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Category Archives: das leben in der stadt

Ein nicht ganz aktueller doch trotzdem wichtiger Film, der zeigt in welchem Ausmaß staatliche Kontrolle, Überwachung, Speicherung unserer Kommunikation und Datenströme stattfindet ist Citizenfour.

citizenfour-german-subtitle-www_youtube_com_watch_v00cbm9m5ruiEs ist ein persönliches und spannendes Dokument (mit einigen Preisen versehen, siehe z.B. IMDB.com), welches die Aktivitäten des NSA und dessen vormaligen Mitarbeiter Edward Snowden beleuchtet – ohne dabei zu verschweigen, dass es diesem vor allem um den institutionellen Bruch der Gesetze und Menschenrechte ging. Der Film zeigt die ersten Kontakte von Snowden zu Journalisten und dessen Schilderungen des alltäglichen Geschäft als Mitarbeiter des NSA. Er ist die Antwort auf die Frage, was Snowden letztlich bewegte diesen Schritt zu gehen.

Einen möglichen Hype um seine Person sah Edward Snowden bereits vor Veröffentlichung der Dokumente als Bedrohung für die eigentliche Botschaft, welche er in die Welt gesendet wissen wollte: die totale Kontrolle und das Ende der Freiheit. Mehrmals ist aus dem Mund von Snowden zu vernehmen:

„Ich möchte mich selbst nicht zum Thema machen, bevor es sowieso passiert. Ich will nicht von den Storys ablenken.“

Die Storys sind der Umfang und die Größe der Datensammlungen der (nicht nur amerikanischer) Geheimdienste. Es ist die Bestätigung eines parlamentarisch unkontrollierten und verfassungswidrigem Verhalten. Es ist der Beleg über  sich in Verantwortung befindliche Politiker welche offen lügen. Es ist der Versuch eine gesellschaftliche Auseinandersetzung anzustoßen, über Vorgänge die im Verborgenen längst etabliert sind.

(Citizenfour: Laura Poitras, 2014, 114 Min.; youtu.be/google)

Klassenkampf, Klassenfahrt – mit dem Zug.

leipzig-leuschnerplatz-ikl959-com_Zeit ist Geld, heißt es. Wobei schon immer der schneller Reisende mehr zahlen musste. Der mit dem ICE Reisende braucht von Leipzig nach Eisenach: 72 Minuten (etwas mehr als eine Stunde) (Flexpreis: 47€). Doch wer sich ein Länder-Gruppenticket teilt, weil es das Geld für den ICE nicht gibt, dann benötigt die Gruppe, die mit dem Länderticket mit dem Nahverkerkehr RE/RB von Leipzig nach Eisenach unterwegs ist deutlich mehr Zeit: 172 Minuten (fast drei Stunden) (Flexpreis 34,50€). Mich erstaunte soeben der zeitliche Unterschied: mehr als anderthalb Stunden länger im Zug, 100 Minuten. 124% (EDIT) 138% mehr Reisezeit für die nicht ICE-Variante. What a difference! Wenn das mal sich auch im Preis so krass niederschlagen würde – tut es aber nicht. Die langsame Variante ist nur 16% (EDIT) 36% günstiger als die schnelle Verbindung (nach regulärem Fahrpreis).

leipzig-leuschnerplatz-ikl959-comKlassenkampf kann es gar nicht mehr geben – die Ausgebeuteten sitzen im abgehängten, eigens für sie errichteten Bummelzug. Früher war es ein Zug für alle Menschen die in verschiedene Abteile separiert wurden. Heute sitzen sie zwar bequemer und sind doch mehr als abgehängt. Dachte ich und schrieb ich. Die Sache mit dem Sparpreis, okäy, aber auch nur für allein Reisende und one-way günstiger als etwa ein Länder-Single-Ticket (derzeit 24€ für eine Person plus sechs Euro für jede weitere).

Wer sich jetzt fragt wieso so Klassenbewusst und überhaupt: vielleicht zuviel Klassenkampf bei classless.org gefunden…

Auf dem #33C3 gab es ne Menge Vorträge. Viele sind online zu finden. Doch ein lecture, welches mich interessierte, lieferte in der Suche auf der offiziellen Site der CCC-Kongresse leider kein Ergebnis:

ss_ccc-serach-faception-nothing-foundAufmerksam auf das Topic wurde ich über einen Tweet von Caroline Sinders:

ss_ccc-faception-tweet_33c3-c-sindersDie ersten Reaktionen auf den Tweet entsprachen auch meinen spontanen Gedanken: geht’s noch? Anhand des Aussehen eines Menschen auf dessen Intelligenz, sexuelle Neigung oder kriminelle Vorlieben zu schließen? Was wurde auf dem 33C3 eigentlich verhandelt – bot man mehr als einen Draufblick auf die Öffentlichkeitsarbeits-Gesichtsoberfläche – oder was wurde da außer PR-Krams eigentlich präsentiert oder gar noch diskutiert?

Der Markt zum Thema face-ial-profiling ist seit Jahren florierend. Das Unternehmen mit Namen Faception (auf wired gab’s auch schon nen Artikel) hat nach eigenen Angaben 15 oder 20 oder wieviele Cluster auch immer gebildet, welchen die analysierten Gesichter zugeordnet werden. Einige davon stellt die Firma online vor: von „High-IQ„, „Academic Researcher„, „Professional Poker Player„, „Bingo Player„, „Brand Promoter„, „White Collar Offender“ und „Terrorist“ bis hin zu „Pedophile„.

faception-face-classifications_by-ikl959-com(src)

Ursache dieser Klassen: die DNA. Denn die bilde im Gesicht ab was das Hirn denkt und will und schließlich auch getan wird – anders lässt sich die Begründung, welche etwa Shai Gilboas (CEO) verlautbart, nicht verstehen. Wer sich jetzt hundert Jahre zurückversetzt fühlt liegt vermutlich nicht ganz falsch – damals gab es Maßband und Klemme um Schädel zu vermessen, heute machen das Sensoren – genauer, schneller und unbemerkter. Die Absicht hinter der Physiognomieanalyse ist die gleiche wie ehedem.

Ein Presskit der Company Faception versammelt mehr als ein dutzend Berichte aus diversen Zeitungen und online Medien und zeigt den weltweiten Einschlag des Themas und enthält auch kritische Bemerkungen dazu. N-TV hat das Topic auch schon gefunden:

mobil-n-tv-deslmediathekslsendungenslstart_up_newsslzu-besuch-im-gruender-wunder-tel-aviv-article18292991-html(src)

Dass es sich dabei um kein neues Phänomen handelt wird beim Blick auf das seit etwa zehn Jahren in den USA laufende „FAST“ – Future_Attribute_Screening_Technology deutlich. Auch in anderen Ländern wird an automatisierter Gesichtsverarbeitung gearbeitet.

China too has tinkered with “pre-crime” to identify terrorists; China being China, one has to wonder if dissident is synonymous with terrorist. Its “Citizen Score” is already an Orwellian nightmare. (src, Darlene Storm, May 2016)

Es ist offenbar: viele Staaten und Unternehmen arbeiten mit dem Thema Gesichtserkennung und facial-profiling. Es ist das Bedürfnis nach mehr Sicherheit in Zeiten von Terror – oder potentieller Gefahr. Schließlich bietet der Ausbau der Überwachung doch auch scheinbar regulative Möglichkeiten, ein Instrument der Prävention. Die Sicherheit ist und bleibt ein originäres Aufgabenfeld der staatlichen Ordnung – jede dahingehende Maßnahme ist jedoch nicht immer mit den Rechten seiner Bürger vereinbar.

