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Veiel: „Ich wollte Marco und Marcel Schönfeld aus dem Monsterkäfig holen, ihnen eine Biographie geben. Man muss sich die Täter als Menschen vorstellen. Das ist die eigentliche Provokation. […] Ich wollte die Ereignisse nicht eins zu eins abbilden, ich wollte eine Distanz schaffen, die über die Medien Theater und Film funktioniert. Ich wollte keinen Glatzköpfigen, der etwas in die Kamera stammelt – und dem niemand zuhört. Mit den Schauspielern unterlaufe ich den inneren Widerstand des Zuschauers. „ (src)

Auf dem Bild der alte Schweinestall in Potzlow, dem Ort wo Marinus im Sommer 2002 in einen Schweinetrog biß und Marcel von hinten auf seinen Kopf trat.

Danach warfen die Brüder noch zweimal einen Stein auf den noch atmenden Jungen und versenkten den später leblosen Körper in der Jauchegrube des Stalls. (src)

Provoziert fühlten sich die national-denkenden jungen Ostdeutschen u.a. „Weil er Jude sagte“

Heiko (Freund der Täterbrüder Marco und Marcel):

„Juden gehören ja zu jedem Land. Jedes Land hat ja seine Juden. Deutsche sind das nicht. Das war ja nicht dem Hitler seine eigene Idee die ganzen Juden umzubringen, das war ja der Himmler, der hat das ja organisiert. Der Hitler hat ja gar nicht groß gewusst davon. Und wenn dann so einer Anfängt, dann kann man ja mitmachen, oder?

Ich hab meinen eigenen Kopf. Klar trage ich mein Fred-Perry-T-Hemd mit 88, ist ja wohl was anderes was man im Kopf hat oder was man auf dem Leib trägt. Heil Hitler – da denkt man an die Zeit des Reiches. Das man deutsch denkt, dass man dazu steht dass man deutsch denkt. Deutsch denken. An die Zukunft denken. Für die Familie da sein. Arbeiten.

Ein sehr ungeschönter und direkt wirkender Einblick in die rechte-ostdeutsche-Jugendkultur der mit zunehmender Dauer anstrengend wirkt. Über 80 Minuten nehmen zwei Schauspieler verschiedene Rollen ein, rekonstruieren die Abläufe, offenbaren Ideologie und Motivation. Irgendwann (so etwa nach einer Stunde) wird der Wechsel jedoch ermüdend. Nichts desto trotz ein sehenswerter Film, der einen Blick in einen deutschen Abgrund wirft, in welchem die Akteure neue Gräben ziehen. Als Grundlage dienten 1500 Seiten Gesprächsprotokolle.

Andreas Veiel: Der Kick (2006), 82 Min. (imdb, critic.de)

update:

Da sprach ein Bürgermeister davon, so etwas komme in der Großstadt jede Woche vor. […] in Potzlow regt sich niemand auf, wenn der Mann von der Feuerwehr in kurzer Hose und mit SS-Runen auf der Wade herummarschiert. (src)

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One Trackback/Pingback

  1. By NSU « Im Kopf Lokalisation on 06 Jan 2013 at 4:16 am

    […] gilt es auch zu Protestieren – ein Sachschaden. Aber selbst bei schlimmerem: Menschen sterben doch immer und überall. Dabei ist jedoch auch zur Entschuldung der Wurzner zu sagen, dass die Schäden des NSU-Anschlags […]

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