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Category Archives: hörenswert

Sendung damals gehört und für verbreitenswert erachtet: DLF Essay und Diskurs von Anfang Oktober 2017, worin es u.a. heißt:

Geheimisse zu haben, ist eine Form der Selbstermächtigung. Geheimnisse, die wir verschweigen, aufheben für den Biografen, den wir nicht haben werden, vielleicht noch für Gespräche mit unseren Kindern, wenn die erwachsen sind und also auch schon Fehler gemacht haben, die nicht mehr reparabel sind, wenn die uns beichten, was schiefgegangen ist und wir sie trösten:

So etwas passiert nicht nur dir, es passiert nicht, weil du dumm bist, nein, auch ich habe falschen Freunden vertraut, habe Ratschläge ungeprüft übernommen, ich habe auch Glück gehabt. Und all das nenne ich – Karriere.

Wir bestimmen, wie das Bild von uns auszusehen habe. Nach bestem Wissen, Gewissen und – Verschweigen. Noch sind wir die Herren unserer Biografie. Aber wie lange wird das noch so sein? Was, wenn Personalchefs die Facebook‑Timeline einsehen wollen? In der das Schlechte auch zu sehen ist? Können wir da Nein sagen? Wir haben, viele haben, ihr Archiv, ihr Tagebuch, ihren Kalender nach draußen gegeben. Der liegt jetzt da. Unredigierbar, unlöschbar. Wir können uns zwar abmelden, aber Facebook behält sich vor, die Datensätze trotzdem zu speichern. Wie die allermeisten Internet-Firmen.

Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts. Daten sind die Ölpest des 21. Jahrhunderts.

listen and think about it:

or download

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Titelbild der Titanic mit Kanzlerin Merkel als Gustl Mollath. (screenshot)

Viel wurde geschrieben zum Fall Mollath.

Und diskutiert.

Zu sehen gab es auch einiges.

Ende des Jahres 2015 lief im Bayerischen Fernsehen ein behutsamer und von den Bildern her beeindruckender Film zur Person und den Ereignissen welche einige Jahre immer wieder für Schlagzeilen sorgten. Es ist ein persönliches Schlaglicht auf einen Menschen der Zwangstherapiemaßnahmen am eigenen Leib erfahren hat. Die ARD hat sich in der Reihe Radiofeature auch schon mal damit beschäftigt – ein klein wenig kritisch wirkt der Beitrag „Dunkelkammer Psychatrie“ (download, ca 55 Min.)

mollath_doku_nachthimmel_ikl959Nachthimmel im Zeitraffer (screenshot)

Zurück zum Film: Es ist beeindruckend den Schilderungen der Erlebnisse hinter den geschlossenen Mauern zu lauschen (wie etwa der Arzt in der Nachbarzelle für Ruhe sorgt). Dabei nimmt dies in der Dokumentation von Annika Blendl und Leonie Stade nicht nur zeitlich untergeordnete Rolle ein – was konkret in solchen Einrichtungen passierte und passiert. Um so absurder wirkt die Welt jenseits dieser Mauern. Der Versuch Mollaths in die „Normalität“ zurückzukehren – die es vorher nicht gab und auch danach nicht gibt – wird hingegen sehr konkret. Mit dem Leben in Gefangenschaft wurde er entmündigt, Dinge verschwanden (wie das Grab seiner Familie auf dem Friedhof in Nürnberg). Wiedergutmachen kann man das nicht. Diese Welt ist es nicht.

Die Kritik Gustl Mollaths an den alltäglichen Mechanismen findet sich gleich zu Beginn des Film – etwa wenn er sich in einer Einkaufspassage wundert wieso eine Hose weniger als 10€ kosten kann während woanders Millionen unter dem Tisch verschwinden. Es sind die kleinen Dinge welche seine Aufmerksamkeit bekommen. Mit viel Verstand und ein wenig Witz erlebt der Zuschauer einen Menschen der um sein Recht kämpft und das erfahrene Unrecht als Räderwerk durchlebte ohne dabei apathisch geworden zu sein.

Sehr einprägsam das Beispiel zu den psychatrischen Gutachten, welche nach Aussage eines Gutachters bis zu 60% Falschdiagnosen darstellen. 50% Falschdiagnose sei kein Fortschritt meint Gustl Mollath zu Recht und belegt dies mit einer fallenden und verschwindenden Münze vorm Dom…

Beeindruckend die exakten Formulierungen des Protagonisten und deutlich fühlbar dessen wachsendes Misstrauen gegenüber seinem Verteidiger, den er nur als weiteren Funktionsträger identifiziert. Dass in dem Film verschiedene Seiten und Ansichten (etwa von Journalisten) zu Wort kommen bereichert dieses Dokument. Recommended to watch!

yt_Mollath_Doku_watch_v=PC6EgHlhf9I_(Blendl/Stade; D 2015; 87 Min.; Link zur Doku auf yt. )

Zu finden auf yt auch noch ein Gespräch mit den Autorinnen der Dokumentation „Mollath – Und plötzlich bist du verrückt“ Annika Blendl und Leonie Stade bei MünchenTV.

with Henryk Mikołaj Góreckis Piesni Maryjne op.54

gorecki_op.54_yt_ikl959.com

DSC00012_bhublots watching day or night? oreille listen charles trenet – le soleil (yt-listen) or douce france

with Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“

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Im Januar 2015 jährte sich der Tod des Asylbewerbers in einer Polizeizelle in Dessau zum zehnten Mal. Die Journalistin Margot Overath hat die Ereignisse und Fakten sowie den Umgang und die Diskussion in einem Beitrag für den MDR noch einmal zusammen gefasst. Mehrfach ist von verschiedenen Menschen im Beitrag zu hören: ich verstehe das nicht.

