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Category Archives: lesenswert

Was gibt es mehr zu sagen als:

Eine Broschüre des skandalgeschüttelten Thüringer Verfassungsschutzes bildet kommentarlos NPD-Werbung ab […]: Die Mutter lacht, der Vater lacht, und auch der kleinen Tochter, von ihrem Vater huckepack genommen, geht es augenscheinlich gut. Es könnte Werbung für Zahnpasta sein oder das Elterngeld, wäre da nicht der Schriftzug: „Deutsche Kinder braucht das Land.“ Oben prangt fett das Logo der rechtsextremen NPD. […] Das 24 Seiten umfassende Heftchen wird herausgegeben vom Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz. Man muss genau hinschauen, um dieses Detail in zarter Schrift zu entdecken. […] Es sei schließlich kein Heft für die Öffentlichkeit, sondern werde monatlich an Verwaltung, Polizei und Justiz verschickt, um „über spezielle Erscheinungsformen des politischen Extremismus“ zu informieren.  […] Das Plakat passt nicht einmal inhaltlich: Im Heft geht es zwar um Rechtsextremismus und die NPD. Um Regionalkonferenzen, eine rechtsextreme Musikveranstaltung und eine Hausdurchsuchung bei einem Nazi-Klamottenlabel. Die rassistische Familienideologie der NPD kommt aber nicht vor. [src, via]

Ist die NPD glücklich über diese Meldung? Vermutlich (gilt noch die Strategie: „Hauptsache man spricht über uns.“?). Zumindest werden dank der TAZ einige mehr Leute sich das unscheinbarwirkende Werbebild angesehen haben – jedoch mit Kommentar, und nicht wie beim Thüringer Verfassungsschutz – kommentarlos.

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Wie lange es wohl noch dauert bis die verschiedenen Brände in Leipzig in der letzten Zeit eine überregional wirksame Skandalmeldung wert sind? Immerhin hat sich die MDR-Sendung „Kripo-Live“ Anfang Juni dem Thema angenommen.

(Danke an M. für das Foto, 03.06.12, Leipzig-Connewitz)

Schon jetzt lässt sich eine erstaunliche Chronik von diesbezüglichen Vorfällen (brennenden Autos) finden. Ab und an brennen die Fahrzeuge jedoch auch von ganz allein:

22.08.11: Kurz vor Mitternacht loderten plötzlich Flammen aus einem Auto vor einem syrischen Restaurant auf. Die Feuerwehr musste anrücken und schaffte es relativ zügig den Brand in der Universitätsstraße zu löschen. Bislang geht die Polizei von Brandstiftung aus.  (src-mit video)

23.01.12:  „Im Stadtteil Gohlis-Nord sind ein Fahrzeug in der Sylter Straße und zwei Autos im Wangerooger Weg gegen 1 Uhr angezündet worden“ , sagte Polizeisprecher Mario Weigelt […] Es werde von Brandstiftung ausgegangen […] Alle drei Autos fingen nach Polizeiangaben im vorderen Teil der Motorhaube Feuer. „Bei allen drei Autos brannte es im gleichen Bereich, da wage ich, zu bezweifeln, dass es sich um einen technischen Defekt handelt“, erklärte Weigelt. „Das ist ein neues Phänomen, wir müssen das beobachten und uns dementsprechend darauf vorbereiten.“ Die Ermittler stünden bereits im Austausch mit Behörden etwa in Berlin und Hamburg. Beide Städte haben immer wieder verstärkt mit Bränden und Brandstiftungen an Autos zu kämpfen. (src)

27.01.12: In Leipzig-Mockau ist in der Nacht zum Freitag gegen 4 Uhr ein PKW vollständig ausgebrannt. […] Die Ursache ist noch unklar. (src)

23.02.2012, Grimma (bei Leipzig)  / 06:25: Brand eines PKW auf dem Gelände eines Autohauses. (src)

02.03.12: […] geriet das Fahrzeug gegen 21 Uhr aufgrund eines technischen Defektes in Brand. Die 56-jährige Fahrerin konnte sich unverletzt aus dem Wagen retten. (src)

30.03.12: Im Markranstädter Ortsteil Kulkwitz ist am Freitagabend ein Auto komplett ausgebrannt. Wie die Feuerwehr mitteilte, wurden die Rettungskräfte kurz vor 19 Uhr alarmiert. […] Die Brandursache ist bislang noch unklar. (src)

31.03.2012, Grimma (bei Leipzig)  / 20:30 Uhr Brand eines PKW auf Freifläche eines Autohauses. (src)

22.04.12: […] brannte kurz vor 2 Uhr ein Renault-Kleintransporter in der Stötteritzer Rudolph-Herrmann-Straße. Das Feuer war aus unbekannter Ursache unter dem rechten Radkasten ausgebrochen. Gegen 3.15 Uhr brannte ein Nissan Micra an der Grünauer Zschampertaue vollständig aus. (src)

23.04.12: Ein Citroen-Berlingo ist am Montag in den frühen Morgenstunden völlig ausgebrannt. Gegen 3.20 Uhr stellte die Polizei  in der Gröpplerstraße in Leipzig-Neulindenau den Totalschaden des Wagens fest. Brandstiftung wird als Ursache nicht ausgeschlossen. (src)

08.05.12: An der Schönefelder Allee schlugen die Täter die Seitenscheibe eines Mittelklassewagens ein und legten auf der Rückbank Feuer, erklärte Polizeisprecher Mario Weigelt am Mittwoch. […] Die Hintergründe der Zündelei seien unklar, so Polizeisprecher Weigelt. Anders als in anderen Großstädten haben es die Täter in Leipzig offenbar nicht auf Luxuskarossen abgesehen. Mittelklasse- und Kleinwagen würden ebenso abgefackelt wie Transporter oder Baustellenfahrzeuge. Einen politischen Hintergrund der Taten schließt die Polizei aus. (src)

22.05.12: Gegen 23.30 Uhr vermeldeten Anwohner in der Bremer Straße, Ecke Wangerooger Weg [Gohlis-Nord], einen brennenden Mittelklassewagen. […]Gegen 0.45 Uhr eilten die Einsatzkräfte dann erneut in den Stadtteil, weil in der Sylter Straße, wenige Meter vom ersten Brand entfernt, ein Kleinwagen Feuer gefangen hatte.  […] Nach ersten Erkenntnissen wurde in beiden Fahrzeugen Brandbeschleuniger benutzt. (src)

29.05.12: Gegen 23.45 Uhr brannte in der Sylther Straße [Gohlis-Nord] ein Kleintransporter, zwei Stunden später in der Zillstraße ein Personenkraftwagen. Die Polizei geht in beiden Fällen von Brandstiftung aus, wollte Details zum verwendeten Brandbeschleuniger oder zu weiteren Spuren an den Tatorten aber nicht veröffentlichen. (src)

01.06.12: Ein Mannschaftstransporter der sächsischen Bereitschaftspolizei geriet am Donnerstag Nachmittag in Obergräfenhain II in Brand. Der Ford Transit, der auf dem Weg zu einem Einsatz […]  in Leipzig war, hatte unmittelbar zuvor die Autobahn 72 verlassen. Die Besatzung des Kleinbusses bemerkte das Feuer im Motorraum und begann mit Löschversuchen, die aber nicht zum Erfolg führten.  (src)

03.06.12: […] brannten in Connewitz zwei Autos. […] geht die Polizei derzeit von einem technischen Defekt aus. (src)

04.06.12: In einem Leipziger Taxi ist […] während der Fahrt Feuer ausgebrochen. Wie die Polizei mitteilte, bemerkte der Fahrer den Rauch gegen 7.25 Uhr in der Rietschelstraße. Zu diesem Zeitpunkt war noch ein Passagier im Wagen. Beide Männer konnten das Fahrzeug aber unverletzt verlassen. Das Taxi brannte komplett aus. (src)

07.06.12: Im Leipziger Osten ist am Donnerstagabend gegen 22.50 Uhr ein Fahrzeug in Brand geraten. Der Oberklasse-Wagen war in der Bautzmannstraße abgestellt und wurde durch die Flammen stark beschädigt, hieß es aus dem Lagezentrum der Polizei. Die Ursache des Feuers ist noch unklar. (src)

Eine politische Tat wird bislang von den Ermittlungsbehörden verneint, so diesbezügliche letzte Verlautbarungen. Der Grund: es brennen auch ältere und mittelklasse Wagen. Die hier begonnene Chronik der „burning cars“ in Leipzig wird ggf. ergänzt, wird jedoch vermutlich keinen Abschluss finden, denn wie Eingangs erwähnt: die Kraftwagen entzünden sich ab und an (auch während der Fahrt) schon mal von ganz allein…

Der 54-Jährige W. war Ende vergangener Woche nach Chemnitz gezogen. Hier wollte er sich nach Verbüßung von fünf Jahren Haft und 18 Jahren Sicherungsverwahrung wegen mehrfacher Vergewaltigung von Taxifahrerinnen eine neue Existenz aufbauen. (src) (via)

Mich erinnern diese ganze öffentliche und nun von der NPD instrumentalisierte Aufregung, der Protest, die zutagetretende Ablehnung und die alldafür aufgebrachte Energie an die Belagerung von Honecker nach dessen Machtverlust und Flucht aufs Dorf, folgt man den Ausführungen des Pastors Uwe Holmer (bei etwa 13 Minuten) :   Dabei ist natürlich die Verknüpfung eine andere: Honecker als Politiker musste damit rechnen auch nach Amtsabgabe eine Person von Interesse zu sein. Hingegen sind die zwei von der Staatsmacht für ihre Vergehen bestraften (und nun im Prozess der Wiedereingliederung in die Gesellschaft) in Insel Belagerten in den Fokus geraten, weil sie Angst machen. Die vorgesehene Wiedereingliederung in die Gesellschaft trifft auf Ablehnung. Auf Grund einer konstruierten Phantasie wird hier der mögliche Täter schon vor der Tat verurteilt, vielmehr: ausgeschlossen, in die Mitte genommen. Es gilt ihn zu stigmatisieren – erfolgreich, wie es scheint. An anderen Orten findet sich mittlerweile eine ebensolche Ablehnung gegen ihn:

