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Category Archives: Foto/Video

Ein nicht ganz aktueller doch trotzdem wichtiger Film, der zeigt in welchem Ausmaß staatliche Kontrolle, Überwachung, Speicherung unserer Kommunikation und Datenströme stattfindet ist Citizenfour.

citizenfour-german-subtitle-www_youtube_com_watch_v00cbm9m5ruiEs ist ein persönliches und spannendes Dokument (mit einigen Preisen versehen, siehe z.B. IMDB.com), welches die Aktivitäten des NSA und dessen vormaligen Mitarbeiter Edward Snowden beleuchtet – ohne dabei zu verschweigen, dass es diesem vor allem um den institutionellen Bruch der Gesetze und Menschenrechte ging. Der Film zeigt die ersten Kontakte von Snowden zu Journalisten und dessen Schilderungen des alltäglichen Geschäft als Mitarbeiter des NSA. Er ist die Antwort auf die Frage, was Snowden letztlich bewegte diesen Schritt zu gehen.

Einen möglichen Hype um seine Person sah Edward Snowden bereits vor Veröffentlichung der Dokumente als Bedrohung für die eigentliche Botschaft, welche er in die Welt gesendet wissen wollte: die totale Kontrolle und das Ende der Freiheit. Mehrmals ist aus dem Mund von Snowden zu vernehmen:

„Ich möchte mich selbst nicht zum Thema machen, bevor es sowieso passiert. Ich will nicht von den Storys ablenken.“

Die Storys sind der Umfang und die Größe der Datensammlungen der (nicht nur amerikanischer) Geheimdienste. Es ist die Bestätigung eines parlamentarisch unkontrollierten und verfassungswidrigem Verhalten. Es ist der Beleg über  sich in Verantwortung befindliche Politiker welche offen lügen. Es ist der Versuch eine gesellschaftliche Auseinandersetzung anzustoßen, über Vorgänge die im Verborgenen längst etabliert sind.

(Citizenfour: Laura Poitras, 2014, 114 Min.; youtu.be/google)

Vor etwa 27 Jahren fiel die deutsch-deutsche Mauer. Seither wurden viele Mauern mit der Berliner Mauer verglichen – oft zu unrecht. Doch im Fadenkreuz der Kritik standen lange und meist sehr heftig die Grenzanlagen zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten, die von Einigen politisch Aktiven schlicht als „the wall“ bezeichnet wurden – als gäbe und hätte es nur diese eine Mauer gegeben. Die Grenzanlagen zwischen Nord-und Südkorea sind ein Beispiel, welches den Vergleich mit der bekannten Berliner Mauer am ehesten stand hält. Doch sie ist bei weitem nicht die einzige Mauer.

Heute ist die weltpolitische Lage eine andere. Derzeit wird viel über die mögliche zukünftige Mauer zwischen den USA und Mexiko berichtet – der neue gewählte amerikanische Präsident Donald Trump verfolgt vorgeblich dieses Ziel. 930km Grenzlinie gälte es dort zu befestigen.

Weniger bekannt: auch zwischen der Türkei und Syrien gibt es eine Mauer. Und die wächst in die Länge: knapp 900 km sollen dort in wenigen Monaten befestigt werden – mit Infrarotkamera, Bewegungsmeldern und sonstigem High-Tech.

A Kurdish People's Protection Unit (YPG) fighter walks near a wall which activists say was put up by Turkish authorities, on the Syria-Turkey border in the western Syrian countryside of Ras al-Ain on February 2, 2016. / AFP PHOTO / DELIL SOULEIMAN

A Kurdish People’s Protection Unit (YPG) fighter walks near a wall which activists say was put up by Turkish authorities, on the Syria-Turkey border in the western Syrian countryside of Ras al-Ain on February 2, 2016. / AFP PHOTO / DELIL SOULEIMAN (src)

Ein vielleicht nicht unbeabsichtigter Nebeneffekt: die Grenze zwischen der Türkei-Syrien ist auch eine Betonwand zwischen den Gebieten der türkischen und syrischen Kurden – die nun weniger frei beweglich, von einander getrennt wurden. Wo sind all die Aktivisten, die sich so gegen die Grenzanlage Israels engagierten, warum ist von dieser Seite keine Aufschrei, kein Protest zu vernehmen?