Die Ungeheuerlichkeiten und Widersprüche werden im Beitrag noch einmal ausgesprochen:

download von der site des MDR=src

Der Kern des ganzen ist das Feuerzeug. Und das Feuerzeug war nicht in der Zelle. […] Erst sieben Jahre danach wurde es nach Spuren untersucht.

Bleibt die Frage inwieweit die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Dessau (oder eine andere Ermittlungsbehörde) den Todesfall trotz der vernichteten und verschwundenen Unterlagen, schweigenden und vergesslichen Beamten, fehlerhaftem Obduktionsbericht und einseitiger Ermittlung der staatlichen Behörden zukünftig unparteiisch – nämlich im Sinn einer Wahrheitssuche – ermitteln wird. Dazu gehört auch die Möglichkeit Mord.

Kein ganz kompletter Repost, aber der Anlass aktuell: (a) Regierung der USA meint, den Kurden ganz offiziell mit Waffen unter die Arme greifen zu wollen, d0x/?rt.com) und (b) der Podcast des SWR-Forum (vom 27. Juni 2014) zum Thema „ISIS“, welche zur Zeit Menschen im Irak zu zehntausende fliehen lassen (44 Min; Download)

Der in der Radiosendung erwähnte Zerfall des Irak wurde bereits vor einigen Jahren von einem amerikanischen Filmemacher thematisiert & anschaulich gemacht – James Longley.

—- Repost::::

Einer der besten Dokumentarfilme die ich in den letzten drei Jahren gesehen habe. Die Thematik Irak war damals aktueller als heute, trotzdem hat der Film von den Bildern her eine eigene Ästhetik & ist deswegen unglaublich faszinierend. Er stammt von James Longley der 1972 in Oregon geboren wurde. Er studierte Film und Russisch an der University of Rochester und Wesleyan University in den USA, und dem All-Russian Institute of Cinematography (VGIK) in Moskau. Seine Dokumentation „Portrait of Boy with Dog“ wurde 1994 mit dem Student Academy Award durch die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ausgezeichnet. Er arbeitete und lebte dann in New York City, in Sibirien und Moskau. 2001 reiste er nach Palestina um seinen ersten Dokumentarfilm „Gaza Strip“ zu drehen (den ich leider nicht gesehen habe, es aber gern mal würde – wer Hinweise hat wo zu finden – ich wäre dankbar; eine Einschätzung: „Gaza Strip culminates in a nighttime raid in April, when Israeli bulldozers stormed into the Khan Younis refugee camp under the cover of tank and helicopter fire, and destroyed the homes of 450 Palestinians – the first of many such armed incursions into Area A by the IDF.Quelle). 2002 reiste Longley in den Irak um seine Vorarbeiten an seinem zweiten Dokumentarfilm „Iraq in Fragments“ zu beginnen, der im Januar 2006 Premiere feierte. Der Film gewann einige Preise: auf dem Sundance Festival wurde er mit den Preisen “Best Documentary Directing”, “Best Documentary Editing”, und “Best Documentary Cinematography” belohnt, daneben gewann der Film einige weitere internationale Auszeichnungen.

Zwischen Februar 2003 und April 2005 wurden in Irak über 300 Stunden Filmmaterial gedreht von denen in dem Film knapp 90 zu sehen sind. Der Film gliedert sich in drei Teile: Sunniten, Schiiten und Kurden.

„My idea was to follow a student at one of the local Shiite religious schools. Wandering through the narrow back alleys of Najaf in search of permissions, Nadeem and I soon found ourselves at the office of Moqtada Sadr.”

„This seemed like an interesting story to document, so I began developing contacts within Sadr’s organization who allowed me to film. Moqtada Sadr himself was too difficult to access, so I settled for Sheik Aws al Kafaji. […] He was genial and open, giving me far more access to his movement than I expected.”

“The Sadr organization was deeply suspicious of foreigners, and you couldn’t really blame them. I was never sure why they trusted me as much as they did.” (Quelle)

Zu sehen ist war der Film Iraq in fragments hier. (R: James Longley; USA 2007; 94 Min)

Longley war im Juni 2009 in Iran, arbeitete an einem neuen Film über die Wahlen und die beginnenden Proteste gegen das Regime. Er wurde am 14. Juni 2009 mit seinem Übersetzer verhaftet als er Menschen auf der Straße in Teheran befragen wollte (Bild unten entstand angeblich kurz vor seiner Verhaftung). Zu lesen was Longley für Erfahrungen sammelte in Iran nach der Wahl & über seine Verhaftung kann mensch hier finden.

Rasterfahndung umdrehen – mithilfe des Stromverbrauchs gucken wo unbewohnte Häuser sind, welche dann besetzt werden können. So lautet eine Idee in dem Hörstück Radio Wauland über die vernetzte digitalisierte und doch reale Welt.

800px-Akustikkoppler_CCC_Datenklo(eigenbau des Akustikkoppler aka Datenklo des CCC  – src)

Der Untertitel Tune in, turn on and hack yourself kommt indes ein wenig selbstzerstörerischer daher als das LSD-Original von Prof. Leary.  Protagonist in dem zeitweise psychedelischen Hörstück ist Wau Holland, dem Mitbegründer des CCC (bis dato unveröffentlichte O-Töne fanden von ihm Verwendung), der so Dinge sagte wie „Was ist denn das einen Rechner aufzumachen, dagegen die Gesellschaft aufzumachen“ (src).