Bereits am Dienstagabend war es am neuen Wohnwort von W. in Chemnitz zu einer Kundgebung gekommen. Dabei protestierten nach Angaben der Polizei rund 50 Menschen gegen die Anwesenheit des einstigen Sexualstraftäters. Die Chemnitzer NPD hatte sich als Organisator dieser unangemeldeten „Spontandemonstration“ bezeichnet, bei der auch Transparente zum Einsatz kamen. Laut Stadtverwaltung wird die Rechtmäßigkeit dieser Veranstaltung geprüft. Zugleich bestätigte die Stadt, dass für Freitag und Sonntag von NPD-Vertretern weitere Kundgebungen vor dem inzwischen von W. verlassenen Wohnhaus angemeldet worden seien. (src)

Welches Ziel die NPD an der leeren Wohnung den aufgeregten Anwohnern kundtun wird ist mit Sicherheit nicht unerwarteter Natur.   Der Erfolg der Aktion in Chemnitz verdeutlicht, wieviel Misstrauen, zustimmende und gelebte Ablehnung gegen etwas zukünftig Mögliches zu finden ist (Menschenangst?), welche gar (partiell) deckungsgleich mit dem menschenvernichtenden Welt- und Geschichtsbild der Nazis ist. Es wird immer mehr zu einer Geschichte einer erfolgreichen Stigmatisierungskampagne welche möglicherweise wegen des so durchschlagenden Erfolgs Nachfolger finden wird – die neue Existenz blieb dem „54-jährigem“ vorerst verhindert. Er ist auf der „Insel“ deutscher Tugendhaftigkeit an den Pranger des Missratenen gebunden worden, nicht nur von der NPD.

Einen ideologischen Untergrund hat der NS nachhaltig gelegt. Treffender wäre wohl von Abgrund zu sprechen. Der NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) von den zwei Uwes, der Beate und allen anderen Beteiligten hingegen, nunja, Einblick. Einblick an wem ein Exempel statuiert werden sollte & wurde. Hörenswertes Audiomaterial dazu übrigens (mit prominentem ARD-Radiofeature-Jingle) http://mp3-download.ard.de/radio/radiofeature/rechter_terror_swr_compl.mp3 hier zu downloaden (darin: Rainald Grebe, Hip-Hop-Musi, Anti-Extreministen „welcher Seite auch immer“ und Polizeiprotokolle).

Sachsen macht sich nun dran die Ausmaße und involvierten möglichen weiteren Untergründler zu erforschen, wie es sich für eine Demokratie gehört. Erstaunlich dabei: die NPD hat ein Parteimitglieder ebenfalls fest in dem Untersuchungsausschuss zum mörderischen Naziterror sitzen:

Wie eine an der Landtagsdebatte teilnehmende Abgeordnete mitteilte, erhielt Arne Schimmer 18 Ja-Stimmen und 17 Nein-Stimmen. […] Der NPD-Abgeordnete Andreas Storr erhielt in der Abstimmung 22 Ja-Stimmen, 21 Nein-Stimmen und 77 Enthaltungen. Für den Nachrücker Mario Löffler stimmten ebenfalls 22 Abgeordnete, 20 Personen stimmen mit Nein, 79 Abgeordnete enthielten sich. Beide sind somit als stellvertretende Mitglieder in den Untersuchungsausschuss gewählt. (src, via)

Es wirkt fast paradox: Arne Schimmer von der NPD ist Teil des „Untersuchungsausschuss Neonazistische Terrornetzwerke in Sachsen“:

(src)

Beraten wird das NPD -Mitglied u.a. von Eckhard Jesse – einem Vertreter der Idee des wehrhaften Hufeisen. Oder ist die NPD jetzt in Sachsen bissel weiter in die Mitte gerückt und hat den Rand, das Extrem, verlassen? Ein Ende und ein erstes Ergebnis (welcher Form auch immer) ist in Sicht: Innenminister Markus Ulbig (CDU) hat jüngst

in einer Sondersitzung des Ausschusses verkündet, dass er den vorläufigen Abschlussbericht des Ausschusses am 28. Juni vor dem Innenausschuss des sächsischen Landtages vorstellen wolle. (src)

Ich bin gespannt.

Ist es politisch ein Werbeplakat für eine Partei zu gestalten? Vermutlich schon. Das Plakat soll Idee und Ziel der Gruppe abbilden, es durchläuft einen Prozess von der Idee bis hin zur Bildwerdung des politischen Statements.  Verschiedene Werbeplakate für einen grünen Politiker im Weimar gestaltete eine Künstlergruppe welche der Uni entstammt. Dabei war u.a. ein Plakat, welches selbst von den Künstlern mit Farbeiern beworfen wurde, zu lesen: „In der Politik ist es manchmal wie mit der Grammatik: Ein Fehler, den alle begehen, wird schließlich als Regel anerkannt. (Andre Malraux)

Das ist dann also Kunst. Ein anderes Plakat für den Grünen Politiker Carsten Meyer hat den Unmut von aergernis und anderen Bauhaus-Studierenden auf sich gezogen. Es ist eine Kreation der Studentin Katja Triol und zeigt, für politische Plakate von heute eher ungewöhnlich, einen sozial- und gesellschaftlich Exkludierten:  Zu sehen ist stilisiertes Ghetto, ein Mann mit Plastikbeuteln und verschiedenfarbige Mülltonnen. Der Zusammenhang wird schnell deutlich – offensichtlich ein Flaschensammler oder jemand der Mülltonnen durchsucht. Der Slogan „Mehr Farben. Mehr Freude.“ lässt sich vielseitig verstehen, spielt hier jedoch auf die Mülltonnen an. Also: mehr Freude für die Tonnenwühler wegen der Vielzahl an Farben. Der Grüne Politiker Meyer hilft auch dir Tonnenwühler zu einem glücklicheren Leben, aka „im Tale grünet Hoffnungsglück.“ Es ist kein Witz, trotzdem ist es lustig gemeint. Was zeigt es genau? Aergernis meint nicht untreffend:

Es ist die widerliche Klassenarroganz und Distinktion der gut gestellten Mittelschicht, die im Bioladen einkaufen kann, sich im Eigenheim am Rand einer Kulturstadt zur Ruhe gesetzt hat, oder hier verweilt, um das von den Eltern bezahlte Studium zu absolvieren. Hier spricht so ungeschminkt eine – zur Rede gestellt ganz bestimmt überhaupt nicht bös‘ gemeinte – Verachtung für diejenigen, die vom Wohlstand dieser Gesellschaft ausgeschlossen sind und denen man – wenn nicht mit den Polizeiknüppeln der Ordnungsmacht, so doch symbolisch, mit Bildern – noch hinterhertreten muss. (src)

Armut dient hier als Werbegag und artikuliert daneben im beste Sinne »wohlgemeinten Bürgerrat«. Der Arme ist in der modernen Gesellschaft nicht bloß Manövriermasse sozialpolitischer Verwaltung sondern zieht stets das erzieherische Engagement besser gestellter BürgerInnen auf sich. Er kann nicht nur beraten, begleitet, therapiert, weggesperrt oder geduzt werden – er kann auch ungefragt als großformatige Werbefigur eine Stadt und deren Lokalpolitik präsentieren, die ihm nur in den Arsch tritt. (src)

Politische Kunst ist meistens peinlich – sich als »Künstlergruppe« an eine etablierte politische Partei anzuschmeißen spricht dagegen nicht nur für einen wirklich schlechten Geschmack, sondern ist zudem gleichzeitig ein doppelter Verrat – an der Autonomie der Kunst, die sich einst von den staatlichen Institutionen emanzipierte, sowie am avantgardistischen Aufhebungsversuch der Kunst […] (src)

Was noch zu erwähnen wäre: das Plakat wurde bereits nach kurzer Zeit beschädigt. Offensichtlich war Jemandem der Unmut über das Bild zu groß und er schändete das politische Kunstwerk.

update: lesenswertes zum Thema Kunst bei ofenschlot.

(screenshot von einem Naziportal)

Vor knapp zwei Jahren war der iranische Staatspräsident mit einem Journalisten eines amerikanischen Fernsehsenders im Gespräch (Kleber vom ZDF hat dem Staatsführer ja neulich auch gegenübergesessen…). Bemerkenswerterweise erzählt Ahmadinejad auch von Dingen, die heute eine andere Aktualität haben dürften…

Ahmadinejad: „Israel ist kein Faktor in unserer Verteidigungspolitik, wir haben die nicht mal erwähnt.Frage: „Sie planen nicht einmal für den Eventualfall?“ Ahmadinejad: „Die sind am Ende. Das zionistische Regime ist am Ende. Die kommen nicht einmal mit Gaza klar. Die wollen eine Auseinandersetzung mit dem Iran? Jeder kennt doch diese Tatsachen und es überrascht mich dass sie als professioneller Journalist das nicht wissen. Jeder Politiker auf der Erde weiß davon. Das zionistische Regime schafft es nicht mal Gaza in den Griff zu bekommen, wollen die dann noch in einen Konflikt mit dem Iran treten?  (freie Übersetzung von dieser src)

Am 10. März wurde ein Pferd getötet und ein Haus nahe Ashdod durch einen direkten Raketentreffer schwer beschädigt.

Bernd Dahlenburg hat sich nicht nur die Mühe gemacht alle Opfer der Raketenangriffe aus dem Gaza aufzuzählen, sondern berichtet auch davon, dass

wieder einmal [..] eine Million Israelis die letzten 48 Stunden in nahe gelegenen Luftschutzkellern oder ihren geschützten Räumen verbringen […] [mussten]. 