Auch in Ungarn gibt es Grenzanlagen: zu Serbien (175 km) und Kroatien (350 km). Während der letzten Jahre wurden diese Anlagen ausgebaut und kontrolliert:police_car_at_hungary-serbia_border_barrier(src)

Unvergessen für mich auch Video-Aufnahmen aus Ceuta (8 km teilweise doppelter Grenzzaun), wo Menschen Meter hoch einen Zaun beklettern, um dann auf der anderen Seite in die Tiefe zu stürzen. Ähnliche Szenen auch in der Vice-Doku zu finden:

youtube_com_watch_vomqolxnqabi_(src)

In fact, walls, fencing and other strong barriers, are going up all over the world.  Last year, around the globe, and driven by new and ancient fears, work began on more barriers than at any point in known history, the Washington Post reported last month […].  They counted 63 border barriers across four continents.

Reuters last week counted even more in reporting:  „In 1989, after the fall of the Berlin Wall, there were only 15 border walls around the world. Today, there are 70 of them.“   (src)

Auf dem #33C3 gab es ne Menge Vorträge. Viele sind online zu finden. Doch ein lecture, welches mich interessierte, lieferte in der Suche auf der offiziellen Site der CCC-Kongresse leider kein Ergebnis:

ss_ccc-serach-faception-nothing-foundAufmerksam auf das Topic wurde ich über einen Tweet von Caroline Sinders:

ss_ccc-faception-tweet_33c3-c-sindersDie ersten Reaktionen auf den Tweet entsprachen auch meinen spontanen Gedanken: geht’s noch? Anhand des Aussehen eines Menschen auf dessen Intelligenz, sexuelle Neigung oder kriminelle Vorlieben zu schließen? Was wurde auf dem 33C3 eigentlich verhandelt – bot man mehr als einen Draufblick auf die Öffentlichkeitsarbeits-Gesichtsoberfläche – oder was wurde da außer PR-Krams eigentlich präsentiert oder gar noch diskutiert?

Der Markt zum Thema face-ial-profiling ist seit Jahren florierend. Das Unternehmen mit Namen Faception (auf wired gab’s auch schon nen Artikel) hat nach eigenen Angaben 15 oder 20 oder wieviele Cluster auch immer gebildet, welchen die analysierten Gesichter zugeordnet werden. Einige davon stellt die Firma online vor: von „High-IQ„, „Academic Researcher„, „Professional Poker Player„, „Bingo Player„, „Brand Promoter„, „White Collar Offender“ und „Terrorist“ bis hin zu „Pedophile„.

faception-face-classifications_by-ikl959-com(src)

Ursache dieser Klassen: die DNA. Denn die bilde im Gesicht ab was das Hirn denkt und will und schließlich auch getan wird – anders lässt sich die Begründung, welche etwa Shai Gilboas (CEO) verlautbart, nicht verstehen. Wer sich jetzt hundert Jahre zurückversetzt fühlt liegt vermutlich nicht ganz falsch – damals gab es Maßband und Klemme um Schädel zu vermessen, heute machen das Sensoren – genauer, schneller und unbemerkter. Die Absicht hinter der Physiognomieanalyse ist die gleiche wie ehedem.

Ein Presskit der Company Faception versammelt mehr als ein dutzend Berichte aus diversen Zeitungen und online Medien und zeigt den weltweiten Einschlag des Themas und enthält auch kritische Bemerkungen dazu. N-TV hat das Topic auch schon gefunden:

mobil-n-tv-deslmediathekslsendungenslstart_up_newsslzu-besuch-im-gruender-wunder-tel-aviv-article18292991-html(src)

Dass es sich dabei um kein neues Phänomen handelt wird beim Blick auf das seit etwa zehn Jahren in den USA laufende „FAST“ – Future_Attribute_Screening_Technology deutlich. Auch in anderen Ländern wird an automatisierter Gesichtsverarbeitung gearbeitet.

China too has tinkered with “pre-crime” to identify terrorists; China being China, one has to wonder if dissident is synonymous with terrorist. Its “Citizen Score” is already an Orwellian nightmare. (src, Darlene Storm, May 2016)

Es ist offenbar: viele Staaten und Unternehmen arbeiten mit dem Thema Gesichtserkennung und facial-profiling. Es ist das Bedürfnis nach mehr Sicherheit in Zeiten von Terror – oder potentieller Gefahr. Schließlich bietet der Ausbau der Überwachung doch auch scheinbar regulative Möglichkeiten, ein Instrument der Prävention. Die Sicherheit ist und bleibt ein originäres Aufgabenfeld der staatlichen Ordnung – jede dahingehende Maßnahme ist jedoch nicht immer mit den Rechten seiner Bürger vereinbar.

