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Category Archives: Hörspiele

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

komplettes Programm im Corax-Heft…

16.11.11 Ralph Arlyck – Following Sean (80 Min, 2005)

Following Sean is a 2005 documentary film directed by Ralph Arlyck. Bei IKL gibts die englische Tonspur des Films zu hören. Es ist ein Film über die Hochzeit der Hippies und deren Lebenseinstellung, über die amerikanische Gesellschaft, über persönliche Lebenswege und -vorstellungen. „The more things change, the more we are not the same.“ Der Autor, selbst Teil der idealisierten Bewegung, bezieht bei seiner Untersuchung das eigene Leben mit ein. Sehens- und Hörenswert.

29.11.11 Rolf Cantzen – „Die Protokolle der Weisen von Zion“ & „Die Weltordnung der Weltverschwoerer“ (2003)

Die Protokolle der Weisen von Zion sind eine Fälschung. Das wurde mehrfach bewiesen. Zuletzt hat der Comiczeichner Will Eisner vor seinem Tod diese Thematik noch einmal zusammengefasst. Was kaum bekannt ist: dieses Konstrukt was die vermeintliche jüdische Weltverschwörung enttarnt zu haben glaubt ist ein Longseller in den arabischen Staaten. Und nicht nur in schriftlicher Form, auch im Fernsehen wird immer wieder darauf Bezug genommen. Rolf Cantzen spricht mit Wissenschaftlern und versucht die hinter dem alles sich passend machenden Welterklärungsmodell Verschwörung liegende Funktion zu beschreiben.

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream. Corax Programmzeitung hier zu finden.

06.09.11 Frank & Fefe – Stuxnet. (Alternativlos Folge 5)

Stuxnet ist zu einem geflügelten Wort geworden, um die Aufrüstung im virtuellen Bereich (Stichwort: „Nationales Cyberabwehrzentrum“) auf staatlicher Seite zu rechtfertigen. Zwei Nerds plaudern in der fünften Ausgabe ihres Podcast mit dem Titel „Alternativlos“ über die Hintergründe und technischen Grundlagen dieses Virus. Stuxnet ist in ihren Augen eine Meisterleistung. Der Virus schaffte es, verschiedene unbekannte Lücken zu nutzen und unerkannt zu bleiben. Letztendlich legte der Virus das iranische Atomprogramm in Natanz für längere Zeit lahm. Eine hörenswerte Sendung über X.509-Zertifikate, Exploitmärkte, explodierende russische Pipelines, Risiken in hiesigen Atomkraftwerken und eben Stuxnet.

14.09.11 H. G. Wells – Krieg der Welten (1977)

Außerirdische landen auf der Erde. Die Menschen beginnen die Marsianer zu bekämpfen. Die Erdlinge geraten in Panik & fliehen aus den Städten. Dies alles wurde in authentischer Hörfunkmanier als Hörspiel produziert und führte (angeblich) zu realer Panik in einigen amerikanischen Städten. Bei IKL gibt es die deutschsprachige Version des Klassikers unter den Hörspielen.

21.09.11 Adorno – Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit (1960)

„Mit Aufarbeitung der Vergangenheit ist in jenem Sprachgebrauch nicht gemeint, dass man das Vergangene im Ernst verarbeite, seinen Bann breche durch helles Bewußtsein. Sondern man will einen Schlussstrich darunter ziehen und womöglich es selbst aus der Erinnerung wegwischen.“ (Adorno)

28.09.11 Ror Wolf – Die Durchquerung der Tiefe (1/2) (1997)

„Eine Radio-Reise“ ist das Hörspiel mit 13 Kapiteln betitelt. Der Protagonist Doktor Collunder tritt eines Abends aus seiner Wohnung auf die Straße und fällt – fällt unaufhaltsam in die Tiefe. Irgendwann angekommen stößt er auf Andere, denen es ähnlich gegangen ist. „Eines Tages trat ich aus der Tür.“ „Plötzlich gab der Boden nach.“ „Plötzlich tat sich die Straße auf.“ „Plötzlich verspürte ich einen Sog.“ „Plötzlich verschwand ich in einer Erdspalte.“ „Es war dunkler als alles was ich bis dahin gesehen hatte.“ Auf dem Grund der Dinge ist alles in unablässigem Wandel.

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3.8. Elfriede Jelinek – Die Bienenkönige (1976)

Gibt es in einem Bienenstock nicht immer eine Bienenkönigin? Freilich. Doch Jelinek schafft im Stück eine postkatastrophale patriarchale Welt in der nur Männer geboren, Frauen als funktionales Subjekt (Gebährende und Dienerinnen) betrachtet werden. Um die Gesellschaft vor dem Aussterben zu bewahren, gelingt es Wissenschaftlern schließich ein Unsterblichkeitsserum zu entwickeln. Den wenigen gebährfähigen Frauen wird die Unsterblichkeit verspochen, deren Nachkommen sollen allerdings sterbliche Sklaven bleiben. Die patriarchale Gesellschaft gerät mit der Geburt des ersten Mädchens in einen radikalen Wandel.

10.8. Christa Wolf – Kein Ort. Nirgends. (1982) Teil I/II

17.8. Christa Wolf – Kein Ort. Nirgends. (1982) Teil II/II

Im Stück begegnen sich 1804 Karoline von Günderrode und Heinrich von Kleist. Heinrich ist zu dem Zeitpunkt 27 Jahre alt, Karoline 24. Zwei Jahre später nahm sie sich das Leben, sieben Jahre später er. Es ist eine fiktive aber mögliche Begegnung zwischen den beiden Romantikern. Christa Wolf umgibt sie mit Gegenspielern und Parteinehmer, wie dem Dr. Wedekind, den Brentanos und Savigny. Aus den geselligen Gesprächen über Literatur entwickelt sich ein unausgesprochenes Zwiegespräch zwischen Kleist und Günderrode, das die Unfähigkeit der beiden, sich der allgemeinen Oberfächlichkeit anzupassen, deutlich werden lässt.

24.8. Fjodor Dostojewski – Der Spieler (2004)

Im Sommer 1865 kehrt Dostojewski in einer Spielbank in Wiesbaden ein. Er verspielt in kurzer Zeit 3000 Rubel, die ihm sein Verleger für Rechte an einem Werk und eines noch zu schreibenden Romans ausgezahlt hatte. Im Oktober 1866 diktiert Dostojewski in knapp vier Wochen den Roman „Der Spieler“. Inhalt: Ein verschuldeter russischer General wartet auf den Tod seiner Tante um diese zu beerben. Doch diese taucht im Casino auf, verspielt beim Roulette ihr Vermögen. Der mitgereiste Hauslehrer setzt sein Leben fortan auf das Glücksspiel.

31.8. Friedrich Wolf – SOS… rao rao…, Foyn – „Krassin“ rettet „Italia“ (1929)

Am 12. Mai 1926 überquert Umberto Nobile mit einem Luftschiff als erster Mensch den Nordpol (an vorherigen Überquerungen gibt es Zweifel). Am 24. Mai 1928 überquert Nobile an Bord des Luftschiffes „Italia“ zum zweiten mal den Nordpol. Der Propgandacoup des unter Mussolini stehenden faschistischen Italiens scheint erfolgreich zu verlaufen. Doch einen Tag später stürzt das Schiff mit den 16 Männern an Bord ab. 10 Personen werden von Bord geschleudert, 6 verbleiben an Bord des wieder aufsteigenden Luftschiffes (welches nie wieder gesehehn wurde). Am 2. Juni 1928 empfängt der russische Funkamateur Nikolai Reinhold Schmidt einen SOS-Ruf der Nobile-Nordpolexpedition. Während der internationalen Suche nach den Überlebenden, an der sich Italien nicht beteiligt, wird der Polarforscher Amundsen ums Leben kommen. Die Überlebenden werden schließlich vom Eissbrecher „Krassin“ am 12. Juli an Bord genommen. Das Hörspiel ist die älteste komplett erhaltene Hörspielproduktion in deutscher Sprache.

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06.07.11 Hermann Bohlen – Prozedur 7.7.0 (1996) & Ernst Jandl/Friederike Mayröcker – Fünf Mann Menschen (1968)

In dem Hörspiel von Bohlen begeben wir uns auf die Spur von „Unsortierbaren“: Menschen, deren Herkunft und Identität ungeklärt ist und die durch ihr Schweigen Mißtrauen erzeugen. Sie stehen in keinem sichtbaren Kontakt zueinander, über ihre Absichten gibt es keine sichere Erkenntniss. Es ist sogar fraglich, ob diese Leute überhaupt Absichten haben. Im Hörspiel wird die Reaktion von Erkennungsdienstlern, Wissenschaftlern und Bürgern fühlbar: eine in Brutalität umschlagende Hilflosigkeit. Am Ende werden die Sonderlinge kuzerhand zu „hilflosen Personen“ erklärt und anhand dieser Grundlage „markiert“. Ein Verorten von Identität und Freiheit, angesiedelt zwischen Wirklichkeit und Wahrheit; die gesellschaftliche Ordnung zeigt dabei ihre prohibitive Seite – die Gewalt.

