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Category Archives: auf dem land

„Childhood is measured out by sounds and smells and sights, _statue_ikl959before the dark hour

of reason grows.“

John Betjeman

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Was meint der Krieg gegen die IS (in Irak)?

Die Bilder zeigen eine Welt der Zerstörung, des Krieges, des Leids. Und es sind (wieder einmal) kurdische Einheiten, deren Aktivität gezeigt wird. Zu sehen ist wenig oder gar nichts neues, gewiss. Vielleicht ist es nur eine Aktualisierung der Erinnerung an die in solchen Umständen lebenden Menschen – Kinder und Alte – und deren Gesichter und Lebenswirklichkeiten.

Zu sehen sind sowohl die Bilder welche wir vermutlich alle erwarten – Leichen, Tunnel und Trümmer. Daneben gibt es aber auch anderes zu entdecken – eine wild und laut schreiende Schar von Schulkindern etwa oder den (über seiner Uniform) eine Lederjacke tragenden Kommandeur. Ein leicht fühlbare Heroisierung der Waffe tragenden Kämpfern und Kämpferinnen (welche wir in Aktion sehen) erlebt am Ende eine scheinbare Kehrtwendung um eine Distanz zu schaffen, die so zuvor nur bedingt existierte. Die Wendung bleibt jedoch wörtwörtlich hintangesetzt. Nichts desto trotz – sehenswert! Oder: How war can look like. Länge: 55 Minuten, Anfang 2017, deutsche Tonspur (online bei yt).

Es dauerte vom 17. Oktober 2016, dem ersten Tag der Schlacht um Mossul, bis Mitte Januar 2017, bis der Osten der Stadt endlich aus den Fängen Terrorregimes des IS befreit war. Zwischen diesen beiden Ereignissen kehrten Bernard-Henri Lévy und sein Team immer wieder an die Front zurück, zu den kurdischen Soldaten und auch zu den irakischen Spezial-Einheiten. (src)

netwars_cyberwar-blackhat_screenZuletzt immer öfter zu vernehmen gewesen – die digitale Kriegsführung wird relevanter. In den USA macht das Militär regelmäßig Werbung für Hacker – etwa auf einer Konferenz der Blackhat in den USA. Die Bundeswehr hat zuletzt auch über Frau von der Leyen verlautbaren lassen, an informatisch-geschulten Bewerbern interessiert zu sein welche körperlich nicht den bisherigen Ansprüchen genügen. Mit der Tastatur und dem Bildschirm lassen sich zunehmend erhebliche Schäden anrichten, wofür in der Vergangenheit andere Mittel nötig waren. Heute geht das quasi von zu Hause aus. netwars_screen_cyberterroristDie Doku „Netwars – Krieg im Netz“ von Marcel Kolvenbach zeigt neben einem praktischen Hackerangriff auf ein Wasserwerk auch eine Spezialeinheit des israelischen Militärs. Neben konkreten Auswirkungen der digitalen Welt auf unsere analoge Wirklichkeit gibt der Film auch einen kleinen Einblick in philosophische Sichtweisen auf das Thema. Etwa Daniel Statman, Professor für Philosophie in Haifa:

„Angenommen wir können mit einer Cyberattacke den Computer eines Passagierflugzeugs angreifen und es dann zum Absturz bringen – natürlich wäre das in einem Krieg ein Kriegsverbrechen. Nichts anderes als eine Rakete auf das Flugzeug zu schießen. Wenn wir aber mit einem solchen Angriff den zentralen Computer im Hauptquartier des Feindes ausschalten, dann wäre das ein legitimer Kriegsakt.“

Nicht ganz zufällig wird Israel als ein Land präsentiert, welches eine nationale Sicherheitsstrategie zum Thema Cybersicherheit entwickelt hat – das Land hat seit Jahren Erfahrungen und Strategien entwickelt um das Internet für Nutzer (Unternehmen und Privatleute) sicherer zu machen. Einige Aspekte welche seit Jahren in Israel bereits diskutiert werden sind hierzulande erst jetzt auf dem Tableau erschienen.