„Certainly advancement in technologies that enable to monitor an individual and actually to assess certain traits or certain attributes about individuals in the open space opens surveillance and monitoring capabilities which kind of like put in risk private freedoms that we used to enjoy, like the freedom of privacy, like the freedom of communication that we used to enjoy and now the technoligy certainly changes the balance.“ (Nimrod Kozlovski, Security Expert on reuters.com)

Also: hier gerät etwas aus dem Gleichgewicht. Die Albernheit des Rassismus soll mit diesen Methoden angeblich nicht Anwendung finden – soll doch die Hautfarbe bei der Analyse des Gesichts ignoriert werden. Vernachlässigt wird jedoch die Möglichkeit der plastischen Chirurgie. Und die persönliche Freiheit – ungerastert und unanalysiert. Und die Möglichkeit, dass nicht alles in DNA eingeschrieben ist und zwangsweise sichtbar auf der (Gesichts-)Oberfläche liegt.

with Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“

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In Israel gibt es (nach Wikipedia alles superlative) Feiertage, welche den Alltag entschleunigen, brechen, verunmöglichen. Einer der Feiertage mit Namen Jom Kippur (wkp) liegt schon wieder in Sichtweite. Vor einer ganzen Weile wurde ein Film gebloggt der nichts an Anschaulich- und Einprägsamkeit des gebrochenen Alltags verloren hat. Passt wegen seiner unter-spannten Atmosphäre noch weniger in die derzeitige Situation als ohnehin schon, oder vielleicht gerade.

jom_kippur-tel_aviv(src, 2,30 Min)

Ein Besuch in einer von Raketeneinschlägen bedrohten Region in Israel im Jahr 2012 – damals folgte (ähnlich wie heute) als Reaktion auf die Einschläge und die permanente Bedrohung der Bevölkerung eine militärische Intervention im Gebiet der Raketenabschüsse. Ein gewisser Grad der Entspannung blieb und bleibt in den bedrohlichen Momenten (etwa in Form älterer Männer, auf einer Bank sitzend) erhalten; die Anspannung der jugendlichen Menschen, welche die Situation zum ersten Mal erleben ist indes spür- und nachvollziehbar.

life_under_rockets_israel_yt_ikl959.com(src; 8,30 Min)

Die Situation heute: eine größere Anzahl Raketen mit einer besseren Reichweite schlägt derzeit noch immer (aus dem Gazastreifen von der Hamas und anderen paramilitärischen Vereinigungen abgefeuert) in Israel ein (IDF-reports on twttr).

the_map_of_israelSchöner Hinweis bei hagalil über ein Videoprojekt von Gil Shuster, welches spontan und auf der Straße mit den dort Anwesenden eine Mentalitäts-, Wissens-, kurz Realitätsabfrage unternimmt – klick hier.

Nach der Gründung des Staates Israel 1948 begann eine Welle von Pogromen durch arabische und muslimische Länder des Nahen- und Mittleren Osten zu fluten, welche das Ende einer jahrhundertealten jüdisch-arabischen Tradition bedeuteten. Ein Film welcher jüdische Flüchtlinge aus dem Iran, Libanon, Algerien, Irak und anderen Ländern porträtiert, weist auf einen bisher weniger beachteten Fakt hin – die sogenannte „jüdische Nakba“ (en.wikipedia, de.wikipedia)

forg_refu_yt(youtu.be -49 Min, engl.; via)

Zwar schon eine Weile her, der 30c3, doch die Aussagen von Tim Pritlove zum Thema Überwachung haben weder an Aktualität noch an Bedeutung verloren (die Überschrift „Wie wehrt man sich…“ passt nicht ganz zum Inhalt):30c3-Tim Pritlove_ - Jung & Naiv_ Folge 102 - YouTube'-ikl959.com „Wenn die Leute immer sagen dass sie Nichts zu verbergen haben, frage ich mich warum es in Deutschland so viele Gardinen gibt“ (Tim Pritlove, src: yt/12 Min) und ebenfalls (via) sehenswert  (abgesehen von den manchmal zu naiv daherkommenden Fragen) Constanze Kurz mit einigen Hinweisen und Einschätzungen zum Thema Robotik, Verschlüsselung, Google und vieles andere mehr:Constanze Kurz & das Happy End im Überwachungszeitalter - Jung & Naiv_ Folge 106 - YouTube' -ikl959.com„Man sollte sich überlegen was man nutzt. „ (src: yt/43 Min) Sehenwert!

