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Der 54-Jährige W. war Ende vergangener Woche nach Chemnitz gezogen. Hier wollte er sich nach Verbüßung von fünf Jahren Haft und 18 Jahren Sicherungsverwahrung wegen mehrfacher Vergewaltigung von Taxifahrerinnen eine neue Existenz aufbauen. (src) (via)

Mich erinnern diese ganze öffentliche und nun von der NPD instrumentalisierte Aufregung, der Protest, die zutagetretende Ablehnung und die alldafür aufgebrachte Energie an die Belagerung von Honecker nach dessen Machtverlust und Flucht aufs Dorf, folgt man den Ausführungen des Pastors Uwe Holmer (bei etwa 13 Minuten) :   Dabei ist natürlich die Verknüpfung eine andere: Honecker als Politiker musste damit rechnen auch nach Amtsabgabe eine Person von Interesse zu sein. Hingegen sind die zwei von der Staatsmacht für ihre Vergehen bestraften (und nun im Prozess der Wiedereingliederung in die Gesellschaft) in Insel Belagerten in den Fokus geraten, weil sie Angst machen. Die vorgesehene Wiedereingliederung in die Gesellschaft trifft auf Ablehnung. Auf Grund einer konstruierten Phantasie wird hier der mögliche Täter schon vor der Tat verurteilt, vielmehr: ausgeschlossen, in die Mitte genommen. Es gilt ihn zu stigmatisieren – erfolgreich, wie es scheint. An anderen Orten findet sich mittlerweile eine ebensolche Ablehnung gegen ihn:

Bereits am Dienstagabend war es am neuen Wohnwort von W. in Chemnitz zu einer Kundgebung gekommen. Dabei protestierten nach Angaben der Polizei rund 50 Menschen gegen die Anwesenheit des einstigen Sexualstraftäters. Die Chemnitzer NPD hatte sich als Organisator dieser unangemeldeten „Spontandemonstration“ bezeichnet, bei der auch Transparente zum Einsatz kamen. Laut Stadtverwaltung wird die Rechtmäßigkeit dieser Veranstaltung geprüft. Zugleich bestätigte die Stadt, dass für Freitag und Sonntag von NPD-Vertretern weitere Kundgebungen vor dem inzwischen von W. verlassenen Wohnhaus angemeldet worden seien. (src)

Welches Ziel die NPD an der leeren Wohnung den aufgeregten Anwohnern kundtun wird ist mit Sicherheit nicht unerwarteter Natur.   Der Erfolg der Aktion in Chemnitz verdeutlicht, wieviel Misstrauen, zustimmende und gelebte Ablehnung gegen etwas zukünftig Mögliches zu finden ist (Menschenangst?), welche gar (partiell) deckungsgleich mit dem menschenvernichtenden Welt- und Geschichtsbild der Nazis ist. Es wird immer mehr zu einer Geschichte einer erfolgreichen Stigmatisierungskampagne welche möglicherweise wegen des so durchschlagenden Erfolgs Nachfolger finden wird – die neue Existenz blieb dem „54-jährigem“ vorerst verhindert. Er ist auf der „Insel“ deutscher Tugendhaftigkeit an den Pranger des Missratenen gebunden worden, nicht nur von der NPD.

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