„Wer ist verantwortlich die Bürger gegen einen Cyber-Angriff zu schützen, der entweder von einem 16 jährigen Hacker, Kriminellen, Terroristen oder einem feindlichen Staat geführt wird? […] Wir hatten die Möglichkeit diesen digitalen Iron-Dome tatsächlich zu realisieren.“  Erez Kreiner, Ex-Direktor National Cyber Security Authority, Israelnetwars_cyberwar_israel_screen

Dass mit der Digitalisierung nicht alle Probleme gelöst sind – gerade in Bezug auf die Privatsphäre – bringt Gabi Siboni (Direktor der Sektion Cyberkrieg – Institut für Nationale Sicherheitsstudie) treffend auf den Punkt:

„Mit dem Voranschreiten des Internet wird alles private eliminiert. In unserer Welt ist nichts mehr privat. […] Ich kann davon ausgehen, dass alles was ich in meinen Computer schreibe, von jemand Anderem gelesen werden kann – von einem Menschen oder einer Maschine. Die Werbung die ich kriege bezieht sich auf den Inhalt meiner Mails. Meine Mail wird also von einer Maschine gelesen, die sicherstellt, dass wenn ich über Möbel schreibe mich Werbung über Möbeln erreicht. […]
Facebook verkauft unsere Privatsphäre an kommerzielle Unternehmen – und wir haben kein Problem damit. Bei Google ebenso. Aber wir haben plötzlich ein Problem damit, wenn die NSA versucht Terror zu verhindern. Da sagen wir: warum hört uns die NSA ab? Das ist sehr irrational.“

cyberwar_netwars_siboni_screen

Der Film spricht wichtige Aspekte an, welche heute bei vielen Internet-Teilnehmenden – Usern und Administratoren, Politikern und Unternehmen – unterbelichtet scheinen. Es wird davon gesprochen, dass die Tage des bisherigen Netzes gezählt sind. Das Plädoyer, der angebotene Ausweg am Ende der Doku: ein nationales Netz, völlig neu gedacht und gebaut, biete die notwendige Sicherheit. Die Rückkehr ins nationale ist jedoch meiner Meinung nach fraglich – vielmehr wird es eine systemische Antwort geben. Und neben digital gibts ja auch immernoch analog. Zufall, dass die Nerds ihren Weg zum zu hackenden süddeutschen Wasserwerk per Karte aus Papier suchen?

netwars_cyberwar_screen-analog_map52 Min; Netwars – Krieg im Netz (2014)

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Zusammengestückelter Versuch verschiedene Zecken bzw. deren Größe abzubilden. Die kamen zu mir gekrabbelt als ich auf verschiedenen „wilden Wiesen“ saß. Die ganz Kleinen auf der linken Seite, kaum einen Millimeter groß, find ich am grusligsten (zum Vergrößern Bild anklicken).

Vermeiden lässt sich solcher blutgieriger Besuch an eher sonnigen Orten und wo das Gras auch ab und an gemäht wird. Oder man schmiert sich mit Chemie ein. Wobei auch zu lesen ist, dass mehrmalige Stiche von Zecken auch Borreliose-Infektionen vorbeugen/verhindern können sollen. Gestochen hat mich indes noch keine (oder ich habs noch nicht bemerkt)…

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Titelbild der Titanic mit Kanzlerin Merkel als Gustl Mollath. (screenshot)

Viel wurde geschrieben zum Fall Mollath.

Und diskutiert.

Zu sehen gab es auch einiges.

Ende des Jahres 2015 lief im Bayerischen Fernsehen ein behutsamer und von den Bildern her beeindruckender Film zur Person und den Ereignissen welche einige Jahre immer wieder für Schlagzeilen sorgten. Es ist ein persönliches Schlaglicht auf einen Menschen der Zwangstherapiemaßnahmen am eigenen Leib erfahren hat. Die ARD hat sich in der Reihe Radiofeature auch schon mal damit beschäftigt – ein klein wenig kritisch wirkt der Beitrag „Dunkelkammer Psychatrie“ (download, ca 55 Min.)

mollath_doku_nachthimmel_ikl959Nachthimmel im Zeitraffer (screenshot)