„Certainly advancement in technologies that enable to monitor an individual and actually to assess certain traits or certain attributes about individuals in the open space opens surveillance and monitoring capabilities which kind of like put in risk private freedoms that we used to enjoy, like the freedom of privacy, like the freedom of communication that we used to enjoy and now the technoligy certainly changes the balance.“ (Nimrod Kozlovski, Security Expert on reuters.com)

Also: hier gerät etwas aus dem Gleichgewicht. Die Albernheit des Rassismus soll mit diesen Methoden angeblich nicht Anwendung finden – soll doch die Hautfarbe bei der Analyse des Gesichts ignoriert werden. Vernachlässigt wird jedoch die Möglichkeit der plastischen Chirurgie. Und die persönliche Freiheit – ungerastert und unanalysiert. Und die Möglichkeit, dass nicht alles in DNA eingeschrieben ist und zwangsweise sichtbar auf der (Gesichts-)Oberfläche liegt.

netwars_cyberwar-blackhat_screenZuletzt immer öfter zu vernehmen gewesen – die digitale Kriegsführung wird relevanter. In den USA macht das Militär regelmäßig Werbung für Hacker – etwa auf einer Konferenz der Blackhat in den USA. Die Bundeswehr hat zuletzt auch über Frau von der Leyen verlautbaren lassen, an informatisch-geschulten Bewerbern interessiert zu sein welche körperlich nicht den bisherigen Ansprüchen genügen. Mit der Tastatur und dem Bildschirm lassen sich zunehmend erhebliche Schäden anrichten, wofür in der Vergangenheit andere Mittel nötig waren. Heute geht das quasi von zu Hause aus. netwars_screen_cyberterroristDie Doku „Netwars – Krieg im Netz“ von Marcel Kolvenbach zeigt neben einem praktischen Hackerangriff auf ein Wasserwerk auch eine Spezialeinheit des israelischen Militärs. Neben konkreten Auswirkungen der digitalen Welt auf unsere analoge Wirklichkeit gibt der Film auch einen kleinen Einblick in philosophische Sichtweisen auf das Thema. Etwa Daniel Statman, Professor für Philosophie in Haifa:

„Angenommen wir können mit einer Cyberattacke den Computer eines Passagierflugzeugs angreifen und es dann zum Absturz bringen – natürlich wäre das in einem Krieg ein Kriegsverbrechen. Nichts anderes als eine Rakete auf das Flugzeug zu schießen. Wenn wir aber mit einem solchen Angriff den zentralen Computer im Hauptquartier des Feindes ausschalten, dann wäre das ein legitimer Kriegsakt.“

Nicht ganz zufällig wird Israel als ein Land präsentiert, welches eine nationale Sicherheitsstrategie zum Thema Cybersicherheit entwickelt hat – das Land hat seit Jahren Erfahrungen und Strategien entwickelt um das Internet für Nutzer (Unternehmen und Privatleute) sicherer zu machen. Einige Aspekte welche seit Jahren in Israel bereits diskutiert werden sind hierzulande erst jetzt auf dem Tableau erschienen.

„Wer ist verantwortlich die Bürger gegen einen Cyber-Angriff zu schützen, der entweder von einem 16 jährigen Hacker, Kriminellen, Terroristen oder einem feindlichen Staat geführt wird? […] Wir hatten die Möglichkeit diesen digitalen Iron-Dome tatsächlich zu realisieren.“  Erez Kreiner, Ex-Direktor National Cyber Security Authority, Israelnetwars_cyberwar_israel_screen

Dass mit der Digitalisierung nicht alle Probleme gelöst sind – gerade in Bezug auf die Privatsphäre – bringt Gabi Siboni (Direktor der Sektion Cyberkrieg – Institut für Nationale Sicherheitsstudie) treffend auf den Punkt:

„Mit dem Voranschreiten des Internet wird alles private eliminiert. In unserer Welt ist nichts mehr privat. […] Ich kann davon ausgehen, dass alles was ich in meinen Computer schreibe, von jemand Anderem gelesen werden kann – von einem Menschen oder einer Maschine. Die Werbung die ich kriege bezieht sich auf den Inhalt meiner Mails. Meine Mail wird also von einer Maschine gelesen, die sicherstellt, dass wenn ich über Möbel schreibe mich Werbung über Möbeln erreicht. […]
Facebook verkauft unsere Privatsphäre an kommerzielle Unternehmen – und wir haben kein Problem damit. Bei Google ebenso. Aber wir haben plötzlich ein Problem damit, wenn die NSA versucht Terror zu verhindern. Da sagen wir: warum hört uns die NSA ab? Das ist sehr irrational.“

cyberwar_netwars_siboni_screen

Der Film spricht wichtige Aspekte an, welche heute bei vielen Internet-Teilnehmenden – Usern und Administratoren, Politikern und Unternehmen – unterbelichtet scheinen. Es wird davon gesprochen, dass die Tage des bisherigen Netzes gezählt sind. Das Plädoyer, der angebotene Ausweg am Ende der Doku: ein nationales Netz, völlig neu gedacht und gebaut, biete die notwendige Sicherheit. Die Rückkehr ins nationale ist jedoch meiner Meinung nach fraglich – vielmehr wird es eine systemische Antwort geben. Und neben digital gibts ja auch immernoch analog. Zufall, dass die Nerds ihren Weg zum zu hackenden süddeutschen Wasserwerk per Karte aus Papier suchen?

netwars_cyberwar_screen-analog_map52 Min; Netwars – Krieg im Netz (2014)

Eines der faszinierenden Dinge an der Statistik sind deren vermeintlichen unbestechlichen Fakten und gleichzeitig die Möglichkeiten der Anpassung, welche durch Begriffe wie Basisjahr, „bereinigen“ oder „harmonisieren“ ihre (berechtigte) Anwendung finden.

Ohne ökonomisch ausgebildet zu sein offenbart einem die (nicht ganz aktuelle) Kurve unter dem Titel „Verbraucherpreisindex für Deutschland“ ein kontinuierliches Wachstum über die letzten knappen zwei Jahrzehnte.

verbraucherpreisindex-basis2005-svg(src: wkp)

In Zusammenhang mit dieser Kurve steht ein fiktiver Warenkorb, der zur Grundlage genommen wird, wenn es um die Berechnung der Inflation („Geldentwertung, Preise pflegen mal nach oben und mal nach unten auszuschlagen. Wenn sie sich nur noch nach oben bewegen haben wir es mit einer Inflation zu tun.“ Econmix, Glossar S. 292)  geht. Wie viel Arbeit da drin steckt wird deutlich, wenn es um die Preisermittlung dieses Korb geht:

Insgesamt 300.000 Einzelpreise für diese Produkte werden deshalb jeden Monat von 600 Preiserhebern in 188 Gemeinden und durch zentrale Preiserfassungen z. B. im Internet oder in Versandkatalogen ermittelt. (src)

Mit welchem Anteil welche Waren=Kategorien in dem Korb auftauchen wird ebenfalls statistisch ermittelt. Mit Hilfe von 60.000 Haushalten, welche freiwillig Angaben zu Einnahmen und Ausgaben in drei Monaten erstellen, entscheidet das Statistische Bundesamt alle fünf Jahre neu über die Gewichtung der zwölf Kategorien. Diese reichen von“01 Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke; 02 Tabakwaren, alkoholische Getränke; 03 Bekleidung, Schuhe; 04 Wohnung, Wasser, Gas, Brennstoffe; “ bis „09 Freizeit, Kultur, Unterhaltung; 10 Bildungswesen; 11 Hotel, Restaurants; 12 Andere Waren und Dienstleistungen“.