Des weiteren mahnt er in seinem Artikel (der ein interessantes Bild enthält)  zurecht die fehlende Unterscheidung an, auf die es eben doch ein wenig ankommen sollte: die Selektion.

Unterscheiden die Medien zwischen gezielten israelischen Schlägen gegen Terroristen – im Gegensatz zu wahllos-absichtlichen palästinensischen Raketenangriffen auf israelische Zivilisten? (src)

Aber angesichts solcher Nachricht wie der folgenden, scheint die „Kriegsführung“ dann doch wieder symmetrisch geworden:

Ein palästinensischer Terrorist stach am Donnerstag mehrmals auf eine 19-jährige israelische Soldatin in Jerusalems neuer Straßenbahn ein. Sie trug schwere Verletzungen davon. Er konnte fliehen, wurde jedoch später gefasst und inhaftiert. (src)

In jedem Fall erwähnenswert ist auch der Verweis von Dahlenburg auf eine slide show. Klick!

update: der sich waghalsig dünkende BR-Reporter berichtet footage-like aus Ashdod.

Einen Tag vor dem offiziellen Holocaustgedenktag, dem Tag der Befreiung des Lagers Auschwitz durch die Rote Armee im Jahr 1945,  also vor 67 Jahren, ist es mal wieder Zeit sich Gedanken zu machen und die Frage zu stellen: Wie wird umgegangen mit der barbarischen Vergangenheit, nein vielmehr mit dem Ort der Sinnbild geworden ist für die rationalisierte, industrialisierte Menschenvernichtung? Es scheint, als ob das Lager Auschwitz zu einem Platz geworden ist, der sich einreiht in die Kette von Sehenswürdigkeiten die man eben besucht wenn man in der Nähe ist (oder wegen dem Klassenauflug gezwungen ist zu besuchen). Es ist ein Ort, der mit der ikonographierten Metapher alles zu beinhalten scheint und deshalb wie ein Schlüssel wirkt, aber das was zu bekommen ist  „nur“ Stacheldraht, einige Gebäude und Ruinen meint. Es ist ein Ort der die Vergangenheit nicht greif- oder erklärbarer werden lässt. Es ist ein Ort und kein Abstraktum, ein Ort der schreit von Entmenschlichung und Barbarei und doch schweigt, ein Ort der einen Prozess  und Handlungen beinhaltet und doch museal starr bleibt und schweigt. Die über ihre Erfahrungen erzählenden Überlebenden sind ein Versehen.

Es ist ein Ort in der Welt der in der Welt bleibt – und zum Spielplatz wird und allem wonach das menschliche Bedürfnis eben trachtet…

(src)

Lesenswertes von Henryk M. Broder, der das heutige Lager vor allem als ökonomischen Tourismusfaktor beschreibt, aber nicht mit dem richtigen Schluss zum 50. Jahrestag der Befreiung des Lagers.

Für Detlev Claussen löste sich der Ort Auschwitz auf – hinter einem sinnstiftendem Abstraktum: „Mit ‚Holocaust‘ aber war das Zauberwort gefunden, das Auschwitz verschwinden ließ. „ (von hier )

In Deutschland hat es seit jeher Konjunktur die Toten von Auschwitz mit den Toten von Stalingrad oder den Toten von Dresden zu nennen – als Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in einem sogenannten Jahrhundert der Extreme. Doch genau darin ist nicht nur eine Relativierung, sondern die Negation der industrialisierten Menschenvernichtung zu sehen. Das Leben innerhalb des Lagers wird dem Leben außerhalb des Lagers gleichgestellt, das allgegenwärtige Sterben im Lager als eine bloße Facette der Allgegenwart des Todes im Krieg dargestellt…

Jean Amery: „Da  und  dort  wird  vielleicht  jemand  einwenden, dass  auch  der  Frontsoldat  ständig  vom  Tode umfangen war und dass darum der Tod im Lager nicht eigentlich einen spezifischen Charakter und eine unvergleichliche Problematik hatte. Muss ich erst noch sagen, dass dieser Vergleich untauglich ist? Der Soldat starb den Helden – oder Opfertod: der Häftling den des Schlachtviehs. Der Soldat wurde ins Feuer getrieben, und sein Leben war nicht viel wert, das ist wahr, dennoch war ihm vom Staate nicht das Sterben verordnet, sondern das Überstehen. Des Häftlings letzte Pflicht aber war der Tod.“ (src)

In den Aufzeichnungen zu der Ansprache Der Autor als Produzent stellt Benjamin fest: ‚Die linksradikale Belletristik und Reportage mag sich gebärden wie sie will – sie kann niemals die Tatsache aus der Welt schaffen, daß selbst die Proletarisierung des Intellektuellen beinahe niemals einen Proleten schafft. Warum? Weil ihm die Bürgerklasse, in Gestalt der Bildung, von Kindheit auf ein Produktionsmittel mitgab, das ihn, auf Grund des Bildungsprivilegs mit ihr, und das, vielleicht noch mehr, sie mit ihm solidarisch macht.‘ (VI, 180; vgl. II, 700; III, 225).

Mal wieder wird sich beschäftigt mit den wirklich wichtigen Fragen – Nachbarschaftsstreitgkeiten und -problemen. Anders ist der Artikel „Connewitzer Kiezkonflikte“ bei Indymedia wohl nicht zu verstehen… Kritisch zu Wort gemeldet wurde sich jetzt wohl auch, weil die Wohlfühllieblingskneipe „Frau Krause“ angeblich in das Eigentum eines der großen dominierenden und die stadtpolitischen Vorgaben verfolgenden Immobilienverwalters übergangen ist. Manche meinen sogar, es sei schon ganz Leipzig im Magen der „HJ“:

Und natürlich gehts auch mal wieder um die selbsternannte Insel des Kiez, das Conne Island. Ein Ort den es seit etwa 1880 als Ausflugsziel gibt, zwischendurch mal HJ (Hitlerjugend)-Heim war, dann bis 1990 FDJ-Clubhaus bis es schließlich seit 1991 selbstverwalteter und autonomer Treff- und Konzertort wurde und wo sich heute angeblich „anti-deutsche Faschisten/innen treffen“. Hier ein Artikel des Cee-Ieh Newsflyer zur Kiez-Problematik und deren Selbstverortung.

Bad Aibling (in der Nähe von Pullach) mit Echelon-Anlage:

(screenshot Bing-Maps, click to enlarge)

Vor 1971 wurde noch ein Großteil der eingehenden Information manuell ausgewertet. Zu jener Zeit baute die NSA unter dem Codenamen PLATFORM ein gewaltiges Computer-Netzwerk auf, das 52 Systeme, die sich im Besitz der um den Erdball verstreuten Mitglieder befanden, miteinander verknüpfte. Das Software-Paket, das die SIGINT-Operationen der einzelnen Partner zusammenführte, trug den Codenamen ECHELON. Die Ressourcen und die Prioritäten haben sich seit seiner Einrichtung stark erweitert.

In den späten 80er Jahren, während des Siegeszuges relativ billiger Kommunikations-Satelliten, gab es kaum einen Winkel auf der Erde, der nicht durch eine Abhöranlage oder eine Satellitenüberwachungsstation aus dem Besitz eines der UKUSA-Mitglieder kontrolliert war. Damit ist es ECHELON möglich, jegliche Art von unverschlüsselter und einige Arten von verschlüsselter Kommunikation, insbesondere solche, die in standardisierten Verfahren verschlüsselt wird, auf der ganzen Welt abzuhören und zu verarbeiten. ECHELON soll täglich bis zu 3 Milliarden Kommunikationsverbindungen abhören und dabei sowohl Telefon- und Faxverbindungen, E-Mail-Verkehr, Internet-Chats, Newsgroups und ähnliches erfassen.

 Das ECHELON-System erfasst all diese Verbindungen wahllos über verschiedene „Schnüffel“-Einrichtungen. Diese „Schnüffler“ (ähnlich wie das berüchtigte CARNIVORE, das vom FBI speziell für das Abhören von Kommunikation über E-Mail verwendet wird) sammeln Informationen über Datenpakete, wenn sie das Internet über verschiedene Knotenpunkte durchwandern. Dann filtert das System mit Hilfe von Spracherkennungstechnologie und künstlicher Intelligenz die Information heraus, die von Interesse ist – ähnlich wie es Suchmaschinen wie Google oder Altavista tun, aber auf wesentlich höherem Niveau. Die NSA hält in diesem Technologie-Bereich mehrere Patente, wie z. B. das berühmte „Semantic-Forest“-Patent zur Themenanalyse (US-Patent-Nummer: 5937422). Einige Stimmen behaupten, dass ECHELON ca. 90 Prozent der täglichen Kommunikation im Internet durchsiebt.

Anti-ECHELON-Aktivismus

Initiativen zur Aufklärung der ECHELON–Aktivitäten und zur Öffentlichmachung und Bekämpfung von großflächigen Abhörvorgängen sind von Anfang an von zivilgesellschaftlichen Gruppen und investigativen Journalisten ausgegangen, während Regierungen sich jahrelang im Beschwichtigen und Ableugnen übten bzw. zum Teil über die Aktivitäten von Geheimdiensten im eigenen Land gar nicht informiert waren.Der Anti-ECHELON-Aktivismus der frühen Tage, bei dem es darum ging, die Existenz des Systems erst einmal zum Thema eines breiteren Diskurses zu machen, ist zum Teil in die Institutionen abgewandert. Er hat aber auch eine Reihe von Aktionen hervorgebracht, die darauf abzielen, das Überwachungssystem anzugreifen oder zumindest immer wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Eine solche Initiative ist der Jam-ECHELON-Day, der 21. Oktober, an dem das System mit Stichwörtern überfüttert und so in seiner Funktion beeinträchtigt werden soll. Die Stichwörter werden dabei als Signatur an möglichst viele E-Mails angehängt. Inwieweit derartige Aktionen ECHELON tatsächlich beeinträchtigen können, ist natürlich sehr fraglich; immerhin dürfte damit aber ein Beitrag zur Bewusstseinsbildung geleistet werden.

