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Category Archives: radiosendung

Sendung damals gehört und für verbreitenswert erachtet: DLF Essay und Diskurs von Anfang Oktober 2017, worin es u.a. heißt:

Geheimisse zu haben, ist eine Form der Selbstermächtigung. Geheimnisse, die wir verschweigen, aufheben für den Biografen, den wir nicht haben werden, vielleicht noch für Gespräche mit unseren Kindern, wenn die erwachsen sind und also auch schon Fehler gemacht haben, die nicht mehr reparabel sind, wenn die uns beichten, was schiefgegangen ist und wir sie trösten:

So etwas passiert nicht nur dir, es passiert nicht, weil du dumm bist, nein, auch ich habe falschen Freunden vertraut, habe Ratschläge ungeprüft übernommen, ich habe auch Glück gehabt. Und all das nenne ich – Karriere.

Wir bestimmen, wie das Bild von uns auszusehen habe. Nach bestem Wissen, Gewissen und – Verschweigen. Noch sind wir die Herren unserer Biografie. Aber wie lange wird das noch so sein? Was, wenn Personalchefs die Facebook‑Timeline einsehen wollen? In der das Schlechte auch zu sehen ist? Können wir da Nein sagen? Wir haben, viele haben, ihr Archiv, ihr Tagebuch, ihren Kalender nach draußen gegeben. Der liegt jetzt da. Unredigierbar, unlöschbar. Wir können uns zwar abmelden, aber Facebook behält sich vor, die Datensätze trotzdem zu speichern. Wie die allermeisten Internet-Firmen.

Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts. Daten sind die Ölpest des 21. Jahrhunderts.

listen and think about it:

or download

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Titelbild der Titanic mit Kanzlerin Merkel als Gustl Mollath. (screenshot)

Viel wurde geschrieben zum Fall Mollath.

Und diskutiert.

Zu sehen gab es auch einiges.

Ende des Jahres 2015 lief im Bayerischen Fernsehen ein behutsamer und von den Bildern her beeindruckender Film zur Person und den Ereignissen welche einige Jahre immer wieder für Schlagzeilen sorgten. Es ist ein persönliches Schlaglicht auf einen Menschen der Zwangstherapiemaßnahmen am eigenen Leib erfahren hat. Die ARD hat sich in der Reihe Radiofeature auch schon mal damit beschäftigt – ein klein wenig kritisch wirkt der Beitrag „Dunkelkammer Psychatrie“ (download, ca 55 Min.)

mollath_doku_nachthimmel_ikl959Nachthimmel im Zeitraffer (screenshot)

Zurück zum Film: Es ist beeindruckend den Schilderungen der Erlebnisse hinter den geschlossenen Mauern zu lauschen (wie etwa der Arzt in der Nachbarzelle für Ruhe sorgt). Dabei nimmt dies in der Dokumentation von Annika Blendl und Leonie Stade nicht nur zeitlich untergeordnete Rolle ein – was konkret in solchen Einrichtungen passierte und passiert. Um so absurder wirkt die Welt jenseits dieser Mauern. Der Versuch Mollaths in die „Normalität“ zurückzukehren – die es vorher nicht gab und auch danach nicht gibt – wird hingegen sehr konkret. Mit dem Leben in Gefangenschaft wurde er entmündigt, Dinge verschwanden (wie das Grab seiner Familie auf dem Friedhof in Nürnberg). Wiedergutmachen kann man das nicht. Diese Welt ist es nicht.

Die Kritik Gustl Mollaths an den alltäglichen Mechanismen findet sich gleich zu Beginn des Film – etwa wenn er sich in einer Einkaufspassage wundert wieso eine Hose weniger als 10€ kosten kann während woanders Millionen unter dem Tisch verschwinden. Es sind die kleinen Dinge welche seine Aufmerksamkeit bekommen. Mit viel Verstand und ein wenig Witz erlebt der Zuschauer einen Menschen der um sein Recht kämpft und das erfahrene Unrecht als Räderwerk durchlebte ohne dabei apathisch geworden zu sein.

Sehr einprägsam das Beispiel zu den psychatrischen Gutachten, welche nach Aussage eines Gutachters bis zu 60% Falschdiagnosen darstellen. 50% Falschdiagnose sei kein Fortschritt meint Gustl Mollath zu Recht und belegt dies mit einer fallenden und verschwindenden Münze vorm Dom…

Beeindruckend die exakten Formulierungen des Protagonisten und deutlich fühlbar dessen wachsendes Misstrauen gegenüber seinem Verteidiger, den er nur als weiteren Funktionsträger identifiziert. Dass in dem Film verschiedene Seiten und Ansichten (etwa von Journalisten) zu Wort kommen bereichert dieses Dokument. Recommended to watch!

yt_Mollath_Doku_watch_v=PC6EgHlhf9I_(Blendl/Stade; D 2015; 87 Min.; Link zur Doku auf yt. )

Zu finden auf yt auch noch ein Gespräch mit den Autorinnen der Dokumentation „Mollath – Und plötzlich bist du verrückt“ Annika Blendl und Leonie Stade bei MünchenTV.

Teil 9 hier zu finden

  • SWR2: Anarchisten am Rio de la Plata (27 Min.) (download) (via)
  • WDR-Zeitzeichen: Sozialistengesetz 1878 (14 Min.) – oder: Die fernen Ursprünge der SPD (download) (via)
  • NDR: Hannah Arendts Töchter (20 Min.) (download)
  • SWR2-Aula: Wie der Kapitalismus uns zu Selbstausbeutern macht – Han Byung-Chul (28 Min.) (download)

Es folgt der obligatorische Hinweis, dass einiges sowohl in seiner inhaltlichen Ausrichtung als auch der Form nach durchaus Kritik würdig ist.

Im Januar 2015 jährte sich der Tod des Asylbewerbers in einer Polizeizelle in Dessau zum zehnten Mal. Die Journalistin Margot Overath hat die Ereignisse und Fakten sowie den Umgang und die Diskussion in einem Beitrag für den MDR noch einmal zusammen gefasst. Mehrfach ist von verschiedenen Menschen im Beitrag zu hören: ich verstehe das nicht.

Die Ungeheuerlichkeiten und Widersprüche werden im Beitrag noch einmal ausgesprochen:

download von der site des MDR=src

Der Kern des ganzen ist das Feuerzeug. Und das Feuerzeug war nicht in der Zelle. […] Erst sieben Jahre danach wurde es nach Spuren untersucht.

Bleibt die Frage inwieweit die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Dessau (oder eine andere Ermittlungsbehörde) den Todesfall trotz der vernichteten und verschwundenen Unterlagen, schweigenden und vergesslichen Beamten, fehlerhaftem Obduktionsbericht und einseitiger Ermittlung der staatlichen Behörden zukünftig unparteiisch – nämlich im Sinn einer Wahrheitssuche – ermitteln wird. Dazu gehört auch die Möglichkeit Mord.

Kein ganz kompletter Repost, aber der Anlass aktuell: (a) Regierung der USA meint, den Kurden ganz offiziell mit Waffen unter die Arme greifen zu wollen, d0x/?rt.com) und (b) der Podcast des SWR-Forum (vom 27. Juni 2014) zum Thema „ISIS“, welche zur Zeit Menschen im Irak zu zehntausende fliehen lassen (44 Min; Download)

Der in der Radiosendung erwähnte Zerfall des Irak wurde bereits vor einigen Jahren von einem amerikanischen Filmemacher thematisiert & anschaulich gemacht – James Longley.