Wenn heute an die Inflation erinnert wird, dann oftmals an die galoppierende der frühen 1920er Jahre:

economix-inflation1922-ikl959_wobei es eben auch langsamere und stetigere Formen der Geldentwicklung (ob nun auf oder ab) gab (siehe Economix-pdf-Auszug über Inflation der 1970er in den USA) und zukünftig geben wird.

Gedanken und Eindrücke von einer Veranstaltung im Conne Island in Leipzig vom 25.10.2016 zum Thema „Die Realität ist grau. Deutsche Linke zwischen ‚Israelsolidarität‘ und BDS“

Behäbig ging sich die Veranstaltung an. Obwohl die No-Tears-For-Krauts mit einem verteilten Flugblatt (in welchem Aussagen von Hannes Bode, dem Referenten des heutigen Abends, dessen distanzierte Haltung zum Thema Israel-Solidarität betonen sollten und auch die vormals im Conne Island existierende, heute immer schwacher postulierte Freundschaft mit dem Staat Israel kritisierten) für einen diskursiven Abend zu sorgen schien. Schließlich ging es irgendwann los. Der Podiumsleiter begann mit einleitenden Worten zum Thema Israel, Antisemitismus und Conne Island. Er wies etwa auf den Umstand hin, dass Anfang der 2000er Jahre im selbst verwalteten Laden eine Diskussion stattfand, in welcher die Abgabe sogenannter Pali-Tücher an der Garderobe zum Konsens wurde. Er erwähnte auch, das zukünftig vermutlich öfter Musiker und andere Künstler die Bühne des Island betreten werden, welche sich positiv zu BDS (Boykott, Divestment und  Sanktionen) gegen Israel bekennen. Die Entscheidungen von damals und auch die über lange Jahre im Conne Island mehr oder minder streng gelebte Praxis trugen zum politischen Mythos des Anti-Deutschen und Israel-Solidarischen Party-Ladens im Leipziger Süden bei. Wobei die Diskussionen vor einigen Jahren gefühlt mehr Diskursivität besaßen, wirklich inhaltlichen Debatten glichen in denen auch das Publikum untereinander disputierte. Aber das lag vielleicht auch an der stolz geschwellten breiten Brust des Ortes, der überregionale Ausstrahlungskraft erlangte.

An diesem Abend beschlich mich irgendwann das Gefühl, der Referent verstecke sich hinter Zitaten und Ereignissen in der Geschichte, um sich bloss nicht selbst dazu verhalten zu müssen. Stellvertretend sprachen die Quotes, etwa ein zweifach verlesenes von Martin Dornis zum Thema Kommunismus und bedingungsloser Israelsolidarität – so als würde das an den leeren und bescheuerten Aussagen aus der Besinnungslosigkeit an der Leere dieser Solidarität etwas ändern, denn: „Solidarität muss praktisch werden“.

Es ging in dem knapp zweistündigen Referat vornehmlich historisch zu: von der Idee und Genese der modernen Nationalstaaten – mit Zitaten von im historischen Kanon als Referenzpunkte anerkannten Historikern – über Ausführungen zu „unausweichlich blutig verlaufenden Nationalstaatsgründungen“, wie etwa der Balkan oder die Türkei und deren Umgang mit Griechen/Armeniern beweisen, hin zu der Theorie von Antisemitismus als gesellschaftliches Phänomen – mit weiteren Zitaten von Clausen, Poistone und auch Adorno. Nach mehr als einer Stunde frug offenbar nicht nur ich mich, ob das eigentlich angekündigte Thema:

Der Vortrag gleicht verschiedene Positionen mit diesen komplexen und widersprüchlichen Realitäten ab, kritisiert die antiisraelische „Boycott, Divestment, Sanctions“-Kampagne und den Antisemitismus von Teilen der „Palästinasolidarität“, diskutiert die Berechtigung von Kampagnen gegen die militärische Besatzung der Westbank und fragt nach den Bedingungen und Konsequenzen der – zuallererst in Deutschland unhintergehbaren – Solidarität mit Israel. (src)

noch zum Gegenstand kommen würde – Boykottbewegung gegen und Solidaritätsbewegung für Israel innerhalb der politisch Linken (wobei der Referent auf die gesetzten Anführungszeichen hinwies, welche bei ihm das Wort Israelsolidarität markieren würden).

Um es vorweg zu nehmen: die Ermunterungen des Referenten an den tagespolitischen Ereignissen und Personen in Israel Kritik zu üben hat das Schwergewicht auf seiner postulierten „grauen“ Waage zwischen Anti, Neutral und Pro eindeutig in eine Richtung bewegt. Während seine historischen Schilderungen bezüglich des Verhaltens der nichtjüdischen Nachbarstaaten so gut wie keine Rolle spielten (in etwa: von den britischen Besatzern und den ersten Immigranten aus Russland, welche zu beweisen versuchten nicht nur mit Geld gut umgehen zu können – die Notwendigkeit der landwirtschaftlichen Arbeit für das Überleben der Pioniere wurde nicht erwähnt – ging es zur Deklaration von Belfour und einer ähnlichen Verlautbarung der Deutsch-Osmanischen Gegenspieler, welche als Versprechen aufgrund eines mutmaßlich jüdischen Einfluss im Weltenspiel abgegeben wurden – hinüber ins Jahr 1948, ab welchem das palästinensische Volk nach den Briten nahtlos nun den staatlich organisierten jüdischen Besetzern unterstand). Es wurde vielmehr darauf hingewiesen, dass sich mit der jüdischen Staatsgründung ein palästinensischer Staat erledigt hätte – bis heute und zukünftig. Palästinensischer und Zionistischer Staat wären komplementär. Zwischen drin fiel auch mal der (revisionistisch?) konnotierte Aspekt der Grenzen von 1967.

Kein Wort davon, dass die politische Führung der ansässigen und auswärtigen arabische Bevölkerung 1948 sehr wohl einen kleinen eigenen arabischen Staat neben einem kleinen jüdischen im Territorium Palästina hätten gründen können, dies jedoch ablehnten. Mit einem Krieg gegen den jüdischen Staat diesen zum Verschwinden bringen wollten. Dies bis heute bei einigen Akteuren offiziell als Ziel auf der Agenda verzeichnet steht.

Ein weiterer vom Referenten vernachlässigter – weil zu offensichtlicher? – Aspekt: der Staat Israel ist ein explizit jüdischer Staat – der säkular ist, also Religion und Staatsbürgerschaft trennt. Sprich: nicht jeder Israeli ist Jude. Golda Meir (später erste Frau an der Spitze des Staates – welch ein Affront gegenüber den muslimischen Nachbarstaaten und auch konservativen westlichen Staaten damals) und andere mit der Staatsgründung in Zusammenhang stehende israelische Politiker haben sich klug, ausgiebig und auch konträr zum israelischen Staatsmodell und dessen Zielsetzung geäußert. Kein Wort war von dieser Diskussion oder überhaupt deren Existenz zu vernehmen.

