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Der Antisemitismus und die Judenfrage als geschichtliche, solzialbedingte, geistige Erscheinungen gingen und gehen mich nichts an. Sie sind ganz und gar Sache der Antisemiten, ihre Schande oder ihre Krankheit. Die Antisemiten haben zu bewältigen, nicht ich. Ich würde ihnen in die unsauberen Hände spielen, wollte ich untersuchen, welchen Anteil an den Judenverfolgungen religiöse, ökonomische und andere Faktoren haben. Wenn ich mich einließe auf derlei Untersuchungen, würde ich nur der intellektuellen Düperie sogenannter geschichtlicher Objektivität aufsitzen, vor der die Ermordeten so schuldig sind wie die Mörder, wenn nicht gar schuldiger.

Eine Wunde wurde mir geschlagen. Ich habe sie zu desinfizieren und zu verbinden, nicht nachzudenken, warum der Schläger die Keule hob, und im erschlossenen Darum ihn schließlich halb und halb zu diskulpieren.

Jean Améry – Jenseits von Schuld und Sühne (2. Aufl. München 1970), S. 109f

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