Auszug aus einer Liste vermuteter ECHELON-Stichwörter des Jam-ECHELON-Days (www.jamechelon.org) [die site gibts nicht mehr] :

SUAEWICS, Juiliett Class Submarine, Locks, qrss, loch, 64 Vauxhall Cross, Ingram Mac-10, wwics, sigvoice, ssa, E.O.D., SEMTEX, penrep, racal, OTP, OSS, Siemens, RPC, Met, CIA-DST, INI, watchers, keebler, contacts, Blowpipe, BTM, CCS, GSA, Kilo Class, squib, primacord, RSP, Z7, Nerd, fangs, Austin, no|d, Comirex, GPMG, Speakeasy, humint,GEODSS, SORO, M5, BROMURE, ANC, zone, SBI, DSS, S.A.I.C., Minox, Keyhole, SAR, Rand Corporation, Starr, Wackenhutt, EO, burhop, Wackendude, mol, Shelton, 2E781, F-22, 2010, JCET, cocaine, Vale, IG, Kosovo, Dake, 36,800, Hillal, Pesec, Hindawi, GGL, NAICC, CTU, botux, Virii, CCC, ISPE, CCSC, Scud, SecDef, Magdeyev, VOA, Kosiura, Small Pox, Tajik, +=, Blacklisted 411, TRDL, Internet Underground, BX, XS4ALL, wetsu, muezzin, Retinal Fetish, WIR, Fetish, FCA, Yobie, forschun g, emm, ANZUS, Reprieve, NZC-332, edition, cards, mania, 701, CTP, CATO, Phon-e, Chicago Posse, NSDM, l0ck, beanpole, spook, keywords, QRR, PLA, TDYC, W3, CUD, CdC, Weekly World News, Zen, World Domination, Dead, GRU, M72750, Salsa, 7, Blowfish, Gorelick,Glock, Ft. 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3848, 8182, $, &, ^, ^?, ~, 1*, 1080H, 15kg, 3B2,50BMG, a, ABC, ACC, ActiveX, advise, advisors, afsatcom, AFSPC, AHPCRC, AIMSX, Aladdin, Alica, Alouette,AMEMB, Amherst, AMW, anarchy, ANC, AOL, AOLTOS, ARC, Archives, Area51, argus, Armani, ARPA, Artichoke, ASIO, ASIS, ASIS, ASLET, assasinate, Asset, AT, AT&T, Atlas, Austin, AVN, b, B.D.M., b9, Badger, bank, basement, BATF, BBE, BECCA, beef, Bess, bet, BeyondHope, BfV, BITNET, black-bag, Blackbird, Blacklisted411, Blackmednet, Blacknet, Black-Ops, BletchleyPark, Blowfish, BMDO, BND, Bob, BOP, BOSS, botux, BRLO, Broadside, Bubba, BubbatheLoveSponge, bullion, BVD, BZ, c, Cable&Wireless, CANSLO, Capricorn, Cap-Stun, CATO, CBM, CBNRC, CBOT, CCC, CCS, CDA, CdC, CDC, cdi, CESID, CFC, chaining, chameleonman, Chan, Chelsea, ChicagoPosse, Chobetsu, chosen, CIA, CID, CIDA, CIM, CIO, CIS, CISE, Clandestine, clone, cocaine, COCOT, Coderpunks, codes, Cohiba, Colonel, Competitor, Compsec, Compsec97, ComputerTerrorism, Consul, CONUS, Cornflower, 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 (beachtlich die Quelle des Textes)

Schon der Titel lässt ahnen: es scheint ein nie kommender Tag, oder ein Abgesang, ein Bedauern. Es ist ein Lokalzentrismus (der auch zu Nazis passen würde – oder sind die eher National?), der eines Tages wichtig geworden oder bis heute geblieben ist – sei es qua Herkunft, Hinzug oder (ich will dies nicht unterstellen) ein Punkt von persönlich wie auch immer motivierter Relevanz . Welcher Relevanz wäre die Frage – für das Subjekt die Antwort. Wäre die Frage zu stellen ob das Subjekt aufgeklärt, reflektiert oder sonstwas ist. Dass das Subjekt reflektieren kann wird offensichtlich, wenn es Kritik formuliert. Im folgenden eine Kritik an der Kritik an Pogrom 1991:

Kritik an der Bürgernähe der Initiative Progrom.91

Liebe Initiative Progrom.91,

auch wir als Antifaschist_Innen folgtem eurem Aufruf zur Demonstration am 17.September [2011, Anm.] in Hoyerswerda. Und auch wir musste leider miterleben, wie ihr mit den Progromen von 1991 umgeht.
Für uns war die propagierte Bürgernähe mehr als erschreckend. Seit 20 Jahren kämpfen Antifaschist_Innen um die Anerkennung der Progrome, welche durch Nazis und Bürger_Innen – oder schlichtweg Deutsche – zum weltweiten „Ruhm“ von Hoyerswerda führte.
Doch euer Weg ist nicht der einer Kritik an den Bürger_Innen. Anstatt die Schuld kollektiv zu verteilen und allen Bürger_Innen klar zu machen, dass sie zumindest Schuld an der nichtvorhandenen Aufarbeitung, und der Verdrängung sind, versucht ihr ein vorgeschobenes Problembewusstsein zu schaffen.

Fail. Ohne Problembewusstsein keine Diskussion – eure Antwort – die leider nicht auf den Punkt Bewusstsein eingeht, sondern auf etwas anderes: eben jenes Bewusstsein dass die Ereignisse auf der Straße liefen wie sie liefen.

Unstrittig ist die Schuld der an diesem Tag beteiligten Nazis und Bürger_Innen. Unstrittig ist auch das unvorstellbare Verhalten von staatlichen Repressionsorganen. Unstrittig sollte jedoch auch sein, dass jedeR Bürger_In von Hoyerswerda auch noch heute schuldig ist. Niemand in diesem Plattenbaukomplex, welcher 30.000 Einwohner_Innen umfasst ist ein Opfer. Sie alle bleiben Täter und sollten auch als genau das benannt werden!

Es geht nicht um Schuld oder Unschuld, sondern um das Bewusstsein des Stillhaltens, die Funktion eines Zuschauers und eben – wie ihr es definiert – des Handelnden, des Täters.

Niemals soll die hässliche Fratze des deutschen Mobs vergessen werden, welche in diesen Tagen Molotovcocktails und Steine gegen die Wohnungen der Migrant_Innen und Vertragsarbeiter_Innen warfen. Niemals soll vergessen werden wie die Täter geschützt wurden.
Und niemals soll vergessen und verziehen werden wie dieses Progrom seit 20 Jahren kleingeredet wird.

Und genau dagegen richtet sich doch auch die Kritik von Pogrom.91.

Doch eure Reaktion ist dabei typisch deutsch. Ihr versucht eine Zivilgesellschaft aufzubauen, in dem ihr ein Schamgefühl und ein sog. Problembewusstsein schafft.

Was ist denn eure Kritik am Problembewusstsein? Verkürztes Bewusstsein ist Scham, reflektiertes sollte ein als Problem wahrgenommen Punkt durch Handeln zu ändern versuchen, or not?

Ihr macht dies auf eine perfide Art und Weise, indem ihr zum Beispiel die Bürger_Innen auf der Demonstration direkt ansprecht und sie auffordert an der Demonstration teilzunehmen.

Wenn es wirklich nur darum ging Menschen dazu einzuladen, dem Pogrom von 1991 in einer anderen Weise zu gedenken als Stadt und Offizielle ist dies anzuerkennen. Wenn es nur darum ging ein größeres Bündnis, auch mit teilnehmenden inhaltsunwissenden Subjekten zu erreichen, kritikwürdig. Es steht aber außer Zweifel, dass im lokalen Presseorgan (der Sächsischen Zeitung) von einer Teilnahme der Hoyerswerdaer Bürger an der Pogrom.91-Demo abgeraten wurde: „Ich für meinen Teil glaube, wer als Hoyerswerdaer wirklich [im Original, Anm.] etwas für seine Stadt tun will, ist besser auf dem Altstadt-Markt oder dem Lausitzer Platz aufgehoben. Dort findet von 13.30 bis 17 Uhr ein angemessenes stilles Gedenken statt.“ (Quelle)

Doch damit stärkt ihr nur einen staatlichen Antifaschismus, dessen größtes Problem der Schaden des weltoffenen, transkulturellen Deutschland – oder in diesem speziellem Fall Hoyerswerda ist.

Fail. An das Progrom in einer anderen Weise zu gedenken als Stadt und Offizielle, nämlich inhaltlich und scheinbar reflektiert, dadurch wird nicht der staatliche Antifaschismus gestärkt, sondern das Gedenken bekommt eine weitere Facette – im Idealfall geht es nicht um die Standortaufwertung (wie die Adjektive weltoffen oder transkulturell implizieren), sondern das Offenlegen von Problemen, also keine weitere quasi Funktion im großen Projekt Antifaschismus einzunehmen sondern die spezielle Art des Gedenken an den Ort zu tragen – (nichts anderes machen im übrigen die Nazis bei ihren Aufmärschen in Dresden nur eben unter dem Aspekt des Opfermythos – warum habt ihr die noch nicht so scharf kritisiert, oder macht das „thedaydresdendied“?)

Niemand erkennt in diesem Zusammenhang, dass das eigentliche Problem Deutschland und seine Dorfgemeinschaften bleibt!

Weil die Dorfis kein Bewusstsein (oder das in euren Augen falsche Bewusstsein) haben, oder wieso?

Dieses Problembewusstsein [des Pogrom.91, Anm.] ist also nur vorgeschoben um eine minimale Effektivität eurer Arbeit herbeizubeschwören und damit die Realität zu beschönigen. Auch ihr seid also in diesem Fall Mitschuld an der fehlenden Aufarbeitung der Progrome von Hoyerswerda. Ihr macht euch selbst zu deutschen Tätern indem ihr die Auseinandersetzung beschönigt und damit die Progrome relativiert.

