Skip navigation

Schon der Titel lässt ahnen: es scheint ein nie kommender Tag, oder ein Abgesang, ein Bedauern. Es ist ein Lokalzentrismus (der auch zu Nazis passen würde – oder sind die eher National?), der eines Tages wichtig geworden oder bis heute geblieben ist – sei es qua Herkunft, Hinzug oder (ich will dies nicht unterstellen) ein Punkt von persönlich wie auch immer motivierter Relevanz . Welcher Relevanz wäre die Frage – für das Subjekt die Antwort. Wäre die Frage zu stellen ob das Subjekt aufgeklärt, reflektiert oder sonstwas ist. Dass das Subjekt reflektieren kann wird offensichtlich, wenn es Kritik formuliert. Im folgenden eine Kritik an der Kritik an Pogrom 1991:

Kritik an der Bürgernähe der Initiative Progrom.91

Liebe Initiative Progrom.91,

auch wir als Antifaschist_Innen folgtem eurem Aufruf zur Demonstration am 17.September [2011, Anm.] in Hoyerswerda. Und auch wir musste leider miterleben, wie ihr mit den Progromen von 1991 umgeht.
Für uns war die propagierte Bürgernähe mehr als erschreckend. Seit 20 Jahren kämpfen Antifaschist_Innen um die Anerkennung der Progrome, welche durch Nazis und Bürger_Innen – oder schlichtweg Deutsche – zum weltweiten „Ruhm“ von Hoyerswerda führte.
Doch euer Weg ist nicht der einer Kritik an den Bürger_Innen. Anstatt die Schuld kollektiv zu verteilen und allen Bürger_Innen klar zu machen, dass sie zumindest Schuld an der nichtvorhandenen Aufarbeitung, und der Verdrängung sind, versucht ihr ein vorgeschobenes Problembewusstsein zu schaffen.

Fail. Ohne Problembewusstsein keine Diskussion – eure Antwort – die leider nicht auf den Punkt Bewusstsein eingeht, sondern auf etwas anderes: eben jenes Bewusstsein dass die Ereignisse auf der Straße liefen wie sie liefen.

Unstrittig ist die Schuld der an diesem Tag beteiligten Nazis und Bürger_Innen. Unstrittig ist auch das unvorstellbare Verhalten von staatlichen Repressionsorganen. Unstrittig sollte jedoch auch sein, dass jedeR Bürger_In von Hoyerswerda auch noch heute schuldig ist. Niemand in diesem Plattenbaukomplex, welcher 30.000 Einwohner_Innen umfasst ist ein Opfer. Sie alle bleiben Täter und sollten auch als genau das benannt werden!

Es geht nicht um Schuld oder Unschuld, sondern um das Bewusstsein des Stillhaltens, die Funktion eines Zuschauers und eben – wie ihr es definiert – des Handelnden, des Täters.

Niemals soll die hässliche Fratze des deutschen Mobs vergessen werden, welche in diesen Tagen Molotovcocktails und Steine gegen die Wohnungen der Migrant_Innen und Vertragsarbeiter_Innen warfen. Niemals soll vergessen werden wie die Täter geschützt wurden.
Und niemals soll vergessen und verziehen werden wie dieses Progrom seit 20 Jahren kleingeredet wird.

Und genau dagegen richtet sich doch auch die Kritik von Pogrom.91.

Doch eure Reaktion ist dabei typisch deutsch. Ihr versucht eine Zivilgesellschaft aufzubauen, in dem ihr ein Schamgefühl und ein sog. Problembewusstsein schafft.

Was ist denn eure Kritik am Problembewusstsein? Verkürztes Bewusstsein ist Scham, reflektiertes sollte ein als Problem wahrgenommen Punkt durch Handeln zu ändern versuchen, or not?

Ihr macht dies auf eine perfide Art und Weise, indem ihr zum Beispiel die Bürger_Innen auf der Demonstration direkt ansprecht und sie auffordert an der Demonstration teilzunehmen.

Wenn es wirklich nur darum ging Menschen dazu einzuladen, dem Pogrom von 1991 in einer anderen Weise zu gedenken als Stadt und Offizielle ist dies anzuerkennen. Wenn es nur darum ging ein größeres Bündnis, auch mit teilnehmenden inhaltsunwissenden Subjekten zu erreichen, kritikwürdig. Es steht aber außer Zweifel, dass im lokalen Presseorgan (der Sächsischen Zeitung) von einer Teilnahme der Hoyerswerdaer Bürger an der Pogrom.91-Demo abgeraten wurde: „Ich für meinen Teil glaube, wer als Hoyerswerdaer wirklich [im Original, Anm.] etwas für seine Stadt tun will, ist besser auf dem Altstadt-Markt oder dem Lausitzer Platz aufgehoben. Dort findet von 13.30 bis 17 Uhr ein angemessenes stilles Gedenken statt.“ (Quelle)

Doch damit stärkt ihr nur einen staatlichen Antifaschismus, dessen größtes Problem der Schaden des weltoffenen, transkulturellen Deutschland – oder in diesem speziellem Fall Hoyerswerda ist.

