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Category Archives: Feature/Hörspiel/Hörbuch

Sendung damals gehört und für verbreitenswert erachtet: DLF Essay und Diskurs von Anfang Oktober 2017, worin es u.a. heißt:

Geheimisse zu haben, ist eine Form der Selbstermächtigung. Geheimnisse, die wir verschweigen, aufheben für den Biografen, den wir nicht haben werden, vielleicht noch für Gespräche mit unseren Kindern, wenn die erwachsen sind und also auch schon Fehler gemacht haben, die nicht mehr reparabel sind, wenn die uns beichten, was schiefgegangen ist und wir sie trösten:

So etwas passiert nicht nur dir, es passiert nicht, weil du dumm bist, nein, auch ich habe falschen Freunden vertraut, habe Ratschläge ungeprüft übernommen, ich habe auch Glück gehabt. Und all das nenne ich – Karriere.

Wir bestimmen, wie das Bild von uns auszusehen habe. Nach bestem Wissen, Gewissen und – Verschweigen. Noch sind wir die Herren unserer Biografie. Aber wie lange wird das noch so sein? Was, wenn Personalchefs die Facebook‑Timeline einsehen wollen? In der das Schlechte auch zu sehen ist? Können wir da Nein sagen? Wir haben, viele haben, ihr Archiv, ihr Tagebuch, ihren Kalender nach draußen gegeben. Der liegt jetzt da. Unredigierbar, unlöschbar. Wir können uns zwar abmelden, aber Facebook behält sich vor, die Datensätze trotzdem zu speichern. Wie die allermeisten Internet-Firmen.

Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts. Daten sind die Ölpest des 21. Jahrhunderts.

listen and think about it:

or download

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Titelbild der Titanic mit Kanzlerin Merkel als Gustl Mollath. (screenshot)

Viel wurde geschrieben zum Fall Mollath.

Und diskutiert.

Zu sehen gab es auch einiges.

Ende des Jahres 2015 lief im Bayerischen Fernsehen ein behutsamer und von den Bildern her beeindruckender Film zur Person und den Ereignissen welche einige Jahre immer wieder für Schlagzeilen sorgten. Es ist ein persönliches Schlaglicht auf einen Menschen der Zwangstherapiemaßnahmen am eigenen Leib erfahren hat. Die ARD hat sich in der Reihe Radiofeature auch schon mal damit beschäftigt – ein klein wenig kritisch wirkt der Beitrag „Dunkelkammer Psychatrie“ (download, ca 55 Min.)

mollath_doku_nachthimmel_ikl959Nachthimmel im Zeitraffer (screenshot)

Zurück zum Film: Es ist beeindruckend den Schilderungen der Erlebnisse hinter den geschlossenen Mauern zu lauschen (wie etwa der Arzt in der Nachbarzelle für Ruhe sorgt). Dabei nimmt dies in der Dokumentation von Annika Blendl und Leonie Stade nicht nur zeitlich untergeordnete Rolle ein – was konkret in solchen Einrichtungen passierte und passiert. Um so absurder wirkt die Welt jenseits dieser Mauern. Der Versuch Mollaths in die „Normalität“ zurückzukehren – die es vorher nicht gab und auch danach nicht gibt – wird hingegen sehr konkret. Mit dem Leben in Gefangenschaft wurde er entmündigt, Dinge verschwanden (wie das Grab seiner Familie auf dem Friedhof in Nürnberg). Wiedergutmachen kann man das nicht. Diese Welt ist es nicht.

Die Kritik Gustl Mollaths an den alltäglichen Mechanismen findet sich gleich zu Beginn des Film – etwa wenn er sich in einer Einkaufspassage wundert wieso eine Hose weniger als 10€ kosten kann während woanders Millionen unter dem Tisch verschwinden. Es sind die kleinen Dinge welche seine Aufmerksamkeit bekommen. Mit viel Verstand und ein wenig Witz erlebt der Zuschauer einen Menschen der um sein Recht kämpft und das erfahrene Unrecht als Räderwerk durchlebte ohne dabei apathisch geworden zu sein.

Sehr einprägsam das Beispiel zu den psychatrischen Gutachten, welche nach Aussage eines Gutachters bis zu 60% Falschdiagnosen darstellen. 50% Falschdiagnose sei kein Fortschritt meint Gustl Mollath zu Recht und belegt dies mit einer fallenden und verschwindenden Münze vorm Dom…

Beeindruckend die exakten Formulierungen des Protagonisten und deutlich fühlbar dessen wachsendes Misstrauen gegenüber seinem Verteidiger, den er nur als weiteren Funktionsträger identifiziert. Dass in dem Film verschiedene Seiten und Ansichten (etwa von Journalisten) zu Wort kommen bereichert dieses Dokument. Recommended to watch!

yt_Mollath_Doku_watch_v=PC6EgHlhf9I_(Blendl/Stade; D 2015; 87 Min.; Link zur Doku auf yt. )

Zu finden auf yt auch noch ein Gespräch mit den Autorinnen der Dokumentation „Mollath – Und plötzlich bist du verrückt“ Annika Blendl und Leonie Stade bei MünchenTV.