Was wurden denn beschönigt? Für ein Zitat wäre ich dankbar. Es ist im übrigen genau das Gegenteil der Fall: erst durch die Initiative wurde überregional (meinetwegen auch im MDR) zwar mehr über die Anlässe der Demonstration und weniger über deren Anliegen (aber auch deren scheinbares Scheitern) berichtet, aber euch immerhin einen Ansatzpunkt gegeben Kritik zu üben – wieso werden diese dann zu Tätern? Relativieren tut hier nur einer: ihr.

So gut euer Anliegen also war, trennt euch in der Umsetzung nicht viel vom allgemeinem deutschen Mob.

O-Ton Bildzeitung? Gibt es neben dem allgemeinen auch einen spezifischen deutschen Mob? Ihr übt Kritik an der Umsetzung, formuliert die aber leider nicht weiter aus. Latschdemo und Zettel verteilen, Leute auf der Straße anquatschen um deren Positionierung in eben jenem Moment abzufragen ist für euch also das selbe wie Molovcoctails auf Häuser werfen um einen als für das eigene Leben (und wenn es um Deutsche geht: für die als Kollektiv empfundene Gemeinschaft) störenden Moment (es geht wohlgemerkt um die Anwesenheit von Menschen!) zu beseitigen? Wtf.

Sicherlich wollen wir euch nicht vorwerfen, dass ihr im nächsten Moment Nazis vor Cops schützt, während erstere Migrant_Innen angreifen – trotzdem tragt ihr in der innerlinken Diskussion mit diesem Auftreten massiv zu einer Relativierung bei.

Again: relativating is ur business!

Diese Art und Weise der Auseinandersetzung ist für uns jedoch nicht tragbar. Wir sehen keinen Sinn in der Zusammenarbeit mit Bürger_Innen, welche diese Progrome auch heute noch unterstützen würden.

Ein interessanter Punkt. Erinnert mich an die Fragestellung: Erinnern, aber wie? Euer Fehler ist jedoch, dass ihr die Bürgerlichen (so habe ich Bürger-Innen verstanden) mit dem Mob gleichsetzt, weil in jedem Ereigniss hierzulande nach eurer Wahrnehmung sich der Mob bahn bricht (dies scheinbar primär in der „Dorfgemeinschaft“).

In der Auseinandersetzung mit selbigen [den Bürger_Innen], welche eine radikale Linke als „gleichwertige Störenfriede“ wie Nazis empfinden. Und wir sehen keinen Sinn in der Auseinandersetzung mit dem deutschem Mob!

Bahn gebrochen hat sich der Mob in verschiedenen Situationen zu verschiedenen Zeiten immer wieder – so auch direkt nach dem Zweiten Weltkrieg (siehe hier oder hier) und verdient das Wort Mob, wie auch die Ereignisse im Zuge der Überwindung der geopolitischen Folgen des Zweiten Weltkriegs mit 1990/1991 in Deutschland (z.B. Rostock, Mölln, Solingen oder jeder anderen Stadt) dieses Wort verdienen. Nicht zu vergessen neben den „großen“ Ereignissen, die kleinen – wie  jemanden unliebsames aus der fahrenden Straßenbahn zu werfen oder dessen Tod selbst mit dem Messer in der Hand herbeizuführen (z.B. wie zuletzt in Leipzig der Tod von Kamal K.)

Wir fordern also hiermit das gleiche, was das Café Morgenland bereits 1991 forderte.
Brennt Hoyerswerda nieder!

Hammer und Sichel dem deutschen Michel!
Deutsche gibt’s in jeder Stadt – bildet Banden macht sie platt!

tdzd im September 2011

Anzünden & platt machen, und zwar jede Stadt (oder nur deren Bewohner?). Hammer und Sichel dem deutschen Antifa-Michel. Wo bleibt eure Kritik an diesem Erinnerungsentwurf? Im Verbrennen ist in der Tat eine Lust zu finden (Freud hat da sicherlich was drüber geschrieben). Nur weil das Dreckskaff Zwickau einfach nicht sterben will (oder weil es dies eben vielleicht nach eurem Empfinden vielleicht schon sehr oft ist), übertragt ihr das auf andere Städte. Dabei hat Zwickau doch soviel zu bieten, wie ihr selber so schön zusammentragt: den Kristallisationspunkt der deutschen Zustände. Und das beinhaltet eben auch die öffentliche Gedenktafel für die tolle Stimmung in den deutschen Landen 1990 im knapp 40km entfernten Plauen – dem Hort wo (wie zu lesen ist) erstmals die Forderung nach der deutschen Vereinigung von der versammelten Volksmasse ausgesprochen wurde:

„Vom 14. Oktober bis zum 17. März 1990 [was für eine irritierende Zeitangabe] sprechen auf der Freitreppe Vertreter der neuen demokratischen Kräfte zu den Demonstranten und beginnen die Demonstrationen durch die Stadt Plauen, an denen sich Zehntausende beteiligen. Die ersten Forderungen auf den Plauener Massenkundgebungen waren „Pressefreiheit“, „Reisefreiheit“, „demokratische Wahlen“ und – „Stasi in die Produktion“. Später kam – erstmals in Plauen ausgesprochen – der Ruf nach der deutschen Vereinigung auf.“

Eure Antwort auf sowas: nicht problematisieren, sondern exekutieren. Eigentlich habt ihr damit recht – fahrt nach Plauen und sprengt dieses Schild. Wäre jedoch zu vermuten, dass sich dadurch im Bewusstsein über das zweifelsohne kritisierenswerte deutsche Erinnern nichts ändern wird. Stellt sich die Frage nach der Methode – eure Antwort vielleicht eine typische: sich des Problems im Feuer zu entledigen, also alle deutschen Kleinstädte dem Erdboden gleichmachen (nur Polemik? dann lasst das polemisieren!). Sich jedoch an die Alternative einer kritischen Theorie zu halten, sich die Möglichkeit eines Bewusstsein offen zu halten welches als einzige Instanz vielleicht auch die Welt anders einzurichten versucht, jedoch vor allem zuerst Grundlage einer Veränderung sein sollte, wird von euch negiert. Ernüchternd wenn die sich radikal Links dükenden Subjekte (als die ihr euch ja scheinbar empfindet) über falsche Kritik an Latschdemos und dem Hass auf die ungeistige Provinz nicht hinauskommt. Dadurch stärkt ihr die kulturhegemoniale Stellung der Stadt, die das anscheinend nötig hat (da spitzen sich die deutschen Verhältnisse im übrigen nur in einer anderen Form zu). Um meine Kritik an eurer Kritik in einen Satz zu fassen: die Nähe die ihr in der Motivationsüberschrift postuliert existiert nach meiner Wahrnehmung so nicht.

zu Pogrom.91

zu thedayzwickaudied

(via afterchangeswearemoreorlessthesame)

Der Antisemitismus und die Judenfrage als geschichtliche, solzialbedingte, geistige Erscheinungen gingen und gehen mich nichts an. Sie sind ganz und gar Sache der Antisemiten, ihre Schande oder ihre Krankheit. Die Antisemiten haben zu bewältigen, nicht ich. Ich würde ihnen in die unsauberen Hände spielen, wollte ich untersuchen, welchen Anteil an den Judenverfolgungen religiöse, ökonomische und andere Faktoren haben. Wenn ich mich einließe auf derlei Untersuchungen, würde ich nur der intellektuellen Düperie sogenannter geschichtlicher Objektivität aufsitzen, vor der die Ermordeten so schuldig sind wie die Mörder, wenn nicht gar schuldiger.

Eine Wunde wurde mir geschlagen. Ich habe sie zu desinfizieren und zu verbinden, nicht nachzudenken, warum der Schläger die Keule hob, und im erschlossenen Darum ihn schließlich halb und halb zu diskulpieren.

Jean Améry – Jenseits von Schuld und Sühne (2. Aufl. München 1970), S. 109f

Die Deutschen, die sich selbst durchaus als Opfervolk verstanden, da sie doch nicht nur die Winter vor Leningrad und Moskau hatten überstehen müssen, nicht nur die Bombardements ihrer Städte, nicht nur das Urteil von Nürnberg, sondern auch die Zerstükelung ihres Landes – , sie waren allzu begreiflicherweise nicht geneigt, mehr zu tun,  als auf ihre Art die Vergangenheit des Dritten Reiches, wie es damals hieß: zu bewältigen. In diesen Tagen, da die Deutschen gleichzeitig für ihre Industrieprodukte die Weltmärkte eroberten und daheim nicht ohne eine gewisse Ausgeglichenheit mit der Bewältigung befasst waren, verdichtete sich unsere – oder vielleicht darf ich zurückhaltender nur sagen: meine – Ressentiments. Ich war Zeuge, wie die deutschen Politiker, von denen sich, wenn ich recht unterrichtet war, nur wenige im Widerstandskampf ausgezeichnet hatten, eiligst und enthusiastisch den Anschluss an Europa suchten: Sie knüpften mühelos das neue an jenes andere Europa, dessen Neuordnung Hitler in seinem Sinne bereits zwischen 1940 und 1944 erfolgreich begonnen hatte.