Sprachkünstler Jandl & Mayröcker schleifen den Hörer im Zeitraffer durch zentrale Lebensereignisse: Gebärklinik, Elternhaus, Schule, Kino, Berufsberatung, Kneipe, Militär, Krieg, Spital, Gericht, Gefängnis, Erschiessung… wieder zurück zur Gebärklinik, diesmal als Erzeuger. „Solange es Kinder gibt, wird es Kinder geben“. Das Resultat von „Fünf Mann Menschen“ ist das Modell eines Daseins in einem allmächtigen Verwaltungsapparat und inhumaner Verhaltenszwänge. Dieses funktionable Dasein unterliegt am Ende aller Lebenstage – wehrlos.

13.07.11 KEIN IKL weil Further in Fusion Extended – HAPPY Birthday!

20.07.11 Gob Squad – Calling Laika (1999)

Calling Laika is designed to take place in a car park at night, beneath the stars. The audience walk through a carpet of blue light, to find their places in 1 of 30 cars , arranged in a circle as if in an automobile séance.  The soundtrack encourages passengers to use their headlights and horns throughout and is transmitted through their car radios (it can also be broadcast over existing radio frequencies). It’s dark, searchlights wander through the sky and the lonely voice of a radio DJ takes messages from missing people. This is a place for calling Laika, for calling anyone or anything.  It is about the basic need for human contact. The piece moves between the uncontrollable urge for a Spielbergesque spectacle and the simplicity of the message, to understand and to be understood.

27.07.11 Ferdinand Kriwet – ONE TWO TWO (1968) & RADIOBALL (1975)

One Two Two: Kriwet: „Hörtexte verwenden theoretisch alle Möglichkeiten der menschlichen und auch künstlichen Stimmerzeugung sowie alle elektrotechnischen Möglichkeiten ihrer Analyse und Synthese mittels Aufnahme, Transformation und Montage. Neben unterschiedlichen Aufnahmepraktiken und der Verwendung spezieller Mikrophone sind vorläufig Schnitt und Mischung die in meiner Arbeit dominierenden Praktiken.
Parallel mt der fortschreitenden Konservierung von Lautsprache und ihrer allgegenwärtigen Reproduktion mittels Tonband, Schallplatte und Rundfunk erfolge eine von den optischen Bildträgern schließlich zusätzlich geförderte und beschleunigte Verminderung der menschlichen Fähigkeit zum spontanen Sprechen und ergo Denken, wovor Hans G. Helms schon in „FA:M‘ AHNIESGWOW“ graute (’nur noch Maschinen werden ticken‘).
Spezifische Eigenheiten des Gesprächs als der Vollform des Sprechens (Kainz) wurden von den neuen Idiomen der elektrischen Kommunikaton verdrängt oder vollends ersetzt. Ein Hinweis unter vielen mag hierauf die bloß rhetorische Forderung vieler politischer Demonstranten nach Diskussion sein, der vielleicht die Sehnsucht nach den verlorenen Fähigkeiten des sprachlichen Kommunizierens innewohnen mag. Musikalisch gedopt entsteht seit Jahren im Beat und Rock ein der neuen Kommunikation entsprechendes Idiom, das neben phänomenologischem auch soziologisches Interesse beansprucht.
Die Polarität von spontaner und technisch konservierter Sprache in allen Erscheinungsweisen ist ein Thema von ONE TWO. Daher wurde vor der endgültigen Montage meines V. Hörtextes ein Großteil seiner Materialien in einer öffentlichen Veranstaltung von Sprechern und über Band vorgestellt und samt allen Reaktionen in einem Übertragungswagen zur späteren Verwendung aufgezeichnet.
So ist eine authentische Kontrastierung und Korrespondenz gleicher Materialien in zweierlei Realisation möglich: hier zeitgebunden live und dort (im Studio) zeitunabhängig vorproduziert.
Ein zweites ‚Thema‘ bilden außer den fälschlich so genannten ‚vorsprachlichen‘ Artikulationen (atmen, keuchen, stöhnen, husten, lachen etc.) solche Sprechtypen, die sich durch ihre allgemeine Vertrautheit für eine zweckfreie literarische Demonstration vorteilhaft eignen wie z. B. das Zählen, das Aufzählen, das Abzählen, das Ver- oder Erzählen, das Buchstabieren, das Fragen und Antworten samt ihren charakteristischen phonetischen Eigenschaften. Soweit sie von diesen Sprechformen nicht bedingt werden, habe ich keine grammatischen Konstruktionen komponiert, da diesen im Bereich der Schriftsprache eine ausgeprägtere und ergo kompositorisch relevantere ‚Bedeutung‘ zukommt.
Zwischen den beiden genannten Themen vermittelt als drittes gespeichenes, teils eindeutig historisches (z. B. Hitler-Rede), teils rein phänomenologisches Material aus dem Schallarchiv des Rundfunks. Dieses Material wird sowohl als live-Mitschnitt als auch als studio- oder funkeigen Manipuliertes verwendet.“ (src: hoerdat.de)

Radioball: Kriwet: „Radioball, Hörtext 11, widmet sich der poetischen Analyse der Fußball-Fachsprache der Radio-Reporter nach dem Prinzip der Collage. Einen besonders dramatischen Aspekt erhalten die Fußball-Reportagen im Radio durch die ständig einander jagenden Direktübertragungen der parallel laufenden Spiele, die sogenannte Konferenzschaltung. Diese Dramaturgie der wöchentlichen Radioinszenierungen bestimmte die Struktur meines Radioball.“

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01.06.11 Gottfried Benn – Kunst und Drittes Reich (Monolog geschrieben 1941); Die Stimme hinter dem Vorhang (1951)

Gottfried Benn ist bekannt für seine Gedichte aus dem Leichenschauhaus, für seine Verse über Wunden, Eiter und Verwesung. 1933 noch zeigte sich der gelernte Arzt dem NS aufgeschlossen, schrieb 1934 „Kunst und Macht“, worin er er die nationalsozialistische Kunst als Fortsetzung und Vollendung der europäischen Avantgarde beschreibt. Doch seine expressionistische Vergangenheit machte ihn mit dem Regime unvereinbar. Seit 1935 Oberstabsarzt bei der Wehrmacht, wird Benn 1938 von der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und mit Schreibverbot belegt. In dieser Phase schreibt er den Monolog Kunst und Drittes Reich, welchen es bei IKL zu hören gibt. Nach dem Krieg wird er mit dem Band „Statische Gedichte“ berühmt & zum Vorbild einer orientierungslosen Schriftstellergeneration.

08.06.11 Zwei Feature über Afghanistan: Marc Thörner – Dejavu im Tagab-Tal (2011); Martin Durm – Afghanische Realitäten (2011)

Marc Thörner hat vor einem Jahr ein Buch mit dem Titel „Afghanistancode“ herausgebracht. Darin geht er kritisch mit den Ansprüchen und Strategien der militärischen Inteventionsmächte um. Auch in seinem Feature „Dejavu im Tagab-Tal“ berichtet er kritisch über den Kampfeinsatz von französischen Soldaten auf dem „Schlachtfeld Afghanistan“. Nach Thörner kehren in die militärische Strategie der Franzosen die kolonialen Erfahrungen und Ansichten zurück.

Martin Durm begleitet eine deutsche EU-Abgesandte in die afghanischen Provinz. Deutlich wird die Diskrepanz zwischen den politischen Vorgaben aus Brüssel und der Realität in Afghanistan.

15.06.11 Georg Büchner – Leonce & Lena (1958)

„LEONCE: Unglücklicher, Sie scheinen auch an Idealen zu laborieren.“

22.06.11 Ferdinand Kriwet – Apollo Amerika (1969) & Dschubi Dubi (1977)

Kriwet: „Zwischen dem 10. Juli und 10. August werde ich in Amerika sein. Und es begibt sich zu dieser Zeit, daß die amerikanischen Astronauten Edwin Aldrin, Neil Armstrong und Michael Collins als die ersten Menschen der uns bekannten Menschheitsgeschichte mit dem Raumschiff Apollo 11 den Mond umkreisen und mit dem Lunar Module, der Mondlandefähre oder „Spinne“, auf ihm landen und von ihm wieder zur good earth zurückkehren werden. Thema meines sechsten Hörtextes Apollo Amerika ist die sensorische und intellektuelle Wahrnehmung all dessen, was ich im Radio, Fernsehen oder sonstwie vermittels technischer oder menschlicher Information von oder über das Projekt Apollo 11 höre.“

Kriwet: „DSCHUBI DUBI demonstriert im Rahmen einer Untersuchung der Sprache die Lautsprache des Schlagers in ihren unterschiedlichen, chorischen und solistischen Erscheinungsweisen. […] Aufgabe von DSCHUBI DUBI ist u.a. zu verdeutlichen, welchen Anteil der bedeutungs-lose (und durchaus daher nicht auch sinn-lose) Laut in vielfältigen Ausdrucksweisen unserer täglichen Rede und Sprache hat, zu Gehör zu bringen, was allerorten hörbar ist aber kaum wahr-genommen, kaum bewusst gehört und erlebt wird.
Wenn ich mich als Hörtextautor für Popmusik interessiere, so deshalb, weil sich in ihr das gesamte phonetische Material vom Heulen und Stöhnen bis zum Sprechgesang mit einer Selbstverständlichkeit wiederfindet, wie sie der neuen Musik und Literatur nicht gelingen will. Dieses phonetische Inventar vorzustellen und damit dem Rock- und Popfan vielleicht erst bewußt zu machen, schickt sich DSCHUBI DUBI an.“