Das Stück gibts hier zum download finden & sei an dieser Stelle zum anhören empfohlen.

dessau_oury-jalloh-polizei2014_ikl959.com(Polizeirevier in der Wolfgangstraße in Dessau in dem Oury Jalloh neun Jahre vorher verbrannte)

Am 7. Januar 2005 verbrennt in Dessau im Polizeirevier in der Wolfgangstraße Oury Jalloh.
Der Asylbewerber aus Sierra Leone ist 36 Jahre alt. Er hat den Bürgerkrieg in Afrika hinter sich gelassen um in Europa ein neues Leben zu beginnen. Doch sein Leben endet auf einer feuerfesten Matratze, an Händen und Füßen gefesselt in Dessau. Später wird ein Gutachten feststellen, dass er an einem Hitzeschock starb, weil Temperaruren um 350 Grad herrschten. Doch ob er bei Ausbruch des Feuers am 7. Januar 2005 wirklich bei Bewusstsein war wird angezweifelt. So habe es wenig Rußablagerungen in seiner Lunge gegeben, in seinem Urin sei nicht der Botenstoff Noradrenalin gefunden wurden. Dafür seien Verletzungen in seinem Gesicht gefunden worden, wie etwa ein gebrochenes Nasenbein und ein geplatztes Trommelfell. Dies brachten jedoch erst unabhängige Obduktionen zum Vorschein.

Das Gefühl etwas sollte vertuscht werden begleitete die Verhandlungen vor dem Gericht in Dessau und auch später in Magdeburg. Die anfänglichen Befürchtungen, Oury Jalloh sei Opfer von Polizeibeamten geworden, blieben auch während der Gerichtsverfahren gegen die Beamten bestehen, denen ein Dienstvergehen nachgewiesen werden sollte. Besonders schwerwiegend waren die Widersprüche welche eine Zellenkontrolle eine halbe Stunde vor Jallohs Tod betrafen. Wie Polizeibeamte aussagten, sollen die Diensthabenden Hans-Ulrich M. und Udo S. um 11.30 Uhr Jallohs Zelle aufgesucht haben. Doch mit Aussagen welche ihre Kollegen belasten stecken Polizisten in der Klemme – zwischen Loyalität und ihrem Gewissen. Im schriftlichen Dienstprotokoll ist die Kontrolle um 11.30 Uhr nicht dokumentiert. Auch Hans-Ulrich M. und Udo S. stritten die Kontrolle der Zelle um 11.30 ab. Es sind die beiden Beamten, welche Jalloh am Morgen des 7. Januar im Stadtpark in Dessau festnahmen. Wie im Nachgang festgestellt wurde erfolgte die Ingewahrsamnahme zu unrecht. Doch nicht nur das Dienstprotokoll scheint unvollständig. Auch das elektronische Journal, das alle Vorgänge auf dem Polizeirevier erfasst, wurde für den betreffenden Zeitraum gelöscht. Weshalb wurde nicht geklärt.

Von einigen Aktiven wird auch auf den Tod des Mario Bichtemann verwiesen, der 26 Monate zuvor in der selben Zelle an den Folgen einer Hirnverletzung verstarb. Beteiligt waren ebenfalls die selben Beamten wie auch im Fall Oury Jalloh.

Nach Einschätzung der Initiative im Gedenken an Oury Jalloh erfolgte die Ermittlung der Staatsanwaltschaft zu einseitig – zu unvorstellbar erschien und erscheint dieser wohl die Vorstellung Polizeibeamte hätten die Vorgänge nicht nur fahrlässig gehandhabt sondern den Tod etwa auch geduldet oder verschuldet. Dabei belegt ein Gutachten, welches Ende 2013 veröffentlicht wurde, dass die Brandresultate (stark verkohlte Leiche, dicke Rußablagerungen auf den gekachelten Fliesen der Zelle) nur auf den Einsatz von Brandbeschleunigungsmaterial (etwa fünf Liter Benzin) zurückzuführen sind.

Erstmalig wurde am 7. Januar 2014 durch Nazis versucht das Gedenken am Vormittag an der Polizeiwache zu stören – vergeblich. Am Nachmittag versammelten sich dann etwa 600 Menschen und zogen vom Bahnhof vorbei an der Staatsanwaltschaft, dem Amtsgericht zum Polizeirevier in der Wolfgangstraße. (src)

Zu ergänzen wäre vielleicht noch: auch Menschen aus Frankfurt und Lampedusa-Aktivisten aus Hamburg waren beim Erinnern an die Ungeheuerlichkeit in Dessau dabei. Hier einen Report anhören (download) (61 Min):

wald_und_pfaehleAn dieser Stelle die Fortsetzung einer Reihe von field-recordings mit dem Titel „Die zehn Arten des Rauschens“. Hier die zweite Stundenversion – 2c1 (dzadr-Teil 1 hier zu finden). (->dzadr-2c1 uploaded@archive).