—- Repost::::

Einer der besten Dokumentarfilme die ich in den letzten drei Jahren gesehen habe. Die Thematik Irak war damals aktueller als heute, trotzdem hat der Film von den Bildern her eine eigene Ästhetik & ist deswegen unglaublich faszinierend. Er stammt von James Longley der 1972 in Oregon geboren wurde. Er studierte Film und Russisch an der University of Rochester und Wesleyan University in den USA, und dem All-Russian Institute of Cinematography (VGIK) in Moskau. Seine Dokumentation „Portrait of Boy with Dog“ wurde 1994 mit dem Student Academy Award durch die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ausgezeichnet. Er arbeitete und lebte dann in New York City, in Sibirien und Moskau. 2001 reiste er nach Palestina um seinen ersten Dokumentarfilm „Gaza Strip“ zu drehen (den ich leider nicht gesehen habe, es aber gern mal würde – wer Hinweise hat wo zu finden – ich wäre dankbar; eine Einschätzung: „Gaza Strip culminates in a nighttime raid in April, when Israeli bulldozers stormed into the Khan Younis refugee camp under the cover of tank and helicopter fire, and destroyed the homes of 450 Palestinians – the first of many such armed incursions into Area A by the IDF.Quelle). 2002 reiste Longley in den Irak um seine Vorarbeiten an seinem zweiten Dokumentarfilm „Iraq in Fragments“ zu beginnen, der im Januar 2006 Premiere feierte. Der Film gewann einige Preise: auf dem Sundance Festival wurde er mit den Preisen “Best Documentary Directing”, “Best Documentary Editing”, und “Best Documentary Cinematography” belohnt, daneben gewann der Film einige weitere internationale Auszeichnungen.

Zwischen Februar 2003 und April 2005 wurden in Irak über 300 Stunden Filmmaterial gedreht von denen in dem Film knapp 90 zu sehen sind. Der Film gliedert sich in drei Teile: Sunniten, Schiiten und Kurden.

„My idea was to follow a student at one of the local Shiite religious schools. Wandering through the narrow back alleys of Najaf in search of permissions, Nadeem and I soon found ourselves at the office of Moqtada Sadr.”

„This seemed like an interesting story to document, so I began developing contacts within Sadr’s organization who allowed me to film. Moqtada Sadr himself was too difficult to access, so I settled for Sheik Aws al Kafaji. […] He was genial and open, giving me far more access to his movement than I expected.”

“The Sadr organization was deeply suspicious of foreigners, and you couldn’t really blame them. I was never sure why they trusted me as much as they did.” (Quelle)

Zu sehen ist war der Film Iraq in fragments hier. (R: James Longley; USA 2007; 94 Min)

Longley war im Juni 2009 in Iran, arbeitete an einem neuen Film über die Wahlen und die beginnenden Proteste gegen das Regime. Er wurde am 14. Juni 2009 mit seinem Übersetzer verhaftet als er Menschen auf der Straße in Teheran befragen wollte (Bild unten entstand angeblich kurz vor seiner Verhaftung). Zu lesen was Longley für Erfahrungen sammelte in Iran nach der Wahl & über seine Verhaftung kann mensch hier finden.

Rasterfahndung umdrehen – mithilfe des Stromverbrauchs gucken wo unbewohnte Häuser sind, welche dann besetzt werden können. So lautet eine Idee in dem Hörstück Radio Wauland über die vernetzte digitalisierte und doch reale Welt.

800px-Akustikkoppler_CCC_Datenklo(eigenbau des Akustikkoppler aka Datenklo des CCC  – src)

Der Untertitel Tune in, turn on and hack yourself kommt indes ein wenig selbstzerstörerischer daher als das LSD-Original von Prof. Leary.  Protagonist in dem zeitweise psychedelischen Hörstück ist Wau Holland, dem Mitbegründer des CCC (bis dato unveröffentlichte O-Töne fanden von ihm Verwendung), der so Dinge sagte wie „Was ist denn das einen Rechner aufzumachen, dagegen die Gesellschaft aufzumachen“ (src).

Das Stück gibts hier zum download finden & sei an dieser Stelle zum anhören empfohlen.

wald_und_pfaehleAn dieser Stelle die Fortsetzung einer Reihe von field-recordings mit dem Titel „Die zehn Arten des Rauschens“. Hier die zweite Stundenversion – 2c1 (dzadr-Teil 1 hier zu finden). (->dzadr-2c1 uploaded@archive).

An dieser Stelle eine Produktion, welche im Rahmen des bereits im Juli 2013 stattgefundenem Festivals „addicted to random“ gesendet wurde. Sie trägt den Titel „Die zehn Arten des Rauschens v.1.8“ (->uploaded@archive).

Vorab gibt es noch ein paar Worte zur Einleitung (in deutsch).

teil 7 hier zu finden

  • Vortrag von Stephan Grigat – Politische Ökonomie des Antisemitismus download (via)
  • WDR: Heinrich Schöpe sammelte auf dem Weg zur Schule Flugblätter der Alliierten. (download)
  • WDR: Atomenergie-Verräter aka Spion und Held Klaus Fuchs (download)
  • SWR2: Petra Kelly (27 Min.) Die grünste Grüne, oder so. Ihr & Bastians Tod trugen zum Mythos Kelly bei. (download)
  • SWR2: Buchenwälder in Europa (27 Min.) (download)
  • NDR: Margarethe von Trotta, Filmemacherin (download)
  • SWR2: Christen im Nahen Osten (download)
  • DLF: 1933 tritt die deutsche Volksgemeinschaft aus dem Bund der Völker aus (download) (via)
  • B5: Gewalt gegen Frauen in Indien (download)

In Folge vielleicht mal wieder öfter Hinweise auf Hoerenswertes (wobei auch hier wieder darauf hin zu weisen ist, dass einige Sachen, wie etwa der Bericht über Frauen in Indien, in ihrer Haltung/Botschaft durchaus kritikwürdig sind)

Nach einer Weile mal wieder eine Liste mit „Hoerenswertem Kram“ (von v.a. oeffentl.-rechtl. Anstalten)…

Hoerenswertes Teil 6 hier zu finden. In Folge hier im Blog weitere Ergänzungen.

  • DRS: Marie Luise Knott über das Verhältnis Hannah Arendts zum Zionismus (30 Min) download (via)
  • SWR2 Wissen: Zwang und Gewalt in der Psychiatrie (28 Min) download
  • WDR Zeitzeichen: 1967 – Die Hippies (15 Min) download

-> weiteres siehe auch Kommentare hier

-> hoerenswert im übrigen im Moment das SWR2 Archivradio mit einer (zumindest akustischen) Rückversetzung in die Zeit des Deutschen Herbst (RAF) und dessen Folgen bis in die 1990er

 

update:

HR2 Doppelkopf: Georg Kreisler (42 Min) download

NDR Forum: Rostock Lichtenhagen – Vor 20 Jahren und heute (30 Min) download

 

(Springspinne (HR2, 15 Min), makro)

BR2: Alexander Kluge Portrait (74Min) download

NDR-Forum: Der Syrien-Konflikt (19 Min) siehe auch hier

DRadio: Das Lager Kulmhof (die Anmod ist strange!, 6 Min) download

HR2 Wissenswert: Öffentliche Verkehrsmittel ab 1942 für Juden verboten (12 Min) download

SWR2 Wissen: Das Steak der Zukunft hat sechs Beine (27 Min) download

SWR2 Forum: Diskussion über „kostenlosen“ Nahverkehr (45 Min) download

WDR Zeitzeichen: Lew Kopelew (14 Min) download

DRadio: Visionen der Zugehörigkeit – Was ist deutsch? (51 Min) download

HR2Doppelkopf: Hans Henning Hann über den Bund Deutscher Vertriebener (45 Min) download

Dresden-Ischen: Eindrücke von der Blockade der Freiraum-Tanzdemo (Unverkennbar aus der Stadt des Olaf Schubert, 23 Min) (via)

 

hier zu Hörenswert no. III

(Langfühlerschrecke makro, zum hören: SWR2: Heuschrecke – Notizen über ein verfemtes Insekt (28 Min))

NDR Forum: Augenzeugenberichte aus Syrien (20 Min.)