Die Generation, welche den Zweiten Weltkrieg und den praktizierten mordenden Antisemitismus erlebt hatte, um die Radikalität und Bereitschaft zur endgültigen Vertreibung der Juden – auch in den Tod – wusste, diese Generation war auf der Suche nach einer Lösung zum Schutz von Menschenleben jüdischen Glaubens. Es sollte das Land an dem Ort errichtet werden, der über Jahrtausende ein konstanter historischer und kultureller Bezugspunkt für die Gläubigen in der Diaspora dargestellt hatte. Es sollte ein Ort werden, an welchem statt einer Minderheit die Juden die Mehrheit bilden sollten. Es sollte ein sicherer Ort für alle werden, vor allem für Jüdinnen und Juden die sich in einem anderen Land aufgrund ihres Glaubens bedroht, eingeschränkt oder verfolgt sahen. Nach der Staatsgründung wurde die Verfolgung nicht weniger, wie die jüdische Nakba zeigt.

Israel ist seit seiner Gründung kein unsicherer Ort für Menschen jüdischen Glaubens – oder doch? Noch bis jetzt klingt mir die Aussage des Referenten im Kopf, es sei zynisch sich nach dem Feiern in Tel Aviv mit israelischen Soldaten fotografieren zu lassen – warum frug ich nicht, oder verpasste seine Begründung. Vielleicht steht die Antwort in Zusammenhang mit der Betonung, dass jede Armee der Welt Kriegsverbrechen begehe, warum sollten ausgerechnet die israelischen Soldaten eine Ausnahme machen. Zweifellos hat er damit Recht. Gilt zu hoffen, dass Vorkommnisse solcher Art aufgeklärt, Verantwortliche bestraft und zukünftig verhindert werden – wie dies von der israelischen Armee auch praktiziert wird. Das fand jedoch keine Erwähnung. Wie auch die Tatsache, dass in der assymetrischen Kriegsführung, welche von Terroristen als Widerstandsstrategie verwendet wird, es sehr schwer, wenn nicht unmöglich ist, Verantwortliche und Entscheidungsträger für ihre Taten heran zu ziehen, haftbar zu machen und zu bestrafen. Im Gegensatz zu Angehörigen einer staatlich verbundenen Armee. Obwohl das Leben einen anderen Grad an Normalität und Intensität – als etwa ein Leben in Leipzig – hat, ist es doch sicher dort zu leben: wegen der Aktivitäten, die die Menschen vor Ort und in anderen Ländern dafür erbringen.

Die Bedrohungen, welchen Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt und auch in Israel heute ausgesetzt sind, sind nicht abstrakt, sondern sehr konkret – dies erwähnte auch der Referent, mit seinen Hinweisen auf willkürliche Messerattacken von Jugendlichen oder seiner Erwähnung von Bombenanschlägen etwa in Autobussen auf Zivilisten in Israel. In den Diskussionsbeiträgen wurde durch das Publikum trotzdem mehrfach auf die Existenz und die Gefahr des eliminatorischen Antisemitismus verwiesen, wobei die BDS-Bewegung ja mit zivilen Mitteln ihren Unmut über, ja worüber eigentlich, zu kanalisieren versucht: das Verhalten von Israelis (was ja auch Christen oder Muslime sein können)? Oder: den Entscheidungen der amtierenden israelischen Regierung? Oder geht es um die Existenz des jüdischen Staates an sich? Was ist das eigentliche Ziel der BDS-Bewegungen, welches die Mittel, wer die Akteure, wie groß die (Miss-)Erfolge, welcherart die Reaktionen? All das sollte den Abend über keine Rolle spielen, ging es doch um theoretische Erklärungen des Antisemitismus und die Genese des Staates Israel als Nationalstaat. Vielleicht lag es an einer Erkrankung, auf welche der Referent entschuldigend verwies, welche den Ablauf und Inhalt etwas getrübt haben.

An keinem Punkt erwähnt der Referent die im eigentlichen Kern ideologische Arbeit von BDS-Gruppen, welche gesellschaftlichen Druck erzeugen wollen, der sich ökonomisch gegen den Staat Israel formiert: indem sowohl dazu aufgefordert wird israelische Waren zu boykottieren als auch der Staat Israel keine Investitionen, sondern Sanktionen erhalten soll. Eine Kritik an der ökonomischen Dimension des Judenhass mochte der Referent nicht formulieren – als zu marginal und ineffektiv stellte er diese Strategie dar. Dass das Engagement für eine wirtschaftliche Isolierung gesellschaftlich akzeptiert und manifestiert auch in anderen, unökonomischen Bereichen weiter um sich greifen kann und zur Isolation, zur Marginalisierung des Boykottierten beitragen soll, fand ebenso keine Erwähnung.

In den Diskussionsbeiträgen wurden kritische Äußerungen an den Referenten heran getragen, etwa das Vernachlässigen von Diskursen der vergangenen Jahre oder das inhaltliche Abschweifen, eine Ignoranz gegenüber dem angekündigten Diskussionsgegenstand.

Als durch Wortmeldungen von körperlichen Übergriffen auf politisch aktive Israel-Sympathisanten durch BDS-Aktive in Leipzig berichtet wurde, wischte der Referenten diese ironisch beiseite: es sollte doch gerade in Leipzig kein Problem darstellen auch in dieser Form der Auseinandersetzung zu siegen – indem man sich organisiere und zuerst zuschlage. Vereinzelt folgte Gekicher im Publikum. Und das, wo doch das Conne Island zuletzt mit einer Veröffentlichung wegen sexueller und krimineller Übergriffe – welche auch als Hilferuf oder Ohnmachtssignal gedeutet wurde – überregional für Schlagzeilen sorgte. Und das, wo doch diese Veranstaltung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“ gefördert wurde.

Bevor das offizielle Ende der Veranstaltung verkündet wurde begab ich mich nach draußen. Vielleicht wurden noch Dinge zum Gegenstand der Auseinandersetzung, welche einige der offen gebliebenen Fragen beantwortet hätte. Vielleicht auch nicht. Als ich auf dem Weg nach Hause bin, überlege ich ob die Veranstaltung vornehmlich Israel kritisch, Israel solidarisch oder Israel grau war. Und was perspektivisch im 25. Jahr Conne Island noch so alles passieren wird.

drei_zeckengroessen_flick

Zusammengestückelter Versuch verschiedene Zecken bzw. deren Größe abzubilden. Die kamen zu mir gekrabbelt als ich auf verschiedenen „wilden Wiesen“ saß. Die ganz Kleinen auf der linken Seite, kaum einen Millimeter groß, find ich am grusligsten (zum Vergrößern Bild anklicken).