Teil 8 hier zu finden

  • BR2: Michel Foucault – Was macht Macht (22 Min.) (download) (via)
  • BR2: Ein Fest gegen die BRD – Münchner Jugendrevolte Freizeit ’81 (53 Min.) (download) (via)
  • SWR2: Veganismus – Was macht Menschen zu Veganern? (44 Min.) (download)
  • SWR2: Allein mit Allen – Das Ich in seinen Netzen (44 Min.) (mit u.a. Konrad Paul Liessmann) (download)
  • HR2: Über das Hören (15 Min.) (download)
  • HR2: Männerquote und Emanzipation (14 Min.) (download)
  • NDR: Ich habs getan – Der lange Abschied vom ungeborenen Kind (25 Min.) (download)
  • HR2: Doppelkopf: Peter Bieri & die Würde (47 Min.) (download)
  • D-Radio-Wissen: Ökonomie – Zehn Mythen der Krise (Referat Heiner Flassbeck) (42 Min.) (download)

Es folgt der obligatorische Hinweis, dass einiges sowohl in seiner inhaltlichen Ausrichtung als auch der Form nach durchaus kritikwürdig ist.

An dieser Stelle eine Produktion, welche im Rahmen des bereits im Juli 2013 stattgefundenem Festivals „addicted to random“ gesendet wurde. Sie trägt den Titel „Die zehn Arten des Rauschens v.1.8“ (->uploaded@archive).

Vorab gibt es noch ein paar Worte zur Einleitung (in deutsch).

teil 7 hier zu finden

  • Vortrag von Stephan Grigat – Politische Ökonomie des Antisemitismus download (via)
  • WDR: Heinrich Schöpe sammelte auf dem Weg zur Schule Flugblätter der Alliierten. (download)
  • WDR: Atomenergie-Verräter aka Spion und Held Klaus Fuchs (download)
  • SWR2: Petra Kelly (27 Min.) Die grünste Grüne, oder so. Ihr & Bastians Tod trugen zum Mythos Kelly bei. (download)
  • SWR2: Buchenwälder in Europa (27 Min.) (download)
  • NDR: Margarethe von Trotta, Filmemacherin (download)
  • SWR2: Christen im Nahen Osten (download)
  • DLF: 1933 tritt die deutsche Volksgemeinschaft aus dem Bund der Völker aus (download) (via)
  • B5: Gewalt gegen Frauen in Indien (download)

In Folge vielleicht mal wieder öfter Hinweise auf Hoerenswertes (wobei auch hier wieder darauf hin zu weisen ist, dass einige Sachen, wie etwa der Bericht über Frauen in Indien, in ihrer Haltung/Botschaft durchaus kritikwürdig sind)

Nach einer Weile mal wieder eine Liste mit „Hoerenswertem Kram“ (von v.a. oeffentl.-rechtl. Anstalten)…

Hoerenswertes Teil 6 hier zu finden. In Folge hier im Blog weitere Ergänzungen.

40 Jahre Mordmission von Terroristen auf israelische Sportler während der Olympiade in München (via):

  1. Der Überlebende Shaul Paul Ladany im Gespräch mit Jochanan Shelliem, (DLF, 29 Min) download
  2.  Die Hinterbliebene Ankie Spitzer im Gespräch mit Jochanan Shelliem (DLF, 29 Min) download

Und fragwürdig unterhaltsam: Frau Domscheit-Berg von der Piratenpartei (download, lohnt sich aber bis auf die täglich neuen Schmetterlinge aus dem Bauch? -s.u. – nicht wirklich sich anzuhören, habs auch nicht komplett geschafft, 44 Min):

Was ich auch richtig gern mache, im Garten: ich sehe fast jeden Tag einen Schmetterling, den ich vorher noch nie gesehen habe [Anm.: Hierzulande gibts es vielleicht eine Hand voll verschiedene Schmetterlinge im Garten zu sichten]. Und da gibt es auch mehrere kleine Apps wo ich Schmetterling identifizieren kann, und dann weiß ich genau, es ist ein soundso Falter und freu mich da einfach dran. (3.30 Min) ]

Ergänzungen über interessante Podcasts in Folge. Hoerenswertes 5 im übrigen hier zu finden.

update:

(Springspinne (HR2, 15 Min), makro)

BR2: Alexander Kluge Portrait (74Min) download

NDR-Forum: Der Syrien-Konflikt (19 Min) siehe auch hier

DRadio: Das Lager Kulmhof (die Anmod ist strange!, 6 Min) download

HR2 Wissenswert: Öffentliche Verkehrsmittel ab 1942 für Juden verboten (12 Min) download

SWR2 Wissen: Das Steak der Zukunft hat sechs Beine (27 Min) download

SWR2 Forum: Diskussion über „kostenlosen“ Nahverkehr (45 Min) download

WDR Zeitzeichen: Lew Kopelew (14 Min) download

DRadio: Visionen der Zugehörigkeit – Was ist deutsch? (51 Min) download

HR2Doppelkopf: Hans Henning Hann über den Bund Deutscher Vertriebener (45 Min) download

Dresden-Ischen: Eindrücke von der Blockade der Freiraum-Tanzdemo (Unverkennbar aus der Stadt des Olaf Schubert, 23 Min) (via)

 

hier zu Hörenswert no. III

(Langfühlerschrecke makro, zum hören: SWR2: Heuschrecke – Notizen über ein verfemtes Insekt (28 Min))

Der 54-Jährige W. war Ende vergangener Woche nach Chemnitz gezogen. Hier wollte er sich nach Verbüßung von fünf Jahren Haft und 18 Jahren Sicherungsverwahrung wegen mehrfacher Vergewaltigung von Taxifahrerinnen eine neue Existenz aufbauen. (src) (via)