SWR2 Forum: Martin Durm: Warum der Westen in Syrien nicht weiß, was er tun soll (45 Min.)

SWR2 Forum: Michael Köhler: Wie braun war der Karneval? (45 Min.)

SWR2 Aula: Harald Welzer: Wohlstand ohne Wachstum (28 Min.)

SWR2 Wissen: Das große Brummen (27 Min.)

WDR Zeitzeichen: 1977: Die Entführung von Elisabeth Käsemann in Argentinien (15 Min.)

WDR Zeitzeichen: 1907: Der Todestag des Forstwissenschaftlers Karl Gayer (15 Min.)

WDR5 Erlebte Geschichte: Hans Heisel – Als deutscher Soldat in der Resistance (23 Min.)

Audio_Archiv: Pro­pa­gan­da­zen­tra­le »Arischer Welt­dienst« (40 Min.)

SWR2 Dschungel: Die alte Garde des Proletariats – eine kritische Politikecke (27 Min.)

Nicht Alles nicht immer uneingeschränkt zu empfehlen bzw. kritikwürdig. Hoerenswertes Teil II im übrigen hier.

update:

DLF: Götz Aly – Warum die Deutschen? Warum die Juden? (29 Min.)

 

hier zu hoerenswert no. 2

Ein Drittel des jüngsten Statements Ken Jebsens ist die Aufforderung Geld an ihn zu spenden, BLZ & Kontonummer sind die ganze Zeit über eingeblendet. Es wird deutlich: er wähnt sich auf der Seite der Guten, der Widerständigen, die nun dafür bestraft werden verbotene Zusammenhänge zu äußern – in seinem Fall ist eine ganze Industrie gegen ihn am Werk: die Holocaustindustrie.  Er setzt nun seine Hoffnung auf die Community, falls dies vergeblich „dann hören wir einfach auf.“ Doch danach sieht es eher nicht aus. Nach knapp 10 Tagen hat das Video über 10.000 Aufrufe, es gefällt 551, es gefällt nicht 22 usern. So positiv und euphorisch sind dann auch einige Kommentare – wenn nur die Hälfte davon stimmt scheint die Rechnung (falsches Wort?, wohldurchdachte Kalkulation trifft es vielleicht besser) des Herrn Jebsen aufzugehen. Ein Kommentar lautet:

„Es ist nur richtig und konsequent, dass man solche Projekte unterstützt. KenFM ist in diesem System auf Geld angewiesen. Sie haben Rückrat gezeigt und wurden auf die Straße gesetzt. Jetzt muss die Straße dafür sorgen, dass sie weiter machen können. Auch du bist die Gosse/Straße. 5€ sind überwiesen.“

Money makes the world go round, auch bei Herrn Jebsen. Und Geld ließ sich auch schon immer mit einer niemals existierenden „Antiholocaustindustrie“ machen, treffender und richtiger wäre wohl der Begriff Antisemitismus – denn sowas verkauft sich tatsächlich. Ob es nun gerechtfertigt ist auch im Fall des Herrn Jebsen von Antisemitismus zu sprechen kann jeder anhand seiner hier dokumentierten Ausführungen selbst beurteilen:

„Nach 545 Sendungen wurde Ken FM über Nacht abgesetzt. Der Vorwurf: die Sendung und ich im Speziellen wäre ein Holocaustleugner, ein Antisemit, ein Rechtsradikaler, etc. – die ganze Palette. Genauso gut hätte man behaupten können, ich würde zu langsam sprechen. Der Grund war natürlich vorgeschoben, sprich: frei erfunden. Und wurde von außen an das Haus herangetragen, in diesem Fall von der Holocaustindustrie, ein Begriff der bekannt ist spätestens seit Finkelstein. Die wirklichen Gründe für die Kündigung sind völlig andere. Ken FM und speziell ich als Person kann einfach meine Fresse nicht halten,  wenn es vielleicht besser wäre für die eigene Karriere. […] Ich hinterfrage geschichtliche Tatsachen, die man uns vorwirft wie einen Knochen mit dem Befehl friss oder strib. […] und wir wehren uns selbst gegen einen übermächtigen Feind: den Menschenfeind – der, und das geben wir zu, finanzielle und was sein Netzwerk angeht, deutlich besser aufgestellt ist als wir. Die Lüge hat bekanntermaßer cash genug, die Wahrheit geht betteln. […] Wenn wir eine andere Welt wollen, und wir von Ken FM wollen eine andere Welt, dann brauchen wir eine andere Presse. […] Nur so lange wir sie [die freien Portale im Internet, Anm.] finanzieren, sind wir wirklich sicher vor der Propaganda einen sehr kleinen Elite. […] wenn im Schatten ihres Humanismus völlig andere Kräfte mitsurfen um uns alle zu benutzen, und genau das passiert. Die Welt ist nicht so simpel wie uns das die staatlichen Medien, und damit die kontrollierten Medien glauben machen wollen. […] Was will ich von Euch? Ich will euer Geld. Nur ich will, dass ihr es freiwillig gebt. Es bleibt euer Geld […] Wir haben nie behauptet die Wahrheit zu kennen – genau das macht aber die Konkurrenz. […] Uns reicht es nicht wenn ihr einfach unsere Meinung übernehmt, […] ihr, und damit wir, sind die 99%. […] Geht ihr den ersten Schritt. […] Nehmt es selber in die Hand. […] Es geht ums Geld, ja, denn ohne Geld können auch wir nicht arbeiten. […] Werdet aktiv, unterstützt Ken FM. […] Das hier ist keine Übung, und wir können durchaus mit den Konsequenzen des Scheiterns leben. Wir haben den entscheidenden Schritt für uns in dem Moment getan, als wir uns entschlossen haben, nicht länger ja zu einer Berichterstattung zu sagen, die wir für Propaganda halten, nur weil unser staatlicher Arbeitgeber uns dann auch weiterhin geduldet hätte. Die überzeugendste Art etwas zu ändern ist es selber zu tun.“ (src: youtube-video)

Zusammenfassung:

Ken FM betreibt als Aufklärung euphemisierte Propaganda (gegen die als Propagandaapparat wahrgenommenen Massenmedien). Er war mit seiner Sendung beim RBB auch einst Teil des Systems, doch er durfte nicht mehr weitersenden bei dieser öffentlich-rechtlichen Anstalt (er spricht fälschlich (?) von „staatlichen Medien“). Ken Jebsen wurde gekündigt, weil er keine Einheitspropaganda produzierte, weil er anfing sich gegen „den Menschenfeind“ zu wehren. Er ist der Einzige beim RBB gewesen welcher nicht von der Elite kontrolliert wird und damit einer der Wenigen –  er hat seine Gesinnungsgenossen scheinbar schon gefunden –  welcher unabhängige, also die wirklich richtigen Berichte liefert (von mir Propaganda genannt). Er tritt einen Feldzug an, uns alle aus der Kontrolle und den Klauen einer „sehr kleinen Elite“ zu befreien. Ken „hinterfragt geschichtliche Tatsachen“ – mit dann so glorreichen Erkenntnissen wie „Deutschland ist ein guter Mitläufer, ein Vasall, ein US-Ausposten“ was hier akustisch verzeichnet ist. Wie formulierte Reflexion so treffend: „Ken Jeb­sen pro­pa­gierte Res­sen­ti­ments, die in Deutsch­land weit ver­brei­tet und mehr­heitsf­fä­hig sind.“ Wäre hinzuzufügen: sowohl „die Sendung als auch er im Speziellen“.