Teil 9 hier zu finden

  • SWR2: Anarchisten am Rio de la Plata (27 Min.) (download) (via)
  • WDR-Zeitzeichen: Sozialistengesetz 1878 (14 Min.) – oder: Die fernen Ursprünge der SPD (download) (via)
  • NDR: Hannah Arendts Töchter (20 Min.) (download)
  • SWR2-Aula: Wie der Kapitalismus uns zu Selbstausbeutern macht – Han Byung-Chul (28 Min.) (download)

Es folgt der obligatorische Hinweis, dass einiges sowohl in seiner inhaltlichen Ausrichtung als auch der Form nach durchaus Kritik würdig ist.

Rasterfahndung umdrehen – mithilfe des Stromverbrauchs gucken wo unbewohnte Häuser sind, welche dann besetzt werden können. So lautet eine Idee in dem Hörstück Radio Wauland über die vernetzte digitalisierte und doch reale Welt.

800px-Akustikkoppler_CCC_Datenklo(eigenbau des Akustikkoppler aka Datenklo des CCC  – src)

Der Untertitel Tune in, turn on and hack yourself kommt indes ein wenig selbstzerstörerischer daher als das LSD-Original von Prof. Leary.  Protagonist in dem zeitweise psychedelischen Hörstück ist Wau Holland, dem Mitbegründer des CCC (bis dato unveröffentlichte O-Töne fanden von ihm Verwendung), der so Dinge sagte wie „Was ist denn das einen Rechner aufzumachen, dagegen die Gesellschaft aufzumachen“ (src).

Das Stück gibts hier zum download finden & sei an dieser Stelle zum anhören empfohlen.

wald_und_pfaehleAn dieser Stelle die Fortsetzung einer Reihe von field-recordings mit dem Titel „Die zehn Arten des Rauschens“. Hier die zweite Stundenversion – 2c1 (dzadr-Teil 1 hier zu finden). (->dzadr-2c1 uploaded@archive).

Teil 8 hier zu finden

  • BR2: Michel Foucault – Was macht Macht (22 Min.) (download) (via)
  • BR2: Ein Fest gegen die BRD – Münchner Jugendrevolte Freizeit ’81 (53 Min.) (download) (via)
  • SWR2: Veganismus – Was macht Menschen zu Veganern? (44 Min.) (download)
  • SWR2: Allein mit Allen – Das Ich in seinen Netzen (44 Min.) (mit u.a. Konrad Paul Liessmann) (download)
  • HR2: Über das Hören (15 Min.) (download)
  • HR2: Männerquote und Emanzipation (14 Min.) (download)
  • NDR: Ich habs getan – Der lange Abschied vom ungeborenen Kind (25 Min.) (download)
  • HR2: Doppelkopf: Peter Bieri & die Würde (47 Min.) (download)
  • D-Radio-Wissen: Ökonomie – Zehn Mythen der Krise (Referat Heiner Flassbeck) (42 Min.) (download)

Es folgt der obligatorische Hinweis, dass einiges sowohl in seiner inhaltlichen Ausrichtung als auch der Form nach durchaus kritikwürdig ist.

An dieser Stelle eine Produktion, welche im Rahmen des bereits im Juli 2013 stattgefundenem Festivals „addicted to random“ gesendet wurde. Sie trägt den Titel „Die zehn Arten des Rauschens v.1.8“ (->uploaded@archive).

Vorab gibt es noch ein paar Worte zur Einleitung (in deutsch).

Nicht neu (aber trotz dessen nicht weniger aktuell) gingen mir die Worte aus Günter Eichs Hörspiel „Träume“ nach dem Hören eine Weile durch den Kopf. Hier im Folgenden ein Auszug, welcher mit den viel zitierten Worten des „Sandes im Getriebe der Welt“ endet.

Ich beneide sie alle, die vergessen können,
die sich beruhigt schlafen legen und keine Träume haben.
[…]

Sieh, was es gibt: Gefängnis und Folterung,
Blindheit und Lähmung, Tod in vieler Gestalt,
den körperlosen Schmerz und die Angst, die das Leben meint.
Die Seufzer aus vielen Mündern sammelt die Erde,
und in den Augen der Menschen, die du liebst, wohnt die Bestürzung.
Alles, was geschieht, geht dich an.

[…]
”Ah, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.”

Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid mißtrauisch gegen ihre Macht,
die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind,
wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder,
die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

 (src  ohne [Auslassungen])

  • DRS: Marie Luise Knott über das Verhältnis Hannah Arendts zum Zionismus (30 Min) download (via)
  • SWR2 Wissen: Zwang und Gewalt in der Psychiatrie (28 Min) download
  • WDR Zeitzeichen: 1967 – Die Hippies (15 Min) download

-> weiteres siehe auch Kommentare hier

-> hoerenswert im übrigen im Moment das SWR2 Archivradio mit einer (zumindest akustischen) Rückversetzung in die Zeit des Deutschen Herbst (RAF) und dessen Folgen bis in die 1990er

 

update:

HR2 Doppelkopf: Georg Kreisler (42 Min) download

NDR Forum: Rostock Lichtenhagen – Vor 20 Jahren und heute (30 Min) download

 

BR2: Alexander Kluge Portrait (74Min) download

NDR-Forum: Der Syrien-Konflikt (19 Min) siehe auch hier

DRadio: Das Lager Kulmhof (die Anmod ist strange!, 6 Min) download

HR2 Wissenswert: Öffentliche Verkehrsmittel ab 1942 für Juden verboten (12 Min) download