Fail. An das Progrom in einer anderen Weise zu gedenken als Stadt und Offizielle, nämlich inhaltlich und scheinbar reflektiert, dadurch wird nicht der staatliche Antifaschismus gestärkt, sondern das Gedenken bekommt eine weitere Facette – im Idealfall geht es nicht um die Standortaufwertung (wie die Adjektive weltoffen oder transkulturell implizieren), sondern das Offenlegen von Problemen, also keine weitere quasi Funktion im großen Projekt Antifaschismus einzunehmen sondern die spezielle Art des Gedenken an den Ort zu tragen – (nichts anderes machen im übrigen die Nazis bei ihren Aufmärschen in Dresden nur eben unter dem Aspekt des Opfermythos – warum habt ihr die noch nicht so scharf kritisiert, oder macht das „thedaydresdendied“?)

Niemand erkennt in diesem Zusammenhang, dass das eigentliche Problem Deutschland und seine Dorfgemeinschaften bleibt!

Weil die Dorfis kein Bewusstsein (oder das in euren Augen falsche Bewusstsein) haben, oder wieso?

Dieses Problembewusstsein [des Pogrom.91, Anm.] ist also nur vorgeschoben um eine minimale Effektivität eurer Arbeit herbeizubeschwören und damit die Realität zu beschönigen. Auch ihr seid also in diesem Fall Mitschuld an der fehlenden Aufarbeitung der Progrome von Hoyerswerda. Ihr macht euch selbst zu deutschen Tätern indem ihr die Auseinandersetzung beschönigt und damit die Progrome relativiert.

Was wurden denn beschönigt? Für ein Zitat wäre ich dankbar. Es ist im übrigen genau das Gegenteil der Fall: erst durch die Initiative wurde überregional (meinetwegen auch im MDR) zwar mehr über die Anlässe der Demonstration und weniger über deren Anliegen (aber auch deren scheinbares Scheitern) berichtet, aber euch immerhin einen Ansatzpunkt gegeben Kritik zu üben – wieso werden diese dann zu Tätern? Relativieren tut hier nur einer: ihr.

So gut euer Anliegen also war, trennt euch in der Umsetzung nicht viel vom allgemeinem deutschen Mob.

O-Ton Bildzeitung? Gibt es neben dem allgemeinen auch einen spezifischen deutschen Mob? Ihr übt Kritik an der Umsetzung, formuliert die aber leider nicht weiter aus. Latschdemo und Zettel verteilen, Leute auf der Straße anquatschen um deren Positionierung in eben jenem Moment abzufragen ist für euch also das selbe wie Molovcoctails auf Häuser werfen um einen als für das eigene Leben (und wenn es um Deutsche geht: für die als Kollektiv empfundene Gemeinschaft) störenden Moment (es geht wohlgemerkt um die Anwesenheit von Menschen!) zu beseitigen? Wtf.

Sicherlich wollen wir euch nicht vorwerfen, dass ihr im nächsten Moment Nazis vor Cops schützt, während erstere Migrant_Innen angreifen – trotzdem tragt ihr in der innerlinken Diskussion mit diesem Auftreten massiv zu einer Relativierung bei.

Again: relativating is ur business!

Diese Art und Weise der Auseinandersetzung ist für uns jedoch nicht tragbar. Wir sehen keinen Sinn in der Zusammenarbeit mit Bürger_Innen, welche diese Progrome auch heute noch unterstützen würden.

Ein interessanter Punkt. Erinnert mich an die Fragestellung: Erinnern, aber wie? Euer Fehler ist jedoch, dass ihr die Bürgerlichen (so habe ich Bürger-Innen verstanden) mit dem Mob gleichsetzt, weil in jedem Ereigniss hierzulande nach eurer Wahrnehmung sich der Mob bahn bricht (dies scheinbar primär in der „Dorfgemeinschaft“).

In der Auseinandersetzung mit selbigen [den Bürger_Innen], welche eine radikale Linke als „gleichwertige Störenfriede“ wie Nazis empfinden. Und wir sehen keinen Sinn in der Auseinandersetzung mit dem deutschem Mob!