Das Leben in der Stadt – weniger Platz für Tiere und Menschen? Naja, die Nischen werden gesucht. Einige mit der Zeit genommen, wie u.a. das von der Räumung bedrohte Projekt „Rote Flora“ in Hamburg. Heute sind einige tausend Menschen unterwegs, in der Hansestadt, um ihren Unmut darüber auf die Straße zu tragen. Doch genau diese ist zu einem Rechts-freien-Raum geworden. Es wurde ein Ausnahmezustand verhängt. Menschen können & werden ohne Verdacht von der Exekutive kontrolliert, Platz-verwiesen oder verhaftet aka gewahrsamgenommen (welt.de). Was wird heute in Hamburg noch alles passieren?

Ein paar Stadtfüchse begannen im Sommer nach Einbruch der Dämmerung miteinander zu spielen, sich im Sand zu wälzen, Mülltonnen zu plündern. Auf etwa einen Meter konnten wir uns den (gar nicht mehr so wild erscheinenden) Wildtieren nähern. fox-vs-light(Illuminated fox, seen in Dresden; click pic to enlarge)

Dazu fiel mir das Lied von Shaban & Käptn Peng ein:shaban_käptn-peng-sie_mögen_sichListen it on yt.

„Mein wahres Wesen ist kein Fuchswesen.“

Ein erneuter Verweis auf eine Dokumentation. Sie hat den Titel: „Hausbesetzer in Kreuzberg. Im Turm.“

Es ist eine Reise in eine Zeit vor etwa 30 Jahren, was jedoch eher wie 50 erscheint – sehr viel hat sich geändert mit dem Verschwinden der DDR (aber auch der vorpersonalcomputerisierten Welt). Die Freien Räume die es mal an der Mauer, besser: in deren Schatten auf der Westseite gab, sind verschwunden (angefangen vom Kubat-Dreieck bis hin zur privaten hinter-Mauer-Romantik). mom_with_child.ikl959Die Dokumentation von Backes, welcher die Haus-Besetzer-Szene in Berlin-Kreuzberg (54% der Berliner hatten damals angeblich Verständnis für die Aktivisten) zeigt, bietet einen unvermittelten Einblick in den Alltag der Hausbewohner, steht wegen der Nähe sogar vor dem vorzeitigem Abbruch. Der Alltag ist wie der Film nicht immer spannend, nichts desto trotz finden einige Aspekte Erwähnung (wie etwa dass die Bewohner Häuser bewohnen welche für preussische Offiziere gebaut wurden, selbst jedoch Sozialhilfe beziehen oder studieren) die für die heutige Auseinandersetzung mit dem Thema relevant sein könnten. „Zusammen lieben, lachen, kämpfen“ ist eine der Handlungsmaximen der Bewohner – das Kollektiv gegen das Kollektiv – und scheint wie einem Märchenbuch entnommen. Dass keine heile Welt herrscht in dem genommenen und selbstbestimmten Haus wird offenbar. Dies liegt jedoch nicht nur an dem Innen, auch an dem Außen. So wird etwa gesprochen über Gewalt, über die Konzentration von chemischen Stoffen im Wasser der ~werfer der Polizei. der_staat_sagt_halt_ikl959.comDie Dokumentation zeigt gemeinsame Träume & Ängste & Utopien und stellte unwillkürlich die Frage nach deren Wirksamkeit und Ausdruck heute. 90 besetzte Häuser gab es damals in Berlin-West und es war etwas, womit sich die Stadt durchaus ein wenig  schmückte. „Instandbesetzt“…

instandbesetzt_ikl959Die Bezugnahme auf eine Studie aus der Schweiz ist in ihrer Analyse scheinbar noch immer aktuell. Die Experten schrieben 1981:

Wir können die Augen nicht davor verschließen, dass die gewalttätigen Jugendlichen in einer Welt aufwachsen, in der sie dauernd mit Gewalt, auch mit legitimierter Gewalt, konfrontiert sind. Am Fuße des NKZ, des Neuen Kreuzberger Zentrums, steht: „Schade, daß Beton nicht brennt.“

Hausbesetzer in Kreuzberg. Im Turm (D 1981, ca. 55 Min.) von Wieland BackesDerzeit noch hier zu finden.