Mich erinnern diese ganze öffentliche und nun von der NPD instrumentalisierte Aufregung, der Protest, die zutagetretende Ablehnung und die alldafür aufgebrachte Energie an die Belagerung von Honecker nach dessen Machtverlust und Flucht aufs Dorf, folgt man den Ausführungen des Pastors Uwe Holmer (bei etwa 13 Minuten) :   Dabei ist natürlich die Verknüpfung eine andere: Honecker als Politiker musste damit rechnen auch nach Amtsabgabe eine Person von Interesse zu sein. Hingegen sind die zwei von der Staatsmacht für ihre Vergehen bestraften (und nun im Prozess der Wiedereingliederung in die Gesellschaft) in Insel Belagerten in den Fokus geraten, weil sie Angst machen. Die vorgesehene Wiedereingliederung in die Gesellschaft trifft auf Ablehnung. Auf Grund einer konstruierten Phantasie wird hier der mögliche Täter schon vor der Tat verurteilt, vielmehr: ausgeschlossen, in die Mitte genommen. Es gilt ihn zu stigmatisieren – erfolgreich, wie es scheint. An anderen Orten findet sich mittlerweile eine ebensolche Ablehnung gegen ihn:

Bereits am Dienstagabend war es am neuen Wohnwort von W. in Chemnitz zu einer Kundgebung gekommen. Dabei protestierten nach Angaben der Polizei rund 50 Menschen gegen die Anwesenheit des einstigen Sexualstraftäters. Die Chemnitzer NPD hatte sich als Organisator dieser unangemeldeten „Spontandemonstration“ bezeichnet, bei der auch Transparente zum Einsatz kamen. Laut Stadtverwaltung wird die Rechtmäßigkeit dieser Veranstaltung geprüft. Zugleich bestätigte die Stadt, dass für Freitag und Sonntag von NPD-Vertretern weitere Kundgebungen vor dem inzwischen von W. verlassenen Wohnhaus angemeldet worden seien. (src)

Welches Ziel die NPD an der leeren Wohnung den aufgeregten Anwohnern kundtun wird ist mit Sicherheit nicht unerwarteter Natur.   Der Erfolg der Aktion in Chemnitz verdeutlicht, wieviel Misstrauen, zustimmende und gelebte Ablehnung gegen etwas zukünftig Mögliches zu finden ist (Menschenangst?), welche gar (partiell) deckungsgleich mit dem menschenvernichtenden Welt- und Geschichtsbild der Nazis ist. Es wird immer mehr zu einer Geschichte einer erfolgreichen Stigmatisierungskampagne welche möglicherweise wegen des so durchschlagenden Erfolgs Nachfolger finden wird – die neue Existenz blieb dem „54-jährigem“ vorerst verhindert. Er ist auf der „Insel“ deutscher Tugendhaftigkeit an den Pranger des Missratenen gebunden worden, nicht nur von der NPD.

Einen ideologischen Untergrund hat der NS nachhaltig gelegt. Treffender wäre wohl von Abgrund zu sprechen. Der NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) von den zwei Uwes, der Beate und allen anderen Beteiligten hingegen, nunja, Einblick. Einblick an wem ein Exempel statuiert werden sollte & wurde. Hörenswertes Audiomaterial dazu übrigens (mit prominentem ARD-Radiofeature-Jingle) http://mp3-download.ard.de/radio/radiofeature/rechter_terror_swr_compl.mp3 hier zu downloaden (darin: Rainald Grebe, Hip-Hop-Musi, Anti-Extreministen „welcher Seite auch immer“ und Polizeiprotokolle).

Sachsen macht sich nun dran die Ausmaße und involvierten möglichen weiteren Untergründler zu erforschen, wie es sich für eine Demokratie gehört. Erstaunlich dabei: die NPD hat ein Parteimitglieder ebenfalls fest in dem Untersuchungsausschuss zum mörderischen Naziterror sitzen:

Wie eine an der Landtagsdebatte teilnehmende Abgeordnete mitteilte, erhielt Arne Schimmer 18 Ja-Stimmen und 17 Nein-Stimmen. […] Der NPD-Abgeordnete Andreas Storr erhielt in der Abstimmung 22 Ja-Stimmen, 21 Nein-Stimmen und 77 Enthaltungen. Für den Nachrücker Mario Löffler stimmten ebenfalls 22 Abgeordnete, 20 Personen stimmen mit Nein, 79 Abgeordnete enthielten sich. Beide sind somit als stellvertretende Mitglieder in den Untersuchungsausschuss gewählt. (src, via)

Es wirkt fast paradox: Arne Schimmer von der NPD ist Teil des „Untersuchungsausschuss Neonazistische Terrornetzwerke in Sachsen“:

(src)

Beraten wird das NPD -Mitglied u.a. von Eckhard Jesse – einem Vertreter der Idee des wehrhaften Hufeisen. Oder ist die NPD jetzt in Sachsen bissel weiter in die Mitte gerückt und hat den Rand, das Extrem, verlassen? Ein Ende und ein erstes Ergebnis (welcher Form auch immer) ist in Sicht: Innenminister Markus Ulbig (CDU) hat jüngst

in einer Sondersitzung des Ausschusses verkündet, dass er den vorläufigen Abschlussbericht des Ausschusses am 28. Juni vor dem Innenausschuss des sächsischen Landtages vorstellen wolle. (src)

Ich bin gespannt.

NDR Forum: Augenzeugenberichte aus Syrien (20 Min.)