29.06.11 Ebehard Petschink & Helmut Mössmer – Ladykiller. Versuch einer Würdigung (DLR 1998)

Am 01. Juli diesen Jahres wäre die Prinzessin der Herzlosen 50 Jahre alt geworden. So wurde sie Opfer eines Papparazi, ist auch bei Wikipedia zu lesen: „Um 00:25 Uhr Ortszeit verunglückte der Wagen in der Unterführung der Pont de l’Alma in Paris. Der Mercedes-Benz prallte auf der Flucht vor Paparazzi mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Tunnelpfeiler. […] Auf einem Foto, das von einem Paparazzo unmittelbar vor dem Unfall direkt aus Fahrtrichtung aufgenommen wurde, ist deutlich sichtbar, dass der Chauffeur durch den Fotoblitz geblendet wurde. Diese Störung musste bei der verminderten Reaktionsfähigkeit des Chauffeurs und der überhöhten Geschwindigkeit entscheidend ausfallen, als Henri Paul in einer Rechtskurve des Tunnels geradeaus gegen einen Pfeiler fuhr. […] Diana war nicht sofort tot. Sie starb wenige Stunden nach dem Unfall an den Folgen ihrer schweren inneren Verletzungen im Krankenhaus Pitié-Salpêtrière. Gegen 4 Uhr morgens wurde sie offiziell für tot erklärt.“ Im Hörspiel wird das Verlangen der Konsumenten nach den Privatheiten der Diva gelüftet, indem der Paparazzi sein Taschenmesser zückt & in den Bauch der im Auto liegenden verletzten Prinzessin schneidet, um herauszufinden ob diese nun schwanger sei oder nicht.

Seit letzter Nacht im WDR-Hörspielpool ein Stück von Rocko Schamoni und Jacques Palminger aus dem Jahr 2006 online: Mutter Tourette und ihre Kinder (aka „Babylon must fall“).

In einem Maisfeld in Schleswig-Holstein hegt eine Gruppe unerschrockener Widerständler eine kleine Hanfplantage und ihre Träume vom großem Gegenschlag gegen den repressiven Polizeistaat. […]

Vor allem Nodger, der einzige Mann unter ihnen, gibt sich der Süße paranoider Träume hin. Die Frauen um ihn herum jedoch verfolgen andere, dunkle Ziele und Begierden. Von A wie Anarchie über G wie Geschlechterkampf bis Z wie Zerstörung.

Hier zum downloaden zu finden.

IKL – auf Radio Corax jeden Donnerstag ab 00:10 Uhr.

04.05.11 Bertolt Brecht – Furcht und Elend des Dritten Reiches (SDR 1967) (2/2)

In Anlehnung an Heinrich Heine wollte Brecht das Stück ursprünglich „Deutschland – Ein Greuelmärchen“ nennen. Er überlegte auch das ganze „Die Deutsche Heerschau“ zu nennen. Der endgültige Titel ist eine Anlehnung an Balzacs Werk „Glanz und Elend der Kurtisanen“. Den jeweiligen Szenen geht ein kurzes Gedicht voraus, wobei jede der Szenen für sich steht. Es geht um den Alltag, um das Private, darum wie sehr der Nationalsozialismus alle Lebensbereiche der Menschen durchdringt. So bekommen Eltern Angst, dass ihr eigenes Kind sie denunzieren könnte. Bereits am 21. Mai 1938 sind acht der 30 Szenen in Paris uraufgeführt worden.

11.05.11 Ferdinand Kriwet – Radioselbst (WDR 1979; 22min) & Radio (D/F 1983; 36min)

Radioselbst: Thema von RADIO ist das Radio selbst. Thema von RADIO ist die Ansprache des Rundfunks, seine stetige und allgegenwärtige Ansprache an die Hörer an den Lautsprechern in den Wohnungen und Betrieben und Schulen und Büros, in den Autos und auf den transistorisierten Wanderwegen des Tourismus; dargestellt am Programm einer beliebigen Sendewoche von WDR-2.

Radio: Ferdinand Kriwets Radio versucht, mit künstlerischen Techniken eine Hör-Vorstellung von dem zu vermitteln, was uns stetig an Stimmen umgibt, uns sprechend, singend, rauschend auf kurzen, mittleren und langen Wellen erreicht. Radio: exemplarisches Konzentrat dessen, was tagaus, nachtein in der Luft ist – „one the air“ -: Sprachatmosphäre. Radio: die Universalsprache des elektronischen Babel aus Chips und Transistoren, Röhren, Antennen, Netzen, Verteilern, Widerständen, Verstärkern etc. Radio: die Polyphonie des durch die gemeinsame Zeit strukturierten Welt-Geschehens.

18.05.11 Avanti-Sozial-AG – Neukölln in den Kollwitzplatz verwandeln? (Feature 2009)

„Den Effekt der Prenzlauerbergisierung, den wird es hier nicht geben“, sagt Reinhold Steinle, der in Neukölln Stadtteilführungen macht. Das sei zumindest seine Hoffnung. Aber längst ist klar: Der Norden Neuköllns verändert sich: mehr junge Leute, mehr Student_innen, neue Kneipen, Cafés und Galerien. Der Bezirk und der Berliner Senat bemühen sich um eine ‚Aufwertung‘ des Viertels – nicht ohne Folgen. Die Mieten steigen rasant. Soziologen beschreiben diesen Prozess als „Gentrifizierung“. Was aber sind die Gründe für die Entwicklung in Neukölln? Wer treibt sie voran? Das Radiofeature untersucht den Norden Neuköllns im Spätsommer 2009. Ausgehend vom Reuterkiez, mittlerweile medial und auf dem Wohnungs- und Kulturmarkt als „Kreuzkölln“ bekannt, wird über der Gentrifizierung in einem der sich am schnellsten wandelnden Berliner Kieze (über den es noch 2006 hieß es gehe dort zu „wie einstmals in der Bronx“) nachgegangen. Dabei geht es auch um die Strategie des Landes Berlin, kommunalen Wohnraum an die Privatwirtschaft zu übertragen, um die öffentliche Hand zu entlasten.

25.05.11 Franz Kafka – Das Schloß (SWF/RB 1953)

„Es war spätabends, als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schloßberg war nichts zu sehen, Nebel und Finsternis umgaben ihn, auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloß an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führte, und blickte in die scheinbare Leere empor. […] Wenn die Straße sich auch vom Schloß nicht entfernte, so kam sie ihm doch auch nicht näher.“

Jeweils Mittwochs um 24:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

06.04.11 Ernest Hemingway – Schnee auf dem Kilimandscharo (SDR 1977)

Der Schriftsteller Harry geht nach Afrika, um zu einem einfachen Dasein zurückzukehren, um einen Sinn in seinem Leben zu finden. Der Versuch ein Leben in Luxus und Sicherheit zu führen hatte ihn intelektuell ruiniert. In Afrika wollte er zu einem einfachen, sinnvollen Dasein zurückfinden, doch eine kleine Verletzung droht seinem Dasein ein Ende zu machen. Zum Symbol wird das dicht unter dem Gipfel des Kilimandscharo liegende vermodernde Skelett eines Leoparden. Es wird zum Symbol eines „zu-spät“, eines Vorwagen und Scheitern und hinterlässt doch gleichzeitig durch seine verlorene Existenz offene Fragen.

13.04.11 Theo Gallehr – Wer hat Angst vor dem Milchmann (RB 1979)

Im Herbst 1977 war Theo Gallehr mit einem Aufnahmeteam unterwegs, um Tonaufzeichnungen zu machen für ein Projekt, das „Gesprochene Geschichte“ hieß. Plötzlich waren sie konfrontiert mit jener Stimmung, die als „Deutscher Herbst“ in die Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik eingegangen ist. Gallehr und sein Team haben sich mit an die Stammtische gesetzt und mitgeschnitten, was da in aller Öffentlichkeit so frank und frei geredet wurde. Die Aufnahmen wurden zu einem O-Ton-Hörspiel verarbeitet, ein Stück Zeitgeschichte von beklemmender Authentizität, das bestürzende Einblicke in die Volks-Seele einer „wehrhaften Demokratie“ liefert.

20.04.11 Andrej Tarkowskij – Hofmanniana (RBB/SWR 2004)

Der russische Filmemacher Tarkowskij (1932-1986) wollte mit „Hofmanniana“ einen Film über das Leben von E.T.A. Hoffmann schaffen. Anhand von Zitaten, Motiven und Passagen aus dessen literarischem Werk sollte eine Film-Collage verschiedene Facetten des Romantikers zeigen. Dieser Film wurde jedoch nie verwirklicht. 2004 wurde auf Grundlage des Filmszenarios ein Hörstück gebastelt. Angelehnt an Tarkowskijs Manuskript, wird sich darin Hoffmannscher Stilmittel bedient: die Erzählperspektiven wie auch die Zeitebenen wechseln sprunghaft, Schilderungen biographischer und historischer Wirklichkeit gehen nahtlos in Traumsequenzen über, die Grenzen zwischen Realität und Phantasie werden aufgehoben.