SWR2 Wissen: Das Steak der Zukunft hat sechs Beine (27 Min) download

SWR2 Forum: Diskussion über „kostenlosen“ Nahverkehr (45 Min) download

WDR Zeitzeichen: Lew Kopelew (14 Min) download

DRadio: Visionen der Zugehörigkeit – Was ist deutsch? (51 Min) download

HR2Doppelkopf: Hans Henning Hann über den Bund Deutscher Vertriebener (45 Min) download

Dresden-Ischen: Eindrücke von der Blockade der Freiraum-Tanzdemo (Unverkennbar aus der Stadt des Olaf Schubert, 23 Min) (via)

 

hier zu Hörenswert no. III

Der 54-Jährige W. war Ende vergangener Woche nach Chemnitz gezogen. Hier wollte er sich nach Verbüßung von fünf Jahren Haft und 18 Jahren Sicherungsverwahrung wegen mehrfacher Vergewaltigung von Taxifahrerinnen eine neue Existenz aufbauen. (src) (via)

Mich erinnern diese ganze öffentliche und nun von der NPD instrumentalisierte Aufregung, der Protest, die zutagetretende Ablehnung und die alldafür aufgebrachte Energie an die Belagerung von Honecker nach dessen Machtverlust und Flucht aufs Dorf, folgt man den Ausführungen des Pastors Uwe Holmer (bei etwa 13 Minuten) :   Dabei ist natürlich die Verknüpfung eine andere: Honecker als Politiker musste damit rechnen auch nach Amtsabgabe eine Person von Interesse zu sein. Hingegen sind die zwei von der Staatsmacht für ihre Vergehen bestraften (und nun im Prozess der Wiedereingliederung in die Gesellschaft) in Insel Belagerten in den Fokus geraten, weil sie Angst machen. Die vorgesehene Wiedereingliederung in die Gesellschaft trifft auf Ablehnung. Auf Grund einer konstruierten Phantasie wird hier der mögliche Täter schon vor der Tat verurteilt, vielmehr: ausgeschlossen, in die Mitte genommen. Es gilt ihn zu stigmatisieren – erfolgreich, wie es scheint. An anderen Orten findet sich mittlerweile eine ebensolche Ablehnung gegen ihn:

Bereits am Dienstagabend war es am neuen Wohnwort von W. in Chemnitz zu einer Kundgebung gekommen. Dabei protestierten nach Angaben der Polizei rund 50 Menschen gegen die Anwesenheit des einstigen Sexualstraftäters. Die Chemnitzer NPD hatte sich als Organisator dieser unangemeldeten „Spontandemonstration“ bezeichnet, bei der auch Transparente zum Einsatz kamen. Laut Stadtverwaltung wird die Rechtmäßigkeit dieser Veranstaltung geprüft. Zugleich bestätigte die Stadt, dass für Freitag und Sonntag von NPD-Vertretern weitere Kundgebungen vor dem inzwischen von W. verlassenen Wohnhaus angemeldet worden seien. (src)

Welches Ziel die NPD an der leeren Wohnung den aufgeregten Anwohnern kundtun wird ist mit Sicherheit nicht unerwarteter Natur.   Der Erfolg der Aktion in Chemnitz verdeutlicht, wieviel Misstrauen, zustimmende und gelebte Ablehnung gegen etwas zukünftig Mögliches zu finden ist (Menschenangst?), welche gar (partiell) deckungsgleich mit dem menschenvernichtenden Welt- und Geschichtsbild der Nazis ist. Es wird immer mehr zu einer Geschichte einer erfolgreichen Stigmatisierungskampagne welche möglicherweise wegen des so durchschlagenden Erfolgs Nachfolger finden wird – die neue Existenz blieb dem „54-jährigem“ vorerst verhindert. Er ist auf der „Insel“ deutscher Tugendhaftigkeit an den Pranger des Missratenen gebunden worden, nicht nur von der NPD.

NDR Forum: Augenzeugenberichte aus Syrien (20 Min.)

SWR2 Forum: Martin Durm: Warum der Westen in Syrien nicht weiß, was er tun soll (45 Min.)

SWR2 Forum: Michael Köhler: Wie braun war der Karneval? (45 Min.)

SWR2 Aula: Harald Welzer: Wohlstand ohne Wachstum (28 Min.)

SWR2 Wissen: Das große Brummen (27 Min.)

WDR Zeitzeichen: 1977: Die Entführung von Elisabeth Käsemann in Argentinien (15 Min.)

WDR Zeitzeichen: 1907: Der Todestag des Forstwissenschaftlers Karl Gayer (15 Min.)

WDR5 Erlebte Geschichte: Hans Heisel – Als deutscher Soldat in der Resistance (23 Min.)

Audio_Archiv: Pro­pa­gan­da­zen­tra­le »Arischer Welt­dienst« (40 Min.)

SWR2 Dschungel: Die alte Garde des Proletariats – eine kritische Politikecke (27 Min.)

Nicht Alles nicht immer uneingeschränkt zu empfehlen bzw. kritikwürdig. Hoerenswertes Teil II im übrigen hier.

update:

DLF: Götz Aly – Warum die Deutschen? Warum die Juden? (29 Min.)

 

hier zu hoerenswert no. 2

 

Nicht alle hier aufgeführten Beiträge sind uneingeschränkt zu empfehlen, aber das mag jeder selbst beurteilen.

