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  • 07.04.10 – NS-Führung im Verhör – Ausrottung – Endlösung

Die Nürnberger Mitschnitte der amerikanischen „Record group 238“ sind einzigartige Tondokumente. Ulrich Lampen hat sich im Jahr 2006 daran gemacht diese Mitschnitte zu bearbeiten und auf acht CDs herausgebracht. Die letzte steht unter dem Thema „Ausrottung-Endloesung“ und wird es bei IKL als erste zu hören geben. Am 26. Verhandlungstag, am 03. Januar 1946 wird Dieter Wisliceny (1911-1948) verhört, SS-Hauptsturmführer und engster Mitarbeiter von Adolf Eichmann.

Wisliceny war bis Oktober 1944 für die Deportation der slowakischen, griechischen und ungarischen Juden verantwortlich. Eine Frage an ihn: „Die von ihnen beschriebenen Aktionen betrafen etwa 450.000 Juden die aus Ungarn verschleppt wurden. Was Geschah mit den Juden?“ „Sie wurden Restlos nach Auschwitz gebracht und dort der Endlösung zugeführt.“ „Meinen Sie dass sie getötet wurden?“ „Ja. Mit Außnahme von etwa 25-30% die zu Arbeitszwecken verwendet wurden.“
In den Nürnberger Prozessen wurden Täter nicht nur mit ihren Verbrechen konfrontiert, es ging auch darum, begriffliche Verklärungen von Untaten aufzubrechen. Deshalb versuchten Ermittler und Ankläger, durch Zeugenaussagen und Verhöre die Tarnsprache der Nationalsozialisten zu entschlüsseln. Die Täter entstammten allen Bevölkerungsschichten – Soldaten, Bürokraten, Juristen und Ärzte wurden Teil der organisierten Menschenvernichtung. Die Tondokumente der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse zeigen: die Täter sind sich keiner Schuld bewusst & Reue ist von ihnen nicht zu erwarten.
  • 14.04.10 – Gespräch Heiner Müller – Alexander Kluge (1990)
Heiner Müller inszenierte 1989 am Berliner Ensemble einen ungekürzten siebeneinhalbstündigen Hamlet, weil sich in der deutschen Wiedervereinigung „die Verabschiedung des Prinzips Hamlet zugunsten der freien Marktwirtschaft“ vollzöge. Er vertieft im Gespräch mit Alexander Kluge die Parallelität zwischen dem Stück und der aktuellen Wirklichkeit. Das Gespräch geht dann um die Kundgebung vom 4. 11. 1989 auf dem Alexanderplatz. Im Verlauf der genauen Beschreibung der Umstände an diesem Tag (Wetter, Toiletten, Abfolge der Redner, Lautsprecheranlage) charakterisiert Heiner Müller, der als „Botschafter“ eine Resolution verlas, die Menschenmenge als etwas Tierisches, dem er nicht gewachsen ist und über das er zugleich seine Macht spürt. Gegen Ende des Gesprächs kommt Müller noch einmal auf sein zuvor schon angesprochenes Verständnis von Kunst zurück. Kunst entsteht aus „Einverständnis ohne Tabu“. Darum ist sie auch nicht „human“, und authentisch nur, wenn sie der von der pluralistischen Gesellschaft geforderten Sentimentalisierung widerstehe. Der Satz, daß es „gegen Auschwitz kein Argument“ gäbe, ist in diesem Zusammenhang der zwangsläufig befremdlichen Ausdrucksmittel von Kunst zu verstehen. Auf Alexander Kluges Frage nach dem revolutionären Charakter der Wiedervereinigung hebt Müller im Anschluß an Benjamin den historischen Bremscharakter von Revolutionen hervor.
  • 21.04.10 – Hagen Rether – Liebe Zwei (2007)
Klima, Religion, Wissenschaft, Politik, Alltagskultur. Streitbare weil polarisierende Ansichten liefert Hagen Rether. Dabei trifft er voll daneben & voll das Ziel – & uns. Zum Lachen ist eigentlich nur das Lachen der Lachenden. „Wenn Sie mal irgendwo nen Nazi treffen – reden Sie mit ihm. Sagen Sie: ‚Na Du Arschloch.‘ Ist total wichtig. Man muss reden mit denen. Über Argumente krischt man die immer. Doch. Doch. Probieren sie es aus. Nach drei vier Argumenten ihrereseits sagen die: och, so hab ich das ja noch nie gesehen. Kognitiv sind die wahnsinnig flink. Total wichtig.
Möllemann. Kommt immer einer nach von den Brandstiftern. Mach ich mir keine Sorgen. Gibt immerwelche. Kann der Oettinger eigentlich Fallschirmspringen? Müsste mal mit Schönbohm son Tandemsprung machen.“
  • 28.04.10 – Christoph Schlingensief – Lager ohne Grenzen (1999); Christoph Schlingensief – Freakstars3000 (Mutter sucht Schrauben) (2003)

Am 02. März 2010 wurde Christoph Schlingensief mit dem Helmut Käutner Preis versehen. Die Laudatio hielt Georg Seeßlen: „Der Künstler ist ein Mensch, der Dinge tut, die ihm vollkommen entsprechen. […] Die Kunst eines Christoph Schlingensief besteht nicht zuerst darin, mit den richtigen Mitteln die richtigen Aussagen zu treffen oder die richtigen Prozesse einzuleiten. Die Kunst des Christoph Schlingensief besteht darin, aus freien Stücken Christoph Schlingensief zu sein. (Apothekersohn und Künstler.) Das ist keine leichte Sache. Zum Zweiten bilde ich mir ein, dass jeder gute Künstler zurzeit ein Anarchist sein muss. Ich meine damit nicht, dass er Bomben werfen soll, ich meine auch nicht diesen wohlfeilen Anarchismus der Verhaltenscodes, nach dem schon ein Künstler ist, wer im selbstgestrickten Pullover erscheint, wo alle anderen schwarze Anzüge tragen. Ich meine damit, dass ein Künstler jemand ist, der in Staat und Gesellschaft weder die letzten noch die besten Institutionen für die fundamentalen Fragen der Menschen sieht. Ich meine auch, ein Künstler zurzeit ist ein Mensch, der den Kapitalismus nicht als beste und endgültige Form ansieht, die Beziehungen der Menschen untereinander zu regeln. Mein Künstler zurzeit jedenfalls sagt, dass der Sinn des Lebens nicht in der Regierbarkeit und nicht in der Marktfähigkeit des Menschen liegt.“ Mein idealer Künstler zur Zeit – sagt Seeßlen über Christoph Schlingensief.
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