Ein sehenswerter, da in seiner Form und Umsetzung überaus ästhetisch und (manchmal alles andere als) kleinteilig, kritischer und fast zeitloser Film (der unausweichlich ein Abbild seiner Entstehungszeit ist, der jedoch die industriellen Prozesse und Entwicklungen markant heraus präpariert welche noch heute wirken) ist eine Dokumentation von Hartmut Bitomsky: Der VW-Komplex (1989). vw_komplex-das_volkswagen_werk_und_die_deutsche_arbeitsfrontEin Blick in die Vergangenheit und Anfänge der Autofabrik ist ebenso enthalten wie ein Blick in die Zukunft. In der Dokumentation von Bitomsky geht es um einen VW-Komplex – so wird auch die Architektur und Stadtplanung der (als wenig lebenswert dargestellten) Autostadt Wolfsburg gezeigt. In Analogie zu den ersten Filmaufnahmen der Cinematographie (Arbeiter verlassen die Fabrik, der Gebrüder Lumiere) werden Arbeiter beim Verlassen der VW-Fabrik Ende des 20. Jahrhundert gezeigt. Es scheint sich zunächst nichts geändert zu haben. Der Arbeiter wird gezeichnet im Spannungsverhältnis zwischen seinem Dasein als Individuum und der gesichtslosen arbeitenden Masse. Die Frage nach der Erwerbsarbeit und dem Verhältnis zu den Menschen entwickelt sich zu einer immer wieder zu findenden Fragestellung. Immer wieder wird auch das Spannungsverhältnis der stetigen Technisierung und Enthumanisierung der Industrie offenbart – der Mensch in Konkurrenz zur Maschine (oder umgekehrt?).

Die Werkstätigen sind VWs stärkste Kundenschicht. Ein Zehntel der Produktion geht an sie. Mit jedem Arbeitsplatz der irgendwo abgebaut wird geht ein potentieller Autokäufer verloren. […] Ein Verkehr lässt sich vorstellen, der Autofahrer nicht mehr benötigt, ebenso die Autofabrik, den Arbeiter. Es gibt den Zusammenhang von Autofahren und Industriearbeit.

Es verschwinden nicht nur die Arbeitsplätze, es verschwindet die Arbeit selbst. Was damit verloren geht ist noch gar nicht auszudenken. (src: VW-Komplex)

vw_komplex-kaefer_und_arbeiter_Gewiss ist die Diskussion um Erwerbsarbeit und Industrialisierung kein neues Themenfeld. Mit dem von heute aus gesehen Zeitsprung um über zwanzig Jahre zurück wird der offensichtliche Grad menschlicher Abhängigkeit (richtiger: der Industrieproduktion) von der Robotik um einiges eindrücklicher. In der Dokumentation werden die Besonderheit (die Nazis finanzierten sich über Anlagen von privaten Einzahlern ihre Kübelwagen für die Front; zunächst waren Zwangsarbeiter eine billige auszubeutende Arbeitskraft) und der spätere und anhaltende Erfolg des deutschen Projekts Volkswagen nach gezeichnet, hinterfragt, angedeutet. Film (D 1989, 90 Min.) derzeit noch hier zu finden.

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Im deutschen Rechtsstaat wird seit einer Weile gedealt – vor Gericht, mit den Richtern und Verfahrenbeteiligten. Vielleicht hat damit auf justizieller Ebene etwas Ausdruck gefunden, was in der Gesellschaft schon immer zu finden war. Nur komisch bleibts – der Dealer in der Robe. Und eine kritische Vorstellung von etwas, das zukünftig so benannt werden könnte: Der eine hat Geld, der andere das Verfahren. Oder auch: Bist du mal angeklagt und hast genügend Finanzen  – dann kauf Dich vom Verfahren frei! Der eine dealt mit den Richtern, der Andere ist gezwungen sich von diesen Befragen zu lassen, hat vielleicht dabei nicht mal das Geld das Verfahren angemessen zu finanzieren.