Zurück zum Film: Es ist beeindruckend den Schilderungen der Erlebnisse hinter den geschlossenen Mauern zu lauschen (wie etwa der Arzt in der Nachbarzelle für Ruhe sorgt). Dabei nimmt dies in der Dokumentation von Annika Blendl und Leonie Stade nicht nur zeitlich untergeordnete Rolle ein – was konkret in solchen Einrichtungen passierte und passiert. Um so absurder wirkt die Welt jenseits dieser Mauern. Der Versuch Mollaths in die „Normalität“ zurückzukehren – die es vorher nicht gab und auch danach nicht gibt – wird hingegen sehr konkret. Mit dem Leben in Gefangenschaft wurde er entmündigt, Dinge verschwanden (wie das Grab seiner Familie auf dem Friedhof in Nürnberg). Wiedergutmachen kann man das nicht. Diese Welt ist es nicht.

Die Kritik Gustl Mollaths an den alltäglichen Mechanismen findet sich gleich zu Beginn des Film – etwa wenn er sich in einer Einkaufspassage wundert wieso eine Hose weniger als 10€ kosten kann während woanders Millionen unter dem Tisch verschwinden. Es sind die kleinen Dinge welche seine Aufmerksamkeit bekommen. Mit viel Verstand und ein wenig Witz erlebt der Zuschauer einen Menschen der um sein Recht kämpft und das erfahrene Unrecht als Räderwerk durchlebte ohne dabei apathisch geworden zu sein.

Sehr einprägsam das Beispiel zu den psychatrischen Gutachten, welche nach Aussage eines Gutachters bis zu 60% Falschdiagnosen darstellen. 50% Falschdiagnose sei kein Fortschritt meint Gustl Mollath zu Recht und belegt dies mit einer fallenden und verschwindenden Münze vorm Dom…

Beeindruckend die exakten Formulierungen des Protagonisten und deutlich fühlbar dessen wachsendes Misstrauen gegenüber seinem Verteidiger, den er nur als weiteren Funktionsträger identifiziert. Dass in dem Film verschiedene Seiten und Ansichten (etwa von Journalisten) zu Wort kommen bereichert dieses Dokument. Recommended to watch!

yt_Mollath_Doku_watch_v=PC6EgHlhf9I_(Blendl/Stade; D 2015; 87 Min.; Link zur Doku auf yt. )

Zu finden auf yt auch noch ein Gespräch mit den Autorinnen der Dokumentation „Mollath – Und plötzlich bist du verrückt“ Annika Blendl und Leonie Stade bei MünchenTV.

Wer über deutsche Gemütlichkeit und Kultur etwas lernen möchte kommt um Spielmannszüge mit Gleichschritt und Büchsenknallen, mit Uniform, Blasmusik und Trommelwirbel nicht herum. Zu sehen sind in einem Bericht (auf yt) über das Schützenfest auf der Blanke im Jahr 2011 nicht nur deutsche marschlastige volksfestliche Bräuche und kaffegetunktes Beisammensein:

schuetzenfest-blanke-yt_

Bei dem Spielmannszug (wkpd) handelt es sich um eine alte Tradition, die sich bis heute erhalten hat. Die trommelnde, pfeifende und schießende Gemeinschaft hat in diversen historischen Umständen gewirkt und tut dies noch heute. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Tradition der im Gleichschritt durch die Straßen musizierenden(?) Formation in Deutschland am weitesten verbreitet – mancherorts als wichtiges Kulturgut geachtet und zur Schau gestellt. Und auch heute noch offen als Phänomen für Interessierte, Zuwanderer und Gäste? Zur Situation in Nordhorn zum Thema Flüchtlinge war bereits Ende 2014 hier etwas über die angespannte Lage zu lesen.

schuetzenfest-blanke-yt2_(screenshot von yt – Bericht Nordhorn TV aus dem Jahr 2011, 14 Min.)