SWR2 Forum: Martin Durm: Warum der Westen in Syrien nicht weiß, was er tun soll (45 Min.)

SWR2 Forum: Michael Köhler: Wie braun war der Karneval? (45 Min.)

SWR2 Aula: Harald Welzer: Wohlstand ohne Wachstum (28 Min.)

SWR2 Wissen: Das große Brummen (27 Min.)

WDR Zeitzeichen: 1977: Die Entführung von Elisabeth Käsemann in Argentinien (15 Min.)

WDR Zeitzeichen: 1907: Der Todestag des Forstwissenschaftlers Karl Gayer (15 Min.)

WDR5 Erlebte Geschichte: Hans Heisel – Als deutscher Soldat in der Resistance (23 Min.)

Audio_Archiv: Pro­pa­gan­da­zen­tra­le »Arischer Welt­dienst« (40 Min.)

SWR2 Dschungel: Die alte Garde des Proletariats – eine kritische Politikecke (27 Min.)

Nicht Alles nicht immer uneingeschränkt zu empfehlen bzw. kritikwürdig. Hoerenswertes Teil II im übrigen hier.

update:

DLF: Götz Aly – Warum die Deutschen? Warum die Juden? (29 Min.)

 

hier zu hoerenswert no. 2

(uploaded 50 Minutes ago; click to listen)

Hinweis auf zwei Sendungen des SWR die durchaus spannend sind. Erstere vor allem durch die Frage nach dem Bewusstsein (besser: den verschiedenen Bewusstseinszuständen), letztere durch die Verbindung zum Surrealismus (der Flucht aus oder das Hinterfragen der Realität).

SWR2 Forum: Was Träume über das Ich verraten.

SWR2 Forum: Wie träumen Künstler?

weiteres zum Thema Traum, was mir allerdings weniger spannend erscheint, u.a. zu finden beim NDR (Ortrud Grön, Traum-Arbeiterin) oder beim HR2 (Michael Schredl, Traumforscher).

update: gerade dazu passend gefunden ein Zitat von Walter Benjamin:

Dieses Meer von Schlaf im tiefen Grunde aller menschlichen Natur hat nachts die Flutzeit; jeder Schlummer besagt nur, daß es einen Strand bespült, von dem es sich bei wacher Zeit zurückzieht. Was zurückbleibt: die Träume, sind – wie wunderbar geformt – doch nur das Tote aus dem Schoße dieser Tiefen. Das Lebendige bleibt in ihm und auf ihm geborgen: das Schiff des wachen Lebens und die Fische als stumme Beute in den Netzen der Künstler. (src)

 

Nicht alle hier aufgeführten Beiträge sind uneingeschränkt zu empfehlen, aber das mag jeder selbst beurteilen.

Hörenswertes Teil 1 im übrigen hier zu finden…

Die Logistik auf der Schiene – hier ist sie. Video von einem vorbeifahrenden Castorzug bei Google zu finden (klick pic):

Nebenbei, zur gleichen Zeit quasi, empfehle ich das hören des lokalen Freien Radios (manchmal schöne Momente). Aber das vermutlich auch nur die Nacht bzw. den morgigen Tag…

Achjo: Wer den Mann aus dem Wasserwerfer mit Mikro in der Hand im Strobo-Licht sehen möchte klicke hier (13:30 min) – schönes footage.

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

05.10.11 Ror Wolf – Die Durchquerung der Tiefe 2v2 (1997)

Teil 2 (8. bis 13. Kapitel). Berichte von einem der plötzlich in der Tiefe verschwunden ist. Es sind Berichte über normale und seltsame Menschen, über sonderbares und gewohntes, über die Welt oben und unten. „Haben sie einen Grund?“ „Ich habe einen Grund, darauf können sie sich verlassen.“

12.10.11 Bertolt Brecht – Die heilige Johanna der Schlachthöfe (Berliner Funkstunde 1932; 42 Min.); Adorno – Bloch – Möglichkeiten der Utopie heute (27 Min.)

Die Erkenntnis der Johanna Dark gleicht einer Ernüchterung: Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht, es helfen nur Menschen, wo Menschen sind. Brecht kritisiert mit dem Instrumentarium der marxistischen Kritik den Reformismus der Arbeiterbewegung. Dieses erste von drei seiner ‚Johanna‘-Stücken war 1929-31 entstanden und gelangte erst 1959 erstmals auf die Theaterbühne. Im Radio hingegen war es bereits im April 1932 in einer gekürzten Radioversion erstmals zu vernehmen. Zum besseren Verständnis der Handlung gab es damals noch erläuternde Zwischentexte, die aber allesamt nicht mehr erhalten sind.

Adorno und Bloch im Gespräch: „[…] Die wesentliche Funktion die dann Utopie hat, ist eine Kritik am Vorhandenen.“ „Ja.“ „Wenn wir die Schranke nicht schon überschritten hätten, könnten wir sie als Schranke nicht einmal rezipieren.“ „Ja, die Utopie steckt jedenfalls wesentlich in der bestimmten Negation. Der Negation dessen was blos ist, und dadurch dass sie sich als ein falsches konkretisiert immer zugleich hinweist auf das was sein soll.“

19.10.11 Elfriede Jelinek- Stecken! Stab! und Stangl! (Eine Leichenrede) (1996)

Am 4. Februar 1995 werden kurz vor Mitternacht in Österreich vier Männer ermordet. Durch eine Rohrbombe des Attentäters Franz Fuchs sterben die Roma Peter Sárközi, Josef Simon, Ervin und Karl Horvath. Sie hatten versucht, eine Plakette mit rassistischen Beschimpfungen („Roma zurück nach Indien“), die an der Bombe angebracht war, zu entfernen. Die Männer sind sofort tot.