Hörenswertes Teil 1 im übrigen hier zu finden…

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

komplettes Programm im Corax-Heft…

16.11.11 Ralph Arlyck – Following Sean (80 Min, 2005)

Following Sean is a 2005 documentary film directed by Ralph Arlyck. Bei IKL gibts die englische Tonspur des Films zu hören. Es ist ein Film über die Hochzeit der Hippies und deren Lebenseinstellung, über die amerikanische Gesellschaft, über persönliche Lebenswege und -vorstellungen. „The more things change, the more we are not the same.“ Der Autor, selbst Teil der idealisierten Bewegung, bezieht bei seiner Untersuchung das eigene Leben mit ein. Sehens- und Hörenswert.

29.11.11 Rolf Cantzen – „Die Protokolle der Weisen von Zion“ & „Die Weltordnung der Weltverschwoerer“ (2003)

Die Protokolle der Weisen von Zion sind eine Fälschung. Das wurde mehrfach bewiesen. Zuletzt hat der Comiczeichner Will Eisner vor seinem Tod diese Thematik noch einmal zusammengefasst. Was kaum bekannt ist: dieses Konstrukt was die vermeintliche jüdische Weltverschwörung enttarnt zu haben glaubt ist ein Longseller in den arabischen Staaten. Und nicht nur in schriftlicher Form, auch im Fernsehen wird immer wieder darauf Bezug genommen. Rolf Cantzen spricht mit Wissenschaftlern und versucht die hinter dem alles sich passend machenden Welterklärungsmodell Verschwörung liegende Funktion zu beschreiben.

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

05.10.11 Ror Wolf – Die Durchquerung der Tiefe 2v2 (1997)

Teil 2 (8. bis 13. Kapitel). Berichte von einem der plötzlich in der Tiefe verschwunden ist. Es sind Berichte über normale und seltsame Menschen, über sonderbares und gewohntes, über die Welt oben und unten. „Haben sie einen Grund?“ „Ich habe einen Grund, darauf können sie sich verlassen.“

12.10.11 Bertolt Brecht – Die heilige Johanna der Schlachthöfe (Berliner Funkstunde 1932; 42 Min.); Adorno – Bloch – Möglichkeiten der Utopie heute (27 Min.)

Die Erkenntnis der Johanna Dark gleicht einer Ernüchterung: Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht, es helfen nur Menschen, wo Menschen sind. Brecht kritisiert mit dem Instrumentarium der marxistischen Kritik den Reformismus der Arbeiterbewegung. Dieses erste von drei seiner ‚Johanna‘-Stücken war 1929-31 entstanden und gelangte erst 1959 erstmals auf die Theaterbühne. Im Radio hingegen war es bereits im April 1932 in einer gekürzten Radioversion erstmals zu vernehmen. Zum besseren Verständnis der Handlung gab es damals noch erläuternde Zwischentexte, die aber allesamt nicht mehr erhalten sind.

Adorno und Bloch im Gespräch: „[…] Die wesentliche Funktion die dann Utopie hat, ist eine Kritik am Vorhandenen.“ „Ja.“ „Wenn wir die Schranke nicht schon überschritten hätten, könnten wir sie als Schranke nicht einmal rezipieren.“ „Ja, die Utopie steckt jedenfalls wesentlich in der bestimmten Negation. Der Negation dessen was blos ist, und dadurch dass sie sich als ein falsches konkretisiert immer zugleich hinweist auf das was sein soll.“

19.10.11 Elfriede Jelinek- Stecken! Stab! und Stangl! (Eine Leichenrede) (1996)

Am 4. Februar 1995 werden kurz vor Mitternacht in Österreich vier Männer ermordet. Durch eine Rohrbombe des Attentäters Franz Fuchs sterben die Roma Peter Sárközi, Josef Simon, Ervin und Karl Horvath. Sie hatten versucht, eine Plakette mit rassistischen Beschimpfungen („Roma zurück nach Indien“), die an der Bombe angebracht war, zu entfernen. Die Männer sind sofort tot.

Elfriede Jelinek nimmt dieses Ereignis zum Anlass anhand der nachfolgenden Berichterstattungen, der öffentlichen Reaktionen und Verlautbarungen ein Bild der Gesellschaft zu zeichnen. Es ist ein Spiegel der österreichischen Republik, die räsoniert, verharmlost und darüber hinwegredet. So findet sich auch tatsächlich öffentlich geäußert die Überlegung, ob die vier Männer nicht letztlich selbst schuld an ihrem Verhängnis sind. Was Jelinek deutlich macht: der Mord wird zerquatscht, breitgetreten und relativiert.

 26.10.11 Issac Asimov – Die verbotene Erfindung (1967)

Eine Maschine wurde entwickelt um in die Vergangenheit zu sehen. Sofort stellt sich die Frage nach der Priorität (als ein Mittel zur Beeinflussung wird dann auch der finanzielle Hebel genutzt: wofür soll überhaupt geforscht werden?). Und es stellt sich damit auch die Frage: Wie effektiv kann eine staatlich gelenkte Wissenschaft sein? Welche Grenzen sind einer freien Forschung im Interesse der Allgemeinheit zu setzen?

Was, wenn sie wieder kommen? Wenn sie schon hier sind und NIE WIEDER verschwinden? Unsere Engel des Retro, aus ihrem stillgelegten Autobahnteilstück entlassen, FOREVER YOUNG auf Klassenfahrt. 40 Jahre Woodstock. 30 Jahre Deutscher Herbst. Hippe Jubiläen. Todestage eines unbekannten JETZT. Im Overkill ihrer medialen Simulakren feiert unsere Melancholie das nicht endende Ende der Party. Che Guevara auf Dienstreise, Rainer Werner Fassbinder auf der Rolltreppe. Signum einer Kultur post-anything ist das atemlose Patt zwischen Lebenden und Toten. JETZT ALS FILM. SIE SIND ZURÜCK. UND SIE KENNEN DEINE BLUTGRUPPE. Zwangsernährung der Gegenwart durch den verlorenen Bezug: Gilt als Methode Vampirismus – bleibt die Form der Operette.