Vermeiden lässt sich solcher blutgieriger Besuch an eher sonnigen Orten und wo das Gras auch ab und an gemäht wird. Oder man schmiert sich mit Chemie ein. Wobei auch zu lesen ist, dass mehrmalige Stiche von Zecken auch Borreliose-Infektionen vorbeugen/verhindern können sollen. Gestochen hat mich indes noch keine (oder ich habs noch nicht bemerkt)…

In einer Welt mit mehr Maschinen und immer mehr Automatismen und einem Wirtschaftsmodell was auf Lohn- und Erwerbsarbeit basiert kann es zu Divergenzen kommen – zwischen Notwendigkeit und Nutzen, zwischen Sinn und Überfluss. In China finden Menschen einen Arbeitsplatz als „Lebensretter“. Der Titel zum Video wurde passend gewählt: Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (wovon es auch hierzulande viele gibt, die um einiges weniger „sozial“ sind als als die hier zu sehende Aufgabe…)

chinesische_arbeitsbeschaffunsmaßnahme-yt(watch on yt: https://youtu.be/9eOEfXQ4vPQ )

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Titelbild der Titanic mit Kanzlerin Merkel als Gustl Mollath. (screenshot)

Viel wurde geschrieben zum Fall Mollath.

Und diskutiert.

Zu sehen gab es auch einiges.

Ende des Jahres 2015 lief im Bayerischen Fernsehen ein behutsamer und von den Bildern her beeindruckender Film zur Person und den Ereignissen welche einige Jahre immer wieder für Schlagzeilen sorgten. Es ist ein persönliches Schlaglicht auf einen Menschen der Zwangstherapiemaßnahmen am eigenen Leib erfahren hat. Die ARD hat sich in der Reihe Radiofeature auch schon mal damit beschäftigt – ein klein wenig kritisch wirkt der Beitrag „Dunkelkammer Psychatrie“ (download, ca 55 Min.)

mollath_doku_nachthimmel_ikl959Nachthimmel im Zeitraffer (screenshot)

Zurück zum Film: Es ist beeindruckend den Schilderungen der Erlebnisse hinter den geschlossenen Mauern zu lauschen (wie etwa der Arzt in der Nachbarzelle für Ruhe sorgt). Dabei nimmt dies in der Dokumentation von Annika Blendl und Leonie Stade nicht nur zeitlich untergeordnete Rolle ein – was konkret in solchen Einrichtungen passierte und passiert. Um so absurder wirkt die Welt jenseits dieser Mauern. Der Versuch Mollaths in die „Normalität“ zurückzukehren – die es vorher nicht gab und auch danach nicht gibt – wird hingegen sehr konkret. Mit dem Leben in Gefangenschaft wurde er entmündigt, Dinge verschwanden (wie das Grab seiner Familie auf dem Friedhof in Nürnberg). Wiedergutmachen kann man das nicht. Diese Welt ist es nicht.

Die Kritik Gustl Mollaths an den alltäglichen Mechanismen findet sich gleich zu Beginn des Film – etwa wenn er sich in einer Einkaufspassage wundert wieso eine Hose weniger als 10€ kosten kann während woanders Millionen unter dem Tisch verschwinden. Es sind die kleinen Dinge welche seine Aufmerksamkeit bekommen. Mit viel Verstand und ein wenig Witz erlebt der Zuschauer einen Menschen der um sein Recht kämpft und das erfahrene Unrecht als Räderwerk durchlebte ohne dabei apathisch geworden zu sein.

Sehr einprägsam das Beispiel zu den psychatrischen Gutachten, welche nach Aussage eines Gutachters bis zu 60% Falschdiagnosen darstellen. 50% Falschdiagnose sei kein Fortschritt meint Gustl Mollath zu Recht und belegt dies mit einer fallenden und verschwindenden Münze vorm Dom…

Beeindruckend die exakten Formulierungen des Protagonisten und deutlich fühlbar dessen wachsendes Misstrauen gegenüber seinem Verteidiger, den er nur als weiteren Funktionsträger identifiziert. Dass in dem Film verschiedene Seiten und Ansichten (etwa von Journalisten) zu Wort kommen bereichert dieses Dokument. Recommended to watch!

yt_Mollath_Doku_watch_v=PC6EgHlhf9I_(Blendl/Stade; D 2015; 87 Min.; Link zur Doku auf yt. )

Zu finden auf yt auch noch ein Gespräch mit den Autorinnen der Dokumentation „Mollath – Und plötzlich bist du verrückt“ Annika Blendl und Leonie Stade bei MünchenTV.

Am heutigen Montag, 11.01.2016, wird PEGIDA nicht in Dresden sondern in Leipzig sich versammeln. Anlass: das einjährige Bestehen des Leipziger Bündniss.

Auch andere __-GIDAs werden ihre Versammlung nach Leipzig verlegen. Es darf mit mehreren tausend Teilnehmenden in der Messestadt gerechnet werden.

Lutz Bachmann rief am vergangenen Montag in Dresden mit Nachdruck zur Teilnahme am 11.01.2016 in Leipzig auf.  (src)

auch Kameradschaften und organisierte Nazis haben sich für den Tag heute nach Leipzig angekündigt. Die politischen Lager getrennt zu halten – scheint Polizeistrategie zu sein, angesichts der schwergepunkteten Patri_gidaisten im Norden am Zoo/Finanzamt und der Gegendemonstrierenden im Süden der Stadt. Aktionskarte für den heutigen Tag in Leipzig (via):

CYboqEVWAAAL620In Statements von Seiten der Stadt wurden Einschränkungen für den Verkehr und anderweitige Behinderungen vorausgesagt.

sind „Die Artisten in der Zirkuskuppel“ (wkpd zum Film) bzw. „Die unbezähmbare Leni Peickert“

alex_kluge-artisten_in_der_zirkuskuppel-ratlosBeide Filme von Alexander Kluge entspringen einer anderen, vergangenen Zeit und zeigen doch ähnliche Probleme – die auf der Bühne befindliche Kunst im Verwertungsraum Kapitalismus, dessen Zwänge und Abhängigkeiten. Die Suche nach Neuem, welches durch Revolution und menschliches Vermögen teilweise befördert wurde – die Artisten als Revolutionäre – die Innovation des Zirkus in Zeiten von Revolution (aufwendige Wasserspiele zur Zeit der Französischen Revolution 1789, in Russland 1917).

alex_kluge-artisten_zirkuskuppel_magicZur Dressur der Tiere zur Unterhaltung der Menschen findet sich keine kritische Bemerkung. Jedoch wird auch schon im Film die Unterscheidung zwischen analoger „Wirklichkeit“ im Zirkuszelt und dem dimensionslosen „Abbild“ auf dem Bildschirm angesprochen. Nebenbei wird aus der Dialektik der Aufklärung zitiert:

„Zur Genese der Dummheit

Das Wahrzeichen der Intelligenz ist das Fühlhorn der Schnecke ‚mit dem tastenden Gesicht‘, mit dem sie, wenn man Mephistopheles glauben darf, auch riecht. Das Fühlhorn wird vor dem Hindernis sogleich in die schützende Hut des Körpers zurückgezogen, es wird mit dem Ganzen wieder eins und wagt als Selbständiges erst zaghaft wieder sich hervor. Wenn die Gefahr noch da ist, verschwindet es aufs neue und der Abstand bis zur Wiederholung des Versuchs vergrößert sich. Das geistige Leben ist in den Anfängen unendlich zart. Der Sinn der Schnekke ist auf den Muskel angewiesen, und Muskeln werden schlaff mit der Beeinträchtigung ihres Spiels. Den Körper lähmt die physische Verletzung, den Geist der Schrecken. Beides ist im Ursprung gar nicht zu trennen. […] Dummheit ist ein Wundmal.“

dialektik_der_aufklaerung-genese_der_dummheit

Wer über deutsche Gemütlichkeit und Kultur etwas lernen möchte kommt um Spielmannszüge mit Gleichschritt und Büchsenknallen, mit Uniform, Blasmusik und Trommelwirbel nicht herum. Zu sehen sind in einem Bericht (auf yt) über das Schützenfest auf der Blanke im Jahr 2011 nicht nur deutsche marschlastige volksfestliche Bräuche und kaffegetunktes Beisammensein:

schuetzenfest-blanke-yt_

Bei dem Spielmannszug (wkpd) handelt es sich um eine alte Tradition, die sich bis heute erhalten hat. Die trommelnde, pfeifende und schießende Gemeinschaft hat in diversen historischen Umständen gewirkt und tut dies noch heute. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Tradition der im Gleichschritt durch die Straßen musizierenden(?) Formation in Deutschland am weitesten verbreitet – mancherorts als wichtiges Kulturgut geachtet und zur Schau gestellt. Und auch heute noch offen als Phänomen für Interessierte, Zuwanderer und Gäste? Zur Situation in Nordhorn zum Thema Flüchtlinge war bereits Ende 2014 hier etwas über die angespannte Lage zu lesen.