Elfriede Jelinek nimmt dieses Ereignis zum Anlass anhand der nachfolgenden Berichterstattungen, der öffentlichen Reaktionen und Verlautbarungen ein Bild der Gesellschaft zu zeichnen. Es ist ein Spiegel der österreichischen Republik, die räsoniert, verharmlost und darüber hinwegredet. So findet sich auch tatsächlich öffentlich geäußert die Überlegung, ob die vier Männer nicht letztlich selbst schuld an ihrem Verhängnis sind. Was Jelinek deutlich macht: der Mord wird zerquatscht, breitgetreten und relativiert.

 26.10.11 Issac Asimov – Die verbotene Erfindung (1967)

Eine Maschine wurde entwickelt um in die Vergangenheit zu sehen. Sofort stellt sich die Frage nach der Priorität (als ein Mittel zur Beeinflussung wird dann auch der finanzielle Hebel genutzt: wofür soll überhaupt geforscht werden?). Und es stellt sich damit auch die Frage: Wie effektiv kann eine staatlich gelenkte Wissenschaft sein? Welche Grenzen sind einer freien Forschung im Interesse der Allgemeinheit zu setzen?

Was, wenn sie wieder kommen? Wenn sie schon hier sind und NIE WIEDER verschwinden? Unsere Engel des Retro, aus ihrem stillgelegten Autobahnteilstück entlassen, FOREVER YOUNG auf Klassenfahrt. 40 Jahre Woodstock. 30 Jahre Deutscher Herbst. Hippe Jubiläen. Todestage eines unbekannten JETZT. Im Overkill ihrer medialen Simulakren feiert unsere Melancholie das nicht endende Ende der Party. Che Guevara auf Dienstreise, Rainer Werner Fassbinder auf der Rolltreppe. Signum einer Kultur post-anything ist das atemlose Patt zwischen Lebenden und Toten. JETZT ALS FILM. SIE SIND ZURÜCK. UND SIE KENNEN DEINE BLUTGRUPPE. Zwangsernährung der Gegenwart durch den verlorenen Bezug: Gilt als Methode Vampirismus – bleibt die Form der Operette.

„Edgar Lipki – sucking blood“, Released by: WDR, Release date: Nov 22, 2010

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream. Corax Programmzeitung hier zu finden.

06.09.11 Frank & Fefe – Stuxnet. (Alternativlos Folge 5)

Stuxnet ist zu einem geflügelten Wort geworden, um die Aufrüstung im virtuellen Bereich (Stichwort: „Nationales Cyberabwehrzentrum“) auf staatlicher Seite zu rechtfertigen. Zwei Nerds plaudern in der fünften Ausgabe ihres Podcast mit dem Titel „Alternativlos“ über die Hintergründe und technischen Grundlagen dieses Virus. Stuxnet ist in ihren Augen eine Meisterleistung. Der Virus schaffte es, verschiedene unbekannte Lücken zu nutzen und unerkannt zu bleiben. Letztendlich legte der Virus das iranische Atomprogramm in Natanz für längere Zeit lahm. Eine hörenswerte Sendung über X.509-Zertifikate, Exploitmärkte, explodierende russische Pipelines, Risiken in hiesigen Atomkraftwerken und eben Stuxnet.

14.09.11 H. G. Wells – Krieg der Welten (1977)

Außerirdische landen auf der Erde. Die Menschen beginnen die Marsianer zu bekämpfen. Die Erdlinge geraten in Panik & fliehen aus den Städten. Dies alles wurde in authentischer Hörfunkmanier als Hörspiel produziert und führte (angeblich) zu realer Panik in einigen amerikanischen Städten. Bei IKL gibt es die deutschsprachige Version des Klassikers unter den Hörspielen.

21.09.11 Adorno – Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit (1960)

„Mit Aufarbeitung der Vergangenheit ist in jenem Sprachgebrauch nicht gemeint, dass man das Vergangene im Ernst verarbeite, seinen Bann breche durch helles Bewußtsein. Sondern man will einen Schlussstrich darunter ziehen und womöglich es selbst aus der Erinnerung wegwischen.“ (Adorno)

28.09.11 Ror Wolf – Die Durchquerung der Tiefe (1/2) (1997)

„Eine Radio-Reise“ ist das Hörspiel mit 13 Kapiteln betitelt. Der Protagonist Doktor Collunder tritt eines Abends aus seiner Wohnung auf die Straße und fällt – fällt unaufhaltsam in die Tiefe. Irgendwann angekommen stößt er auf Andere, denen es ähnlich gegangen ist. „Eines Tages trat ich aus der Tür.“ „Plötzlich gab der Boden nach.“ „Plötzlich tat sich die Straße auf.“ „Plötzlich verspürte ich einen Sog.“ „Plötzlich verschwand ich in einer Erdspalte.“ „Es war dunkler als alles was ich bis dahin gesehen hatte.“ Auf dem Grund der Dinge ist alles in unablässigem Wandel.