Während auf youtube/google ein Video zu finden ist, in welchem ein Teil der Ereignisse um eine gewalttätige Nazi-Bürger-Demonstration gegen Polizisten und eine Flüchtlingsunterkunft zu sehen sind, bei addn.me ein Artikel erschien, welcher eher nüchtern über die Ereignisse des Abends vom 21.8.2015 in der Nähe von Dresden berichtet:

Eine Stunde vor Mitternacht eskaliert die Situation schließlich und ein entschlossener Mob attackiert die Polizei mit Flaschen, Böllern und anderer Pyrotechnik. Die Bauzäune werden auf die Straße gezerrt und einige versuchen, Barrikaden zu errichten.Die unterbesetzte Polizei bekommt die Situation lange Zeit nicht unter Kontrolle. Lichtraketen werden von Beamten gezündet, welche den Parkplatz ausleuchten sollen. Dadurch wird die Menge sichtbar, die immer noch mehrere hundert Menschen umfasst. “Deutschland den Deutschen! Ausländer raus” schallt es aus den Kehlen des Mobs. Die Polizei ist überfordert und versucht die Menge aufzulösen. Schließlich weiß sie sich nicht weiter zu helfen und beginnt damit, massiv Tränengas einzusetzen. Das gesamte Areal versinkt im weißen beißenden Nebel. Alle Anwesenden – Rassisten, Gegendemonstranten, DRK-Helfer, Journalisten und letztlich auch die Beamten kämpfen mit der Wirkung des Tränengases. Offenbar das Letzte und einzige Mittel, um die Ausschreitungen des rassistischen Mobs unter Kontrolle zu bekommen. (src)

wurde in der Dresdner Innenstadt ein Banner gemalt und aufgehängt, was in seiner Botschaft fast resigniert wirkt:

heidenau-antwort-auf-nazis„IHR seid das Volk, IHR seid Heidenau, IHR seid Rostock-Lichtenhagen“ (src)

Spannende Dokumentation, welche weitere Puzzle über die sich zuspitzenden Ereignisse in der arabischen und islamischen Welt darstellen, betrachtet den Aufstieg der Houthis in Yemen:

yt-rise-of-houthi-Y7HQRyJDTPo-map

Die Reporterin begibt sich selbst an die Orte und spricht mit Beteiligten und zeigt das Leben auf der Straße, Bombenanschläge, Terrormilizen.yt-rise-of-houthi-reporterAuch vom filmischen und der Motivwahl ist der Film über Zerfalls- bzw. Neuorganisationserscheinungen einer religiös-gespaltenen Gesellschaft/Region durchaus sehenswert. (on yt: doku, 45 min, 2015, eng)

DANCIN'_sunriseanywhere in the green – before sunrise

DSC00012_bhublots watching day or night? oreille listen charles trenet – le soleil (yt-listen) or douce france

IMG_1380_b(„The Best Things In Life Aren’t Things“, seen in south-portugal)

vida_festa!A vida e uma festa! (seen in south-Portugal)

Kein ganz kompletter Repost, aber der Anlass aktuell: (a) Regierung der USA meint, den Kurden ganz offiziell mit Waffen unter die Arme greifen zu wollen, d0x/?rt.com) und (b) der Podcast des SWR-Forum (vom 27. Juni 2014) zum Thema „ISIS“, welche zur Zeit Menschen im Irak zu zehntausende fliehen lassen (44 Min; Download)

Der in der Radiosendung erwähnte Zerfall des Irak wurde bereits vor einigen Jahren von einem amerikanischen Filmemacher thematisiert & anschaulich gemacht – James Longley.

—- Repost::::

Einer der besten Dokumentarfilme die ich in den letzten drei Jahren gesehen habe. Die Thematik Irak war damals aktueller als heute, trotzdem hat der Film von den Bildern her eine eigene Ästhetik & ist deswegen unglaublich faszinierend. Er stammt von James Longley der 1972 in Oregon geboren wurde. Er studierte Film und Russisch an der University of Rochester und Wesleyan University in den USA, und dem All-Russian Institute of Cinematography (VGIK) in Moskau. Seine Dokumentation „Portrait of Boy with Dog“ wurde 1994 mit dem Student Academy Award durch die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ausgezeichnet. Er arbeitete und lebte dann in New York City, in Sibirien und Moskau. 2001 reiste er nach Palestina um seinen ersten Dokumentarfilm „Gaza Strip“ zu drehen (den ich leider nicht gesehen habe, es aber gern mal würde – wer Hinweise hat wo zu finden – ich wäre dankbar; eine Einschätzung: „Gaza Strip culminates in a nighttime raid in April, when Israeli bulldozers stormed into the Khan Younis refugee camp under the cover of tank and helicopter fire, and destroyed the homes of 450 Palestinians – the first of many such armed incursions into Area A by the IDF.Quelle). 2002 reiste Longley in den Irak um seine Vorarbeiten an seinem zweiten Dokumentarfilm „Iraq in Fragments“ zu beginnen, der im Januar 2006 Premiere feierte. Der Film gewann einige Preise: auf dem Sundance Festival wurde er mit den Preisen “Best Documentary Directing”, “Best Documentary Editing”, und “Best Documentary Cinematography” belohnt, daneben gewann der Film einige weitere internationale Auszeichnungen.

