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Eine Frau, die ihr Können in den Dienst eines Regime stellte welches den Krieg verherrlichte und den Tod heroisierte, ist Leni Riefenstahl (1902-2003). Der Film „Das blaue Licht“ (Zusammenfassung: eine Art Bergmärchen, die Bedrohung durch den Berg, die Entzauberung und Zerstörung der Welt) zeigt sie in der Hauptrolle.

leni_riefenstahl03-ikl959.comEs ist ihr erster eigener Film, der zusammen mit dem Filmtheoretiker und -produzenten Béla Balázs 1932 entstand. Doch es scheint vor allem ihr Produkt – sie übernahm neben dem Drehbuch und der Hauptrolle auch Produktion, Schnitt und „Bildgestaltung“ (erzählt sie auch hier -4 Min; mögliche Einflüsse durch Béla Balázs sollten jedoch nicht abgestritten werden). Viele Rezensionen sind sich einig, dass die Autorin es verstand mit den Mitteln der Cinematografie etwas in Szene zu setzen – sich.
leni_riefenstahl02-ikl959.comIhre Rolle ist die einer außerhalb der Gesellschaft lebenden – von der Dorf-Gemeinschaft gemiedenen, beargwöhnt, auch gejagten – Bergbewohnerin. Den Filmkonsumenten wird sie auch als eine Frau gezeigt, die sexuelle Assoziationen weckt (Zizek sagt eh: alles Freud…).  „Das blaue Licht“ (watch) ist einer der Filme, durch welchen die Nazis um Hitler und Goebbels auf die Person Riefenstahl und ihr filmisches Können aufmerksam wurden. leni_riefenstahl-ikl959.com Leni Riefenstahl stand später mehr hinter, als vor der Linse, tauchte dann mit Linse vor dem Helm ganz ab. Ihre Begeisterung für die Tiefsee Jahre später wirkt letztlich wie eine Absage an die Oberfläche, von der sie sich in eine menschenleere Umwelt zurückzog – missverstanden und zu Unrecht geschelten. Der Film „Das blaue Licht“ sei insofern „eine Voraussage meines eigenen Schicksals„.

Es sollte immer wieder gefragt werden: wie groß war die Ablehnung der Gesellschaft nach 1945 gegenüber ihrem Schaffen zwischen 1933 bis 1945 wirklich? Wie kritisch ist der Umgang mit ihr heute? Und: was hat sie da eigentlich für den bis 1945 existierenden deutschen Staat gemacht? Auch wenn vermeintlich apolitisch aktiv so wusste sie doch um die Radikalität der Ideen, vom Inhalt ganz zu schweigen. In jedem Fall hat sie, wie viele andere nicht nur unter den Kunstschaffenden, die von dem Regime gebotenen Bequemlichkeiten genossen und die neuen Möglichkeiten genutzt – um sowohl den Auftraggeber zufrieden zu stellen als auch um am großen deutschen Kriegs-Volks-Projekt teilzuhaben und dieses mitzugestalten.

vgl. zum Thema auch: „was blieb sind mehr als Bilder„, „gesichtslos – Opfer wie Täter

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  1. Veranstaltungshinweis: am 27.11.2013, 19:00 Uhr, gibt es in Leipzig in der Hochschule für Grafik und Buchkunst (Wächterstr. 11, Galerie) einen Vortrag unter dem Titel »Eine Welt wie Modellierton: Elemente nationalsozialistischer Propaganda und Filmpolitik« von Tobias Ebbrecht-Hartmann. Im Ankündigungstext heißt es:

    Der Film als Massenmedium war für die Nationalsozialisten eines der wichtigsten Mittel zur Herstellung und Erneuerung des Einverständnisses der Bevölkerung mit der politischen Führung und der Verbreitung und Festigung der nationalsozialistischen Ideologie und Weltvorstellung. Direkt dem Propagandaministerium unterstellt, wurden die Filme jedoch nicht nur einer sehr genauen Prüfung während ihres gesamten Produktionsprozesses unterzogen, sondern erfuhren bis in die letzten Kriegsmonate hinein auch eine weit intensivere Förderung als andere Unterhaltungsmedien wie Theater oder Varieté. Die Nazis, insbesondere Goebbels, sahen die Potentiale des Films aber nicht in erster Linie in seiner explizit propagandistischen Funktion. Goebbels forderte vielmehr eine »Filmkunst«, die »ihre Haltung durch nationalsozialistischen Charakter und durch das Aufraffen nationalsozialistischer Probleme zum Ausdruck bringt.« Daher wollte man mit Mitteln der Unterhaltung und durch von der Gegenwart enthobene Szenarien – insbesondere Historien- und Kostümfilme – implizit die erwünschten Botschaften transportieren. Aus dem erzwungenen Exil in den USA schrieb der deutsch-jüdische Filmkritiker Siegfried Kracauer hellsichtig, »daß eine Welt, die durch Propaganda gestaltet wird, wie Modellierton wird – formloses Material, dem jede Eigeninitiative abgeht.«

    siehe http://www.hgb-leipzig.de/ladenmaedchen/


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