Ab und an lassen sich im öffentlich-rechtlichen Radio spannende Sachen finden (Audioarchiv und andere Seiten verweisen immer wieder darauf). Da in Ermangelung an Zeit nicht alles sofort von mir gehört wird, kommen Verweise auf jene Stücke nicht immer zeitnah zum Veröffentlichungsdatum. Im folgenden vier Hinweise:

  • Arno Klönne – beschäftigte sich direkt nach dem Krieg mit der Hitlerjugend. Beim WDR ein spannender Monolog von ihm zu finden, der sowohl Kritik an der schicksalhaften Nachkriegsgesellschaft, als auch den „scheinrevolutionären Studenten“ der 68er übt. Hörenswert! (WDR, ca. 23 Minuten, download)
  • Der Sommer 1959, Teil sechs der siebenteiligen Reihe. Es geht in dieser Folge um die „vergessenen Aufstände der Jugendlichen“, die als die „Krawalle der Halbstarken“ eingegangen sind. Spannend vor allem die zeitgenössischen Aufnahmen & Moderationen. Hier zu finden. Listen! (WDR, ca. 12 Minuten)
  • Über industrialisierte intensive Nutztierhaltung ein Beitrag des WDR der seine Schwächen hat, jedoch versucht auf unmoralischem Weg die damit verbundenen Probleme zu schildern. Letztendlich die Fragestellung nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier und deren Behandlung. (WDR, ca. 25 Minuten; download)
  • Antisemitismus und die Frage nach der Einmaligkeit des Judenhasses oder der Vergleichbarkeit bzw. Gleichsetzung mit anderer gruppenbezogener Menschenfeindschaft („die Denkmuster des Antisemitismus als Matrix“). Liefert wenig Neues, fasst einiges nochmal gut zusammen. Mit Wolfgang Benz, Matthias Küntzel, Juliane Wetzel, Gideon Botsch, der KIgA u.a. (SWR, ca. 27 Minuten, download)

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

3.8. Elfriede Jelinek – Die Bienenkönige (1976)

Gibt es in einem Bienenstock nicht immer eine Bienenkönigin? Freilich. Doch Jelinek schafft im Stück eine postkatastrophale patriarchale Welt in der nur Männer geboren, Frauen als funktionales Subjekt (Gebährende und Dienerinnen) betrachtet werden. Um die Gesellschaft vor dem Aussterben zu bewahren, gelingt es Wissenschaftlern schließich ein Unsterblichkeitsserum zu entwickeln. Den wenigen gebährfähigen Frauen wird die Unsterblichkeit verspochen, deren Nachkommen sollen allerdings sterbliche Sklaven bleiben. Die patriarchale Gesellschaft gerät mit der Geburt des ersten Mädchens in einen radikalen Wandel.

10.8. Christa Wolf – Kein Ort. Nirgends. (1982) Teil I/II

17.8. Christa Wolf – Kein Ort. Nirgends. (1982) Teil II/II

Im Stück begegnen sich 1804 Karoline von Günderrode und Heinrich von Kleist. Heinrich ist zu dem Zeitpunkt 27 Jahre alt, Karoline 24. Zwei Jahre später nahm sie sich das Leben, sieben Jahre später er. Es ist eine fiktive aber mögliche Begegnung zwischen den beiden Romantikern. Christa Wolf umgibt sie mit Gegenspielern und Parteinehmer, wie dem Dr. Wedekind, den Brentanos und Savigny. Aus den geselligen Gesprächen über Literatur entwickelt sich ein unausgesprochenes Zwiegespräch zwischen Kleist und Günderrode, das die Unfähigkeit der beiden, sich der allgemeinen Oberfächlichkeit anzupassen, deutlich werden lässt.

24.8. Fjodor Dostojewski – Der Spieler (2004)

Im Sommer 1865 kehrt Dostojewski in einer Spielbank in Wiesbaden ein. Er verspielt in kurzer Zeit 3000 Rubel, die ihm sein Verleger für Rechte an einem Werk und eines noch zu schreibenden Romans ausgezahlt hatte. Im Oktober 1866 diktiert Dostojewski in knapp vier Wochen den Roman „Der Spieler“. Inhalt: Ein verschuldeter russischer General wartet auf den Tod seiner Tante um diese zu beerben. Doch diese taucht im Casino auf, verspielt beim Roulette ihr Vermögen. Der mitgereiste Hauslehrer setzt sein Leben fortan auf das Glücksspiel.

31.8. Friedrich Wolf – SOS… rao rao…, Foyn – „Krassin“ rettet „Italia“ (1929)

Am 12. Mai 1926 überquert Umberto Nobile mit einem Luftschiff als erster Mensch den Nordpol (an vorherigen Überquerungen gibt es Zweifel). Am 24. Mai 1928 überquert Nobile an Bord des Luftschiffes „Italia“ zum zweiten mal den Nordpol. Der Propgandacoup des unter Mussolini stehenden faschistischen Italiens scheint erfolgreich zu verlaufen. Doch einen Tag später stürzt das Schiff mit den 16 Männern an Bord ab. 10 Personen werden von Bord geschleudert, 6 verbleiben an Bord des wieder aufsteigenden Luftschiffes (welches nie wieder gesehehn wurde). Am 2. Juni 1928 empfängt der russische Funkamateur Nikolai Reinhold Schmidt einen SOS-Ruf der Nobile-Nordpolexpedition. Während der internationalen Suche nach den Überlebenden, an der sich Italien nicht beteiligt, wird der Polarforscher Amundsen ums Leben kommen. Die Überlebenden werden schließlich vom Eissbrecher „Krassin“ am 12. Juli an Bord genommen. Das Hörspiel ist die älteste komplett erhaltene Hörspielproduktion in deutscher Sprache.