Jean Améry – Jenseits von Schuld und Sühne (2. Aufl. München 1970), S. 81f

Als im Mai 1945 dem Vernichtungswahn durch die alliierten Streitkräfte ein Ende gesetzt wurde, hatten die Deutschen sechs Millionen Jüdinnen_Juden, eine halbe Million Sinti und Roma sowie unzählige andere „Volksfeinde” ermordet. Und als wäre nichts gewesen, gingen sie zurück an die Arbeit. Diese funktionierte weiter als scheinbar vorpolitische Größe, an der sie sich aufrichten konnten. So wurde in Westdeutschland die Erinnerung an Deportationen und Massenvernich­tung durch die lebhaften Bilder eifriger Trümmerfrauen und den Stolz auf das „Wirtschaftswunder” ersetzt: „Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen vollbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wol­len.“ (Franz-​Josef Strauß, 1969) […] Die Vorstellung von Gesellschaft als einig für die Gemeinschaft arbeitendes Volk besteht fort, Arbeit bleibt in Deutschland Dreh- und Angelpunkt gesellschaftli­cher Integration. […]

In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden – geplant von SA und weiteren Teilen der NSDAP, ausgeführt von „ganz normalen Deutschen” – im ge­samten Reich Synagogen in Brand gesteckt, Jüdinnen_Juden misshandelt, einge­sperrt und ermordet. Was hier in der kollektiven Raserei in Erscheinung trat, vollzog sich später in den Gaskammern der Konzentrationslager und den Erschie­ßungsaktionen der Einsatzgruppen. Akribisch versuchten die Deutschen noch die letzten Jüdinnen_Juden aufzuspüren und zu ermorden. Diesem Vorgehen kann keine ökonomische Ratio untergejubelt werden, Motivation war einzig der Wunsch nach vollständiger Vernichtung. Genau hier zeigt sich der Umschlag der instrumentellen Vernunft, das Scheitern an der nicht mehr mit ihr verbun­denen Humanität. Die Aufklärung und ihr Wissen wurden nicht zur Befreiung der Menschen aus ihrem Joch, sondern zur Vernichtung der „Gegenrasse” ge­nutzt. […]

Die deutsche Volksgemeinschaft, dieser kollektive Zusammenschluss, der sich in sei­ner Einheit permanent vom „Gegenvolk” bedroht fühlt, hat mit der militäri­schen Niederlage 1945 keineswegs ein Ende gefunden. Mit dem Begriff des Postna­zismus wird die Tatsache gefasst, dass mit der militärischen Niederlage 1945 zwar das Morden endete, die viel beschworene „Stunde Null” aber nie eintrat. Vielmehr haben die nachnationalsozialistischen Demokratien in Deutschland und Österreich Struktur-​ und Ideologieelemente des Nationalsozialismus modifi­ziert in sich aufgenommen. (src & kompletter Aufruf für den 3.10.11 in Bonn hier zu finden – lesenswert!)

Nur das Handeln eröffnet die Erfahrung von Vielfalt.
Aber Vielfalt bedeutet auch Unabwägbarkeit, Risiko und Chaos.

[…]

Die größte Gefahr in der Moderne geht nicht von der Anziehungskraft nationalistischer und rassistischer Ideologien aus, sondern von dem Verlust an Wirklichkeit. Wenn der Widerstand durch die Realität fehlt, dann wird prinzipiell alles möglich.

[…]

Nur das individuelle Urteilsvermögen, das der Stütze von Tradition und Regel nicht bedarf, ist fähig, in unvorhersehbaren Situationen die erforderliche Beweglichkeit und Aufmerksamkeit aufzubringen. […] Das Individuum ist der irreduzierbare Ausgangspunkt der Demokratie, insofern es allein die Begabung des Anfangens besitzt. […] Anfangen und Handeln gehören zusammen, und Handeln ist die einzige Fähigkeit des Menschen, welche Pluralität voraussetzt und zur Geltung bringt.

Ingeborg Nordmann in: Hannah Arendt – Besuch in Deutschland. S. 80ff

Wenn das Festhalten an „der“ Realität zur „Medizin“ gegen Ideologie wird, wenn das menschliche Subjekt individualisiert und endtraditionalisiert wird und der irreduzierbare Ausgang der volksgewaltigen Pluralität (aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit?) erst durch Handlung in wahrer Pluralität endet. Am seltsamsten jedoch, dass Handeln die einzige Fähigkeit des Menschen sein soll, die Pluralität zur Geltung bringt. Wenn Denken zum Handeln wird, wenn das Individuum als einzig begabter, flexibler, beweglicher und aufmerksamer Ausgangspunkt von Vielfalt gesetzt wird…

Einer derjenigen, welcher die Wandlung des Jürgen Elsässer (der nach Schkeuditz geladen hat) zum Deutschnationalen zur Kenntnis nahm, ist Detlef Nolde. Nolde wurde begeistertes Mitglied in Elsässers „Volksinitiative“. Sowohl Elsässer wie auch Nolde werden von redok in eine „Querfront-Strategie“ eingeordnet:

Nolde war in früheren Jahren NPD-Chef in Ostberlin gewesen, hatte als Berliner Kreisvorsitzender bei der im Februar 1995 verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) mitgemischt und die Kameradschaften Treptow und Köpenick gegründet. Besonders aktiv war Nolde bei der „Anti-Antifa“ […].

Im Zusammenhang mit dem Mord eines Neonazis, der zwei „Kameraden“ erstochen hatte, wurde Nolde im April 1997 inhaftiert [… und saß bis] bis Ende 1999 ein. In der Haftzeit will Nolde geläutert worden sein […]. Doch dieser „Ausstieg“ wurde schnell in Zweifel gezogen, denn unter anderem propagierte Nolde weiterhin platte antisemitische Verschwörungsthesen, wobei er sich auf NS-Autoren und Schriften aus der Zeit des „Dritten Reichs“ bezog.

In den folgenden Jahren war Nolde unter anderem bei den „Republikanern“ (REP) aktiv. Im Internet betrieb er ein „Sozialistisches Forum – revolutionäre Plattform“, zeitweilig sogar unter der Bezeichnung „Deutsche Kommunisten“, mit dem er offenbar im Sinne einer Querfront-Strategie die Nähe zu linksradikalen Gruppierungen suchte. […] (src)

In Noldes Blog finden sich Verweise zu den „Freunden Palästinas“, der „Volksinitiative“des Jürgen Elsässer, den „Witikobund“ aber auch so schräge Gestalten wie den antisemitischen Quacksalber Ryke Geerd Hamer und dessen „Germanische Neue Medizin“. Der von den Medien gefeierte NPD-Aussteiger beweist mit seiner Initiative der „nationalen Antifa“, die u.a. vor dem Brandenburger Tor Freiheit für einen verurteilten Holocaustleugner forderte, wessen Geistes Kind er geblieben ist:

Nolde (rechts im Bild) unterstützte in seinem Blog zuletzt auch einen Freilassungsantrag für den inhaftierten Holocaustleugner Horst Mahler. In seinem Blog erwärmt er die Stimmung und Forderungen des Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre, als wäre er selbst Teil der NSDAP gewesen, wenn er vom „irreführenden Tarnbegriff „Nationalsozialismus““ welchen sich die „Hitlerfaschisten selbst gegeben“ hätten und seiner „langjährigen Teilnahme als Hitlerfaschist – und das nicht als Mitläufer“ spricht. Er verurteilt Stalin und die „Vertreibungen aus dem Osten“, verfällt in ethnopluralistische „Völkerfreundschaft“ und streut populistische rassistische Thesen. Es ist zu merken, dass er es ernst meint mit seiner Deutschlandliebe. Die Bedingungen und inhaltliche Orientierung einer neuen Nationalfrontpartei (die im übrigen auch gut zur Linkspartei zu passen scheinen) stehen schon fest: „Was wir in Deutschland bräuchten, das ist eine patriotische (und dabei internationalistische) und antikapitalistische Partei, die sich sowohl (und das nicht nur mit Worten) von linkem als auch rechten Sektierern abgrenzt – den Extremisten der „Mitte“ sowieso, diesen Hiwis des Kapitals und der Zionisten.“ (src dessen blog Kommentar #9) In Anbetracht dieser Forderung erscheint es dann fast passender von einer „Parallelfront-“ als von einer „Querfrontstrategie“ zu sprechen – mit welchem Erfolg ist nicht absehbar.

TRITT: Da erhebt sich aber die Frage: Wozu überhaupt noch Linker sein?

GROLL: Die Frage ist berechtigt. Aber sie ist leicht zu beantworten, wenn Sie die politischen Alternativen in Betracht ziehen.

TRITT: Ja, manchmal unterscheiden sich die Alternativen nur im Ausmaß ihrer Scheußlichkeit. (src)

vs. Bak-Shalom:

Israel ist die zum Staat gewordene Emanzipationsgewalt der Jüdinnen und Juden, die seit den Erfahrungen von Auschwitz nicht auf bürgerliche Gleichheitsversprechen und die sozialistische Weltrevolution im Hier und Jetzt einer latent antisemitisch verfassten Welt warten können.

Israel und das Judentum sind hierbei nicht gleich zu setzen, obwohl sich Israel als explizit jüdische Nation versteht, da Jüdinnen und Juden primär von Antisemitismus betroffen sind.

Während die zentrale Aufgabe eines jeden Staates darin besteht, den Zwangscharakter der kapitalistischen Reproduktion aufrechtzuerhalten, ist es Israels primäre Aufgabe, die Vernichtung von Jüdinnen und Juden zu verhindern. Israel ist also kein gewöhnlicher Staat wie jeder andere.

In einer staatlich verfassten kapitalistischen Welt muss sich jedoch auch der Zionismus Staat und Kapitalakkumulation zu Eigen machen. Doch mit der Überwindung von Kapital und Staat geht auch eine Überwindung eines fetischistischen Antikapitalismus einher. In einer Welt ohne Antisemitismus verliert der Zionismus seine Notwendigkeit: Israels primäre Aufgabe – Jüdinnen und Juden vor Antisemitismus zu schützen und vor Vernichtung zu bewahren – würde in einer nicht-antisemitisch verfassten Welt obsolet sein und der Staat sich so selbst überflüssig machen. (src)

Also Überwindung des fetischistischen Antikapitalismus macht den Staat Israel überflüssig, der bis zu seinem Untergang („Verflüssigung“) ein besonderer Staat ist – wegen seiner Emanzipationsgewalt. Die „Überwindung des Kapitals“ als Erlösung vom Antisemitismus. „Der Zionismus verliert seine Notwendigkeit“ – was aber wenn der Zionismus mit der „Überwindung des Kapitalismus“ nicht stirbt (& eben nicht „obsolet“ wird)?