Zwischen Februar 2003 und April 2005 wurden in Irak über 300 Stunden Filmmaterial gedreht von denen in dem Film knapp 90 zu sehen sind. Der Film gliedert sich in drei Teile: Sunniten, Schiiten und Kurden.

„My idea was to follow a student at one of the local Shiite religious schools. Wandering through the narrow back alleys of Najaf in search of permissions, Nadeem and I soon found ourselves at the office of Moqtada Sadr.”

„This seemed like an interesting story to document, so I began developing contacts within Sadr’s organization who allowed me to film. Moqtada Sadr himself was too difficult to access, so I settled for Sheik Aws al Kafaji. […] He was genial and open, giving me far more access to his movement than I expected.”

“The Sadr organization was deeply suspicious of foreigners, and you couldn’t really blame them. I was never sure why they trusted me as much as they did.” (Quelle)

Zu sehen ist war der Film Iraq in fragments hier. (R: James Longley; USA 2007; 94 Min)

Longley war im Juni 2009 in Iran, arbeitete an einem neuen Film über die Wahlen und die beginnenden Proteste gegen das Regime. Er wurde am 14. Juni 2009 mit seinem Übersetzer verhaftet als er Menschen auf der Straße in Teheran befragen wollte (Bild unten entstand angeblich kurz vor seiner Verhaftung). Zu lesen was Longley für Erfahrungen sammelte in Iran nach der Wahl & über seine Verhaftung kann mensch hier finden.

In Israel gibt es (nach Wikipedia alles superlative) Feiertage, welche den Alltag entschleunigen, brechen, verunmöglichen. Einer der Feiertage mit Namen Jom Kippur (wkp) liegt schon wieder in Sichtweite. Vor einer ganzen Weile wurde ein Film gebloggt der nichts an Anschaulich- und Einprägsamkeit des gebrochenen Alltags verloren hat. Passt wegen seiner unter-spannten Atmosphäre noch weniger in die derzeitige Situation als ohnehin schon, oder vielleicht gerade.

jom_kippur-tel_aviv(src, 2,30 Min)

Ein Besuch in einer von Raketeneinschlägen bedrohten Region in Israel im Jahr 2012 – damals folgte (ähnlich wie heute) als Reaktion auf die Einschläge und die permanente Bedrohung der Bevölkerung eine militärische Intervention im Gebiet der Raketenabschüsse. Ein gewisser Grad der Entspannung blieb und bleibt in den bedrohlichen Momenten (etwa in Form älterer Männer, auf einer Bank sitzend) erhalten; die Anspannung der jugendlichen Menschen, welche die Situation zum ersten Mal erleben ist indes spür- und nachvollziehbar.

life_under_rockets_israel_yt_ikl959.com(src; 8,30 Min)

Die Situation heute: eine größere Anzahl Raketen mit einer besseren Reichweite schlägt derzeit noch immer (aus dem Gazastreifen von der Hamas und anderen paramilitärischen Vereinigungen abgefeuert) in Israel ein (IDF-reports on twttr).