„Edgar Lipki – sucking blood“, Released by: WDR, Release date: Nov 22, 2010

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream. Corax Programmzeitung hier zu finden.

06.09.11 Frank & Fefe – Stuxnet. (Alternativlos Folge 5)

Stuxnet ist zu einem geflügelten Wort geworden, um die Aufrüstung im virtuellen Bereich (Stichwort: „Nationales Cyberabwehrzentrum“) auf staatlicher Seite zu rechtfertigen. Zwei Nerds plaudern in der fünften Ausgabe ihres Podcast mit dem Titel „Alternativlos“ über die Hintergründe und technischen Grundlagen dieses Virus. Stuxnet ist in ihren Augen eine Meisterleistung. Der Virus schaffte es, verschiedene unbekannte Lücken zu nutzen und unerkannt zu bleiben. Letztendlich legte der Virus das iranische Atomprogramm in Natanz für längere Zeit lahm. Eine hörenswerte Sendung über X.509-Zertifikate, Exploitmärkte, explodierende russische Pipelines, Risiken in hiesigen Atomkraftwerken und eben Stuxnet.

14.09.11 H. G. Wells – Krieg der Welten (1977)

Außerirdische landen auf der Erde. Die Menschen beginnen die Marsianer zu bekämpfen. Die Erdlinge geraten in Panik & fliehen aus den Städten. Dies alles wurde in authentischer Hörfunkmanier als Hörspiel produziert und führte (angeblich) zu realer Panik in einigen amerikanischen Städten. Bei IKL gibt es die deutschsprachige Version des Klassikers unter den Hörspielen.

21.09.11 Adorno – Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit (1960)

„Mit Aufarbeitung der Vergangenheit ist in jenem Sprachgebrauch nicht gemeint, dass man das Vergangene im Ernst verarbeite, seinen Bann breche durch helles Bewußtsein. Sondern man will einen Schlussstrich darunter ziehen und womöglich es selbst aus der Erinnerung wegwischen.“ (Adorno)

28.09.11 Ror Wolf – Die Durchquerung der Tiefe (1/2) (1997)

„Eine Radio-Reise“ ist das Hörspiel mit 13 Kapiteln betitelt. Der Protagonist Doktor Collunder tritt eines Abends aus seiner Wohnung auf die Straße und fällt – fällt unaufhaltsam in die Tiefe. Irgendwann angekommen stößt er auf Andere, denen es ähnlich gegangen ist. „Eines Tages trat ich aus der Tür.“ „Plötzlich gab der Boden nach.“ „Plötzlich tat sich die Straße auf.“ „Plötzlich verspürte ich einen Sog.“ „Plötzlich verschwand ich in einer Erdspalte.“ „Es war dunkler als alles was ich bis dahin gesehen hatte.“ Auf dem Grund der Dinge ist alles in unablässigem Wandel.

Ab und an lassen sich im öffentlich-rechtlichen Radio spannende Sachen finden (Audioarchiv und andere Seiten verweisen immer wieder darauf). Da in Ermangelung an Zeit nicht alles sofort von mir gehört wird, kommen Verweise auf jene Stücke nicht immer zeitnah zum Veröffentlichungsdatum. Im folgenden vier Hinweise:

  • Arno Klönne – beschäftigte sich direkt nach dem Krieg mit der Hitlerjugend. Beim WDR ein spannender Monolog von ihm zu finden, der sowohl Kritik an der schicksalhaften Nachkriegsgesellschaft, als auch den „scheinrevolutionären Studenten“ der 68er übt. Hörenswert! (WDR, ca. 23 Minuten, download)
  • Der Sommer 1959, Teil sechs der siebenteiligen Reihe. Es geht in dieser Folge um die „vergessenen Aufstände der Jugendlichen“, die als die „Krawalle der Halbstarken“ eingegangen sind. Spannend vor allem die zeitgenössischen Aufnahmen & Moderationen. Hier zu finden. Listen! (WDR, ca. 12 Minuten)
  • Über industrialisierte intensive Nutztierhaltung ein Beitrag des WDR der seine Schwächen hat, jedoch versucht auf unmoralischem Weg die damit verbundenen Probleme zu schildern. Letztendlich die Fragestellung nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier und deren Behandlung. (WDR, ca. 25 Minuten; download)
  • Antisemitismus und die Frage nach der Einmaligkeit des Judenhasses oder der Vergleichbarkeit bzw. Gleichsetzung mit anderer gruppenbezogener Menschenfeindschaft („die Denkmuster des Antisemitismus als Matrix“). Liefert wenig Neues, fasst einiges nochmal gut zusammen. Mit Wolfgang Benz, Matthias Küntzel, Juliane Wetzel, Gideon Botsch, der KIgA u.a. (SWR, ca. 27 Minuten, download)

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

3.8. Elfriede Jelinek – Die Bienenkönige (1976)

Gibt es in einem Bienenstock nicht immer eine Bienenkönigin? Freilich. Doch Jelinek schafft im Stück eine postkatastrophale patriarchale Welt in der nur Männer geboren, Frauen als funktionales Subjekt (Gebährende und Dienerinnen) betrachtet werden. Um die Gesellschaft vor dem Aussterben zu bewahren, gelingt es Wissenschaftlern schließich ein Unsterblichkeitsserum zu entwickeln. Den wenigen gebährfähigen Frauen wird die Unsterblichkeit verspochen, deren Nachkommen sollen allerdings sterbliche Sklaven bleiben. Die patriarchale Gesellschaft gerät mit der Geburt des ersten Mädchens in einen radikalen Wandel.