27.04.11 Bertolt Brecht – Furcht und Elend des Dritten Reiches (SDR 1967) (1/2)

Brecht schrieb zwischen 1935 und 1939 in der Emigration 11 der 24 Szenen. Er schrieb sie vor Beginn des Weltkrieges, doch die drohende Maschinerie war fühlbar in der lastenden Atmosphäre des öffentlichen und privaten Lebens. Aus wechselnden Blickwinkeln, unter verschiedenen äußeren Gegebenheiten und menschlichen Bedingungen, wird in den kurzen Episoden eindringlich der Alltag des Dritten Reiches gezeichnet: der Terror durch reglementierende Sprachverwirrung, durch Unterdrückung, Mißtrauen und Heuchelei. Brecht wollte deutlich machen, daß, wie er sagt „lange bevor über uns die Bomber erschienen“, unsere Städte schon unbewohnbar waren.

Jeden Mittwoch 24:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Leipzig – Halle/Saale – Magdeburg auf 95.9 FM oder per Stream.

heute Abend: Edgar Lipki – Sucking Blood (WDR 2010) (zum anhören/downloaden hier zu finden)

09.03.11 Benny Barbasch – Mein erster Sony (DLR 2000) – Teil 1

16.03.11 Benny Barbasch – Mein erster Sony (DLR 2000) – Teil 2

Als der zehnjährige Jotam einen Kassettenrekorder bekommt, ist keiner mehr vor ihm sicher. Die Liebesaffären seines Vaters, die Sitzungen beim Familientherapeuten, den langsamen Zerfall der elterlichen Ehe – nichts entgeht seinem Sony. Auch die Erzählungen des polnischen Großvaters über seinen langen Weg in das neu gegründete Israel sowie das Zerwürfnis mit dem fundamentalistischen Onkel hält er auf Tonband fest. Aus Jotams Passion wächst so Kassette nach Kassette eine Chronik israelischer Gegenwartsgeschichte.
Die politischen Gegensätze Israels spalten auch Jotams Großfamilie: Während der Großvater Anhänger des Likud-Blocks ist, bekennt sich Jotams Mutter Alma zur linken Friedensbewegung. Ihr Mann Assaf hingegen fühlt sich nirgendwo zugehörig. Seine Tätigkeit als Ghostwriter von Biographien Holocaust-Überlebender zehrt an seinem Inneren. Auch die Flucht in zahllose Liebschaften tröstet ihn nicht. Einzig die enge Beziehung zu seinem Sohn Jotam bleibt unangefochten. Dieser hält auf seinem Sony neben allen Turbulenzen auch die leisen Zwiegespräche fest.

23.03.11 Elfriede Jelinek – Die Klavierspielerin (SWF 1988)

Mutter-Tochter Beziehung zwischen Zwang und Alltag, zwischen Einsamkeit und Verlangen. Der Versuch eines Ausbrechen und einer selbst bestimmten Unabhängigkeit. Kontrollierte Freiheit zwischen Tradition und Norm.

30.03.11 Ror Wolf – Der Ball ist rund (HR 1978)

Die Redundanz der Fußballspiele anhand einer Collage hörbar gemacht.

„Ein Menschenbild, das in seiner Summe Null ergibt“ gibt es heute Nacht bei IKL zu hören. Wer es sich ein anderes Mal zu Gemüte führen möchte, sei auf die ARD Mediathek verwiesen, dort gibt es das Stück zum anhören… (stelle grad fest, dass es dort nicht mehr zu finden ist… shame!)

Jeden Mittwoch ab 24:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Leipzig/Magdeburg auf 95.9 FM oder per Stream.

Komplettes Programm ab sofort nur noch in der Programmzeitung von Radio Corax zu finden.

Highlights des Monats Februar:

02.02.11 – Kafka Kanzler und da knackt nichts. Aus dem Inneren eines Überwachungsstaates (2010)

Ein junger Mann erfährt durch eine Panne bei seinem Mobilfunkbetreiber, dass er von Verfassungsschutz und BKA abgehört wird. In einer Zeitung kann er in einem Artikel zur Militanten Gruppe die Abhörprotokolle mit seiner Freundin im Wortlaut lesen. Dort erfährt er auch, dass seine Verhaftung als angeblicher Gründer der terroristischen Vereinigung „Militante Gruppe“ kurz bevor stehe. Ein Feature mit sehr persönlichen Einsichten eines Überwachten.

23.02.11 Schorsch Kamerun – Ein Menschenbild das in seiner Summe null ergibt (2006)

Eine Generation zwischen Mediengeschwätz, Lifestylemode und Kaufwelt, zwischen verordneter Wahlfreiheit und allgemeiner Beliebigkeit. Keine Chance auf ein originales Leben, auf authentische Wünsche. Ein Übermaß an Null-Information. Protest wird nicht gehört, geht unter im allgemeinen Medienbrei. Der höchste Wert ist heute Verweigerung. (Hörspielpreis der Kriegsblinden 2007)

Dietmar Dath: Die Abschaffung der Arten

12 Stunden langes Hörspiel ab Ende Januar im Podcast des BR zum Download.

Oder live per Stream vom 30.1.2011 bis 18.4.2011, immer Sonntags 15.00 Uhr / Wdh. Montags 20.30 Uhr bei Bayern 2.

Komposition: mouse on mars
Bearbeitung und Regie: Ulrich Lampen

Mehr drüber (sowie ab Ende Januar den Download des Hörspiels) hier.

jede  Mittwochnacht ab 24:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Magdeburg/Halle/Leipzig auf UKW 95.9 FM oder per stream.

05.01.11 Hannah Arendt – Im Gespräch mit Günter Gaus (1964)

Gaus: Ausgehend von der Überzeugung seit 1931, daß der Machtantritt der Nazis sich nicht verhindern lassen würde, hat es Sie nicht gedrängt, aktiv etwas dagegen zu tun, zum Beispiel durch Eintritt in eine Partei – oder haben Sie dies nicht für sinnvoll gehalten?

Arendt: Ich persönlich hielt es nicht für sinnvoll. Wenn ich es für sinnvoll gehalten hätte – das ist alles sehr schwer nachträglich zu sagen –, dann hätte ich vielleicht etwas gemacht. Ich hielt es für hoffnungslos.

12.01.11 Alfred Döblin – Die Geschichte vom Franz Biberkopf (RRG 1930)

Franz Biberkopf kommt aus dem Knast und will ein anständiger Mensch werden. Er schlägt sich mit kleinen Tätigkeiten durch, aber die Zeiten sind schlecht. Biberkopf hat nicht nur mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, sondern wird schließlich in einen regelrechten Kampf verwickelt mit etwas, das von außen kommt, das unberechenbar ist und wie ein Schicksal aussieht.

19.01.11 Patrick Süskind – Der Kontrabass – gelesen von Walter Schmidinger (1981)

In der Theatersaison 1984/85 mit über 500 Aufführungen das meistgespielte Stück an deutschsprachigen Bühnen. Vielleicht wegen der kongruenten identifikatorischen Elemente – ein einsamer Kontrabassist hasst sein Instrument wie seinen Beruf, und trotzdem geht er dienstbeflissen an die Arbeit.

26.01.11 Inge und Heiner Müller – Die Korrektur (1957) (30min) & was überraschend anderes

Produziert 1957, vom DDR-Rundfunk zensiert, urgesendet vom MDR 1997. Inhalt des Hörspiels: eine Brigade in Hoyerswerda baut 1957 das Kombinat „Schwarze Pumpe“ auf. Alle haben ihre Probleme auf dem Bau – manche wegen persönlicher Einstellungen, manche wegen der Hierarchie, manche wegen ihrer Vergangenheit. Das Kollektiv wird am Ende nur durch die Partei gerettet.

Zweite halbe Stunde bei IKL was überraschend anderes.

Der Radio Corax Medienpreis wird alljährlich verliehen.

Wer Lust & Laune & es auch für gerechtfertigt hält möge ein Kreuz setzen bei IKL – Im Kopf Lokalisation.

Ich würde mich drüber freuen.

Danke!

P.S.: Auch so sind Alle eingeladen am 17.12.2010 bei Corax in Halle/Saale anwesend zu sein, & der Preisverleihung in netter Runde beizuwohnen (und wer mag, sich bei der Gelegenheit die Senderäume & Studios von Corax persönlich in Augenschein zu nehmen).

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jede  Mittwochnacht ab 24:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Magdeburg/Halle/Leipzig auf UKW 95.9 FM oder per stream.

01.12.10 Anne Waldman and Allen Ginsberg reading (including „Howl“) (August 9, 1975)

Anne Waldman and Allen Ginsberg poetry reading. Waldman reads „Fast Speaking Woman“ and other poems. Ginsberg reads „Howl“ in its entirety, and other poems.

08.12.10 Chris Ohnemus – Wers glaubt wird selig (SR 2009)

Der Hauptprotagonist Jan Goll blickt auf die Renaissance der Religion. „Höre auf, dir Sorgen zu machen und genieße das Leben.“

15.12.10 Ode to Gravity: Joanna Brouk interviews Steve Reich (December 12, 1973)

Steve Reich plays his music and talks about his sounds and dimensions with Joanna Brouk. The first two musical selections heard were recorded at the John Weber Gallery, in New York City, in May of 1973. The interview with Reich was recorded during his visit to the San Francisco Bay Area in November 1973 and was broadcast on December 12, 1973.

