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passend zur diskussion um öffentlichkeit, gemeinschaft, privatsphäre und gesellschaft: helmuth plessner. er hat sich mit spannenden dingen auseinander gesetzt – sein bekanntestes werk ist wohl „die verspätete nation“ in der er belegt, warum das deutsche bürgertum den starken führer hitler begrüßte. der neue deutsche staat wurde sodann auch nicht auf der grundlage von „freiheit, gleichheit, brüderlichkeit“  sondern auf grundlage der blutszugehörigkeit zum deutschen volk geschaffen.

kritikwürdig ist plessner jedoch allemal. so greift er in seinen abhandlungen immer wieder auf antagonismen wie „natürlich“ und „unnatürlich“ zurück und idealisiert u.a. die präindustrielle zeit. seit den 80er ist ein revival von seinen ideen im wissenschaftlichen betrieb zu verzeichnen. vielleicht auch, weil plessner hohe erwartungen an die aufgaben des staates hat. nach seinem konzept wird sich der staat schon selbst richten:

Der Staat ist damit „systematisierte Öffentlichkeit im Dienste der Gemeinschaft, Inbegriff von Sicherungsmaßnahmen der Gemeinschaft im Dienste der Öffentlichkeit.“ Die Methode dieses Ausgleichs ist das Recht. (…) Es gilt diese Realität anzuerkennen und anzunehmen. Hoffen kann man nur, dass die Entscheidungsträger durch das Amt „veredelt“ werden. Trotzdem: jede Entscheidung kann niemals allen gerecht werden und tut immer jemandem Gewalt an. Nur die Anhänger des Gemeinschaftsideals verkennen dies. (Quelle)

der staat als system im dienst der gemeinschaft, als sicherung der gemeinschaft. als ausgleich wirkt dann wiederum der staat – dann in seiner juristischen ausprägung. recht und kein unrecht. hoffnung auf veredelung der amtsträger. gemeinschaft ist kein ideal.

interessant auch seine abhandlungen über das deutsche problem:

Das deutsche Problem bleibt die Vereinbarkeit von Idee und Wirklichkeit und statt unbekümmert zur Tat zu schreiten und das Leben spielerisch zu nehmen, ist der Deutsche „schwer und über ihm wird alles schwer, heißt es bei Goethe. (…) Der Deutsche ist stolz darauf, in seinen besten Männern das Gewissen der Welt zu sein, aber heißt das nicht auch für die anderen den Spielverderber zu spielen?“ Sein grüblerisches Gemüt macht seinen Geist zum „Schauplatz des Kampfes“ einer nie zu erreichenden Versöhnung von Ideal und Wirklichkeit. Der Deutsche schätzt das Problem höher als die Lösung. Wenn er sich aber um eine solche bemüht, dann nur in maßloser Übertreibung von Disziplin, Methode und Drill: Auch hier ist das Mittel wichtiger als das Ziel. (Quelle)

die besten deutschen männer als globale spielverderber – ein euphemismus? plessners plädoyer für die leichtigkeit des deutschen seins – für mehr unbekümmertheit im schwermütigen handeln. bleibt die kritik an disziplin, methode und drill – aber erst wenn diese maßlos übertrieben, denn diese tugenden bleiben mittel zum ziel. zusammenfassend eine aufforderung für mehr pragmatismus.

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