Hinweis auf zwei Sendungen des SWR die durchaus spannend sind. Erstere vor allem durch die Frage nach dem Bewusstsein (besser: den verschiedenen Bewusstseinszuständen), letztere durch die Verbindung zum Surrealismus (der Flucht aus oder das Hinterfragen der Realität).

SWR2 Forum: Was Träume über das Ich verraten.

SWR2 Forum: Wie träumen Künstler?

weiteres zum Thema Traum, was mir allerdings weniger spannend erscheint, u.a. zu finden beim NDR (Ortrud Grön, Traum-Arbeiterin) oder beim HR2 (Michael Schredl, Traumforscher).

update: gerade dazu passend gefunden ein Zitat von Walter Benjamin:

Dieses Meer von Schlaf im tiefen Grunde aller menschlichen Natur hat nachts die Flutzeit; jeder Schlummer besagt nur, daß es einen Strand bespült, von dem es sich bei wacher Zeit zurückzieht. Was zurückbleibt: die Träume, sind – wie wunderbar geformt – doch nur das Tote aus dem Schoße dieser Tiefen. Das Lebendige bleibt in ihm und auf ihm geborgen: das Schiff des wachen Lebens und die Fische als stumme Beute in den Netzen der Künstler. (src)

 

Nicht alle hier aufgeführten Beiträge sind uneingeschränkt zu empfehlen, aber das mag jeder selbst beurteilen.

Hörenswertes Teil 1 im übrigen hier zu finden…

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

komplettes Programm im Corax-Heft…

16.11.11 Ralph Arlyck – Following Sean (80 Min, 2005)

Following Sean is a 2005 documentary film directed by Ralph Arlyck. Bei IKL gibts die englische Tonspur des Films zu hören. Es ist ein Film über die Hochzeit der Hippies und deren Lebenseinstellung, über die amerikanische Gesellschaft, über persönliche Lebenswege und -vorstellungen. „The more things change, the more we are not the same.“ Der Autor, selbst Teil der idealisierten Bewegung, bezieht bei seiner Untersuchung das eigene Leben mit ein. Sehens- und Hörenswert.

29.11.11 Rolf Cantzen – „Die Protokolle der Weisen von Zion“ & „Die Weltordnung der Weltverschwoerer“ (2003)

Die Protokolle der Weisen von Zion sind eine Fälschung. Das wurde mehrfach bewiesen. Zuletzt hat der Comiczeichner Will Eisner vor seinem Tod diese Thematik noch einmal zusammengefasst. Was kaum bekannt ist: dieses Konstrukt was die vermeintliche jüdische Weltverschwörung enttarnt zu haben glaubt ist ein Longseller in den arabischen Staaten. Und nicht nur in schriftlicher Form, auch im Fernsehen wird immer wieder darauf Bezug genommen. Rolf Cantzen spricht mit Wissenschaftlern und versucht die hinter dem alles sich passend machenden Welterklärungsmodell Verschwörung liegende Funktion zu beschreiben.

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

05.10.11 Ror Wolf – Die Durchquerung der Tiefe 2v2 (1997)

Teil 2 (8. bis 13. Kapitel). Berichte von einem der plötzlich in der Tiefe verschwunden ist. Es sind Berichte über normale und seltsame Menschen, über sonderbares und gewohntes, über die Welt oben und unten. „Haben sie einen Grund?“ „Ich habe einen Grund, darauf können sie sich verlassen.“

12.10.11 Bertolt Brecht – Die heilige Johanna der Schlachthöfe (Berliner Funkstunde 1932; 42 Min.); Adorno – Bloch – Möglichkeiten der Utopie heute (27 Min.)

Die Erkenntnis der Johanna Dark gleicht einer Ernüchterung: Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht, es helfen nur Menschen, wo Menschen sind. Brecht kritisiert mit dem Instrumentarium der marxistischen Kritik den Reformismus der Arbeiterbewegung. Dieses erste von drei seiner ‚Johanna‘-Stücken war 1929-31 entstanden und gelangte erst 1959 erstmals auf die Theaterbühne. Im Radio hingegen war es bereits im April 1932 in einer gekürzten Radioversion erstmals zu vernehmen. Zum besseren Verständnis der Handlung gab es damals noch erläuternde Zwischentexte, die aber allesamt nicht mehr erhalten sind.

Adorno und Bloch im Gespräch: „[…] Die wesentliche Funktion die dann Utopie hat, ist eine Kritik am Vorhandenen.“ „Ja.“ „Wenn wir die Schranke nicht schon überschritten hätten, könnten wir sie als Schranke nicht einmal rezipieren.“ „Ja, die Utopie steckt jedenfalls wesentlich in der bestimmten Negation. Der Negation dessen was blos ist, und dadurch dass sie sich als ein falsches konkretisiert immer zugleich hinweist auf das was sein soll.“

19.10.11 Elfriede Jelinek- Stecken! Stab! und Stangl! (Eine Leichenrede) (1996)

Am 4. Februar 1995 werden kurz vor Mitternacht in Österreich vier Männer ermordet. Durch eine Rohrbombe des Attentäters Franz Fuchs sterben die Roma Peter Sárközi, Josef Simon, Ervin und Karl Horvath. Sie hatten versucht, eine Plakette mit rassistischen Beschimpfungen („Roma zurück nach Indien“), die an der Bombe angebracht war, zu entfernen. Die Männer sind sofort tot.

Elfriede Jelinek nimmt dieses Ereignis zum Anlass anhand der nachfolgenden Berichterstattungen, der öffentlichen Reaktionen und Verlautbarungen ein Bild der Gesellschaft zu zeichnen. Es ist ein Spiegel der österreichischen Republik, die räsoniert, verharmlost und darüber hinwegredet. So findet sich auch tatsächlich öffentlich geäußert die Überlegung, ob die vier Männer nicht letztlich selbst schuld an ihrem Verhängnis sind. Was Jelinek deutlich macht: der Mord wird zerquatscht, breitgetreten und relativiert.

 26.10.11 Issac Asimov – Die verbotene Erfindung (1967)

Eine Maschine wurde entwickelt um in die Vergangenheit zu sehen. Sofort stellt sich die Frage nach der Priorität (als ein Mittel zur Beeinflussung wird dann auch der finanzielle Hebel genutzt: wofür soll überhaupt geforscht werden?). Und es stellt sich damit auch die Frage: Wie effektiv kann eine staatlich gelenkte Wissenschaft sein? Welche Grenzen sind einer freien Forschung im Interesse der Allgemeinheit zu setzen?

Was, wenn sie wieder kommen? Wenn sie schon hier sind und NIE WIEDER verschwinden? Unsere Engel des Retro, aus ihrem stillgelegten Autobahnteilstück entlassen, FOREVER YOUNG auf Klassenfahrt. 40 Jahre Woodstock. 30 Jahre Deutscher Herbst. Hippe Jubiläen. Todestage eines unbekannten JETZT. Im Overkill ihrer medialen Simulakren feiert unsere Melancholie das nicht endende Ende der Party. Che Guevara auf Dienstreise, Rainer Werner Fassbinder auf der Rolltreppe. Signum einer Kultur post-anything ist das atemlose Patt zwischen Lebenden und Toten. JETZT ALS FILM. SIE SIND ZURÜCK. UND SIE KENNEN DEINE BLUTGRUPPE. Zwangsernährung der Gegenwart durch den verlorenen Bezug: Gilt als Methode Vampirismus – bleibt die Form der Operette.