22.12.10 Klaus Kinski – Jesus Christus Erlöser (live 1971)

Ende November 1971 will Klaus Kinski die „erregendste Geschichte der Menschheit“ erzählen – das Leben von Jesus Christus. Doch er kommt nicht dazu. Das Bühnenprogramm des umstrittenen Schauspielers wird durch Zwischenrufe unterbrochen – von einem Publikum, das diskutieren will. Von einem Publikum, das keine Predigt hören will. Dem Mitschnitt der legendären Veranstaltung (90 Minuten) ist bei IKL ein zeitgenössischer Radiobeitrag über die Ereignisse vorangestellt.

zwei Verweise auf verschiedene Sachen:

1. Kein Wort zu Oosterbeek

Der WDR bietet seit letzter Nacht in seinem Podcast ein Hörspiel an, dass „auf Recherchen zu den realen alljährlichen Bilderberg-Konferenzen [beruht], auf denen seit 1954 angeblich heimlich weltpolitische Absprachen getroffen werden.“ Buch: Daniel Goetsch; Regie: Christoph Kalkowski. WDR 2010

Download nur für nen paar Tage. Habe kurz reingehört – fand es nicht sehr überzeugend. Bezeichnend jedoch, dass der WRD sich dem Hype um die Bilderberger und die Weltverschwörung annimmt (egal in welcher Form).

2. ARD-Hörspieltage

Alljährlich von der ARD im ZKM-Kubus in Karlsruhe veranstaltet. Auf der Homepage sind noch bis zum 15. November 4 von 10 Hörspielen des Wettbewerbs downloadbar. Die Kurz-Hörspiele aus der „freien Hörspielszene“ sind alle downloadbar. Manchmal richtige Schmuckstücke dabei. Sucht euch raus was ihr für spannend haltet…

in der Nacht Mittwoch zu Donnerstag ab ca. 00:10 auf 95.9 FM im Raum Magdeburg-Halle/Saale-Leipzig oder per Corax-Stream.

03.11.10 Michel Houellebecq – Ausweitung der Kampfzone (WDR 2000)

Michel führt ein unspektakuläres, gleichförmiges Alltagsleben ohne Freundin. Sein Dasein liegt irgendwo jenseits von Glück und Unglück – und eine Erklärung könnte die Sexualität unserer Tage sein. „Houellebecqs Kunst, der gesellschaftlichen Welt das Stethoskop an die Brust zu halten und ihre Krankheiten zu diagnostizieren, erinnert an Sartre und die Ekelbestände, die jener im menschlichen Dasein ausfindig machte, an Camus und seinen „Fremden“ mit Namen Merseault, der sich und der Welt gegenüber gänzlich entfremdet ist.“

10.11.10 Torsten Schulz – Boxhagener Platz (RBB 2005)

Boxhagener Platz, Berlin-Friedrichshain, 7. Oktober 1968. Für Holgers Großmutter ist der Tag der Republik ein Tag wie jeder andere. „Jetzt versperren die einem schon ’n Weg zum Friedhof, die Aasbande“, schimpft sie über die Ehrenparade der Nationalen Volksarmee. Dort, auf dem Friedhof, liegen ihre verstorbenen Ehemänner. „Boxhagener Platz“ – Einblick in die Welt der einfachen DDR-Bewohner und deren nicht ganz so einfaches Leben.

17.11.10 Mark Ravenhill – Feed Me (DRS 2001)

FEED ME entstandt für die BBC, es ist ein verstörenden Text, in dem Zufallsbekanntschaften in einer Metropole zu einem Reigen wechselseitig angeeigneter Lebensentwürfe führen, bis die verzweifelten Träume in der verdrängten Realität eines Krieges platzen. Doch dies bloß, um sich höchst überraschend neu zu formieren.

24.11.10 Kain Karawahn – Pyrophonie (30min) u.a.

Karawahn lebt in Berlin und Blossin. Er beschäftigt sich in Theorie und Praxis mit der kulturellen und künstlerischen Beziehung des Menschen zum Feuer: „Feuer ist weder Disziplin noch Ausdrucksform. Feuerkünstler GIBT ES NICHT!“ Zweite halbe Stunde bei IKL wird dann mit was (überraschend) Anderem gefüllt.

in der Nacht Mittwoch zu Donnerstag ab ca. 00:10 auf 95.9 FM im Raum Halle/Saale oder per Corax-Stream.

IKL – Oktoberprogramm 2010

06.10.10 Alfred Döblin – Die Geschichte vom Franz Biberkopf (RRG 1930)

Franz Biberkopf kommt aus dem Knast und will ein anständiger Mensch werden. Er schlägt sich mit kleinen Tätigkeiten durch, aber die Zeiten sind schlecht. Biberkopf hat nicht nur mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, sondern wird schließlich in einen regelrechten Kampf verwickelt mit etwas, das von außen kommt, das unberechenbar ist und wie ein Schicksal aussieht.

13.10.10 René Pollesch – Heidi Hoh (DLR 2001)

Ihr Privatleben ist ein Betrieb, und der Markt ist ihre zweite Natur. Die Konzerne nehmen Speed, und die Verortungsprobleme verbreiten sich wie eine Epidemie. Da ist auch eine Bank, die kein zu Hause mehr hat, sondern virtuell um die Welt rast und ab und zu hysterisch wird, zum Beispiel auf Pressekonferenzen, auf denen sie immer wieder behaupten muss, dass sie einen Standort hat.

20.10.10 Ulrich Sonnenschein – Wir pfeifen nicht nach Ihrer Tanze! (2009)

Ulrich Sonnenschein versucht die Absurditäten, Banalitäten und Realitäten der hiesigen Politik in einer Collage zu konzentrieren. Zu hören sind Auszüge aus Reden & Ansprachen von Politikern, gemischt mit seinen eigenen Bemerkungen.

27.10.10 Orson Welles – War of the Worlds (Original CBS 1938)

Außerirdische landen auf der Erde. Die Menschen beginnen die Marsianer zu bekämpfen. Die Erdlinge geraten in Panik & fliehen aus den Städten. Dies alles wurde in authentischer Hörfunkmanier als Hörspiel produziert und führte zu realer Panik in einigen amerikanischen Städten. Bei IKL gibts das amerikanische Original aus dem Jahr 1938 zu hören.

in der Nacht Mittwoch zu Donnerstag ab ca. 00:10 auf 95.9 FM im Raum Halle/Saale oder per Corax-Stream.

01.09.10 – Walter Benjamin – Haschisch (gelesen von Christian Klischat) (2010)

Walter Benjamin beschreibt (u.a. seinen Trip in Marseille) und diskutiert den Haschischkonsum. („In Haschisch sind wir genießende Prosawesen höchster Potenz.“)

08.09.10 – Thom Kubli – Bakunin Boys; Zero-Gravity ist das neue Jetzt (WDR 2010)

Bei einem psychedlischem Trip in simulierter Schwerlosigkeit begegnet der Hauptprotagonist Luk dem Anarchisten und Revolutionär Michail Bakunin („Die größte Intelligenz genügt nicht, alles zu umfassen.“).

15.09.10 – Adorno & Gehlen diskutieren – Öffentlichkeit – Was ist das eigentlich? (SWF 1964)

Der Begriff „Öffentlichkeit“ hat sich inzwischen verselbständigt und ist zu einer eigenen Macht geworden, einer Sphäre, in der das, was zwischen Menschen stattfindet, verdinglicht wird. Der Begriff der Öffentlichkeit geht dabei an Institutionen wie die Medien über, so dass nur das als Öffentlichkeit wahrgenommen wird, was in ihnen erscheint. Die Öffentlichkeit ist eine noch nicht verwirklichte. Sie ist eine Ideologie, jedoch eine Ideologie, die die Möglichkeit hat, ihre eigenen Verhältnisse zu durchstoßen.

22.09.10 – Thomas Mann – Deutsche Hörer (BBC 1941-1945)

Die monatlichen Reden von Thomas Mann wurden zwischen 1941 bis 45 aus seinem britischen Exil bei der BBC ausgestrahlt. Gerichtet waren sie an „Deutsche Hörer!“ und zeigen die stete und doch vergebliche Hoffnung Manns auf einen Sinneswandel an der deutschen Heimatfront.

29.09.10 – Günter Eich – Die Andere und ich (NWDR 1952)

„Die Andere und Ich“ gilt als eines der wichtigsten Stücke in der Hörspielgeschichte. Das Motiv der Seelenwanderung, verbunden mit einem sozialen Appell, bestimmt die Geschichte einer reichen Amerikanerin, die während einer Italienreise mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf auf eine Fischersfrau trifft, deren Leben sie vierzig Jahre lang annimmt.

