm.] zeige, dass die Rechtsextremen nach dem Wahlerfolg der NPD bei der Landtagswahl in Sachsen im September jetzt zum „offenen Angriff“ auf linke Demonstranten und Andersdenkende übergingen, ohne das dies zu Protesten in der Bevölkerung führe. (src, via)

Was gilt es auch zu Protestieren – ein Sachschaden. Aber selbst bei schlimmerem: Menschen sterben doch immer und überall. Dabei ist jedoch auch zur Entschuldung der Wurzner zu sagen, dass die Schäden des NSU-Anschlags 2004 überschaubar blieben, wie hier verzeichnet ist. Doch ich würde zweifeln dass es bei einem ermordeten Menschen zu Protesten gekommen wäre, im Gegenteil: in der sächsischen Provinz wird man gern mal selbst aktiv um eben jene zu verdeutschen:

Die Rufe „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“, die den Überfall [von einer etwa 50 deutschköpfigen Gruppe in Mügeln 2007, Anm.] begleitet hatten, kommentierte er [der Bürgermeister Mügelns, Gotthard Deuse, Anm.] mit den Worten: „Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen.“ (src)

In was für einer Zeit leben wir eigentlich, wtf? Mügeln 2007:
muegeln-sachsen_doku-inder-ueberfall_2007_ikl959

In Dresden waren Ende 2012 ein oder zwei Haufen junger Menschen unterwegs um in der Neustadt Flyer zu verteilen. Sie wiesen darin auf eine Veranstaltung hin, die in wenigen Tagen (07. Januar) in Dessau stattfinden soll, versuchten des weiteren über die Hintergründe des Todes von Oury Jalloh zu berichten.oury_jalloh_spontandemo_dresden_flyer(der Text ist auch bei Indymedia zu finden)

Am 7. Januar soll in Dessau an den Tod von Oury Jalloh erinnert werden, der 2005 auf einer feuerfesten Matratze in der gefließten Polizeizelle Nummer fünf verbrannte (er verstarb an einem Hitzeschlag – die Staatsanwaltschaft im Jahr 2010: „Die Todesursache sieht das Gerichtsmedizinische Institut in einem sogenannten Hitzeschock, weil aufgrund der Flammenentwicklung sich Temperaturen bis 345 Grad Celsius nach zwei einhalb Minuten, entwickelt haben. Das führt zu einem schlagartigem Atemstillstand und dem Herztod.„;  anders als der zwei Jahre zuvor in der selben Zelle an einem Schädelbasisbruch gestorbene Mario Bichtemann)…

plakata3_initiativeouryjalloh(src)

Verwiesen sei nochmals auf einen Film und ein Hoerstück, welche die Ereignisse und Folgen des Unfassbaren darzustellen versuchen.

sozialistische_kunst-magdeburg(sozialistische Kunst in Magdeburg-Buckau; zu DDR-Staatskunst siehe Fotos auch hier)

 

(irgendwo in den Weiten Sachsen-Anhalts)

Wilhelm von Sternburg begab sich 1991, im Jahr der erfolgreichen – weil staatlich nicht unterbundenen – Menschenhetze im frisch vereinten Deutschland, nach Hoyerswerda.

Es wird der ostdeutsche Mensch, dessen Denken und Handeln  gezeigt – die Folgen von 50 Jahren sozialistischer Diktatur und einer irgendwie verankerte Abneigung  gegen die offensichtlich Anderseienden?  Oder im nationalen Überschwang, wie übrigens auch einige Deutsche im Westen der Republik?

Die im Film immer wieder auftauchende Frage nach dem „Versagen des Rechtstaats“ gleicht einer Chimäre: es gilt den sozialen Ausnahmezustand mit Erklärungen und Fragen, aber auch Anklage und Moralität politisch einzuordnen (langweilig die Phasen mit Stoiber und co). So unangenehm offensichtlich wie die Stimmung auf dem Markt in Hoyerswerda 1991 war, der Film gibt eine Vorstellung von den Abgründen der postreunited german society…

„Ausländerjagd. Rassismus im neuen Deutschland?“ – ARD im Brennpunkt, September 1991, 50 Min

„Jungs, reisst euch n bissel am Riemen“…

Einen großartigen Einblick in die Schwierigkeiten des Fan-Daseins bietet Dynamo Dresden Fan-TV zur Saison 2012/2013:

„Wirklich die 90 Minuten, da siehts… da muss jeder mal zusehen, dass wir das hinkriegen, dass während den 90 Minuten keener hier einfach mal ausm Block rausrammelt und sich das scheiß Bier holt. Ihr könnt vor dem Spiel saufen, ihr könnt nach dem Spiel saufen. Aber seht zu, dass es hier unter Kontrolle bleibt, dass ihr nicht zu besoffen seid. Und das ihr während des Spiels euch mal das eine Bier spart und dann danach […] eins nascht. Aber während des Spiels mal bitte nicht mehr. […]

Alles was hier politische Gesänge sind, das können wir aus dem Stadion rauslassen. Wir sind eine unpolitische Kurve, das wird auch immer so bleiben. Und alles was links oder rechts ist, das hat hier einfach keinen Platz. […]“ (src) (via)

Sehenswert!