„Edgar Lipki – sucking blood“, Released by: WDR, Release date: Nov 22, 2010

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream. Corax Programmzeitung hier zu finden.

06.09.11 Frank & Fefe – Stuxnet. (Alternativlos Folge 5)

Stuxnet ist zu einem geflügelten Wort geworden, um die Aufrüstung im virtuellen Bereich (Stichwort: „Nationales Cyberabwehrzentrum“) auf staatlicher Seite zu rechtfertigen. Zwei Nerds plaudern in der fünften Ausgabe ihres Podcast mit dem Titel „Alternativlos“ über die Hintergründe und technischen Grundlagen dieses Virus. Stuxnet ist in ihren Augen eine Meisterleistung. Der Virus schaffte es, verschiedene unbekannte Lücken zu nutzen und unerkannt zu bleiben. Letztendlich legte der Virus das iranische Atomprogramm in Natanz für längere Zeit lahm. Eine hörenswerte Sendung über X.509-Zertifikate, Exploitmärkte, explodierende russische Pipelines, Risiken in hiesigen Atomkraftwerken und eben Stuxnet.

14.09.11 H. G. Wells – Krieg der Welten (1977)

Außerirdische landen auf der Erde. Die Menschen beginnen die Marsianer zu bekämpfen. Die Erdlinge geraten in Panik & fliehen aus den Städten. Dies alles wurde in authentischer Hörfunkmanier als Hörspiel produziert und führte (angeblich) zu realer Panik in einigen amerikanischen Städten. Bei IKL gibt es die deutschsprachige Version des Klassikers unter den Hörspielen.

21.09.11 Adorno – Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit (1960)

„Mit Aufarbeitung der Vergangenheit ist in jenem Sprachgebrauch nicht gemeint, dass man das Vergangene im Ernst verarbeite, seinen Bann breche durch helles Bewußtsein. Sondern man will einen Schlussstrich darunter ziehen und womöglich es selbst aus der Erinnerung wegwischen.“ (Adorno)

28.09.11 Ror Wolf – Die Durchquerung der Tiefe (1/2) (1997)

„Eine Radio-Reise“ ist das Hörspiel mit 13 Kapiteln betitelt. Der Protagonist Doktor Collunder tritt eines Abends aus seiner Wohnung auf die Straße und fällt – fällt unaufhaltsam in die Tiefe. Irgendwann angekommen stößt er auf Andere, denen es ähnlich gegangen ist. „Eines Tages trat ich aus der Tür.“ „Plötzlich gab der Boden nach.“ „Plötzlich tat sich die Straße auf.“ „Plötzlich verspürte ich einen Sog.“ „Plötzlich verschwand ich in einer Erdspalte.“ „Es war dunkler als alles was ich bis dahin gesehen hatte.“ Auf dem Grund der Dinge ist alles in unablässigem Wandel.

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

3.8. Elfriede Jelinek – Die Bienenkönige (1976)

Gibt es in einem Bienenstock nicht immer eine Bienenkönigin? Freilich. Doch Jelinek schafft im Stück eine postkatastrophale patriarchale Welt in der nur Männer geboren, Frauen als funktionales Subjekt (Gebährende und Dienerinnen) betrachtet werden. Um die Gesellschaft vor dem Aussterben zu bewahren, gelingt es Wissenschaftlern schließich ein Unsterblichkeitsserum zu entwickeln. Den wenigen gebährfähigen Frauen wird die Unsterblichkeit verspochen, deren Nachkommen sollen allerdings sterbliche Sklaven bleiben. Die patriarchale Gesellschaft gerät mit der Geburt des ersten Mädchens in einen radikalen Wandel.

10.8. Christa Wolf – Kein Ort. Nirgends. (1982) Teil I/II

17.8. Christa Wolf – Kein Ort. Nirgends. (1982) Teil II/II

Im Stück begegnen sich 1804 Karoline von Günderrode und Heinrich von Kleist. Heinrich ist zu dem Zeitpunkt 27 Jahre alt, Karoline 24. Zwei Jahre später nahm sie sich das Leben, sieben Jahre später er. Es ist eine fiktive aber mögliche Begegnung zwischen den beiden Romantikern. Christa Wolf umgibt sie mit Gegenspielern und Parteinehmer, wie dem Dr. Wedekind, den Brentanos und Savigny. Aus den geselligen Gesprächen über Literatur entwickelt sich ein unausgesprochenes Zwiegespräch zwischen Kleist und Günderrode, das die Unfähigkeit der beiden, sich der allgemeinen Oberfächlichkeit anzupassen, deutlich werden lässt.

24.8. Fjodor Dostojewski – Der Spieler (2004)

Im Sommer 1865 kehrt Dostojewski in einer Spielbank in Wiesbaden ein. Er verspielt in kurzer Zeit 3000 Rubel, die ihm sein Verleger für Rechte an einem Werk und eines noch zu schreibenden Romans ausgezahlt hatte. Im Oktober 1866 diktiert Dostojewski in knapp vier Wochen den Roman „Der Spieler“. Inhalt: Ein verschuldeter russischer General wartet auf den Tod seiner Tante um diese zu beerben. Doch diese taucht im Casino auf, verspielt beim Roulette ihr Vermögen. Der mitgereiste Hauslehrer setzt sein Leben fortan auf das Glücksspiel.

31.8. Friedrich Wolf – SOS… rao rao…, Foyn – „Krassin“ rettet „Italia“ (1929)

Am 12. Mai 1926 überquert Umberto Nobile mit einem Luftschiff als erster Mensch den Nordpol (an vorherigen Überquerungen gibt es Zweifel). Am 24. Mai 1928 überquert Nobile an Bord des Luftschiffes „Italia“ zum zweiten mal den Nordpol. Der Propgandacoup des unter Mussolini stehenden faschistischen Italiens scheint erfolgreich zu verlaufen. Doch einen Tag später stürzt das Schiff mit den 16 Männern an Bord ab. 10 Personen werden von Bord geschleudert, 6 verbleiben an Bord des wieder aufsteigenden Luftschiffes (welches nie wieder gesehehn wurde). Am 2. Juni 1928 empfängt der russische Funkamateur Nikolai Reinhold Schmidt einen SOS-Ruf der Nobile-Nordpolexpedition. Während der internationalen Suche nach den Überlebenden, an der sich Italien nicht beteiligt, wird der Polarforscher Amundsen ums Leben kommen. Die Überlebenden werden schließlich vom Eissbrecher „Krassin“ am 12. Juli an Bord genommen. Das Hörspiel ist die älteste komplett erhaltene Hörspielproduktion in deutscher Sprache.

Eine Geschichte über das Leben als jugendlicher Jude in einem deutschen Migrantenbezirk. Arye Sharuz Shalicar (Sohn iranisch-jüdischer Einwanderer) berichtet in dem Gespräch über sein Buch über seine Entwicklung und Erlebnisse: eine zebrochene Freundschaft mit einem indischen Muslim, über libanesische Gangs und Gewalt, seine Zeit als Sprüher „Aaron“, über deutsche Juden und warum er Deutschland verlassen hat.

„Du bist Jude und die ganze Welt hasst dich.“

„Ich habe mir Respekt ersprüht.“

„Ich hab mich eher türkisch gefühlt als gleich mit deutschen Juden.“

Sein Ausstieg aus dem Wedding war sein Einstieg in die Bundeswehr, als Sanitäter. Begrüßt wird er dort von einem schwarzen deutschen Soldaten in Bundeswehruniform. Heute ist er Pressesprecher der israelischen Armee.

„Sauberkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, das habe ich bei der Bundeswehr kennen gelernt.“

„Ich wollte mich zu meinem Volk bekennen.“

„Ich hatte in Israel immer weniger Angst als in Berlin Wedding.“

„Eine meiner Stärken sind die Sprachen.“

„Es geht nicht nur um Siedlungen, es geht um viel mehr. […]  Man versucht Israel auszulöschen.“

„Man darf nicht pauschalisieren. Es gibt Radikale und Moderate. Man muss die moderaten Stimmen stärken. Im Nahen Osten wie überall auf der Welt.“

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2010 war er schonmal präsent: bei ttt (O-Ton „Freiheit gibt es in Deutschland“ und „importierter Antisemitismus“) oder auch Anfang 2011 im ZDF.

Reduziert, weil dadurch bekannt geworden, wird Beate Klarsfeld oft auf ihre Ohrfeige an dem damaligen Bundeskanzler Kiesinger.

Nachdenkenswert, dass sie in letzter Zeit in den öffentlich-rechtlichen Medien präsent war, sowohl im Fernsehen (rbb) als auch im Radio (ndr). Das Gespräch mit ihr sei an dieser Stelle empfohlen, (download) [audio http://media.ndr.de/download/podcasts/podcast3000/AU-20110510-1509-0601.mp3]  da es eine interessante Analyse der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft enthält. Beate Klarsfeld macht deutlich, wie sehr die Verfolgung von NS-Tätern von den Opfern oder deren Überlebenden (auch aus dem Ausland) forciert wurde. Für mich blieb die Uneindeutigkeit ihres Verhältnisses zu Deutschland („ich war die erste Deutsche“) bzw. Frankreich („ich als französische Staatsbürgerin“) eine offene Frage. all in all: recommended listening!

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

06.07.11 Hermann Bohlen – Prozedur 7.7.0 (1996) & Ernst Jandl/Friederike Mayröcker – Fünf Mann Menschen (1968)

In dem Hörspiel von Bohlen begeben wir uns auf die Spur von „Unsortierbaren“: Menschen, deren Herkunft und Identität ungeklärt ist und die durch ihr Schweigen Mißtrauen erzeugen. Sie stehen in keinem sichtbaren Kontakt zueinander, über ihre Absichten gibt es keine sichere Erkenntniss. Es ist sogar fraglich, ob diese Leute überhaupt Absichten haben. Im Hörspiel wird die Reaktion von Erkennungsdienstlern, Wissenschaftlern und Bürgern fühlbar: eine in Brutalität umschlagende Hilflosigkeit. Am Ende werden die Sonderlinge kuzerhand zu „hilflosen Personen“ erklärt und anhand dieser Grundlage „markiert“. Ein Verorten von Identität und Freiheit, angesiedelt zwischen Wirklichkeit und Wahrheit; die gesellschaftliche Ordnung zeigt dabei ihre prohibitive Seite – die Gewalt.

Sprachkünstler Jandl & Mayröcker schleifen den Hörer im Zeitraffer durch zentrale Lebensereignisse: Gebärklinik, Elternhaus, Schule, Kino, Berufsberatung, Kneipe, Militär, Krieg, Spital, Gericht, Gefängnis, Erschiessung… wieder zurück zur Gebärklinik, diesmal als Erzeuger. „Solange es Kinder gibt, wird es Kinder geben“. Das Resultat von „Fünf Mann Menschen“ ist das Modell eines Daseins in einem allmächtigen Verwaltungsapparat und inhumaner Verhaltenszwänge. Dieses funktionable Dasein unterliegt am Ende aller Lebenstage – wehrlos.

13.07.11 KEIN IKL weil Further in Fusion Extended – HAPPY Birthday!

20.07.11 Gob Squad – Calling Laika (1999)

Calling Laika is designed to take place in a car park at night, beneath the stars. The audience walk through a carpet of blue light, to find their places in 1 of 30 cars , arranged in a circle as if in an automobile séance.  The soundtrack encourages passengers to use their headlights and horns throughout and is transmitted through their car radios (it can also be broadcast over existing radio frequencies). It’s dark, searchlights wander through the sky and the lonely voice of a radio DJ takes messages from missing people. This is a place for calling Laika, for calling anyone or anything.  It is about the basic need for human contact. The piece moves between the uncontrollable urge for a Spielbergesque spectacle and the simplicity of the message, to understand and to be understood.

27.07.11 Ferdinand Kriwet – ONE TWO TWO (1968) & RADIOBALL (1975)

One Two Two: Kriwet: „Hörtexte verwenden theoretisch alle Möglichkeiten der menschlichen und auch künstlichen Stimmerzeugung sowie alle elektrotechnischen Möglichkeiten ihrer Analyse und Synthese mittels Aufnahme, Transformation und Montage. Neben unterschiedlichen Aufnahmepraktiken und der Verwendung spezieller Mikrophone sind vorläufig Schnitt und Mischung die in meiner Arbeit dominierenden Praktiken.
Parallel mt der fortschreitenden Konservierung von Lautsprache und ihrer allgegenwärtigen Reproduktion mittels Tonband, Schallplatte und Rundfunk erfolge eine von den optischen Bildträgern schließlich zusätzlich geförderte und beschleunigte Verminderung der menschlichen Fähigkeit zum spontanen Sprechen und ergo Denken, wovor Hans G. Helms schon in „FA:M‘ AHNIESGWOW“ graute (’nur noch Maschinen werden ticken‘).
Spezifische Eigenheiten des Gesprächs als der Vollform des Sprechens (Kainz) wurden von den neuen Idiomen der elektrischen Kommunikaton verdrängt oder vollends ersetzt. Ein Hinweis unter vielen mag hierauf die bloß rhetorische Forderung vieler politischer Demonstranten nach Diskussion sein, der vielleicht die Sehnsucht nach den verlorenen Fähigkeiten des sprachlichen Kommunizierens innewohnen mag. Musikalisch gedopt entsteht seit Jahren im Beat und Rock ein der neuen Kommunikation entsprechendes Idiom, das neben phänomenologischem auch soziologisches Interesse beansprucht.
Die Polarität von spontaner und technisch konservierter Sprache in allen Erscheinungsweisen ist ein Thema von ONE TWO. Daher wurde vor der endgültigen Montage meines V. Hörtextes ein Großteil seiner Materialien in einer öffentlichen Veranstaltung von Sprechern und über Band vorgestellt und samt allen Reaktionen in einem Übertragungswagen zur späteren Verwendung aufgezeichnet.
So ist eine authentische Kontrastierung und Korrespondenz gleicher Materialien in zweierlei Realisation möglich: hier zeitgebunden live und dort (im Studio) zeitunabhängig vorproduziert.
Ein zweites ‚Thema‘ bilden außer den fälschlich so genannten ‚vorsprachlichen‘ Artikulationen (atmen, keuchen, stöhnen, husten, lachen etc.) solche Sprechtypen, die sich durch ihre allgemeine Vertrautheit für eine zweckfreie literarische Demonstration vorteilhaft eignen wie z. B. das Zählen, das Aufzählen, das Abzählen, das Ver- oder Erzählen, das Buchstabieren, das Fragen und Antworten samt ihren charakteristischen phonetischen Eigenschaften. Soweit sie von diesen Sprechformen nicht bedingt werden, habe ich keine grammatischen Konstruktionen komponiert, da diesen im Bereich der Schriftsprache eine ausgeprägtere und ergo kompositorisch relevantere ‚Bedeutung‘ zukommt.
Zwischen den beiden genannten Themen vermittelt als drittes gespeichenes, teils eindeutig historisches (z. B. Hitler-Rede), teils rein phänomenologisches Material aus dem Schallarchiv des Rundfunks. Dieses Material wird sowohl als live-Mitschnitt als auch als studio- oder funkeigen Manipuliertes verwendet.“ (src: hoerdat.de)