Doch nirgends wird dieser Alptraum von Zerstörung und Schrecken weniger verspürt und nirgendwo wird weniger darüber gesprochen als in Deutschland. Überall fällt einem auf, daß es keine Reaktion auf das Geschehene gibt, aber es ist schwer zu sagen, ob es sich dabei um eine irgendwie absichtliche Weigerung zu trauern oder um den Ausdruck einer echten Gefühlsunfähigkeit handelt. Inmitten der Ruinen schreiben die Deutschen einander Ansichtskarten von Kirchen und Marktplätzen, den öffentlichen Gebäuden und Brücken, die es gar nicht mehr gibt. Und die Gleichgültigkeit, mit der sie sich durch die Trümmer bewegen, findet ihre Entsprechung darin, daß niemand um die Toten trauert; sie spiegelt sich in der Apathie wieder, mit der sie auf das Schicksal der Flüchtlinge in ihrer Mitte reagieren oder vielmehr nicht reagieren. Dieser allgemeine Gefühlsmangel, auf jeden Fall aber die offensichtliche Herzlosigkeit, die manchmal mit billiger Rührseligkeit kaschiert wird, ist jedoch nur das auffälligste äußerliche Symptom einer tief verwurzelten, hartnäckigen und gelegentlich brutalen Weigerung, sich dem tatsächlich Geschehenen zu stellen und damit abzufinden.

[…]

Der Durchschnittsdeutsche sucht die Ursachen des letzten Krieges nicht in den Taten des Naziregimes, sondern in den Ereignissen, die zur Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies geführt haben.

[…]

Die Nazis haben das Bewußtsein der Deutschen vor allem dadurch geprägt, daß sie es darauf getrimmt haben, die Realität nicht mehr als Gesamtsumme harter, unausweichlicher Fakten wahrzunehmen, sondern als Konglomerat ständig wechselnder Ereignisse, Parolen, wobei heute wahr sein kann, was morgen schon falsch ist. Diese Abrichtung könnte einer der Gründe sein, daß man so erstaunlich wenig Anzeichen für das Fortbestehen irgendwelcher Nazipropaganda entdeckt und gleichzeitig ein ebenso erstaunliches Desinteresse an der Zurückhaltung von Nazidoktrinen vorherrscht. Man hat es hier nicht mit Indoktrinationen zu tun, sondern mit der Unfähigkeit und dem Widerwillen, überhaupt zwischen Tatsache und Meinung zu unterscheiden.

[…]

Beobachtet man die Deutschen, wie sie geschäftig durch die Ruinen ihrer tausendjährigen Geschichte stolpern und für die zerstörten Wahrzeichen ein Achselzucken übrig haben oder wie sie es einem verübeln, wenn man sie an die Schreckenstaten erinnert, welche die ganze Welt nicht loslassen, dann begreift man, daß die Geschäftigkeit ihre Hauptwaffe bei der Abwehr der Wirklichkeit geworden ist.

Hannah Arendt: Besuch in Deutschland. Die Nachwirkungen des Naziregimes. (1950) (Zitate aus Kapitel I, S. 24ff)

Titel: Es besteht der Haftgrund des § 230 Abs. 2 Strafprozessordnung.

Der Angeklagte macht Verdruss,

weil er nicht kommt, doch kommen muss.

Und weil er heut ist nicht gekommen,

wird in U-Haft er genommen.

Zu diesem Zwecke nehmen wir

ein Stück Papier,

rot, DIN A 4

und sperren ihn dann sofort ein

in Staatshotel zu Preungesheim.  pdf hier (via)

Krasses Land der dichtenden Amtsrichter in dem wir leben. Ob das mal deutsches Kulturgut wird?

(screenshot von hier)

Löscht euren Blogeintrag über mich und meine Tracks und meine angeblich rechte Einstellung, wenn nicht in zwei Wochen beide Forderungen erfüllt sind, werde ich rechtlich gegen die oben genannten Dinge vorgehen. (src)

Derbst-One.

Dass der Judenhass in Deutschland ab 1933 praktiziert, aber auch von den politisch Oberen stimuliert wurde ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass der Antisemitismus auch in den arabischen Staaten des Nahen bzw. Mittleren Osten von Zeesen aus in arabischer Sprache stimuliert wurde:

Von Zeesen aus sendeten die Nationalsozialisten insbesondere in den arabischen Raum als „Voice of Free Arabism“ VFA und als „Radio Berlin“, auch in Arabisch. An den Sendungen inhaltlich beteiligt waren die Kollaborateure Mohammed Amin al-Husseini und Raschid Ali al-Gailani. (Wikipedia)

Al-Husseini trifft bei einem Besuch in Berlin Hitler:

Über das Auslandsradio „Weltrundfunksender Zeesengibt es hörenswertes beim NDR. recommended listening! Lesenswertes über das „Überleben“ dieser Propaganda findet sich von Jeffrey Herf geschrieben hier.

Update: In deutscher Sprache lesenswertes von Matthias Künzel mit dem Titel „Von Goebbels zu Ahmadinejad“ hier. (via)

„Das Baskenland erlebte ebenfalls [ – wie Katalonien – seit Ende des ersten Weltkriegs, Anm.] einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, aber der baskische Nationalismus basierte anders als in Katalonien nicht auf dem Selbstbewusstsein des aufstrebenden Bürgertums. Hier kam vielmehr ein ethnisch begründeter Abgrenzungswille zum Tragen. Die Ende des 19. Jahrhunderts in Gestalt der baskischen nationalistischen Partei PNV politisch artikulierte nationalkulturelle Bewegung war eine im Kern antimoderne Bewegung. Dies hing damit zusammen, dass die baskische Industrialisierung durch kastillische, aber auch durch baskische, an Madrid orientierte Unternehmer vorangetrieben wurde und sie einen starken Zuzug von Arbeitskräften aus anderen Regionen Spaniens zur Folge hatte. Der baskische Nationalismus ist daher zunächst als eine Abwehrreaktion gegen die Folgen der Industrialisierung zu verstehen. Die erst im Laufe des 19. Jahrhunderts verloren gegangenen Sonderrechte sollten nicht nur wiederhergestellt werden, das Baskenland sollte darüber hinaus von fremden, nichtbaskischen Einflüssen befreit werden. Damit blieb der baskische Nationalismus zunächst eine Erscheinung der ruralen und kleinbürgerlichen Gegenden, der vor allem durch den niederen Klerus unterstützt und verbreitet wurde.“

aus: Carlos Collado Seidel: Der Spanische Bürgerkrieg. Geschichte eines europäischen Konflikts. München 2006. S. 20f

Mal wieder ein Hinweis auf einen äußerst umfangreichen, nichts desto trotz durchaus lesenswerten Text. Es geht darin um den Konvertiten Makks-Damage, das Abhandenkommen der Vernunft, die Pronomie (bzw. Anti-Antinomie) von Stalinisten und deutsche Ideologie.

Das deutsche Vermögen, aus Auschwitz noch eine (linke wie rechte) selbsterhaltende Lehre zu ziehen, treibt das Denken tatsächlich an die Grenzen des Wahnsinns. Nicht allerdings gelernt haben die Deutschen, dass sie (als solche) keine Opfer mehr sein wollen dürfen. Dass sie trotz der ausgebliebenen Strafe für ihre Verbrechen ihr mitleidlos ungebrochenes Bedürfnis, sich als Opfer zu gerieren, (das weder genetisch noch kulturell noch irgendwie weitergegeben wurde, das allein ideologisch und entsprechend – notwendig gilt nur für irgendetwas, nicht fürs spezifische – angenommen ist!), weder selbst noch in der Projektion aufzuführen haben. (hier weiterlesen)

In der Konsequenz heißt dass dann vielleicht auch den 26. März in Lübeck:

entriss […] eine Israelfahne und zerbrach den Fahnenstock. Mit diesem schlug er auf die Beiden ein. (src)


Mit der Realität hat dieser Sticker (bislang) nicht viel gemein.

Zusammenfassung über Marx und dessen Aussagen zu Arbeitslosigkeit hier. Dort auch zu lesen:

Der einzelne Arbeitslose ist hilflos ohne die Produktionsmittel des Kapitals. So sind die Arbeitslosen insgesamt hilflos im Kampf gegen das Kapital. Die Arbeitslosen sind nicht die Totengräber des Kapitalismus.