10.8. Christa Wolf – Kein Ort. Nirgends. (1982) Teil I/II

17.8. Christa Wolf – Kein Ort. Nirgends. (1982) Teil II/II

Im Stück begegnen sich 1804 Karoline von Günderrode und Heinrich von Kleist. Heinrich ist zu dem Zeitpunkt 27 Jahre alt, Karoline 24. Zwei Jahre später nahm sie sich das Leben, sieben Jahre später er. Es ist eine fiktive aber mögliche Begegnung zwischen den beiden Romantikern. Christa Wolf umgibt sie mit Gegenspielern und Parteinehmer, wie dem Dr. Wedekind, den Brentanos und Savigny. Aus den geselligen Gesprächen über Literatur entwickelt sich ein unausgesprochenes Zwiegespräch zwischen Kleist und Günderrode, das die Unfähigkeit der beiden, sich der allgemeinen Oberfächlichkeit anzupassen, deutlich werden lässt.

24.8. Fjodor Dostojewski – Der Spieler (2004)

Im Sommer 1865 kehrt Dostojewski in einer Spielbank in Wiesbaden ein. Er verspielt in kurzer Zeit 3000 Rubel, die ihm sein Verleger für Rechte an einem Werk und eines noch zu schreibenden Romans ausgezahlt hatte. Im Oktober 1866 diktiert Dostojewski in knapp vier Wochen den Roman „Der Spieler“. Inhalt: Ein verschuldeter russischer General wartet auf den Tod seiner Tante um diese zu beerben. Doch diese taucht im Casino auf, verspielt beim Roulette ihr Vermögen. Der mitgereiste Hauslehrer setzt sein Leben fortan auf das Glücksspiel.

31.8. Friedrich Wolf – SOS… rao rao…, Foyn – „Krassin“ rettet „Italia“ (1929)

Am 12. Mai 1926 überquert Umberto Nobile mit einem Luftschiff als erster Mensch den Nordpol (an vorherigen Überquerungen gibt es Zweifel). Am 24. Mai 1928 überquert Nobile an Bord des Luftschiffes „Italia“ zum zweiten mal den Nordpol. Der Propgandacoup des unter Mussolini stehenden faschistischen Italiens scheint erfolgreich zu verlaufen. Doch einen Tag später stürzt das Schiff mit den 16 Männern an Bord ab. 10 Personen werden von Bord geschleudert, 6 verbleiben an Bord des wieder aufsteigenden Luftschiffes (welches nie wieder gesehehn wurde). Am 2. Juni 1928 empfängt der russische Funkamateur Nikolai Reinhold Schmidt einen SOS-Ruf der Nobile-Nordpolexpedition. Während der internationalen Suche nach den Überlebenden, an der sich Italien nicht beteiligt, wird der Polarforscher Amundsen ums Leben kommen. Die Überlebenden werden schließlich vom Eissbrecher „Krassin“ am 12. Juli an Bord genommen. Das Hörspiel ist die älteste komplett erhaltene Hörspielproduktion in deutscher Sprache.

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

06.07.11 Hermann Bohlen – Prozedur 7.7.0 (1996) & Ernst Jandl/Friederike Mayröcker – Fünf Mann Menschen (1968)

In dem Hörspiel von Bohlen begeben wir uns auf die Spur von „Unsortierbaren“: Menschen, deren Herkunft und Identität ungeklärt ist und die durch ihr Schweigen Mißtrauen erzeugen. Sie stehen in keinem sichtbaren Kontakt zueinander, über ihre Absichten gibt es keine sichere Erkenntniss. Es ist sogar fraglich, ob diese Leute überhaupt Absichten haben. Im Hörspiel wird die Reaktion von Erkennungsdienstlern, Wissenschaftlern und Bürgern fühlbar: eine in Brutalität umschlagende Hilflosigkeit. Am Ende werden die Sonderlinge kuzerhand zu „hilflosen Personen“ erklärt und anhand dieser Grundlage „markiert“. Ein Verorten von Identität und Freiheit, angesiedelt zwischen Wirklichkeit und Wahrheit; die gesellschaftliche Ordnung zeigt dabei ihre prohibitive Seite – die Gewalt.

Sprachkünstler Jandl & Mayröcker schleifen den Hörer im Zeitraffer durch zentrale Lebensereignisse: Gebärklinik, Elternhaus, Schule, Kino, Berufsberatung, Kneipe, Militär, Krieg, Spital, Gericht, Gefängnis, Erschiessung… wieder zurück zur Gebärklinik, diesmal als Erzeuger. „Solange es Kinder gibt, wird es Kinder geben“. Das Resultat von „Fünf Mann Menschen“ ist das Modell eines Daseins in einem allmächtigen Verwaltungsapparat und inhumaner Verhaltenszwänge. Dieses funktionable Dasein unterliegt am Ende aller Lebenstage – wehrlos.