Radioball: Kriwet: „Radioball, Hörtext 11, widmet sich der poetischen Analyse der Fußball-Fachsprache der Radio-Reporter nach dem Prinzip der Collage. Einen besonders dramatischen Aspekt erhalten die Fußball-Reportagen im Radio durch die ständig einander jagenden Direktübertragungen der parallel laufenden Spiele, die sogenannte Konferenzschaltung. Diese Dramaturgie der wöchentlichen Radioinszenierungen bestimmte die Struktur meines Radioball.“

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

01.06.11 Gottfried Benn – Kunst und Drittes Reich (Monolog geschrieben 1941); Die Stimme hinter dem Vorhang (1951)

Gottfried Benn ist bekannt für seine Gedichte aus dem Leichenschauhaus, für seine Verse über Wunden, Eiter und Verwesung. 1933 noch zeigte sich der gelernte Arzt dem NS aufgeschlossen, schrieb 1934 „Kunst und Macht“, worin er er die nationalsozialistische Kunst als Fortsetzung und Vollendung der europäischen Avantgarde beschreibt. Doch seine expressionistische Vergangenheit machte ihn mit dem Regime unvereinbar. Seit 1935 Oberstabsarzt bei der Wehrmacht, wird Benn 1938 von der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und mit Schreibverbot belegt. In dieser Phase schreibt er den Monolog Kunst und Drittes Reich, welchen es bei IKL zu hören gibt. Nach dem Krieg wird er mit dem Band „Statische Gedichte“ berühmt & zum Vorbild einer orientierungslosen Schriftstellergeneration.

08.06.11 Zwei Feature über Afghanistan: Marc Thörner – Dejavu im Tagab-Tal (2011); Martin Durm – Afghanische Realitäten (2011)

Marc Thörner hat vor einem Jahr ein Buch mit dem Titel „Afghanistancode“ herausgebracht. Darin geht er kritisch mit den Ansprüchen und Strategien der militärischen Inteventionsmächte um. Auch in seinem Feature „Dejavu im Tagab-Tal“ berichtet er kritisch über den Kampfeinsatz von französischen Soldaten auf dem „Schlachtfeld Afghanistan“. Nach Thörner kehren in die militärische Strategie der Franzosen die kolonialen Erfahrungen und Ansichten zurück.

Martin Durm begleitet eine deutsche EU-Abgesandte in die afghanischen Provinz. Deutlich wird die Diskrepanz zwischen den politischen Vorgaben aus Brüssel und der Realität in Afghanistan.

15.06.11 Georg Büchner – Leonce & Lena (1958)

„LEONCE: Unglücklicher, Sie scheinen auch an Idealen zu laborieren.“

22.06.11 Ferdinand Kriwet – Apollo Amerika (1969) & Dschubi Dubi (1977)

Kriwet: „Zwischen dem 10. Juli und 10. August werde ich in Amerika sein. Und es begibt sich zu dieser Zeit, daß die amerikanischen Astronauten Edwin Aldrin, Neil Armstrong und Michael Collins als die ersten Menschen der uns bekannten Menschheitsgeschichte mit dem Raumschiff Apollo 11 den Mond umkreisen und mit dem Lunar Module, der Mondlandefähre oder „Spinne“, auf ihm landen und von ihm wieder zur good earth zurückkehren werden. Thema meines sechsten Hörtextes Apollo Amerika ist die sensorische und intellektuelle Wahrnehmung all dessen, was ich im Radio, Fernsehen oder sonstwie vermittels technischer oder menschlicher Information von oder über das Projekt Apollo 11 höre.“

Kriwet: „DSCHUBI DUBI demonstriert im Rahmen einer Untersuchung der Sprache die Lautsprache des Schlagers in ihren unterschiedlichen, chorischen und solistischen Erscheinungsweisen. […] Aufgabe von DSCHUBI DUBI ist u.a. zu verdeutlichen, welchen Anteil der bedeutungs-lose (und durchaus daher nicht auch sinn-lose) Laut in vielfältigen Ausdrucksweisen unserer täglichen Rede und Sprache hat, zu Gehör zu bringen, was allerorten hörbar ist aber kaum wahr-genommen, kaum bewusst gehört und erlebt wird.
Wenn ich mich als Hörtextautor für Popmusik interessiere, so deshalb, weil sich in ihr das gesamte phonetische Material vom Heulen und Stöhnen bis zum Sprechgesang mit einer Selbstverständlichkeit wiederfindet, wie sie der neuen Musik und Literatur nicht gelingen will. Dieses phonetische Inventar vorzustellen und damit dem Rock- und Popfan vielleicht erst bewußt zu machen, schickt sich DSCHUBI DUBI an.“

29.06.11 Ebehard Petschink & Helmut Mössmer – Ladykiller. Versuch einer Würdigung (DLR 1998)

Am 01. Juli diesen Jahres wäre die Prinzessin der Herzlosen 50 Jahre alt geworden. So wurde sie Opfer eines Papparazi, ist auch bei Wikipedia zu lesen: „Um 00:25 Uhr Ortszeit verunglückte der Wagen in der Unterführung der Pont de l’Alma in Paris. Der Mercedes-Benz prallte auf der Flucht vor Paparazzi mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Tunnelpfeiler. […] Auf einem Foto, das von einem Paparazzo unmittelbar vor dem Unfall direkt aus Fahrtrichtung aufgenommen wurde, ist deutlich sichtbar, dass der Chauffeur durch den Fotoblitz geblendet wurde. Diese Störung musste bei der verminderten Reaktionsfähigkeit des Chauffeurs und der überhöhten Geschwindigkeit entscheidend ausfallen, als Henri Paul in einer Rechtskurve des Tunnels geradeaus gegen einen Pfeiler fuhr. […] Diana war nicht sofort tot. Sie starb wenige Stunden nach dem Unfall an den Folgen ihrer schweren inneren Verletzungen im Krankenhaus Pitié-Salpêtrière. Gegen 4 Uhr morgens wurde sie offiziell für tot erklärt.“ Im Hörspiel wird das Verlangen der Konsumenten nach den Privatheiten der Diva gelüftet, indem der Paparazzi sein Taschenmesser zückt & in den Bauch der im Auto liegenden verletzten Prinzessin schneidet, um herauszufinden ob diese nun schwanger sei oder nicht.

Dass der Judenhass in Deutschland ab 1933 praktiziert, aber auch von den politisch Oberen stimuliert wurde ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass der Antisemitismus auch in den arabischen Staaten des Nahen bzw. Mittleren Osten von Zeesen aus in arabischer Sprache stimuliert wurde:

Von Zeesen aus sendeten die Nationalsozialisten insbesondere in den arabischen Raum als „Voice of Free Arabism“ VFA und als „Radio Berlin“, auch in Arabisch. An den Sendungen inhaltlich beteiligt waren die Kollaborateure Mohammed Amin al-Husseini und Raschid Ali al-Gailani. (Wikipedia)

Al-Husseini trifft bei einem Besuch in Berlin Hitler:

Über das Auslandsradio „Weltrundfunksender Zeesengibt es hörenswertes beim NDR. recommended listening! Lesenswertes über das „Überleben“ dieser Propaganda findet sich von Jeffrey Herf geschrieben hier.