schuetzenfest-blanke-yt2_(screenshot von yt – Bericht Nordhorn TV aus dem Jahr 2011, 14 Min.)

Während auf youtube/google ein Video zu finden ist, in welchem ein Teil der Ereignisse um eine gewalttätige Nazi-Bürger-Demonstration gegen Polizisten und eine Flüchtlingsunterkunft zu sehen sind, bei addn.me ein Artikel erschien, welcher eher nüchtern über die Ereignisse des Abends vom 21.8.2015 in der Nähe von Dresden berichtet:

Eine Stunde vor Mitternacht eskaliert die Situation schließlich und ein entschlossener Mob attackiert die Polizei mit Flaschen, Böllern und anderer Pyrotechnik. Die Bauzäune werden auf die Straße gezerrt und einige versuchen, Barrikaden zu errichten.Die unterbesetzte Polizei bekommt die Situation lange Zeit nicht unter Kontrolle. Lichtraketen werden von Beamten gezündet, welche den Parkplatz ausleuchten sollen. Dadurch wird die Menge sichtbar, die immer noch mehrere hundert Menschen umfasst. “Deutschland den Deutschen! Ausländer raus” schallt es aus den Kehlen des Mobs. Die Polizei ist überfordert und versucht die Menge aufzulösen. Schließlich weiß sie sich nicht weiter zu helfen und beginnt damit, massiv Tränengas einzusetzen. Das gesamte Areal versinkt im weißen beißenden Nebel. Alle Anwesenden – Rassisten, Gegendemonstranten, DRK-Helfer, Journalisten und letztlich auch die Beamten kämpfen mit der Wirkung des Tränengases. Offenbar das Letzte und einzige Mittel, um die Ausschreitungen des rassistischen Mobs unter Kontrolle zu bekommen. (src)

wurde in der Dresdner Innenstadt ein Banner gemalt und aufgehängt, was in seiner Botschaft fast resigniert wirkt:

heidenau-antwort-auf-nazis„IHR seid das Volk, IHR seid Heidenau, IHR seid Rostock-Lichtenhagen“ (src)

Spannende Dokumentation, welche weitere Puzzle über die sich zuspitzenden Ereignisse in der arabischen und islamischen Welt darstellen, betrachtet den Aufstieg der Houthis in Yemen:

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Die Reporterin begibt sich selbst an die Orte und spricht mit Beteiligten und zeigt das Leben auf der Straße, Bombenanschläge, Terrormilizen.yt-rise-of-houthi-reporterAuch vom filmischen und der Motivwahl ist der Film über Zerfalls- bzw. Neuorganisationserscheinungen einer religiös-gespaltenen Gesellschaft/Region durchaus sehenswert. (on yt: doku, 45 min, 2015, eng)

Im Leipziger Hauptbahnhof ist noch bis diesen Sonntag (05. Juli 2015) in der mittleren Etage eine Fotoausstellung von Rudi Weissenstein zu sehen, der Zeit seines Lebens mit der Kamera unterwegs war und ein einzigartiges Fotoarchiv schuf. Auf den Bildern sind alltägliche Szenen – Arbeiter, Konzertaufführung, Stadtaufnahmen und Landschaften des jüdischen Palästina vor und nach der Gründung des Staates Israel zu sehen.
mosha_magdiel1946-rudi_weissenstein_„Jugendliche im Moshav Magdiel. In dem Moshav war ein Heim für junge Überlebende der Shoa untergebracht. 1946“ 

Seit letztem Wochenende gab und gibt es noch bis zum Sonntag einige weitere Veranstaltungen in Zusammenhang mit der jüdischen Woche in Leipzig. Mehrere Ausstellungen haben auch längere Laufzeiten.

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Parade-der-Unsichtbaren-Leipzig-30.-Mai-2015.-Foto-Detlef-M.-Plaisier-54(src, auch bei L-IZ Fotos; deutsch-arabischer?/persischer? Banner zum Thema)

Menschen versammelten sich am Wochenende um durch die Straßen Leipzigs zu laufen und für eine Stadtentwicklung einzusetzen, welche „die Unsichtbaren“ berücksichtigt. Anlass der Demonstration sind die Feierlichkeiten des historisch 1.000ten Jubiläums der Stadt, bei welchen sie sich bzw. sie „die Unsichtbaren“ ein weiteres Mal benachteiligt sehen. Obwohl: es sind nicht die „Unsichtbaren“ selbst, welche auf die Thematik der Ausgegrenzten aufmerksam machen wollen.

„[…] Wir wollen den Gedenkzirkus der Stadt Leipzig entlarven. Wir wollen auf die prekarisierten und in Armut lebenden, verdrängten und nicht gewollten Menschen in Leipzig aufmerksam machen. Denen, denen es nicht um die bloße Selbstbeweihräucherung dieses Standorts Leipzig gehen kann. […]“ (src)

„Parade der Unsichtbaren“ war die Veranstaltung gelabelt. Stellvertretend sollen geisterhafte Puppen die mit uns lebenden Menschen dargestellt haben. Wobei der Umzug selbst die Absicht hatte, die Parade als eine eigene Skulptur gegen die von der Stadt inszenierten Großfiguren in Bewegung zu setzen.

Ein seltsam gewundener Satz, welcher während der Demonstration verlesen wurde, ist der folgende, welcher in seiner Absicht nicht ganz eindeutig ist:

[…] Aber auch die Sichtbaren und Hörbaren, die gemeinsam und für die Überhörten sprechen, denn wenn wir in die Runde schauen, sind andere Menschen noch weniger sichtbar, weil sie zum Beispiel wegen ihres Passes oder nicht weißer Hautfarbe ausgeschlossen werden. […] (src)

Vermutlich ist die Flüchtlingspolitik des Staates gemeint. Also andere Menschen [als wer?] waren nicht sichtbar, weil sie ausgeschlossen wurden – was war das für eine Demo?

Passend in diesem Zusammenhang ein Zitat aus dem Aufruf:

[…] Stadt als Marke und unseren Lebensraum als Zonen des Profits zu etablieren. Wäre da nicht die Tatsache, dass diese ihre Erzählung der Stadt nicht unsere Erzählung ist: der Prekären, Verdrängten, Ausgeschlossenen, Ungewollten. Dass sie nicht die Erzählung der Geflüchteten ist und nicht derjenigen Opfer eines rassistischen Dauerzustandes. […] (src)

Unsichtbares zum Thema zu machen hat den Vorteil, dass Widerspruch ausbleibt – oder meint das zugleich nicht ohne Stimme?