Zu hören gegen 00:10 Uhr in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag im Raum Halle – Leipzig- Magdeburg auf Radio Corax 95.9 FM oder per Stream…


04.08.10 – Isaac Assimov – Das Attentat (SDR 1967)

11.08.10 – Michael Koser – Schmetterlinge mit Hakenkreuzen (Rias 1982)

18.08.10 – Ludwig Harig – Ein Staatsbegräbnis (SR/WDR 1969)

25.08.10 – Plamper – Release (WDR/NDR 2004)

07.07.10 – Stanislaw Lem – Solaris (II/II)

Zweiter Teil über den intelligenten Planeten namens Solaris und die beschränkten Möglichkeiten des menschlichen Denkens und Wahrnehmens.

14.07.10 – RADIO-CORAX-GEBURTSAGSNACHT (kein IKL)


21.07.10 – Günter Eich – Träume (NWDR 1951)

Die Ursendung von Günter Eichs Hörspiel „Träume“ am 19. April 1951 begann um 20.50 Uhr, später als gewöhnlich, um Kindern vor der „mörderischen Angelegenheit“ zu bewahren. Beim Rundfunksender gingen
prompt auch wütende Telefonanrufe und Beschwerdebriefe ein: „Wir haben da eben Ihr Hörspiel gehört, von dem Eich. Kann man den Mann nicht einsperren?“
Fünf Szenen geben fünf Alpträume wieder. Die Szenen spielen je in einem der fünf Kontinente, und vor jeder Szene wird in nüchternen Sprache von irgendeinem harmlosen Menschen berichtet, der den jeweils folgenden
Alptraum erleidet. – „Vermutlich werden die angenehmen Träume dieser Welt von Schurken geträumt.“

28.07.10 – Isaac Asimov – Falsch Korrigiert (SDR 1970)

Isaac Asimov wurde im Januar 1920 im russischen Petrovichi geboren.
Bereits 1923 wanderte seine Familie mit ihm nach New York City aus, wo
er auch 1992 starb. Assimov wurde Biochemie-Lehrer an einer Universität,
bevor er sich 1958 dazu entschloss freier Schriftsteller zu werden. In
dem Hörspiel befinden wir uns im Jahr 2038. Vor Gericht wird die Klage
gegen den Roboter mit der Bezeichnung E27-3, „Mooney“, verhandelt. Wer
ist Täter – die intelligente Maschine oder der Mensch?

02.06.10 – NS-Führung im Verhör – Gehorsam – Macht im Militär

Keitel nach seiner Hinrichtung am 16. Oktober 1946 in Nürnberg

Vernehmung von Wilhelm Keitel (1882-1946), Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, 98. Verhandlungstag der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, 3. April 1946.
Die »Reichswehr«, von der manche nach 1933 noch eine Begrenzung von Hitlers Herrschaft erhofften, war innerhalb weniger Jahre zur »Wehrmacht« geworden. Die Unterordnung der Wehrmacht unter Hitler entband diese jedoch nicht von dem gebräuchlichen Kriegsrecht, u.a. der Genfer Konvention. Diese wurden jedoch in Anbetracht von „Untermenschen“ außer Kraft gesetzt – auch wenn die Legende von der „sauberen Wehrmacht“ bis heute gegenteiliges behauptet. Die Wehrmacht ist verantwortlich für Verbrechen, die während des Zweiten Weltkrieges verübt worden sind – deshalb wurde der Wehrmachtsführung in Nürnberg auch der Prozess gemacht. Die Tondokumente bezeugen die Mechanismen von Befehl und Gehorsam und werfen die immer wiederkehrende Frage nach den Grenzen soldatischen Gehorsams auf.

09.06.10 – Emile Zola – Nana (2003) (I v. II)

16.06.10 – Emile Zola – Nana (2003) (II v. II)

Emile Zola (1840-1902) entzaubert mit Nana die vermeintliche Ehrbarkeit des Bürgertums. Die junge Nana, Tochter einer Wäscherin und eines Trinkers, erobert sich nach einem armseligen Leben als Straßendirne einen Platz in der Pariser Gesellschaft. Nana hasst die Oberschicht und möchte dorthin, aber nur, um sich für das jahrelange Leben im verhassten „Milleu“ zu rächen. Dies tut sie weniger geplant als rational intuitiv. Ihre Verführungskraft, derer sie sich bewusst ist, lässt sie alsbald Macht über Minister, Aristokraten, Beamte und Journalisten gewinnen, von denen sie sich Herz und Vermögen zu Füßen legen lässt. Sie ist die „goldene Fliege, die aus dem Kot auffliegt und vergiftet, was sie berührt“.

23.06.10 – Thomas Brussig – Helden Wie Wir (1996)

Mutter Hygieneinspektorin von Berlin-Lichtenberg, Vaterland ein Staat mit Namen DDR. Protagonist ist Klaus Uhltzscht. Mutter will Klaus‘ Männlichkeit bewahren, die DDR ihn durch eine Mauer schützen. Idole sind Teddy Thälmann und Kati Witt. Außerdem besteht für Klaus die Option Mitglied des Stasi-Nachwuchs-Kaders zu werden. Klaus kämpft für den Sieg des Sozialismus im Weltmaßstab. Außerdem kämpft er gegen seine eigene Sexualität. Enden sollte alles in der Nacht des 9. November 1989…

30.06.10 – Stanislaw Lem – Solaris (I/II – Der Planet) (2006)

Solaris ist ein Planet, der fast vollständig von einem aus gallertartiger Masse bestehenden Ozean bedeckt ist. Dieser Ozean bildet die bizarrsten Formen und Gestalten und ist in der Lage, Formen nachzubilden – er gilt als eine intelligente Lebensform, doch die Kontaktaufnahme mit dieser Lebensform schlägt über Jahrzehnte fehl. Denn hier steht der Mensch etwas völlig Fremdartigem gegenüber, was in keiner Weise dem Leben auf der Erde gleicht.
In der Raumstation, die über der Oberfläche von Solaris kreist, soll das Fremdartige erforscht werden. Der Psychologe Kelvin wird von der Erde entsand um die Arbeit zu unterstützen. Es scheinen jedoch noch andere Personen an Bord zu sein als die Forscher, denn Kelvin hört Stimmen aus den Labors seiner Kollegen und begegnet in der Raumstation einer fremden Frau. Nach kurzem Schlaf sieht sich Kelvin seiner verstorbenen Frau gegenüber. Er meint bald, angesichts der unerklärlichen Vorgänge, den Verstand verloren zu haben, doch das Unfassbare bleibt Realität und die Realität bleibt unbegreiflich…

IKL im Mai: „Ferner denn abseits“…

05.05.10 – Paul Auster – Schlagschatten (1997)

Paul Auster: „Auch wenn ich mir dessen nicht immer bewusst bin, so handeln meine Romane doch immer wieder von Leuten, die auf die eine oder andere Weise etwas verloren haben, die aus der Gesellschaft herausfallen. Sie besitzen nicht die sozialen Bindungen wie die meisten von uns, hängen irgendwie in der Luft, aber das macht sie offener für unvorhersehbare Ereignisse.“

12.05.10 – Max Aub – Nichts Geht Mehr (1999)

‚Nichts geht mehr‘ heißt der erste Roman Max Aubs über den Spanischen Bürgergkrieg. Der Bauernjunge Serrador zieht aus seinem kleinen Heimatdorf nach Barcelona. Der König dankt ab, die Republik wird ausgerufen, Parteien entstehen, entwickeln sich und bekämpfen einander. Serrador mittendrin – beobachtet, geht auf Propaganda-Veranstaltungen, trifft auf den Anarchismus, den Kommunismus, den katalanischen Nationalismus und den Faschismus. Eine Gesellschaft auf der Suche nach neuen Werten verliert scheinbar jeden Halt.

19.05.10 Gespräche Heiner Müller – Alexander Kluge (1996/94/89)

Wenige Monate vor seinem Tod antwortet Müller auf die Stichworte „Atmen“ und „Rauchen“ mit einer Anekdote – das Atmen sei eine Indiskretion gegenüber den Toten. „Wer raucht sieht kaltblütig aus“ (Brecht) und „Wer raucht, wird kaltblütig“ (Müller). Außerdem: die Faszination Heiner Müllers an Panzern. Zuletzt: Anlässlich seines 60. Geburtstages 1989 erzählt Müller über seine Jugend, über die Kriegsjahre (die Inhaftierung seines Vaters), seine Schulzeit im Dritten Reich, seine Zeit in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager und seine Rückkehr in die sowjetische Zone.

26.05.10 Jochen Rack – III. Teil der Langen Nacht über Alexander Kluge (2009)

Kluge: „Was eine Mehrheit ist und was Minderheit, wissen wir nicht. Es kann im Herzen eine Mehrheit haben, was politisch in der Minderheit sich befindet. Das Medium sind die Zuschauer, die Nutzer. Ohne die Phantasie des Zuschauers funktioniert der ganze Apparat nicht. Das war zwar immer so, aber das war verborgen. Das bisherige Programm wird von oben nach unten ausgestrahlt. Wenn das Online-System nicht in den Besitz von Konzernen kommt, funktioniert es auch von unten nach oben. […] Besitz ist ein großes Wort. In Wirklichkeit gehören die Medien den Menschen selber. Man kann sie immer nur leihen.“

  • 07.04.10 – NS-Führung im Verhör – Ausrottung – Endlösung

Die Nürnberger Mitschnitte der amerikanischen „Record group 238“ sind einzigartige Tondokumente. Ulrich Lampen hat sich im Jahr 2006 daran gemacht diese Mitschnitte zu bearbeiten und auf acht CDs herausgebracht. Die letzte steht unter dem Thema „Ausrottung-Endloesung“ und wird es bei IKL als erste zu hören geben. Am 26. Verhandlungstag, am 03. Januar 1946 wird Dieter Wisliceny (1911-1948) verhört, SS-Hauptsturmführer und engster Mitarbeiter von Adolf Eichmann.