[/ wildes Gedankenformulieren im Fall von Wulfs-50.000 Euro-Verfahrensendbetrag und dem stockend angelaufenen Verfahren gegen Lothar König]

(via)

update: auch im Prozess gegen einen Beschuldigten welcher in Leipzig mehrere Autos angezündet haben soll, wurde versucht zu dealen….

_asteroid2012_da14_closest_distance_to_earth_screenshot_animation_ikl959.com(screenshotsrc; 2013.02.15: Distance to earth: 1,620,000 Miles ~ 27.700 km; nur einer von vielen in der letzten Zeit entdeckten Erdbahnkreuzern? „1990 kannte man 72, 1999 schon 515,  2003 waren es 1386 Erdbahnkreuzer. 2010 sind 4789 bekannt gewesen.“(src) Es ist davon auszugehen dass es heute noch mehr sind. Bleibt die Frage ob es wirklich mehr oder wir nur sensibler geworden sind? via t.r. thx!)

Wilhelm von Sternburg begab sich 1991, im Jahr der erfolgreichen – weil staatlich nicht unterbundenen – Menschenhetze im frisch vereinten Deutschland, nach Hoyerswerda.

Es wird der ostdeutsche Mensch, dessen Denken und Handeln  gezeigt – die Folgen von 50 Jahren sozialistischer Diktatur und einer irgendwie verankerte Abneigung  gegen die offensichtlich Anderseienden?  Oder im nationalen Überschwang, wie übrigens auch einige Deutsche im Westen der Republik?

Die im Film immer wieder auftauchende Frage nach dem „Versagen des Rechtstaats“ gleicht einer Chimäre: es gilt den sozialen Ausnahmezustand mit Erklärungen und Fragen, aber auch Anklage und Moralität politisch einzuordnen (langweilig die Phasen mit Stoiber und co). So unangenehm offensichtlich wie die Stimmung auf dem Markt in Hoyerswerda 1991 war, der Film gibt eine Vorstellung von den Abgründen der postreunited german society…

„Ausländerjagd. Rassismus im neuen Deutschland?“ – ARD im Brennpunkt, September 1991, 50 Min

Was gibt es mehr zu sagen, als dass hier deutsche Qualitätsarbeit scheinbar Menschenleben rettet (die Rechtslenker kommen übrigens aus Südafrika), ein Attentat zu einer Farce werden lässt, besser: zu einer Farce macht. Die wirklichen Bilder sind nicht im Kopf (Foto 1: Täterreste. Vorsicht bei schwachem Gemüte!; Foto 2: Die Umgebung).

(click pic to watch the vid or here)

click pic to watch the video (Montreal, Canada; 20.04.2012; more here)

A movie about afterbirth:

Schon einmal wurde hier im Blog auf einen sehenswerten Film von James Longley verwiesen. Vom filmischen her ähnlich spannend ist sein Film mit dem Titel „Gaza Strip“ der 2001 gedreht wurde.

Im Film finden sich eine Reihe israelkritischer Bilder und Aussagen, auch schockierende Bilder von Verwundeten und Toten im Krankenhaus, die schnell dazu verleiten emotional zu reagieren – weshalb sie auch oftmals gedreht und verwendet werden. Es finden sich auch eine Reihe von Szenen welche irritieren (so z.B. der Moment wo Maschinengewehrsalven zu vernehmen sind und gleichzeitig Kinder auf der Straße spielen). Der Film zeigt wie tief und stark die Abneigung gegen Israel (noch vor der Wahl der Hamas), die alltägliche Verzweiflung und die Hoffnung auf ein besseres Leben im Jahr 2001 waren (unvermeidlich sind auch propagandistische Aussagen zu vernehmen). Longley folgt und zeigt in seinem Film vor allem den Alltag von Kindern, deren naive und teilweise erschreckenden Aussagen über die Ereignisse um sie herum.

Bei Vimeo findet sich unter Longleys Benutzerkonto der gesamte Film „Gaza Strip“ zum ansehen (2002, 72 Min.). Watch it.

weiterer Hinweis: Ebenso bei Vimeo lassen sich auch beeindruckende Bilder des Schulalltags im Iran finden (vom Januar 2009, 30 Min). Ebenfalls sehenswert!

 

„Variationen auf den Satz aus der Protestbewegung ‚Die Lust ist eine Ziege'“, Länge: 2 Minuten.