Seit dem Beginn der Operation „Schutzlinie“ (Protective Edge) am 8. Juli 2014 wurden über 971 Raketen aus dem Gazastreifen – der übrigens noch bis 2005 unter israelischer militärischer Kontrolle lag – in Richtung Israel abgeschossen. 754 davon schlugen in Israel ein und etwa 201 wurden durch das israelische Raketenabwehrsystem abgefangen & noch im Himmel zur Explosion gebracht, 27 aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen trafen den Gazastreifen selbst. Derweil gab es auch in den größeren Städten wie Tel Aviv und Jerusalem Bombenalarm, auch weiter nördlich – wie etwa Haifa. Raketeneinschläge wurden auch aus Bethlehem und Hebron gemeldet. 40.000 israelische Staatsbürger wurden aus der Reserve mobilisiert und sind Teil der ZAHAL geworden, die über einen (neuerlichen) Einmarsch in den Gazastreifen nachdenkt (pro & con invading Gaza).

Ein offener Brief A.B. Yehoshua aus dem Jahr 2009 an einen Journallistenkollegen hat kaum an Bedeutung verloren – die Ereignisse, Berichterstattung und Akteure von heute sind wenig verschieden von damals.

All we are trying to do is get their leaders to stop this senseless and wicked aggression, and it is only because of the tragic and deliberate mingling between Hamas fighters and the civilian population that children, too, are unfortunately being killed. The fact is that since the disengagement, Hamas has fired only at civilians. Even in this war, to my astonishment, I see that they are not aiming at the army concentrations along the border but time and again at civilian communities. (src – lesenswert!)

Derweil ist die außenpolitische Situation heute eine andere als 2009. Neben etwa Syrien gibt es andere angrenzende Staaten mit keiner/einer instabilen legitimierten politischen Kraft. Zuletzt schlugen auf der Halbinsel Sinai, unweit zur israelischen Grenze, in Ägypten abgeschossene Raketen in einem Supermarkt ein (FAZ). Aus dem Südlibanon wurden Raketen in Richtung Israel abgefeuert, ist etwa in diesem Beitrag zu vernehmen:

rockets-from_gaza_july2014_YT(src: yt)

Bisher kommen die Raketen welche in Israel einschlagen vor allem aus dem Westen – die Reaktion des Staates sind über 1300 israelische Angriffe in den Gazastreifen, bei welchen über 170 Menschen starben. Ein Teil der Strategie der Terroristen, welche die Raketen gen Israel abschießen, besteht in der Nutzung ziviler Einrichtungen als Operationsbasen. Es ist eine ungleiche Kriegsführung, bei welcher von den in Gaza tätigen Aktivisten sowohl zivile Opfer im Aktionsumkreis billigend in kauf genommen werden, gleichzeitig jedoch wegen der ungesteuerten Raketen vor allem Zivilisten zum Ziel der Angriffe werden.

Der Gazastreifen wird bis dato weiterhin mit LKWs, welche zivile Güter wie Lebensmitteln und Treibstoff transportieren, versorgt – aus Israel (src). Dort leben wegen der ständigen Raketeneinschläge und den erweiterter Flugentfernungen jetzt knapp sechs Millionen Menschen unter ständiger Lebensbedrohung.IDF_rockets-UK(mögliche Reichweite der Raketen aus dem Gazastreifen übertragen auf Großbritannien, src)

Die Entführung und Ermordung dreier Jugendlicher (Lizas Welt) ist ein weiterer Teil der jüngst wieder offen aufgebrochenen Auseinandersetzung, deren friedliches Ende immer weniger als eine baldige realistische Option erscheint.

berlusconi_bloody_on_speaker_(seen near Leipzig, click pic to enlarge)

poem_in_the_wood(seen @ a party in wood near Dresden)

eln

melancholie und freude sind wohl schwestern

und aus den bäumen fällt verblühter schnee

mit jedem pulsschlag wird aus heute gestern

auch glück kann weh tun auch der moment tut weh

 

light_breaks_through_ikl959thru open door & pane breakes the light (shot near Berlin)