Wisliceny war bis Oktober 1944 für die Deportation der slowakischen, griechischen und ungarischen Juden verantwortlich. Eine Frage an ihn: „Die von ihnen beschriebenen Aktionen betrafen etwa 450.000 Juden die aus Ungarn verschleppt wurden. Was Geschah mit den Juden?“ „Sie wurden Restlos nach Auschwitz gebracht und dort der Endlösung zugeführt.“ „Meinen Sie dass sie getötet wurden?“ „Ja. Mit Außnahme von etwa 25-30% die zu Arbeitszwecken verwendet wurden.“
In den Nürnberger Prozessen wurden Täter nicht nur mit ihren Verbrechen konfrontiert, es ging auch darum, begriffliche Verklärungen von Untaten aufzubrechen. Deshalb versuchten Ermittler und Ankläger, durch Zeugenaussagen und Verhöre die Tarnsprache der Nationalsozialisten zu entschlüsseln. Die Täter entstammten allen Bevölkerungsschichten – Soldaten, Bürokraten, Juristen und Ärzte wurden Teil der organisierten Menschenvernichtung. Die Tondokumente der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse zeigen: die Täter sind sich keiner Schuld bewusst & Reue ist von ihnen nicht zu erwarten.
  • 14.04.10 – Gespräch Heiner Müller – Alexander Kluge (1990)
Heiner Müller inszenierte 1989 am Berliner Ensemble einen ungekürzten siebeneinhalbstündigen Hamlet, weil sich in der deutschen Wiedervereinigung „die Verabschiedung des Prinzips Hamlet zugunsten der freien Marktwirtschaft“ vollzöge. Er vertieft im Gespräch mit Alexander Kluge die Parallelität zwischen dem Stück und der aktuellen Wirklichkeit. Das Gespräch geht dann um die Kundgebung vom 4. 11. 1989 auf dem Alexanderplatz. Im Verlauf der genauen Beschreibung der Umstände an diesem Tag (Wetter, Toiletten, Abfolge der Redner, Lautsprecheranlage) charakterisiert Heiner Müller, der als „Botschafter“ eine Resolution verlas, die Menschenmenge als etwas Tierisches, dem er nicht gewachsen ist und über das er zugleich seine Macht spürt. Gegen Ende des Gesprächs kommt Müller noch einmal auf sein zuvor schon angesprochenes Verständnis von Kunst zurück. Kunst entsteht aus „Einverständnis ohne Tabu“. Darum ist sie auch nicht „human“, und authentisch nur, wenn sie der von der pluralistischen Gesellschaft geforderten Sentimentalisierung widerstehe. Der Satz, daß es „gegen Auschwitz kein Argument“ gäbe, ist in diesem Zusammenhang der zwangsläufig befremdlichen Ausdrucksmittel von Kunst zu verstehen. Auf Alexander Kluges Frage nach dem revolutionären Charakter der Wiedervereinigung hebt Müller im Anschluß an Benjamin den historischen Bremscharakter von Revolutionen hervor.
  • 21.04.10 – Hagen Rether – Liebe Zwei (2007)
Klima, Religion, Wissenschaft, Politik, Alltagskultur. Streitbare weil polarisierende Ansichten liefert Hagen Rether. Dabei trifft er voll daneben & voll das Ziel – & uns. Zum Lachen ist eigentlich nur das Lachen der Lachenden. „Wenn Sie mal irgendwo nen Nazi treffen – reden Sie mit ihm. Sagen Sie: ‚Na Du Arschloch.‘ Ist total wichtig. Man muss reden mit denen. Über Argumente krischt man die immer. Doch. Doch. Probieren sie es aus. Nach drei vier Argumenten ihrereseits sagen die: och, so hab ich das ja noch nie gesehen. Kognitiv sind die wahnsinnig flink. Total wichtig.
Möllemann. Kommt immer einer nach von den Brandstiftern. Mach ich mir keine Sorgen. Gibt immerwelche. Kann der Oettinger eigentlich Fallschirmspringen? Müsste mal mit Schönbohm son Tandemsprung machen.“
  • 28.04.10 – Christoph Schlingensief – Lager ohne Grenzen (1999); Christoph Schlingensief – Freakstars3000 (Mutter sucht Schrauben) (2003)

Am 02. März 2010 wurde Christoph Schlingensief mit dem Helmut Käutner Preis versehen. Die Laudatio hielt Georg Seeßlen: „Der Künstler ist ein Mensch, der Dinge tut, die ihm vollkommen entsprechen. […] Die Kunst eines Christoph Schlingensief besteht nicht zuerst darin, mit den richtigen Mitteln die richtigen Aussagen zu treffen oder die richtigen Prozesse einzuleiten. Die Kunst des Christoph Schlingensief besteht darin, aus freien Stücken Christoph Schlingensief zu sein. (Apothekersohn und Künstler.) Das ist keine leichte Sache. Zum Zweiten bilde ich mir ein, dass jeder gute Künstler zurzeit ein Anarchist sein muss. Ich meine damit nicht, dass er Bomben werfen soll, ich meine auch nicht diesen wohlfeilen Anarchismus der Verhaltenscodes, nach dem schon ein Künstler ist, wer im selbstgestrickten Pullover erscheint, wo alle anderen schwarze Anzüge tragen. Ich meine damit, dass ein Künstler jemand ist, der in Staat und Gesellschaft weder die letzten noch die besten Institutionen für die fundamentalen Fragen der Menschen sieht. Ich meine auch, ein Künstler zurzeit ist ein Mensch, der den Kapitalismus nicht als beste und endgültige Form ansieht, die Beziehungen der Menschen untereinander zu regeln. Mein Künstler zurzeit jedenfalls sagt, dass der Sinn des Lebens nicht in der Regierbarkeit und nicht in der Marktfähigkeit des Menschen liegt.“ Mein idealer Künstler zur Zeit – sagt Seeßlen über Christoph Schlingensief.

jeweils kurz nach Mitternacht jede Nacht Mittwoch zu Donnerstag auf Radio Corax im Raum Halle/Magdeburg/Leipzig 95.9 FM oder per stream unter http://streaming.fueralle.org:8000/corax.mp3.m3u

03.03.10 – Max Goldt – Die CD Mit Dem Kaffeeringcover (oder: Lese Live 2) (1994)

10.03.10 – Esther Vilar – Die Erziehung der Engel (1998)

17.03.10 – Emile Zola – Nana (2003)

24.03.10 – Max Aub – Bittere Mandeln (2003)

31.03.10 – Udo Vetter – Vortrag auf 23. CCC zum Thema Hausdurchsuchung

Viel Spass wer es hört!

Heute Abend bei IKL zu hören. Daneben noch zwei weitere Stücke: Claudia Webers „Psychopair“ & Walter Moers „Fönig“. Hier ein Buch von Jürgen Roth, der zusammen mit Ror Wolf „Das langsame Erschlaffen der Kraefte“ produziert hat.

Zum Fussball, zum Sport: wusste bereits Robert Musil, dass es sich bei Kampfesspielen um Ausdruck eines feinst verteilten Hasses handelt (streitbare These), ist auch das Wettbewerbsprinzip und das Küren eines Meisters dem Sport inhärent. Ähnlich wie im Kapitalismus geht es darum Gerechtigkeit zu erreichen, indem jedeR optimiert um weiterhin konkurrieren und mithalten zu können:

Dem Wettkampfsport liegt demnach eine Gerechtigkeitsauffassung zugrunde, nach der auf der Grundlage formal geregelter Austauschbeziehungen, individuelle Leistungen in Konkurrenz zu anderen Leistungen möglichst optimal gesteigert werden sollen. […]

Die Verallgemeinerung der Konkurrenz durch die rechtliche Freisetzung der Individuen wird von den Befürwortern dieser Gerechtigkeitsauffassung dadurch legitimiert, daß erst im Wettbewerb der sich gegenseitig herausfordernden und begrenzenden Interessen ein Höchstmaß an Produktivität und schöpferischer Initiative entsteht. Der einzelne Mensch mag moralisch gesehen „ein krummes Holz“ (Kant) sein. Eine Chance zu seiner Verbesserung liegt jedoch nach diesem Ansatz in der klugen Art seiner Vergesellschaftung. Wie durch eine „unsichtbare Hand“ (Adam Smith) werden die zum Teil widersprüchlichen Einzelinteressen aufeinander abgestimmt und gelenkt. Dabei bleibt den Beteiligten die Vernunft des Gesamtzusammenhanges verborgen und entfaltet sich gleichsam hinter ihrem Rücken. Doch im Sinne dieses Denkens entsteht daraus kein Widerspruch, da die Rationalität des Ganzen vollständig in der Rationalität der Einzelinteressen aufzugehen scheint – oder mit anderen Worten: wir konkurrieren uns empor! […]

Anstatt daß der einzelne seine Anlagen möglichst umfassend ausbilden und entwickeln kann, ist er aufgrund der allgemein vorherrschenden Konkurrenzbedingungen gezwungen, sich primär an den Erfordernissen der eigenen Selbsterhaltung auszurichten. Die Vernunft des Gesamtzusammenhanges erscheint vor diesem Hintergrund als Unvernunft selbst- und fremdausbeuterischer Einzelinteressen.