Update: In deutscher Sprache lesenswertes von Matthias Künzel mit dem Titel „Von Goebbels zu Ahmadinejad“ hier. (via)

IKL – auf Radio Corax jeden Donnerstag ab 00:10 Uhr.

04.05.11 Bertolt Brecht – Furcht und Elend des Dritten Reiches (SDR 1967) (2/2)

In Anlehnung an Heinrich Heine wollte Brecht das Stück ursprünglich „Deutschland – Ein Greuelmärchen“ nennen. Er überlegte auch das ganze „Die Deutsche Heerschau“ zu nennen. Der endgültige Titel ist eine Anlehnung an Balzacs Werk „Glanz und Elend der Kurtisanen“. Den jeweiligen Szenen geht ein kurzes Gedicht voraus, wobei jede der Szenen für sich steht. Es geht um den Alltag, um das Private, darum wie sehr der Nationalsozialismus alle Lebensbereiche der Menschen durchdringt. So bekommen Eltern Angst, dass ihr eigenes Kind sie denunzieren könnte. Bereits am 21. Mai 1938 sind acht der 30 Szenen in Paris uraufgeführt worden.

11.05.11 Ferdinand Kriwet – Radioselbst (WDR 1979; 22min) & Radio (D/F 1983; 36min)

Radioselbst: Thema von RADIO ist das Radio selbst. Thema von RADIO ist die Ansprache des Rundfunks, seine stetige und allgegenwärtige Ansprache an die Hörer an den Lautsprechern in den Wohnungen und Betrieben und Schulen und Büros, in den Autos und auf den transistorisierten Wanderwegen des Tourismus; dargestellt am Programm einer beliebigen Sendewoche von WDR-2.

Radio: Ferdinand Kriwets Radio versucht, mit künstlerischen Techniken eine Hör-Vorstellung von dem zu vermitteln, was uns stetig an Stimmen umgibt, uns sprechend, singend, rauschend auf kurzen, mittleren und langen Wellen erreicht. Radio: exemplarisches Konzentrat dessen, was tagaus, nachtein in der Luft ist – „one the air“ -: Sprachatmosphäre. Radio: die Universalsprache des elektronischen Babel aus Chips und Transistoren, Röhren, Antennen, Netzen, Verteilern, Widerständen, Verstärkern etc. Radio: die Polyphonie des durch die gemeinsame Zeit strukturierten Welt-Geschehens.

18.05.11 Avanti-Sozial-AG – Neukölln in den Kollwitzplatz verwandeln? (Feature 2009)

„Den Effekt der Prenzlauerbergisierung, den wird es hier nicht geben“, sagt Reinhold Steinle, der in Neukölln Stadtteilführungen macht. Das sei zumindest seine Hoffnung. Aber längst ist klar: Der Norden Neuköllns verändert sich: mehr junge Leute, mehr Student_innen, neue Kneipen, Cafés und Galerien. Der Bezirk und der Berliner Senat bemühen sich um eine ‚Aufwertung‘ des Viertels – nicht ohne Folgen. Die Mieten steigen rasant. Soziologen beschreiben diesen Prozess als „Gentrifizierung“. Was aber sind die Gründe für die Entwicklung in Neukölln? Wer treibt sie voran? Das Radiofeature untersucht den Norden Neuköllns im Spätsommer 2009. Ausgehend vom Reuterkiez, mittlerweile medial und auf dem Wohnungs- und Kulturmarkt als „Kreuzkölln“ bekannt, wird über der Gentrifizierung in einem der sich am schnellsten wandelnden Berliner Kieze (über den es noch 2006 hieß es gehe dort zu „wie einstmals in der Bronx“) nachgegangen. Dabei geht es auch um die Strategie des Landes Berlin, kommunalen Wohnraum an die Privatwirtschaft zu übertragen, um die öffentliche Hand zu entlasten.

25.05.11 Franz Kafka – Das Schloß (SWF/RB 1953)

„Es war spätabends, als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schloßberg war nichts zu sehen, Nebel und Finsternis umgaben ihn, auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloß an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führte, und blickte in die scheinbare Leere empor. […] Wenn die Straße sich auch vom Schloß nicht entfernte, so kam sie ihm doch auch nicht näher.“

Jeweils Mittwochs um 24:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

06.04.11 Ernest Hemingway – Schnee auf dem Kilimandscharo (SDR 1977)

Der Schriftsteller Harry geht nach Afrika, um zu einem einfachen Dasein zurückzukehren, um einen Sinn in seinem Leben zu finden. Der Versuch ein Leben in Luxus und Sicherheit zu führen hatte ihn intelektuell ruiniert. In Afrika wollte er zu einem einfachen, sinnvollen Dasein zurückfinden, doch eine kleine Verletzung droht seinem Dasein ein Ende zu machen. Zum Symbol wird das dicht unter dem Gipfel des Kilimandscharo liegende vermodernde Skelett eines Leoparden. Es wird zum Symbol eines „zu-spät“, eines Vorwagen und Scheitern und hinterlässt doch gleichzeitig durch seine verlorene Existenz offene Fragen.

13.04.11 Theo Gallehr – Wer hat Angst vor dem Milchmann (RB 1979)

Im Herbst 1977 war Theo Gallehr mit einem Aufnahmeteam unterwegs, um Tonaufzeichnungen zu machen für ein Projekt, das „Gesprochene Geschichte“ hieß. Plötzlich waren sie konfrontiert mit jener Stimmung, die als „Deutscher Herbst“ in die Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik eingegangen ist. Gallehr und sein Team haben sich mit an die Stammtische gesetzt und mitgeschnitten, was da in aller Öffentlichkeit so frank und frei geredet wurde. Die Aufnahmen wurden zu einem O-Ton-Hörspiel verarbeitet, ein Stück Zeitgeschichte von beklemmender Authentizität, das bestürzende Einblicke in die Volks-Seele einer „wehrhaften Demokratie“ liefert.

20.04.11 Andrej Tarkowskij – Hofmanniana (RBB/SWR 2004)

Der russische Filmemacher Tarkowskij (1932-1986) wollte mit „Hofmanniana“ einen Film über das Leben von E.T.A. Hoffmann schaffen. Anhand von Zitaten, Motiven und Passagen aus dessen literarischem Werk sollte eine Film-Collage verschiedene Facetten des Romantikers zeigen. Dieser Film wurde jedoch nie verwirklicht. 2004 wurde auf Grundlage des Filmszenarios ein Hörstück gebastelt. Angelehnt an Tarkowskijs Manuskript, wird sich darin Hoffmannscher Stilmittel bedient: die Erzählperspektiven wie auch die Zeitebenen wechseln sprunghaft, Schilderungen biographischer und historischer Wirklichkeit gehen nahtlos in Traumsequenzen über, die Grenzen zwischen Realität und Phantasie werden aufgehoben.

27.04.11 Bertolt Brecht – Furcht und Elend des Dritten Reiches (SDR 1967) (1/2)

Brecht schrieb zwischen 1935 und 1939 in der Emigration 11 der 24 Szenen. Er schrieb sie vor Beginn des Weltkrieges, doch die drohende Maschinerie war fühlbar in der lastenden Atmosphäre des öffentlichen und privaten Lebens. Aus wechselnden Blickwinkeln, unter verschiedenen äußeren Gegebenheiten und menschlichen Bedingungen, wird in den kurzen Episoden eindringlich der Alltag des Dritten Reiches gezeichnet: der Terror durch reglementierende Sprachverwirrung, durch Unterdrückung, Mißtrauen und Heuchelei. Brecht wollte deutlich machen, daß, wie er sagt „lange bevor über uns die Bomber erschienen“, unsere Städte schon unbewohnbar waren.