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…verkommen Veranstaltungen zu einer Pflichtübung. Für Einige ist es der 24.12, für Andere (oder vielleicht auch die selben) der 13.02 in Dresden. In der sächsischen Landeshauptstadt ist Anfang diesen Monats versucht worden, öffentlichkeitswirksam den Countdown („nur noch 66 Tage“) bis zum Event, bis zur Selbstvergewisserung, zu starten – unter dem Slogan „Dresden Nazifrei“:

Publicity, die Masse, ist das worauf gesetzt wird – schon in der Vorbereitung. So wurden im innerstädtischen Shoppingquartier Flyer verteilt – nur noch 66 Tage bis zum „Event“…. Doch das dahinfiebern der lokalen Antifaschisten ist sogar nachvollziehbar: ein Großteil der Dresdner lässt sich am 13.02 nicht auf der Straße blicken, bezieht lieber gar keine Position und überlässt das aufpolieren des weltoffenen-touristen Image lieber den europaweit angereisten Antifaschisten die sich Polizei und völkisch/nationalen gegenüberstellen. Dabei mobilisieren Gewerkschaften, Parteiorganisationen und dutzende weitere Initiativen seit den letzten Jahren kontinuierlich nach Dresden, um sich ihrer politischen Selbstverortung zu vergewissern.

Das Antifabündnis No Pasaran war von Teilen der linken Szene kritisiert worden, weil man angeblich nur auf Masse und nicht auf Inhalte setzt. Bei No Pasaran würde nicht über den Opfermythos geredet werden, sondern man arbeitet stattdessen mit Teilen der Zivilgesellschaft zusammen die selbst dem Mythos frönen. Tatsächlich versuchte jedoch No Pasaran kontinuierlich das Thema auf die Agenda zu setzen. Offenkundig nicht unerfolgreich, so heißt es in einer Pressemitteilung der sächsischen Linken.

Dresden ist zu einem Mythos erwachsen, um dessen Deutungshoheit gerungen wird  – das Ringen aber in erster Linie der wohltuenden Selbstverortung dient sich immer noch auf der Seite der „Guten“ zu befinden. Die anderen Tage des Jahres spielt das Problem „Nazi“ nicht so die Rolle und es ist auch klar warum – fehlende Kritik an nationalistischen, rassistischen oder antisemitischen Ideen macht man am 13.02 wieder wett – der Beweis wird alljährlich erbracht. Statt Haltungen/Einstellungen zu personifizieren wäre Ideologiekritik nötig. Statt der „Befreiung“ von der vermeintliche Trauergemeinde der Nationalen wäre eine progressivere, translokalistische Forderung wünschenswert.

Abgesehen von politischen Verlautbarungen rund um den 13.02 geht es darum, sowohl das Image der Stadt zu polieren wie auch sich einer scheinbar emanzipatorischen Bewegung anzuschließen. Die Politik scheint darauf zu reagieren:

Da zeigt sich, dass das Bündnis bereits erreicht hat, dass die OB in die Pflicht gerät, auch ihren Teil zur Verhinderung der Naziaufmärsche beizutragen. […]

Der Streit um das Gedenken an die alliierten Bombenangriffe ist jedoch auch in der Mitte der Gesellschaft seit Jahren Thema in Dresden. Die Stadt hatte lange an ihrem Gedenken festgehalten und sich Aktionen gegen Rechts verweigert. Das hatte sich in den letzten Jahren geändert.

Geändert hatte sich eigentlich in den letzten Jahren wenig: auf der einen Elbseite eine Menschenkette (meist Dresdner) mit weißer Nelke im Knopfloch die das Rathaus vor den Nazis schützen, angereiste Demonstranten/Blockadewillige gegen den Naziaufmarsch sowie die geächteten Völkischen auf der anderen Elbseite.

Wir Jusos lassen es nicht zu, dass Geschichtsrevisionismus und rechtes Gedankengut auf Dresdens Straßen zur Schau getragen wird. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass nur mit Blockaden verhindert werden kann, dass Nazis durch Dresden marschieren. Wir fordern alle Dresdnerinnen und Dresdner auf, an der Demonstration unter dem Motto „Dresden nazifrei“ teilzunehmen.“

Zur Schau darf es nicht getragen werden…

Das eigene Unbehagen über die hiesigen Zustände wird geheilt von einem Aktionismus am 13.02 der ins restliche Jahr hinaus wirken soll – ich bin auf die Straße gegangen, habe mich eingesetzt, ich habe was gegen Nazis gemacht. Die Forderung nach „Dresden Nazifrei“ ist dabei eine nachvollziehbare jedoch verkürzte Forderung (die jedoch das Abstraktum „Raus“ bei der vergleichsweise hohlen Forderung „Nazis Raus“ benennt).

Ob die angekündigten politischen Sit-ins „nur“ als Reaktion zu dem immer unerträglicheren Opfer-Geseier der völkischen in den letzten Jahren, oder als Reaktion auf den wachsenden Widerstand der antifaschistisch deklarierten Bündnisfront gewachsen ist, oder als Sorge vor dem Imageverlust soll hier nicht weiter thematisiert werden. Die Verlautbarungen aus Politik wie auch anderer Beteiligter, die hier wiedergegeben wurden, sind als „warm-up“, auf das was uns zum 13.02.2011 noch erwarten wird, zu verstehen:

Damit setzt das Bündnis die Strategie des letzten Jahres fort, durch breite gesellschaftliche Verankerung den politischen Preis [sic!] für die Räumung von Blockaden in die Höhe zu treiben.

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2 Comments

  1. „Wir weinten vor Freude, als wir den roten Schein am Himmel sahen. Dresden brennt, die Alliierten sind nicht mehr weit!“
    Ein Überlebender des Ghettos Theresienstadt

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One Trackback/Pingback

  1. By Dresden prepares « Im Kopf Lokalisation on 03 Feb 2013 at 9:29 am

    […] I 2013 hier; Dresden 2010; Dresden 2011, Dresden 2012, to be […]

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