Die Bewohner*innen, die sich die Mieten nicht mehr leisten können, sind die Armen – die Erwerbslosen, prekär-Beschäftigen, Aktivist*innen in alternativen Kulturprojekten, usw. Dieses andere Leipzig ist nicht aufgefordert worden sich unter der Stadtgöttin Lipsia zu vereinen, sie werden von keiner der Löwenskulpturen repräsentiert. Sie sind ausgeschlossen und unsichtbar. […] Die Nicht-Repräsentanz der Unterpriviligierten ist Ausdruck einer politischen Praxis, die diese Unterpriviligierten produziert. (src)

Unterprivilegierte und Unterrepräsentierte sind verschiedene paar Schuhe. Inwieweit ist die Unsichtbarkeit der bettelnden Menschen und prekär-Beschäftigten, der Erwerbslosen und anderer Lebensverhältnisse wirklich gegeben? Fehlt nur die Abbildung? Solche sozialen Themen passen unverwunderlicherweise ja nicht zu einer 1000 jährigen Stadtfeier. Übrigens nicht nur dort. Bleibt die Frage wie auf ausgegrenzte Menschen aufmerksam gemacht werden kann und wer dann zum Objekt wird (wie in Frankfurt). Und wie es mit einer Recht-auf-Stadt-Bewegung in Leipzig weitergeht. Das Recht-auf-Mobilität wurde das Wochenende teilweise eingelöst: die LVB etwa bot ihre Verkehrsmittel den Kunden zur kostenfreien Nutzung an.

kefir-70-jahreneulich in Russland: Erinnerung an 70 Jahre Sieg – Pobeda – (auf Kefir-Packung)

Unwillkürlich musste ich in Anbetracht der derzeitigen teilweise hysterisch zu nennenden Berichterstattung über den aktuellen Arbeitsausstand der GDL an den Berliner Verkehrsarbeiterstreik aus dem Jahr 1932 denken – bei dem es unter anderen Zusammenhängen und Umständen sogar zu Toten und Verwundeten kam…Berlin, BVG-Streik, StreikpostenAnders als damals, als der Streik auch politische Auswirkungen hatte, ist die Situation heute. Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) gaben auf ihrer Internetseite bekannt:

Somit bleibt der GDL keine andere Wahl, als nach dem Ultima-Ratio-Prinzip erneut ihre Mitglieder zum Streik aufzurufen:

am Montag, den 4. Mai 2015 um 15 Uhr im DB-Güterverkehr und

am Dienstagmorgen um 2 Uhr im DB-Personenverkehr.

Das Zugpersonal im Güter und Personenverkehr beendet die Streiks am Sonntag, den 10. Mai 2015 um 9 Uhr. (src)

Während hierzulande über den angekündigten Streik bei der Bahn AG auch gern Superlative Verwendung finden („Rekordstreik“ und ähnliches – vermutlich nicht nur weil es keine ausgeprägte Streikkultur und -erfahrung gibt) lassen sich bei den Sichtweisen Verständnis (2014: weltanschauung.blog, zeit.de) bis zu Ablehnung  zu den angekündigten Arbeitsausständen finden. Bei Spiegel-Online findet sich ein Barometer was Meinungsabbildend sein soll:

meinungsbaromter-spiegel-online-gdl-2015(src)

Immer wieder findet sich in den Berichten über den Streik der GDL das Wort „Machtkampf“ – mögliches Resultat einer verkürzten Darstellung der Abläufe als Konflikt zwischen einem engstirnigen Gewerkschaftsführer und einem umsatzorientiertem Börsenunternehmen, aber auch adäquater Ausdruck des Konflikts zwischen Arbeitnehmer und Geschäftsführung. Anton Pannekoek (1873-1960) schrieb bereits 1947:

Die wirksamste Form des Kampfes gegen die Kapitalisten ist der Streik. Streiks sind mehr denn je nötig, um gegen die Tendenz der Kapitalisten zu kämpfen, ihre Profite zu erhöhen, indem sie die Löhne herabdrücken, indem sie Dauer und Intensität der Arbeit erhöhen.

Die Gewerkschaften als Instrumente des organisierten Widerstandes haben sich gebildet, indem an die starke Solidarität und die gegenseitige Hilfe appelliert wurde. Die Entwicklung des “big business” ließ die Macht des Kapitals enorm anwachsen, zugleich konnten die Arbeiter die Verschlechterung ihrer Lage nur in einzelnen Fällen herabmindern. Die Gewerkschaften verwandelten sich in Vermittlungsinstanzen zwischen Arbeitern und Kapitalisten. Sie unterzeichneten Verträge mit den Unternehmern und versuchten, diese den oft widerspenstigen Arbeitern aufzudrängen. Die Gewerkschaftsführer hofften, sich dem Machtapparat des Staates und des Kapitals, der die Arbeiterklasse beherrscht, unersetzlich zu machen. Die Gewerkschaften wurden so Instrumente des Monopolkapitals, das sich ihrer bediente, um den Arbeitern ihre Bedingungen zu diktieren.

Unter diesen Verhältnissen nimmt der Kampf der Arbeiterklasse mehr und mehr die Form von wilden Streiks an. Diese sind spontane und massive Explosionen eines lange unterdrückten Widerstandswillens, direkte Aktionen, in denen die Arbeiter ihren eigenen Kampf in ihre Hände nehmen, indem sie Gewerkschaften und Führer zum Teufel jagen. (src)

Streik ist der Moment, in welchem sich der zum Objekt degradierte Arbeitnehmer seiner vertraglich vereinbarten Funktionserfüllung auf bestimmte Zeit verweigert – mit dem Ziel mit Hilfe des Arbeitsausfalls der Unternehmensleitung die Bedeutung seiner sonst verrichteten Tätigkeit zu verdeutlichen und zum Beispiel eine höhere Wertschätzung in der Entlohnung oder Arbeitserleichterungen zu erreichen. In Zeiten steigender Automatisierung, erhöhtem Arbeitsdruck und prekärer Beschäftigungsverhältnisse läuft kollektive Arbeitsniederlegung Gefahr ein Mittel zu werden, welches in seiner Auswirkung schnell zum Teil eines betriebswirtschaftlichen Strategiepapiers zur Schadenbegrenzung wird – eine Betonung solcherlei Faktoren vernachlässigt den ohnehin vernachlässigten humanen Aspekt.

Längst nicht mehr (weil nie gewesen?) Realität: „Alle Räder stehen still wenn ihr mächtiger Arm es will.“ Albert Hahn 1903 – Eisenbahnerstreik.