Ein merkwürdiger Vorfall hat sich heute Morgen in Bazouges zugetragen, einer kleinen Gemeinde an der Loire. Am Eingang der örtlichen McDonalds Filiale fing eine Figur des Unternehmensmaskottchens Ronald plötzlich an, eine rote Flüssigkeit  abzusondern, die große Ähnlichkeit mit Blut aufweist. Der Verdacht, es handle sich dabei um Vandalismus, konnte ausgeräumt werden. Die Geschäftsleitung beeilte sich, zu versichern, dass es in der Küche nicht zu Auffälligkeiten gekommen sei. Die Figur soll nun abgebaut und untersucht werden. Das Restaurant bleibt für einige Tage geschlossen, da es bereits zu Glaubensbekundungen gekommen ist. Unter anderem wurden Blumen niedergelegt… (src) (click pic to enlarge)

prudhomme_rabate-plastik-madonna-ronald_bleedingGespoilert, denn mit einem blutenden Ronald McDonald endet die Graphic Novel von Prudhomme und Rabaté, die in deutsch unter dem Titel Die Plastikmadonna erschienen ist. Auch wenn die Story nicht wirklich viel mit Ronald zu tun hat, um sogenannte Tränenwunder und den Umgang damit geht es schon. Zum Unternehmens-Clown (der in Japan auch weiblich erscheint) gibts mehr bei wkpd zu lesen.

Ein Film welcher den Weg von jungen Mädchen aus der ärmlichen und ländlichen Provinz in die städtische Sphäre von  unerfüllten Versprechen und gezwungener Sexarbeit anschaulich macht ist „The price of Sex“ (IMDB; press-pdf) von Mimi Chakarova. Ausgangspunkt ist das bulgarische Dorf, in welchen die jungen Mädchen keine Perspektive finden und die Erfüllung und Verwirklichung ihrer Träume in den Großstädten sehen.

the_price_of_sex_chakarovaGleich einem modernen Märchen kommt das Böse aus der Ferne – auf der Suche nach frischem Fleisch wird von AgentInnEn die Provinz bereist, mit Geld und Versprechen auf Arbeit werden junge Mädchen ins fremdsprachige Ausland begleitet und vermittelt, wo diese sich dann Lügen, Zwang und Gewalt ausgesetzt sehen. Dramatisierend wird von einer Entvölkerung etwa Moldawiens gesprochen, bei der die Alten unwissend um das Schicksal ihrer Kinder und Enkelkinder zurück bleiben – doch übertrieben oder unrealistisch wirken die Beschreibungen und Einschätzungen des Mädchen- und Menschenhandels in Metropolen wie Istanbul, Dubai oder Athen nie.

the_price_of_sex_chakarova02Der Film trägt durch das aktive Agieren der Autorin eine persönliche Note und bleibt dadurch sehr nahbar. Ein Defizit ist, dass Gespräche etwa mit Freiern und Zuhältern aber auch Prostituierten wegen deren Wissen um Rechtsbrüche oder Bedrohung für das eigene Leben all zu oft vage bleiben. Der Versuch den Alltag von Zwangsprostitution anschaulich zu machen gelingt nicht immer, doch exemplarische Einzelschicksale und einige offenherzige Schilderungen geben eine Vorstellung von den Abgründen in diesem Metier (erzwungener Sex mit Schwangeren, etc.).

yt_the_price_of_sex_04_2014_(Trailer on yt)

Der Zuschauer bekommt einen sehr vitalen Zweig moderner kapitalistischer Gesellschaft zu sehen, in welchem der Daseinszweck einiger Menschen auf die Funktion einer Dienstleistung reduziert wurde; von den weiblichen Opfern wird die aufgezwungene Rolle jedoch geleugnet – sie selbst sehen sich irgendwann als Geschäftsfrauen:

(Athens)

Mimi C.: When you go inside (a brothel), what is the first thing that you see?

Konstantin S. (HIV-Doctor): Mhm. First thing? Meat. But thats not the right question. It’s not the first thing, but the last. Last is… It’s pain.

Mikiru Bani: When the clients of the area are tired of the girls, they would report them. The police is corrupt. So they will arrest the girls, send them back home and bring new girls, because the costumers want new girls. […] Prostitution and trafficing has nothing to do with sex. It has to do with power, it’s violence. No girls who’s asked: „Would you rather become a nurse or a prostitute?“ will say, „I’d rather become a prostitute“. But if she’s raped and raped and raped than she will see her self as identity buisness-woman. It’s easier than to see herself as an identity victim.