Bahn gebrochen hat sich der Mob in verschiedenen Situationen zu verschiedenen Zeiten immer wieder – so auch direkt nach dem Zweiten Weltkrieg (siehe hier oder hier) und verdient das Wort Mob, wie auch die Ereignisse im Zuge der Überwindung der geopolitischen Folgen des Zweiten Weltkriegs mit 1990/1991 in Deutschland (z.B. Rostock, Mölln, Solingen oder jeder anderen Stadt) dieses Wort verdienen. Nicht zu vergessen neben den „großen“ Ereignissen, die kleinen – wie  jemanden unliebsames aus der fahrenden Straßenbahn zu werfen oder dessen Tod selbst mit dem Messer in der Hand herbeizuführen (z.B. wie zuletzt in Leipzig der Tod von Kamal K.)

Wir fordern also hiermit das gleiche, was das Café Morgenland bereits 1991 forderte.
Brennt Hoyerswerda nieder!

Hammer und Sichel dem deutschen Michel!
Deutsche gibt’s in jeder Stadt – bildet Banden macht sie platt!

tdzd im September 2011

Anzünden & platt machen, und zwar jede Stadt (oder nur deren Bewohner?). Hammer und Sichel dem deutschen Antifa-Michel. Wo bleibt eure Kritik an diesem Erinnerungsentwurf? Im Verbrennen ist in der Tat eine Lust zu finden (Freud hat da sicherlich was drüber geschrieben). Nur weil das Dreckskaff Zwickau einfach nicht sterben will (oder weil es dies eben vielleicht nach eurem Empfinden vielleicht schon sehr oft ist), übertragt ihr das auf andere Städte. Dabei hat Zwickau doch soviel zu bieten, wie ihr selber so schön zusammentragt: den Kristallisationspunkt der deutschen Zustände. Und das beinhaltet eben auch die öffentliche Gedenktafel für die tolle Stimmung in den deutschen Landen 1990 im knapp 40km entfernten Plauen – dem Hort wo (wie zu lesen ist) erstmals die Forderung nach der deutschen Vereinigung von der versammelten Volksmasse ausgesprochen wurde:

„Vom 14. Oktober bis zum 17. März 1990 [was für eine irritierende Zeitangabe] sprechen auf der Freitreppe Vertreter der neuen demokratischen Kräfte zu den Demonstranten und beginnen die Demonstrationen durch die Stadt Plauen, an denen sich Zehntausende beteiligen. Die ersten Forderungen auf den Plauener Massenkundgebungen waren „Pressefreiheit“, „Reisefreiheit“, „demokratische Wahlen“ und – „Stasi in die Produktion“. Später kam – erstmals in Plauen ausgesprochen – der Ruf nach der deutschen Vereinigung auf.“

Eure Antwort auf sowas: nicht problematisieren, sondern exekutieren. Eigentlich habt ihr damit recht – fahrt nach Plauen und sprengt dieses Schild. Wäre jedoch zu vermuten, dass sich dadurch im Bewusstsein über das zweifelsohne kritisierenswerte deutsche Erinnern nichts ändern wird. Stellt sich die Frage nach der Methode – eure Antwort vielleicht eine typische: sich des Problems im Feuer zu entledigen, also alle deutschen Kleinstädte dem Erdboden gleichmachen (nur Polemik? dann lasst das polemisieren!). Sich jedoch an die Alternative einer kritischen Theorie zu halten, sich die Möglichkeit eines Bewusstsein offen zu halten welches als einzige Instanz vielleicht auch die Welt anders einzurichten versucht, jedoch vor allem zuerst Grundlage einer Veränderung sein sollte, wird von euch negiert. Ernüchternd wenn die sich radikal Links dükenden Subjekte (als die ihr euch ja scheinbar empfindet) über falsche Kritik an Latschdemos und dem Hass auf die ungeistige Provinz nicht hinauskommt. Dadurch stärkt ihr die kulturhegemoniale Stellung der Stadt, die das anscheinend nötig hat (da spitzen sich die deutschen Verhältnisse im übrigen nur in einer anderen Form zu). Um meine Kritik an eurer Kritik in einen Satz zu fassen: die Nähe die ihr in der Motivationsüberschrift postuliert existiert nach meiner Wahrnehmung so nicht.

zu Pogrom.91

zu thedayzwickaudied

(via afterchangeswearemoreorlessthesame)

Advertisements

You can comment this. Feel free to drop a word!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s