13.07.11 KEIN IKL weil Further in Fusion Extended – HAPPY Birthday!

20.07.11 Gob Squad – Calling Laika (1999)

Calling Laika is designed to take place in a car park at night, beneath the stars. The audience walk through a carpet of blue light, to find their places in 1 of 30 cars , arranged in a circle as if in an automobile séance.  The soundtrack encourages passengers to use their headlights and horns throughout and is transmitted through their car radios (it can also be broadcast over existing radio frequencies). It’s dark, searchlights wander through the sky and the lonely voice of a radio DJ takes messages from missing people. This is a place for calling Laika, for calling anyone or anything.  It is about the basic need for human contact. The piece moves between the uncontrollable urge for a Spielbergesque spectacle and the simplicity of the message, to understand and to be understood.

27.07.11 Ferdinand Kriwet – ONE TWO TWO (1968) & RADIOBALL (1975)

One Two Two: Kriwet: „Hörtexte verwenden theoretisch alle Möglichkeiten der menschlichen und auch künstlichen Stimmerzeugung sowie alle elektrotechnischen Möglichkeiten ihrer Analyse und Synthese mittels Aufnahme, Transformation und Montage. Neben unterschiedlichen Aufnahmepraktiken und der Verwendung spezieller Mikrophone sind vorläufig Schnitt und Mischung die in meiner Arbeit dominierenden Praktiken.
Parallel mt der fortschreitenden Konservierung von Lautsprache und ihrer allgegenwärtigen Reproduktion mittels Tonband, Schallplatte und Rundfunk erfolge eine von den optischen Bildträgern schließlich zusätzlich geförderte und beschleunigte Verminderung der menschlichen Fähigkeit zum spontanen Sprechen und ergo Denken, wovor Hans G. Helms schon in „FA:M‘ AHNIESGWOW“ graute (’nur noch Maschinen werden ticken‘).
Spezifische Eigenheiten des Gesprächs als der Vollform des Sprechens (Kainz) wurden von den neuen Idiomen der elektrischen Kommunikaton verdrängt oder vollends ersetzt. Ein Hinweis unter vielen mag hierauf die bloß rhetorische Forderung vieler politischer Demonstranten nach Diskussion sein, der vielleicht die Sehnsucht nach den verlorenen Fähigkeiten des sprachlichen Kommunizierens innewohnen mag. Musikalisch gedopt entsteht seit Jahren im Beat und Rock ein der neuen Kommunikation entsprechendes Idiom, das neben phänomenologischem auch soziologisches Interesse beansprucht.
Die Polarität von spontaner und technisch konservierter Sprache in allen Erscheinungsweisen ist ein Thema von ONE TWO. Daher wurde vor der endgültigen Montage meines V. Hörtextes ein Großteil seiner Materialien in einer öffentlichen Veranstaltung von Sprechern und über Band vorgestellt und samt allen Reaktionen in einem Übertragungswagen zur späteren Verwendung aufgezeichnet.
So ist eine authentische Kontrastierung und Korrespondenz gleicher Materialien in zweierlei Realisation möglich: hier zeitgebunden live und dort (im Studio) zeitunabhängig vorproduziert.
Ein zweites ‚Thema‘ bilden außer den fälschlich so genannten ‚vorsprachlichen‘ Artikulationen (atmen, keuchen, stöhnen, husten, lachen etc.) solche Sprechtypen, die sich durch ihre allgemeine Vertrautheit für eine zweckfreie literarische Demonstration vorteilhaft eignen wie z. B. das Zählen, das Aufzählen, das Abzählen, das Ver- oder Erzählen, das Buchstabieren, das Fragen und Antworten samt ihren charakteristischen phonetischen Eigenschaften. Soweit sie von diesen Sprechformen nicht bedingt werden, habe ich keine grammatischen Konstruktionen komponiert, da diesen im Bereich der Schriftsprache eine ausgeprägtere und ergo kompositorisch relevantere ‚Bedeutung‘ zukommt.
Zwischen den beiden genannten Themen vermittelt als drittes gespeichenes, teils eindeutig historisches (z. B. Hitler-Rede), teils rein phänomenologisches Material aus dem Schallarchiv des Rundfunks. Dieses Material wird sowohl als live-Mitschnitt als auch als studio- oder funkeigen Manipuliertes verwendet.“ (src: hoerdat.de)

Radioball: Kriwet: „Radioball, Hörtext 11, widmet sich der poetischen Analyse der Fußball-Fachsprache der Radio-Reporter nach dem Prinzip der Collage. Einen besonders dramatischen Aspekt erhalten die Fußball-Reportagen im Radio durch die ständig einander jagenden Direktübertragungen der parallel laufenden Spiele, die sogenannte Konferenzschaltung. Diese Dramaturgie der wöchentlichen Radioinszenierungen bestimmte die Struktur meines Radioball.“

Jeweils Mittwoch um 24:10 / aka Donnerstag 00:10 Uhr auf Radio Corax im Raum Halle/Saale auf 95.9 FM oder per Stream.