Wir konkurrieren uns nicht empor, sondern zugrunde!

Die positive Bedeutung der bedarfsorientierten Gerechtigkeitsvorstellung liegt in ihrem kritischen Gehalt. Marx erkennt, daß seine Forderung: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ unter kapitalistischen Produktionsbedingungen kaum realisierbar ist. (Quelle)

Heute Abend ab ca. 00:10 Uhr  ein Feature über Kannibalismus aus der alten und neuen Welt. Wie sagte der Kannibale von Rothenburg so schön:

„Ich fühlte mich total allein. Zuerst war der Vater weg, dann mein Bruder. Später ist meine Oma gestorben. Ich hab mir vorgestellt, dass einer bei mir sein soll, der mich nicht mehr verlässt. Schon als kleiner Junge träumte ich davon, Klassenkameraden zu schlachten. Es ging immer ums Ausweiden, Bauch aufschlitzen, Eingeweide rausnehmen. Ich hab es dann ja auch so gemacht.

[…] Es ging mir darum, ihn in mich aufzunehmen. Man kann es fast mit dem Abendmahl vergleichen.

[…] Mit jedem Bissen Fleisch ist die Erinnerung an den Kumpel, den ich mir immer gewünscht habe, gewachsen. […] Es war ein sehr erhabenes Gefühl, Zufriedenheit. Das ist etwas anderes als eine Liebesbeziehung. Das Gefühl kann man in anderer Form nicht erreichen.“ (Quelle)

Wie gesagt: bei IKL heute Nacht auf Radio Corax eine Auseinandersetzung mit u.a. der Frage was Organtransplantationen mit Kannibalismus zu tun haben könnten…

IKL – Februar 2010 jeweils Mittwoch ca. 24:10

03.02.10 – Regine Ahrem – Hofmanns Elixier (2005)

10.02.10 – Michael Farin/Katrin Seybold – Lisa Fittko-Chicago 2000 (2006)

17.02.10 – Andreas Weiser – Menschenfresser (2009)

24.02.10 – Walter Moers – Der Fönig (2008); Weber – Psychopair (2009); Ror Wolf/Jürgen Roth – Das langsame Erschlaffen der Kräfte (2006)

  • 03.02: Albert Hofmann, sagte Dinge wie „Es gibt Erlebnisse, über die zu sprechen die meisten Menschen sich scheuen, weil sie nicht in die Alltagswirklichkeit passen und sich einer verstandesmäßigen Erklärung entziehen.“ 102 Jahre sollte der LSD Entdecker alt werden, bis er vor zwei Jahren starb.
  • 10.02: Die Jüdin Lisa Fittko brachte, nachdem sie aus Deutschland vor den Nazis nach Frankreich geflohen war, gemeinsam mit ihrem Mann über 100 Menschen über die Grenze nach Spanien. Unter ihnen Walter Benjamin.
  • 17.02: Fressen und gefressen werden. Der Mensch ist was er isst. Sind die Anderen, die Barbaren, das Wilde? Über zu brechende Tabus. Kannibalische Neuigkeiten aus der alten und der neuen Welt.
  • 24.02: Klomarft & Friek. Einblick in eine psychopatische Welt und eine Agentur die Psychopaten überwacht. Ein Fussballspiel ist wie viele andere Fussballspiele – zumindest akustisch.

IKL – Januar 2010

06.01.10 – Alexander Kluge – Chronik der Gefühle – Der Lange Marsch des Urvertrauens (2009) Hörprobe Alexander Kluge

13.01.10 – Maximilian Schönherr – Die Stammheim Bänder (2008) Hörprobe Stammheimbänder

20.01.10 – George Orwell – 1984 (Teil I/II) (2003) Hörprobe 1984 Teil1

27.01.10 – George Orwell – 1984 (Teil II/II) (2003) Hörprobe 1984 Teil2

  • was lief 2009?

IKL-Mai 2009

06.05 – Ronald Steckel – Auschwitz. Stimmen. Die Ersten Frankfurter Auschwitzprozesse – 1/3 (2005)

13.05 – Ronald Steckel – Auschwitz. Stimmen. Die Ersten Frankfurter Auschwitzprozesse – 2/3 (2005)

20.05 – Ronald Steckel – Auschwitz. Stimmen. Die Ersten Frankfurter Auschwitzprozesse – 3/3 (2005)

27.05 –


IKL-Juni 2009

03.06 – Thea von Harbou – Metropolis (2001)

10.06 – Albert Ostermaier – Radio Noir (1999)

17.06 – Paul Plamper – Die Unmöglichen (2008)

24.06 – Michael Baute – Minutentexte (2008)


IKL-Juli 2009

01.07 – George Tabori – Mein Kampf (1988)

08.07 – Liquid Penguin Ensemble – Gras wachsen hören (2007)

15.07 – Rainer Werner Fassbinder – Ganz in Weiß (1970)

22.07 – Horst Bienek – Sechs Gramm Caratillo (1960)

29.07 – Stanislaw Lem – Die Sterntagebücher (1968)


IKL-August 2009

[jeden Mittwoch 24:10 Uhr]

05.08.09 – Israel Zangwill – Der König der Schnorrer (1993)

12.08.09 – Jakob Arjouni – Happy Birthday, Türke! (1989)

19.08.09 – Wolfgang Borchert – Draußen vor der Tür (1947)

26.08.09 – Roald Dahl – Der Weg Zum Himmel (1978)

  • König
  • Krimi
  • Krieg
  • Kurzgeschichte

IKL-September 2009

[jeweils Mittwoch ca. 24:10 Uhr]

02.09.09 – Bertolt Brecht – Mutter Courage und ihre Kinder (1949)

09.09.09 – Jakob Arjouni – Kismet (2002)

16.09.09 – Marc Levy – Solange Du da bist (2002)

23.09.09 – Max Aub – Theater der Hoffnung (2000)

30.09.09 – Theodor Plievier – Stalingrad (1953)

  • brechtsches Antikriegsstück
  • klassischer Krimi (spielend in Frankfurt/Main)
  • unsichtbare Krankenschwester (und Liebesgeschichte zugleich)
  • spanische (Bürger- & Nach-)-Kriegszeit und
  • nochmals Krieg (und die Stadt die Synonym geworden ist mit „Deutschland Katastrophenstaat“)

IKL-Oktober 2009

07.10 – George Orwell – Farm der Tiere (1981)

14.10 – Max Aub – Am Ende der Flucht (2002)

21.10 – Thea Dorn – Marleni (1998)

28.10 – William Golding – Herr der Fliegen (1996)

  • wie ein Schwein Führer wird
  • authentischer Bericht über den spanischen Bürgerkrieg
  • die Schauspielerin Dietrich trifft nach dem Kriegsgeschäft die Riefenstahl in Paris…
  • eine Gruppe Jugendliche nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel…

IKL-November 2009

04.11 – Christoph Schlingensief – Rocky Dutschke (1997)

11.11 – Christoph Schlingensief – Rosebud (2002)

18.11 – Fritz Lang/Thea von Harbou – M – Eine Stadt sucht einen Mörder (2003)

25.11 – Ingeborg Bachmann – Der gute Gott von Manhatten (Teil 1) (1957)

  • am 04.11 dem Hörspiel einer schlingensiefsche Hörspielproduktion beiwohnen „irgendwas stört mich hier“, inkl. Gesellschaftskritik Dutschkes
  • am 11.11 nochmal Schlingensief – ein laut Selbstaussage „kryptisches Hörspiel – die Geschichte eines deutschen Großverlegers, die Geschichte des deutschen Theaters, und die Geschichte der Berliner Republik“
  • am 18.11 ein Klassiker der Filmgeschichte in einer aktuellen Hörspielproduktion
  • am 25.11 über den „guten Gott der Eichhörnchen“; 1959 wurde Bachmann für das Hörspiel mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet

IKL-Dezember 2009

02.12 – Ingeborg Bachmann – Der gute Gott von Manhatten (Teil 2) (1957)

09.12 – Inka Bach – Hesel – Eine anarchistische Übung (1992)

16.12 – Max Goldt – Die Radiotrinkerin & Die legendäre letzte Zigarette (1990)

23.12 – Schorsch Kamerun – Eisstadt (2005)

30.12 – Günther Eich – Das Jahr Lazertis (1954)

  • am 02.12 zweiter Teil über Moral, eine zufällige Liebesgeschichte und den „guten Gott der Eichhörnchen“
  • am 09.12 Hesel in den terroristischen Wirren der BRD und ihrem Leben abseits dessen
  • am 16.12 Max Goldt’s sich im Radio für die ZuhörerInnen betrinkende Frau mit den klimpernden Armreifen
  • am 23.12 Flüchtlingspolitik und Menschenschicksale
  • am 30.12 ein Mann verlässt das Bett und trifft auf der Straße einen Mann der das Glück verkauft…