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Ist es politisch ein Werbeplakat für eine Partei zu gestalten? Vermutlich schon. Das Plakat soll Idee und Ziel der Gruppe abbilden, es durchläuft einen Prozess von der Idee bis hin zur Bildwerdung des politischen Statements.  Verschiedene Werbeplakate für einen grünen Politiker im Weimar gestaltete eine Künstlergruppe welche der Uni entstammt. Dabei war u.a. ein Plakat, welches selbst von den Künstlern mit Farbeiern beworfen wurde, zu lesen: „In der Politik ist es manchmal wie mit der Grammatik: Ein Fehler, den alle begehen, wird schließlich als Regel anerkannt. (Andre Malraux)

Das ist dann also Kunst. Ein anderes Plakat für den Grünen Politiker Carsten Meyer hat den Unmut von aergernis und anderen Bauhaus-Studierenden auf sich gezogen. Es ist eine Kreation der Studentin Katja Triol und zeigt, für politische Plakate von heute eher ungewöhnlich, einen sozial- und gesellschaftlich Exkludierten:  Zu sehen ist stilisiertes Ghetto, ein Mann mit Plastikbeuteln und verschiedenfarbige Mülltonnen. Der Zusammenhang wird schnell deutlich – offensichtlich ein Flaschensammler oder jemand der Mülltonnen durchsucht. Der Slogan „Mehr Farben. Mehr Freude.“ lässt sich vielseitig verstehen, spielt hier jedoch auf die Mülltonnen an. Also: mehr Freude für die Tonnenwühler wegen der Vielzahl an Farben. Der Grüne Politiker Meyer hilft auch dir Tonnenwühler zu einem glücklicheren Leben, aka „im Tale grünet Hoffnungsglück.“ Es ist kein Witz, trotzdem ist es lustig gemeint. Was zeigt es genau? Aergernis meint nicht untreffend:

Es ist die widerliche Klassenarroganz und Distinktion der gut gestellten Mittelschicht, die im Bioladen einkaufen kann, sich im Eigenheim am Rand einer Kulturstadt zur Ruhe gesetzt hat, oder hier verweilt, um das von den Eltern bezahlte Studium zu absolvieren. Hier spricht so ungeschminkt eine – zur Rede gestellt ganz bestimmt überhaupt nicht bös‘ gemeinte – Verachtung für diejenigen, die vom Wohlstand dieser Gesellschaft ausgeschlossen sind und denen man – wenn nicht mit den Polizeiknüppeln der Ordnungsmacht, so doch symbolisch, mit Bildern – noch hinterhertreten muss. (src)

Armut dient hier als Werbegag und artikuliert daneben im beste Sinne »wohlgemeinten Bürgerrat«. Der Arme ist in der modernen Gesellschaft nicht bloß Manövriermasse sozialpolitischer Verwaltung sondern zieht stets das erzieherische Engagement besser gestellter BürgerInnen auf sich. Er kann nicht nur beraten, begleitet, therapiert, weggesperrt oder geduzt werden – er kann auch ungefragt als großformatige Werbefigur eine Stadt und deren Lokalpolitik präsentieren, die ihm nur in den Arsch tritt. (src)

Politische Kunst ist meistens peinlich – sich als »Künstlergruppe« an eine etablierte politische Partei anzuschmeißen spricht dagegen nicht nur für einen wirklich schlechten Geschmack, sondern ist zudem gleichzeitig ein doppelter Verrat – an der Autonomie der Kunst, die sich einst von den staatlichen Institutionen emanzipierte, sowie am avantgardistischen Aufhebungsversuch der Kunst […] (src)

Was noch zu erwähnen wäre: das Plakat wurde bereits nach kurzer Zeit beschädigt. Offensichtlich war Jemandem der Unmut über das Bild zu groß und er schändete das politische Kunstwerk.

update: lesenswertes zum Thema Kunst bei ofenschlot.

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