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Eine Nacherzählung ohne Anspruch auf Faktizität und Vollständigkeit über den 28. Juni 2013:

In Berlin steht ein offensichtlich verwirrter Mensch (leicht/un-bekleidet und mit einem Messer in der Hand) vor dem Roten Rathaus im Neptunbrunnen. Als die Polizei eintrifft soll er im Wasser liegen, welches bereits etwas blutig ist – der Mann hat sich selbst verletzt. Die Beamten sehen (vielleicht ist der prominente touristische Ort unweit des Fernsehturms von Bedeutung) unmittelbaren Handlungsbedarf, obwohl in dem Augenblick Leib und Leben keiner weiteren Person bedroht ist.

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Ein Polizist übersteigt den Brunnenrand, versucht mit Manuel F. zu sprechen, der reagiert nicht. Der Uniformierte steigt wieder aus dem Brunnen. Mit gezogener Pistole macht sich ein anderer Beamter die Füße nass, stellt sich zu Manuel F. ins Wasser, geht auf den Verwirrten zu, fordert diesen auf sein Messer niederzulegen. Dieser reagiert, sieht sich vermutlich seinerseits durch die auf sich gerichtete Waffe bedroht, handelt irrational und geht auf den Beamten zu – welcher zurückweicht.

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Ein Schuss kracht (anfängliche Berichte sprachen zunächst davon einer der sieben anwesenden außerhalb des Brunnens stehenden Polizisten habe geschossen…). Manuel F. fällt nicht gleich um, so Augenzeugen (acht Sekunden soll er senkrecht gestanden haben), dann fällt er ins Wasser – getroffen in die linke Brust. Er verliert das Bewusstsein, spätere Wiederbelebungsversuche im herbeigeeilten Krankenwagen sind erfolglos. Wegen der Kugel aus der Polizeiwaffe starb Manuel F., stellt das Obduktionsgutachten danach fest.

Über den Tod im Neptunbrunnen wurde in Berlin schnell Unverständnis geäußert:

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Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen den Beamten, welcher den tödlichen Schuss abgab, wurde nach 56 Tagen eingestellt – der Verdacht, dieser habe nicht in Notwehr gehandelt, konnte nicht erhärtet werden (Zeit.de). 40cm Brunnenrand sind also nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Berlin für Polizisten ein unüberwindliches Hindernis. Warum stieg überhaupt ein Polizist in den Brunnen (indem sich sonst niemand aufhielt als der Verwirrte), wenn der Sprecher der Berliner Polizei meint:

In der Ausbildung lernen die Beamten, dass man sich Personen mit langen Messern nicht nähern soll. Eine Distanz muss hergestellt werden. (via)

Der fehlende Warnschuss wird da zur Nebensache (weil er auch eher Anwendung findet wenn Jemand flüchtet). Jedoch blieben und bleiben bis heute Fragen offen nach der Legitimität des Schusswaffengebrauch überhaupt (siehe Artikel Bettina Hammer bei Heise) und nach der Qualität der Schulung der Bereitschaftspolizisten. Wenn die Pistole zum Einsatz kommt, dann wäre etwa im Fall von Manuel F. gezielt nichtletaler Einsatz sinnvoller gewesen, als den Menschen aus dem Leben zu reißen (was für ein Leben dieser auch immer gehabt hat & auch wenn der Polizeisprecher meinte in den Fuß schießen hätte nichts gebracht). Der Vorfall hat wenig dazu beigetragen in die Zielsicherheit der Beamten zu vertrauen. Die Polizei versuchte noch vor Ort die Berichterstattung über ihr Verhalten zu verhindern, indem anwesende Augenzeugen ihre Video-Telefone und Fotoapparate abgeben mussten… Ein Grund mehr an das Ereignis vor einem Jahr zu erinnern.tod-am-neptunbrunnen

(src)

In den USA gab es 2009 einen ähnlich Vorfall was die Linsendichte angeht- ein Polizist erschoss dort vor diversen laufenden Handy- und Überwachungskameras Oscar Grant. Der Fall sorgte wegen seiner Eigenheiten in Folge für mehr Unmut als der Tod von Manuel F.  in Berlin. Am Ende steht dann eine monatlich aktualisierte Liste mit Toten auf dem Konto der amerikanischen Polizei. Oder eben zählbar vielen Opfern der deutschen Polizeigewalt (& sei diese auch rassistisch motiviert & die Liste lückenhaft).

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