Veiel: „Ich wollte Marco und Marcel Schönfeld aus dem Monsterkäfig holen, ihnen eine Biographie geben. Man muss sich die Täter als Menschen vorstellen. Das ist die eigentliche Provokation. […] Ich wollte die Ereignisse nicht eins zu eins abbilden, ich wollte eine Distanz schaffen, die über die Medien Theater und Film funktioniert. Ich wollte keinen Glatzköpfigen, der etwas in die Kamera stammelt – und dem niemand zuhört. Mit den Schauspielern unterlaufe ich den inneren Widerstand des Zuschauers. „ (src)

Auf dem Bild der alte Schweinestall in Potzlow, dem Ort wo Marinus im Sommer 2002 in einen Schweinetrog biß und Marcel von hinten auf seinen Kopf trat.

Danach warfen die Brüder noch zweimal einen Stein auf den noch atmenden Jungen und versenkten den später leblosen Körper in der Jauchegrube des Stalls. (src)

Provoziert fühlten sich die national-denkenden jungen Ostdeutschen u.a. „Weil er Jude sagte“

Heiko (Freund der Täterbrüder Marco und Marcel):

„Juden gehören ja zu jedem Land. Jedes Land hat ja seine Juden. Deutsche sind das nicht. Das war ja nicht dem Hitler seine eigene Idee die ganzen Juden umzubringen, das war ja der Himmler, der hat das ja organisiert. Der Hitler hat ja gar nicht groß gewusst davon. Und wenn dann so einer Anfängt, dann kann man ja mitmachen, oder?

Ich hab meinen eigenen Kopf. Klar trage ich mein Fred-Perry-T-Hemd mit 88, ist ja wohl was anderes was man im Kopf hat oder was man auf dem Leib trägt. Heil Hitler – da denkt man an die Zeit des Reiches. Das man deutsch denkt, dass man dazu steht dass man deutsch denkt. Deutsch denken. An die Zukunft denken. Für die Familie da sein. Arbeiten.

Ein sehr ungeschönter und direkt wirkender Einblick in die rechte-ostdeutsche-Jugendkultur der mit zunehmender Dauer anstrengend wirkt. Über 80 Minuten nehmen zwei Schauspieler verschiedene Rollen ein, rekonstruieren die Abläufe, offenbaren Ideologie und Motivation. Irgendwann (so etwa nach einer Stunde) wird der Wechsel jedoch ermüdend. Nichts desto trotz ein sehenswerter Film, der einen Blick in einen deutschen Abgrund wirft, in welchem die Akteure neue Gräben ziehen. Als Grundlage dienten 1500 Seiten Gesprächsprotokolle.

Andreas Veiel: Der Kick (2006), 82 Min. (imdb, critic.de)

update:

Da sprach ein Bürgermeister davon, so etwas komme in der Großstadt jede Woche vor. […] in Potzlow regt sich niemand auf, wenn der Mann von der Feuerwehr in kurzer Hose und mit SS-Runen auf der Wade herummarschiert. (src)

Absolut sehenswerte, weil so ungeschönte Eindrücke vom Schlecker-Ausverkauf. Horst Thiele, das Klopapier und die Küchenrollen (4:33 Min). (via)

Der attraktivere Mensch hat einen Vorteil in dieser Gesellschaft, bekommt den besseren Job und den besseren Partner, so sagt es der Schönheitschirurg der Botox spritzt. Doch einen ehemaligen Landwirt, Mitglied der IG-Botulismus, plagten jüngst ganz andere Probleme als sein Aussehen. Die Verbindung zwischen beiden, dem Chirurgen und dem Bauern, ist ein durch ein Bakterium produziertes Gift.

„Das war einfach die Hölle, hoch zehn. Wir selbst waren ja auch alle an [chronischem, Anm.] Botulismus erkrankt. Bevor wir ins Krankenhaus gekommen sind hatten wir das Gesundheitsamt bei uns auf dem Hof, also von der Humanmedizin. Die haben gesagt: „Das ist kein Problem, ihr könnt ja mit Masken die Kühe melken, ihr könnt Schutzanzüge tragen, ihr könnt euch jedesmal nach dem Melken duschen.“ Und wenn man Kühe melken soll mit Schutzanzügen und Handschuhen und sich jedes Mal duschen muss, ich frag mich dann warum sollen wir noch die Kühe melken. Dann ist dass doch ein großes Problem was wir im Betrieb haben.“

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) stellte jüngst fest:

„Ob das Krankheitsbild des ‚chronischen Botulismus‘, das in der Veterinärmedizin seit mehr als zehn Jahren kontrovers diskutiert wird, auch bei Menschen, die in der Landwirtschaft in engem Rinder- beziehungsweise Tierkontakt stehen, tatsächlich existiert und damit eine gesundheitspolitische Relevanz hat, ist derzeit noch nicht bekannt“ (src)

Bekannt und wachsend beliebt ist Botox:

Dank der (plastischen) Chirurgie findet das Botulinum-Toxin Typ A freiwillig Verbreitung im Menschen, ganz im Gegensatz zu den anderen Formen des Gifts, welche gleichfalls von einem Bakterium (unter Sauerstoffausschluss) produziert werden. Öffentlich-rechtlich erschütternwollende Reportage mit dem Titel „Tote Tiere, kranke Menschen“ über ein bereits seit längerem auftretendes Problem in der Massentierhaltung in der ARD-Mediathek (30 Min.) und eine Doku von Antje Christ (52 Min.) welche weniger Emotional aber nicht weniger reißerisch über das „Wurstgift“ berichtet:

Botulinumtoxin ist ein Gift mit großer Zukunft. Als Medikament ist es für viele Menschen ein Segen und seine Karriere als Faltenkiller nicht mehr aufzuhalten. Doch egal in welcher Dosis – es ist und bleibt ein hochwirksames Gift.