Zuerst zum Nachspiel:

(Fotos via)

„Rebellion ist wie dieser Schmetterling der auf das Meer ohne Insel oder Felsen zufliegt. Er weiß dass er keinen Platz zum Landen hat. Doch zögert er nicht zu fliegen. Und nein, weder der Schmetterling noch die Rebellion sind dumm oder Selbstmörderisch. Es ist nur so dass sie wissen, das sie doch etwas haben werden, wo sie landen können, weil es in dieser Richtung eine kleine Insel gibt, die noch kein Satelit entdeckt hat.“

Oha. Und das Vorspiel? Hier:

Gelöscht wird erst, nachdem die Tonne bis zum Schluss brennen durfte…

An anderer Stelle wird derweil im Tone eines Wettbewerbs davon gesprochen, dass der Tag in Magdeburg mehr Beachtung verdient hätte:

„Ein breites Bündnis von bis zu 20.000 Menschen aus ganz unterschiedlichen Kontexten hat [2011, Anm.] tausende Nazis in die Schranken gewiesen und diesen gezeigt, dass Dresdens Straßen keineswegs ihnen gehören. An diese Leistung muss angeknüpft werden. […] Das dritte Mal in Folge erwartet die Nazis in Dresden [2012, Anm.] eine Niederlage, die nur möglich sein wird, weil tausende engagierte Bürgerinnen und Bürger auf die Straße gehen, um so ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen. „ (src, via)

Dieses hier gelobte Engagement zeigt sich u.a. in einer weißen ins Knopfloch gesteckten Nelke – den Rest des Jahres fragt man sich wie das mit den Extremisten wohl noch werden wird oder schließt sich der Forderung des Bundes der deutschen Kriminalbeamten nach einer Bekämpfung des Linksterrorismus an. Wie gerechtfertigt das ist ja hat schließlich das Nachspiel in Magdeburg gezeigt…

„filmed by accident“…

Stolz liest sich der Projektbogen zu Polizei.Sachsen.2020:

Mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung wird die sächsische Polizei nach dem Jahr 2025 über 11.280 Stellen verfügen (2010: 13.911). Damit wird der Freistaat weiterhin über eine höhere Polizeidichte
verfügen als der Durchschnitt der westdeutschen Flächenländer. (Quelle, S. 6)

Im Rahmen dieses Projektes, Polizei.Sachsen.2020, wurden nun – öffentlichkeitswirksam inszeniert – weitere Autos an den sächsischen Polizeifuhrpark übergeben. 22,5 Millionen Euro werden dieses Jahr in die Ausstattung und Technik der sächsischen Polizei investiert, davon über 7 Millionen in die Autos, 3,3 Millionen in einen neuen Hubschrauber.

(Quelle)

(Sachsenspiegel-Screenshot)

Wer den sächsischen Polizei.2020-Imagefilm („Vetrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“) sehen möchte klicke hier (wird aber bereits nach 1:10 Min. langweilig) – actiongeladener ist da der SEK-Werbefilm…: Zum Einsatz kommen dürfte die neue Technik (möglicherweise auch die SEK – um der Sicherheit willen wird es sicher etwas zu tun geben) wohl bald: die alljährlichen Demonstrationen im Februar in Dresden sind vermutlich bei der Polizei – wie auch den demonstrierenden Aktivisten schon jetzt in Planung. Und seit April 2011 ist auch Sachsen endlich im Besitz des Wasserwerfers neuen Typs, des „WaWe10“. Doch dieser kostete das Land Sachsen nichts, denn

„Wasserwerfer sind Bundesausstattung. Sie werden den Bereitschaftspolizeien der Länder entsprechend einem festgelegten Ausstattungssoll zur Verfügung gestellt.“ (Quelle)

Fühlt sich an wie eine Aufrüstung der föderativen Exekutive (aber Gefühle können ja bekanntlich täuschen). Die Praxis (quasi der Praxisfetisch der Polizei) hat es aber eigentlich schon bewiesen…

Eine Filmempfehlung:Fand den Film außerordentlich gut (besser als das dänische Pendant „Camp Armadillo“, weil weniger moralisierend und auch distanzierter in der Erzählhaltung – so wurden die amerikanischen Soldaten in einem reflektierenden Moment (nach Ende des Einsatzes in Afghanistan dann in Italien befindlich) nochmals gefragt über ihre Gedanken und Deutungen der Ereignisse während des Einsatzes. Es ist ein Film der vor allem die Soldaten selbst sprechen lässt. Die Kamera wirkt größtenteils wenig störend. Es entsteht ein scheinbar ungeschönter Einblick in das triste Soldatenleben:

Ein Film der es schaffte die Menschen in Uniform in ihrer Funktion, aber auch mit ihren Bedürfnissen zu zeigen, ohne dabei verklärend oder erklärend zu werden. I recommend to watch „Restrepo„…

(Doku „White Terror“: „Jew is to brown as brown is to dumbing down“)

„Einsatz von besonderen Mitteln in besonderen Situationen.“

(Bild anklicken um TV-Bericht von 1986 anzusehen)

Wenn der GSG 9 selbst zum Bombenleger wird und (Absicht oder nicht) Stimmung gegen „Linksterroristen“ macht: das Celler Loch.

Die Hymne und das Motto zur Loveparade 2002 ist „Access Peace“. Dies ist nur eins der Ausdrucksmittel der „friede-freude-eierkuchen“ Mentalität.

Frug mich wie die Auswahl der Motive (hier die Flaggen von D, F, USA, GB als Burka) erfolgte. Im Video sind „Mexiko City“, „Tel Aviv“ und „Cape Town“ die betitelten Orte (in denen es ab 2000 auch eine „Loveparade“ gab).

Fest steht:

Dr. Motte sieht 2011 in Deutschland ein deutliches Demokratiedefizit:

„die bauarbeiten gehen weiter in der kastanienalle. […] trotz ausstehendem volksentscheid […] so sieht das hier aus. bürgerbegehren in deutschland, volksentscheide spielen keine rolle. grüne politik ignoriert den bürgerwillen. in kreuzberg ziehen grölende nazi, neo nazis durch die straßen. willkommen in der realität.“ (via)

Friede Freude Eierkuchen, der demokratische Bürgerwillen des Dr. Motte und die Aufforderung nach einer rechtlichen Vertretung der elektronischen  Musikkultur in Deutschland. Diese „elektronische Musikkultur“ soll nach Plan von Dr. Motte dann bei der UNESCO als Weltkulturerbe angemeldet werden. Wilkommen in der Realität…

Einen Einblick in die unmittelbare „Wendezeit“ liefert ein Film von Ulrich Waller. Die Akteure sind  Wigald Boning und David Dunster. Die beiden kommen als Augenzeugen & Spurensucher in die zerfallende DDR, reden mit Menschen und beschreiben ihre Eindrücke. Sie befinden sich in der Zeit zur Währungsreform der Ostmark und der ersten gesamtdeutschen Wahlen nach dem Zweiten Weltkrieg. Überaus spannendes und zeithistorisches Dokument von Film.

„So ein ein Gefühl von Verfall, Unordnung und nuttiger Anbiederung hatte ich nicht erwartet.“

„Es ist ein magischer Moment. Man ist Zeuge des Verschwindens. Es verschwindet ein Traum, und es verschwindet alle Ideen die in diesen Traum investiert wurden.“

„Ab Montag dann alles fürs neue Geld.“

„Die Mächte des Kapitalismus ziehen ein, und niemand katalogisiert noch schnell die guten Aspekte des Sozialismus.“

„Ich behaupte die DDR hatte gar keine Ästhetik, jedenfalls keine eigene. Und so ist dieses System ganz zwangsläufig gestürzt.“

Zwei Reisende. David Dunster & Wigald Boning. (Ein Film von Ulrich Waller. NDR 1990 ca. 60 Min.)

Update: weil google mal wieder löscht: hier zum download zu finden.

Aus London eine dieser kostenlosen U-Bahn-Zeitungen mitgebracht, den London Evening Standart. Darin nach x-Seiten über den GAU in Japan auch ein kleiner Artikel über Lybien und darunter ein Artikel über den Bau neuer Wohnungen und die Ermordung  einer israelischen Familie. Titel: „Israel to build new settler homes despite muders„…

In der Tagesschau vom letzten Sonntag hingegen hört sich das ziemlich anders an, dort wird der genehmigte Wohnungsbau als eine Art „Vergeltungsaktion“ zu Mord dargestellt…

Nachdenklich dazu stimmt eine Rede von Mina Ahadi von vor zwei Wochen…

(via)