Abseits der Schilderung schockierender Frauenschicksale und deren persönlichen Umgang damit weist der Film auf den Umstand hin, dass die Sphäre der Prostitution nicht nur von männlichen Geschäftemachern genutzt wird, welche die Frauen zur Sexarbeit zwingen bzw. dieses am Markt angebotene Fleisch kaufen. Auch Teile des Staates sind in den organisierten Menschenhandel involviert, nutzen mithilfe der Korruption Abläufe zur Profitmaximierung und für die Sicherung eigener Interessen. (hier mal online zu finden gewesen, hier Extract auf yt )

Mimi Chakarova – The price of Sex – USA 2010, 73 Min (eng. sub.)

during the night in distance the city is gleaming
licht-nacht_ikl959.com(shot in Leipzig)

wald_und_pfaehleAn dieser Stelle die Fortsetzung einer Reihe von field-recordings mit dem Titel „Die zehn Arten des Rauschens“. Hier die zweite Stundenversion – 2c1 (dzadr-Teil 1 hier zu finden). (->dzadr-2c1 uploaded@archive).

Braunkohle aus der Region gab es mal vor paar Jahren bissel intensiver (sehenswertes über die Situation in Espenhain im Jahr 1990 bei Spiegel-TV zu finden) als heute, auch wenn immer noch gebaggert und verbrannt wird.kraftwerk_lippendorf_ikl959(im Süden Leipzigs)

Während in den USA 2009 mit Obama erstmals ein Schwarzer Präsident wurde, so liegt die rechtliche Abschaffung der Sklaverei in den USA doch in diesem Jahr „nur“ 148 Jahre zurück. Getrennte Busse, Kindergärten und vieles weitere blieb bestehen – bis die  Bewegung um Martin Luther King oder Malcom X Mitte des 20. Jahrhunderts auf die diskriminierende Situation der Schwarzen verwiesen (diese mussten etwa auch in Tanzlokalen durch die Hintertür hinein und hinaus – der normale Eingang blieb nur den Crackern vorbehalten; im Bus hatten sie hinten zu sitzen uvm.) und eine Veränderung, eine Gleichstellung einforderten.

emmett_tills_death(mother of Emmett Till during the trial against the murder)

Noch vor der Bürgerrechtsbewegung ereignete sich 1955 der Mord an Emmett Till – das Motiv nichts als Rassismus. Der an der Tat beteiligte J. W. Milam:

‚Chicago boy,‘ I said, ‚I’m tired of ‚em sending your kind down here to stir up trouble. Goddam you, I’m going to make an example of you—just so everybody can know how me and my folks stand.‘ (src)

emmett_tills_murderBob Dylan hat die Geschichte über den Mord an einem 14 jährigen Jungen in ein Lied gepackt. (Listen it on yt!)

An dieser Stelle eine Produktion, welche im Rahmen des bereits im Juli 2013 stattgefundenem Festivals „addicted to random“ gesendet wurde. Sie trägt den Titel „Die zehn Arten des Rauschens v.1.8“ (->uploaded@archive).

Vorab gibt es noch ein paar Worte zur Einleitung (in deutsch).

ortseingang_bernburg-ikl959Ortseingang von Bernburg/Saale, dem (gewünscht-gewolltem zukünftigem & historischem) Herz Sachsen-Anhalts.

met & killed this blood-sucking stable-fly (en.wiki) aka Wadenstecher (de.wiki) btw Leipzig/Halle;Stomoxys calcitrans_reverse_ikl959

on first view looks like normal house fly, but the posterior is obvious different:

Stomoxys calcitrans_back_ikl959Instead of a sucker (Saugrüssel) there is a proboscis (Stechrüssel).

Stomoxys calcitrans_side-normal_ikl959moving the proboscis:

Stomoxys calcitrans_side-moving_ikl959further informations e.g. here (nemesis)

bug_makro-ikl959(bug macro, click to enlarge)

Jan_Jarovsky(1952-2012)RIP-Liberecsprayed „Jan Jarovsky [?] RIP 1952-2012“ (seen in Liberec/Czech Republik)

click pics to enlarge!gadfly_total(gadfly total)

gadfly_detail2(gadfly detail close)

here another gadfly-macro-pic