462px-Gansch_het_raderwerk_staat_stil_als_uw_machtige_arm_het_wil„Gansch het raderwerk staat stil als uw machtige arm het wil.“ (src)

Robert Musil:

Der vollentwickelte Antisemit ist eine vollkommen paranoide Geistesverfassung. Sieht in allem Bestätigung; ist nicht zu widerlegen… Man darf es nicht dahin kommen lassen! Die Wurzel des Antis[emiten] sind: Unkenntnis des Begriffs der Objektivität. Glaube, dass alles Höhere falsch oder verdorben sei (Respektlosigkeit des Unwissenden). Nichtbesitz der Kulturhemmung…

aus: Allerhand Fragliches. 1978. S. 69

IMG_1380_b(„The Best Things In Life Aren’t Things“, seen in south-portugal)

with Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“

arvo_pärt-spiegel_im_spiegel

Teil 9 hier zu finden

  • SWR2: Anarchisten am Rio de la Plata (27 Min.) (download) (via)
  • WDR-Zeitzeichen: Sozialistengesetz 1878 (14 Min.) – oder: Die fernen Ursprünge der SPD (download) (via)
  • NDR: Hannah Arendts Töchter (20 Min.) (download)
  • SWR2-Aula: Wie der Kapitalismus uns zu Selbstausbeutern macht – Han Byung-Chul (28 Min.) (download)

Es folgt der obligatorische Hinweis, dass einiges sowohl in seiner inhaltlichen Ausrichtung als auch der Form nach durchaus Kritik würdig ist.

velo_riebeckplatz2.ikl959(disappeared/demolished building, Riebeckplatz Halle/Saale some years ago)

lichtverschmutzung_dresden-waldschloesschen-_ikl959(seen in Dresden at Elbe, near Waldschlösschen)

earthworm_ikl959Illuminated earthworm.

free_gaza_from_hamas_ikl959.com(shot in Dresden, 2012)

In Israel gibt es (nach Wikipedia alles superlative) Feiertage, welche den Alltag entschleunigen, brechen, verunmöglichen. Einer der Feiertage mit Namen Jom Kippur (wkp) liegt schon wieder in Sichtweite. Vor einer ganzen Weile wurde ein Film gebloggt der nichts an Anschaulich- und Einprägsamkeit des gebrochenen Alltags verloren hat. Passt wegen seiner unter-spannten Atmosphäre noch weniger in die derzeitige Situation als ohnehin schon, oder vielleicht gerade.

jom_kippur-tel_aviv(src, 2,30 Min)

Ein Besuch in einer von Raketeneinschlägen bedrohten Region in Israel im Jahr 2012 – damals folgte (ähnlich wie heute) als Reaktion auf die Einschläge und die permanente Bedrohung der Bevölkerung eine militärische Intervention im Gebiet der Raketenabschüsse. Ein gewisser Grad der Entspannung blieb und bleibt in den bedrohlichen Momenten (etwa in Form älterer Männer, auf einer Bank sitzend) erhalten; die Anspannung der jugendlichen Menschen, welche die Situation zum ersten Mal erleben ist indes spür- und nachvollziehbar.

life_under_rockets_israel_yt_ikl959.com(src; 8,30 Min)

Die Situation heute: eine größere Anzahl Raketen mit einer besseren Reichweite schlägt derzeit noch immer (aus dem Gazastreifen von der Hamas und anderen paramilitärischen Vereinigungen abgefeuert) in Israel ein (IDF-reports on twttr).

Seit dem Beginn der Operation „Schutzlinie“ (Protective Edge) am 8. Juli 2014 wurden über 971 Raketen aus dem Gazastreifen – der übrigens noch bis 2005 unter israelischer militärischer Kontrolle lag – in Richtung Israel abgeschossen. 754 davon schlugen in Israel ein und etwa 201 wurden durch das israelische Raketenabwehrsystem abgefangen & noch im Himmel zur Explosion gebracht, 27 aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen trafen den Gazastreifen selbst. Derweil gab es auch in den größeren Städten wie Tel Aviv und Jerusalem Bombenalarm, auch weiter nördlich – wie etwa Haifa. Raketeneinschläge wurden auch aus Bethlehem und Hebron gemeldet. 40.000 israelische Staatsbürger wurden aus der Reserve mobilisiert und sind Teil der ZAHAL geworden, die über einen (neuerlichen) Einmarsch in den Gazastreifen nachdenkt (pro & con invading Gaza).

Ein offener Brief A.B. Yehoshua aus dem Jahr 2009 an einen Journallistenkollegen hat kaum an Bedeutung verloren – die Ereignisse, Berichterstattung und Akteure von heute sind wenig verschieden von damals.

All we are trying to do is get their leaders to stop this senseless and wicked aggression, and it is only because of the tragic and deliberate mingling between Hamas fighters and the civilian population that children, too, are unfortunately being killed. The fact is that since the disengagement, Hamas has fired only at civilians. Even in this war, to my astonishment, I see that they are not aiming at the army concentrations along the border but time and again at civilian communities. (src – lesenswert!)

Derweil ist die außenpolitische Situation heute eine andere als 2009. Neben etwa Syrien gibt es andere angrenzende Staaten mit keiner/einer instabilen legitimierten politischen Kraft. Zuletzt schlugen auf der Halbinsel Sinai, unweit zur israelischen Grenze, in Ägypten abgeschossene Raketen in einem Supermarkt ein (FAZ). Aus dem Südlibanon wurden Raketen in Richtung Israel abgefeuert, ist etwa in diesem Beitrag zu vernehmen:

rockets-from_gaza_july2014_YT(src: yt)

Bisher kommen die Raketen welche in Israel einschlagen vor allem aus dem Westen – die Reaktion des Staates sind über 1300 israelische Angriffe in den Gazastreifen, bei welchen über 170 Menschen starben. Ein Teil der Strategie der Terroristen, welche die Raketen gen Israel abschießen, besteht in der Nutzung ziviler Einrichtungen als Operationsbasen. Es ist eine ungleiche Kriegsführung, bei welcher von den in Gaza tätigen Aktivisten sowohl zivile Opfer im Aktionsumkreis billigend in kauf genommen werden, gleichzeitig jedoch wegen der ungesteuerten Raketen vor allem Zivilisten zum Ziel der Angriffe werden.

Der Gazastreifen wird bis dato weiterhin mit LKWs, welche zivile Güter wie Lebensmitteln und Treibstoff transportieren, versorgt – aus Israel (src). Dort leben wegen der ständigen Raketeneinschläge und den erweiterter Flugentfernungen jetzt knapp sechs Millionen Menschen unter ständiger Lebensbedrohung.IDF_rockets-UK(mögliche Reichweite der Raketen aus dem Gazastreifen übertragen auf Großbritannien, src)

Die Entführung und Ermordung dreier Jugendlicher (Lizas Welt) ist ein weiterer Teil der jüngst wieder offen aufgebrochenen Auseinandersetzung, deren friedliches Ende immer weniger als eine baldige realistische Option erscheint.

Rasterfahndung umdrehen – mithilfe des Stromverbrauchs gucken wo unbewohnte Häuser sind, welche dann besetzt werden können. So lautet eine Idee in dem Hörstück Radio Wauland über die vernetzte digitalisierte und doch reale Welt.

800px-Akustikkoppler_CCC_Datenklo(eigenbau des Akustikkoppler aka Datenklo des CCC  – src)

Der Untertitel Tune in, turn on and hack yourself kommt indes ein wenig selbstzerstörerischer daher als das LSD-Original von Prof. Leary.  Protagonist in dem zeitweise psychedelischen Hörstück ist Wau Holland, dem Mitbegründer des CCC (bis dato unveröffentlichte O-Töne fanden von ihm Verwendung), der so Dinge sagte wie „Was ist denn das einen Rechner aufzumachen, dagegen die Gesellschaft aufzumachen“ (src).

Das Stück gibts hier zum download finden & sei an dieser Stelle zum anhören empfohlen.