01.06.11 Gottfried Benn – Kunst und Drittes Reich (Monolog geschrieben 1941); Die Stimme hinter dem Vorhang (1951)

Gottfried Benn ist bekannt für seine Gedichte aus dem Leichenschauhaus, für seine Verse über Wunden, Eiter und Verwesung. 1933 noch zeigte sich der gelernte Arzt dem NS aufgeschlossen, schrieb 1934 „Kunst und Macht“, worin er er die nationalsozialistische Kunst als Fortsetzung und Vollendung der europäischen Avantgarde beschreibt. Doch seine expressionistische Vergangenheit machte ihn mit dem Regime unvereinbar. Seit 1935 Oberstabsarzt bei der Wehrmacht, wird Benn 1938 von der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und mit Schreibverbot belegt. In dieser Phase schreibt er den Monolog Kunst und Drittes Reich, welchen es bei IKL zu hören gibt. Nach dem Krieg wird er mit dem Band „Statische Gedichte“ berühmt & zum Vorbild einer orientierungslosen Schriftstellergeneration.

08.06.11 Zwei Feature über Afghanistan: Marc Thörner – Dejavu im Tagab-Tal (2011); Martin Durm – Afghanische Realitäten (2011)

Marc Thörner hat vor einem Jahr ein Buch mit dem Titel „Afghanistancode“ herausgebracht. Darin geht er kritisch mit den Ansprüchen und Strategien der militärischen Inteventionsmächte um. Auch in seinem Feature „Dejavu im Tagab-Tal“ berichtet er kritisch über den Kampfeinsatz von französischen Soldaten auf dem „Schlachtfeld Afghanistan“. Nach Thörner kehren in die militärische Strategie der Franzosen die kolonialen Erfahrungen und Ansichten zurück.

Martin Durm begleitet eine deutsche EU-Abgesandte in die afghanischen Provinz. Deutlich wird die Diskrepanz zwischen den politischen Vorgaben aus Brüssel und der Realität in Afghanistan.

15.06.11 Georg Büchner – Leonce & Lena (1958)

„LEONCE: Unglücklicher, Sie scheinen auch an Idealen zu laborieren.“

22.06.11 Ferdinand Kriwet – Apollo Amerika (1969) & Dschubi Dubi (1977)

Kriwet: „Zwischen dem 10. Juli und 10. August werde ich in Amerika sein. Und es begibt sich zu dieser Zeit, daß die amerikanischen Astronauten Edwin Aldrin, Neil Armstrong und Michael Collins als die ersten Menschen der uns bekannten Menschheitsgeschichte mit dem Raumschiff Apollo 11 den Mond umkreisen und mit dem Lunar Module, der Mondlandefähre oder „Spinne“, auf ihm landen und von ihm wieder zur good earth zurückkehren werden. Thema meines sechsten Hörtextes Apollo Amerika ist die sensorische und intellektuelle Wahrnehmung all dessen, was ich im Radio, Fernsehen oder sonstwie vermittels technischer oder menschlicher Information von oder über das Projekt Apollo 11 höre.“

Kriwet: „DSCHUBI DUBI demonstriert im Rahmen einer Untersuchung der Sprache die Lautsprache des Schlagers in ihren unterschiedlichen, chorischen und solistischen Erscheinungsweisen. […] Aufgabe von DSCHUBI DUBI ist u.a. zu verdeutlichen, welchen Anteil der bedeutungs-lose (und durchaus daher nicht auch sinn-lose) Laut in vielfältigen Ausdrucksweisen unserer täglichen Rede und Sprache hat, zu Gehör zu bringen, was allerorten hörbar ist aber kaum wahr-genommen, kaum bewusst gehört und erlebt wird.
Wenn ich mich als Hörtextautor für Popmusik interessiere, so deshalb, weil sich in ihr das gesamte phonetische Material vom Heulen und Stöhnen bis zum Sprechgesang mit einer Selbstverständlichkeit wiederfindet, wie sie der neuen Musik und Literatur nicht gelingen will. Dieses phonetische Inventar vorzustellen und damit dem Rock- und Popfan vielleicht erst bewußt zu machen, schickt sich DSCHUBI DUBI an.“

29.06.11 Ebehard Petschink & Helmut Mössmer – Ladykiller. Versuch einer Würdigung (DLR 1998)

Am 01. Juli diesen Jahres wäre die Prinzessin der Herzlosen 50 Jahre alt geworden. So wurde sie Opfer eines Papparazi, ist auch bei Wikipedia zu lesen: „Um 00:25 Uhr Ortszeit verunglückte der Wagen in der Unterführung der Pont de l’Alma in Paris. Der Mercedes-Benz prallte auf der Flucht vor Paparazzi mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Tunnelpfeiler. […] Auf einem Foto, das von einem Paparazzo unmittelbar vor dem Unfall direkt aus Fahrtrichtung aufgenommen wurde, ist deutlich sichtbar, dass der Chauffeur durch den Fotoblitz geblendet wurde. Diese Störung musste bei der verminderten Reaktionsfähigkeit des Chauffeurs und der überhöhten Geschwindigkeit entscheidend ausfallen, als Henri Paul in einer Rechtskurve des Tunnels geradeaus gegen einen Pfeiler fuhr. […] Diana war nicht sofort tot. Sie starb wenige Stunden nach dem Unfall an den Folgen ihrer schweren inneren Verletzungen im Krankenhaus Pitié-Salpêtrière. Gegen 4 Uhr morgens wurde sie offiziell für tot erklärt.“ Im Hörspiel wird das Verlangen der Konsumenten nach den Privatheiten der Diva gelüftet, indem der Paparazzi sein Taschenmesser zückt & in den Bauch der im Auto liegenden verletzten Prinzessin schneidet, um herauszufinden ob diese nun schwanger sei oder nicht.