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teilweise lesenswerter text (weil erst ab letztem drittel spannend) von gerhard vinnai über die gesellschaftliche funktion des fussball mit dem titel „fussballsport als ideologie„:

„Einzig der Sport bewegt die Massen noch massenhaft; er bewegt sie im Interesse irrationaler gesellschaftlicher Verhältnisse. Wenn die Herrschaft fest im Sattel sitzen soll, darf Freizeit nicht in Freiheit umschlagen – der Sport sorgt dafür. Wo sich nach Ansicht der Sportideologen spielerisches Treiben entfaltet, wird in Wahrheit die Arbeitswelt verdoppelt, bekommen die Menschen die Rationalität des Kapitals eingebleut, herrscht die Vernunft des Profits. Unter dem Schein der freien Entfaltung verhindert der Sport, daß der Körper der Lust zur Verfügung steht, zementiert er das Realitätsprinzip einer Gesellschaft, die Körper und Seele von einer wildgewordenen Ökonomie ausbeuten läßt. Auf dem Sportplatz wird das reibungslose Funktionieren geübt, werden die Bedürfnisse so manipuliert, daß ihr subversives Moment nicht zum Tragen kommt: die Pseudoaktivität mit
dem Lederball kanalisiert die Energien, die das »Gehäuse der Hörigkeit« sprengen könnten. Der Sport erzieht den Typus Mann, der den Herrschenden die Schützengräben füllt; die Affinität von Sport und  Militär hat ihre Tradition.“ (quelle aus dem klappentext) via (frn)

der text wird erst ab seite 75 interessant – abseits von kritik an kapitalistischen produktionsbedingungen im fussball beschäftigt sich vinnai dann nämlich u.a. mit narzißmus, nationalismus und der kampfesrhetorik.

„Der miterlebte Sporttriumph entschädigt kurze Zeit für die Versagungen des Alltags. […] Um so unerträglicher ist es, wenn man auf den Rängen erleben muß, wie das »eigene« Team einer Niederlage zusteuert, die den kollektivierten Narzißmus kränkt. Seine Spieler fallen als Führerfiguren aus, aggressive Impulse, die vorher verdrängt oder verschoben wurden, werden gegen die Aktiven gerichtet – freigesetzt: sehr schnell verwandeln sich fanatische Anfeuerungsrufe in gellende Pfiffe und Hohngelächter. Das »Glücksgefühl«, das sich mit sportlichen Erfolgen verbindet, verdankt sich der Realitätsflucht, die die Anpassung an bestehende irrationale Verhältnisse erleichtert. Die Entlastung von den Zwängen der Realität, welche sie gewährt, hebt das Leiden an dieser nicht auf, sondern hilft nur, es kurze Zeit aus dem Bewußtsein zu verdrängen. »Die Ausbreitung des Sports löst nicht Komplexe auf, sondern ist unter anderem eine Verdrängungserscheinung großen Stils.»“ (quelle S. 80)

das interview mit ihm (ca. 37 min lang) vom freien radio in hamburg ist wesentlich komprimierter und sei an dieser stelle empfohlen…

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  1. […] Der Blog „Im Kopf Lokalisation“ weist auf ein Buch zur Kritik des Fußballsports hin, das mir nach dem Lesen der Einleitung zumindest als lesenswert erscheint, auch wenn hier mit der […]

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