Wer es schon immer geahnt hat: der Angriff auf Dresden war ungerechtfertigt – das zumindest hat auch eine Vorzeigelinke festgestellt: Ulrike Meinhof. Sie ist groß geworden (ihr Vater im übrigen überzeugter Nazi aus einer überzeugten Nazigroßfamilie)  in einer gesellschaftspolitischen Situation, in der die Entnazifizierung gescheitert war, der Antikommunismus instrumentalisierte Ideologie mit Analogien zur „Antibolschewistischen“ NS-Propaganda wurde. Damals gab es noch kein unbeabsichtigtes und unabhängiges Untersuchungsergebnis des Ausmaßes der Zerstörung Dresdens, die Stadt wurde (vor allem in der SBZ, später DDR) politisch-ideologisch aufgewertet zum deutschen Hiroshima. Unter diesen Umständen vielleicht fast ein wenig verständlich, dass Ulrike Meinhof zu folgenden fragwürdigen Aussage kam:

Wenn es eines Beweises bedürfte, daß es den gerechten Krieg nicht gibt – Dresden wäre der Beweis. Wenn es einen Beweises bedürfte, daß der Verteidigungsfall zwangsläufig zu Aggression entartet – Dresden wäre der Beweis. Wenn es einen Beweises bedürfte, daß die Völker von den kriegsführenden Regierungen selbst mißbraucht werden – Dresden wäre der Beweis. Daß an der Bahre Sir Winston Churchills das Stichwort Dresden nicht gefallen ist, legt den Verdacht nahe, Dresden sollte immer noch dem Volk angelastet werden, das doch selbst betrogen worden ist. Es ist der gleiche Takt, den die Bundesregierung praktiziert, wenn sie die Verjährungsfrist für in der NS-Zeit begangenen Mord nicht aufhebt. Wer die Täter nicht denunziert, denunziert aber die Völker. (fragwürdige! src)

In der Tat ist die Praxis der Verjährungsfrist von NS-Verbrechen eine (neben vielen anderen pragmatischen Lösungen im beginnenden Kalten Krieg) ideologische Hypotek der jungen BRD gewesen, und einer der vielen Gründe weshalb dieses Land zu kritisieren ist. Das was Meinhof im Text zuvor jedoch behauptet, ist die Mär von unschuldigen Deutschen und den schuldigen Oberen. Alá: Wir Deutschen wurden betrogen, wussten doch gar nicht was passiert, haben doch nichts gemacht! „Hitler war’s!“ Damit einher ging und geht die „Befreiung der Deutschen von ihrer Geschichte.“ Also schuldig in den Augen der Meinhof nicht der deutsche Verwaltungsbeamte im RSHA, sondern Hitler. Außerdem kommt sie zum Schluss, der Krieg sei doch schon längst entschieden gewesen:

Dresden ging in Schutt und Asche, zwei Jahre nachdem der Ausgang des Zweiten Weltkrieges in Stalingrad entschieden worden war.

Dresden ging in Schutt und Asche, weil die nationalsozialistische Ideologie mit Durchhalteparolen und der Mobilisierung der letzten Krüppel und Kinder für den Endsieg nicht aufgab, weil die Welteroberungsphantasien in Stalingrad nur gestoppt, aber nicht gebrochen wurden. Im dichotomische Weltbild der Meinhof gilt es die Täter (kleine PG’s sind damit sicher nicht gemeint) zu denunzieren, um was? – die Völker zu retten. Doch die Täter, die Agressoren sind letztendlich die Verteidiger, denn „der Verteidigungsfall entartet zwangsläufig in Aggression.“ Wow. Aber sie macht es wirklich konkret:

Als die deutsche Bevölkerung die Wahrheit über Auschwitz erfuhr, erfuhr die englische Bevölkerung die Wahrheit über Dresden.

Wie fahrlässig diese Gleichsetzung ist wird deutlich, wenn man überlegt, dass von den britischen Flugzeugbesatzungen knapp die Hälfte nicht mehr lebendig zurück kam, von den in KZ’s arbeitenden SS-Mannschaften kaum jemand für Führer-Volk-und Vaterland gefallen ist. Für Ulrike Meinhof ist aber Dresden (und nicht möglicherweise Auschwitz) der Beleg für „Nie wieder Krieg“, damit schließt sich der Kreis:

Die Lehre der Deutschen aus Auschwitz ist falsch. Denn diese lautet ja bekanntermaßen eben nicht: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Nationalsozialismus!“, sondern: „Nie wieder Krieg!“, und in ihrer Konsequenz: „Nie wieder Krieg gegen Faschismus!“. Die Katastrophe war für sie nicht die Ermordung ihrer jüdischen NachbarInnen, die sie durchführten, sondern die Umsiedlung der Deutschen („Vertreibung“); der Zivilisationsbruch nicht die rauchenden Schornsteine von Auschwitz, sondern die Bombardierung von Dresden. (aus: „Die Lehre„)

(aus einem Bildband zu den Folgen des 13. Februar 1945 in Dresden) – und die Lehren?

Verwiesen sei auf einen (mal wieder) außerordentlich umfassenden Artikel von Junesixon über GB und Islamismus, Opferneid, deutsche Ideologie, die Ideologie „Antirassismus“, Kübra Yücel – „Die weißen Israelis“, Islamophobie und Islamophilie, Political Correctness, Massenmord und Kunst, Antizionismus und vieles mehr…

Die Juden, die seit zweitausend Jahren überall, wo sie lebten, unterdrückt, verfolgt und/ oder ermordet wurden, waren immer noch da. Nicht Herzls „Judenstaat“ war das Vorbild der Nationalsozialisten sondern, au contraire, ihre Wahnvorstellung vom unsterblichen Volk, das sie als hinterlistigen Verderber ihres leidenschaftlich naturgewachsenen und auf dem Planeten verwurzelten Volkes und entsprechend ihren Endgegner imaginierten. Am Ende sollten alle Deutsche oder ihre Sklaven sein, nur die Juden mussten vom Angesicht der Erde verschwinden, vor allem da sie den Deutschen ausschließlich als Projektionsfläche ihrer Ängste, Begierden, Albträume und Phantasien dienten. Wären sie erst einmal restlos vernichtet, so glaubten die Deutschen, würde alles von selbst gut werden. Zur Abwehr der einen Gefahr für das eine Opfervolk jedoch war endlich alles erlaubt. […]

Kein Aspekt deutscher Ideologie war erfolgreicher als der der Opferimagination, und die ist weder links noch rechts noch mittig – sie ist ums Wohl der eigenen Opfergemeinschaft(en) besorgt. […]

Diejenigen, die im Hinblick auf den europaweit grassierenden Antisemitismus, vor allem in Skandinavien, Frankreich, Großbritannien und Osteuropa, sich über die deutschen Zustände erleichtert zeigen möchten, seien daran erinnert, dass fast alle bisherigen Studien von einem relativ gemäßigten Antisemitismus in Deutschland vor 1933 ausgehen. Hierzulande wartet man immer nur auf die Erlaubnis, vom Opfer- in den Sichendlichwehrendürfen-Status überzugehen. Und kaum etwas ist am Ende gefährlicher als die Täter, die sich als das leidendste und daran ohnmächtig gewordene Opfer überhaupt imaginieren, und die außerdem die politischen, philosophischen, rechtlichen, ideologischen Grundlagen für den derzeit virulenten Antisemitismus und den (multikulturalistischen) Rassismus und ein tragisch irreversibles Versprechen an alle Wahngläubigen (an die linke, die mittige und die rechte Volksgemeinschaft) in die Welt gesetzt haben. (quelle)

Nicht zu spät kommen, nur nicht zu spät kommen. Solche Angst vor dem Zuspätkommen, dem Nichtgenügen, dem Ausgetauschtwerden. Von wem nur. Manche haben vielleicht noch einen Chef – lebendig, jung, dynamisch. Ein Idiot in jedem Fall. Oder einfach ein Vorgesetzter. Jung, dynamisch. Ein Idiot. Ein Alphatier. Aber mit Führungsqualität. Solche Angst. Sie lassen sich ausbeuten, und sie würden es doch nie so nennen. Ich arbeite gern, würden sie sagen, was auch sonst. Es können ja nicht alle selbstständig sein, Künstler oder Penner, einer muss ja arbeiten. Früher nannte man das Klassenkampf. Die da oben, die da unten. Heute nennt man es Angstelltenverhältnis, und keiner wundert sich. Den Tag verkaufen, eine Stunde Mittagspause, aber bitte nicht überziehen, nicht auffallen, sich ducken. Nach Dienstschluss in eine Bar. Den Stress wegsaufen. Trinken sollt ihr. Trinken, Freunde, um zu vergessen, was da passiert, mit euch und eurem Leben, aber wenigstens passiert etwas.

(Sibylle Berg: Der Mann schläft. S. 36) (via)

Welch wahren Worte, von Sibylle Berg. Eben jener Sibylle Berg, die mit dabei ist, im scheinbar neuen Diskussionszeitalter des SPON. Dort ist dann auch der ausversehen konservativ gewordene Jan Fleischhauer zu finden (Kommunismus-Debatte: Utopie und Terror) wie auch r „Inhaber einer gutgehenden Frisur“ Sascha Lobo (Kuschelkapitalismus aus dem Netz), die Trendsetterin Steffi Kammerer (Doll und Dollar), der Sohn Rudolf-Augsteins aber doch leibliche Nachfolger Martin Walsers Jakob Augstein (Sarrazin-Debatte: Im Land der Niedertracht) und der Spiegel Schreiberling Georg Diez (Nur Wut, Freunde!)

Bisher nichts Überraschendes zu finden. Auch zukünftig vermutlich nicht. Wie kommentierte jemand so schön:

„… das letzte was ich vom SPON brauche, ist noch mehr Meinung. Die vorhandenen Meinungsartikel genügen vollkommen, mehr davon ertrag ich nicht.“ (src)

Morgen ist ein Artikel von Sibylle Berg zu finden. Ich bin dennoch gespannt.

Ist in der jüngst erschienen Ausgabe der BT zu lesen:

Das Gerede von der „Intifada“ werde angeblich ganz allgemein als Synonym für „Aufstand“ verwendet. Ganz so, als könnte man auch von der „Warschauer Ghettointifada“, von der „Intifada der Anständigen“ oder der „Weberintifada“ von 1844 reden. Selbstverständlich kann der Begriff nicht vom palästinensischen Terrorkrieg gegen Israel und seine Menschen gelöst werden. (quelle)

lässt sich in einem anderen Artikel doch auch genau der angekreidete „Missbrauch“ des Wortes Intifada finden (im Zusammenhang mit „dem deutschen Mob“ der Zirkusmitarbeiter angreift):

Die Angegriffenen verschanzten sich daraufhin in einem der Zirkuswagen und informierten über Handy ihre Eltern. Die von diesen verständigte Polizei beendete Milmersdorfs erste Intifada umgehend und setzte elf der Täter vorübergehend fest. (quelle)

Oder gehts am Ende darum, dass Intifada nicht gleich Intifada? Wie inkonsequent, liebe BT…

Abgesehen davon finden sich einige unterhaltsame Einlagen über die Provinz

und den Lieblingsfeind der BT – Peter Sodann.