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„Der dressierte Mann“ hieß ein Buch von ihr, was Bestseller wurde. Bestseller jedoch weniger wegen der ernsten inhaltlichen Auseinandersetzung sondern vor allem wegen des Unterhaltungswertes. Und falls ihr Buch doch ernst genommen wurde, wie von Alice Schwarzer, kam die Antwort  „Sexistin“ und „Faschistin“ – wie Vilar in einem Fernsehduell von ihr genannt wurde. Die Herausgeberin der Emma kam auf die Idee das Wort „Frau“ durch das Wort „Jude“ oder „Neger“ zu ersetzen.

Der große Gewinn in den Abhandlungen von Esther Vilar liegt darin, Frauen (Kritik an heteronormativem Denken findet sich bei ihr leider noch nicht) als handelnde Subjekte zu sehen und nicht als Objekte in heteronormierten Gesellschaften.

Spannend ist ihre Auseinandersetzung zum Thema Freiheit und der Lust an der Unfreiheit (vielleicht hat sie ja auch nur von Foucault kopiert; über Foucault und den Iran übrigens lesenswertes bei nature morte). Vilar meint, die Lust an der Unfreiheit sei ein Thema, dass „man nicht wahrhaben möchte.“

Warum?
Einerseits aus Feigheit, andererseits ist, wer die Freiheit lebt, nicht unbedingt glücklich. Man ist glücklicher, wenn man sich unterordnet und einem System folgt, sich einer «Aufgabe» widmet. Wer frei ist, muss immer eigene Regeln aufstellen.

Sie reden von sich.
Ja, ich wollte wie ein freier Mensch leben, aber es ist mir nicht immer gelungen.

Was hat Sie unfrei gemacht?
Liebe zum Beispiel. Liebe macht immer unfrei. Das ist eine Religion mit der kleinstmöglichen Gemeinde. Gott und Anbeter im Verhältnis eins zu eins.

Kinder?
Natürlich machen Kinder unfrei. Aber einen neuen Menschen zu machen, ist das grösste Abenteuer überhaupt. Freiheit ist das wahnsinnige Problem von uns allen. Man wird ja religiös, weil man die Freiheit nicht aushält. (Quelle)

Provozierende Thesen von einer Frau die meint aufgrund von Morddrohungen gegen sie Deutschland wieder verlassen zu haben (im oben genanntem Interview verweist sie auf körperliche Angriffe gegen sie), wie zuvor ihre Eltern, die Nazideutschland hinter sich ließen und in Argentinien eine Heimat fanden.

Die Zustimmung die sie bislang erfuhr blieb gering. Vielleicht lässt sich so ihr kokettieren mit entgegengebrachter Zustimmung erklären. Nichts desto trotz sollten Vilars Gedanken kritisch konsumiert werden. Um der kleinen Lobeshymne über die selbsterklärte „Menschenrechtlerin“ etwas entgegenzusetzen, sei auf ein ungutes Gefühl verwiesen, dass es Vilar doch (nur) ums Geld ging/geht, oder wie lässt sich sonst erklären dass sie in so einer illustren Runde bei Maischberger auftaucht…

Wer sie im Interview hören möchte über ihr Buch „Der dressierte Mann“ möge ein Interview mit dem SR (1971) anhören. Dies wird es auch heute Abend bei IKL zu hören geben – auf Radio Corax per UKW im Raum Halle auf 95.9 oder per Stream.

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8 Comments

  1. Vilar hat halt etwas zu provokant geschrieben. Aber ihr Blickwinkel ist durchaus interessant und sie rückt, wie du oben schreibst, die aktive Frau und ihre Vorteile in den Mittelpunkt.

  2. Vilar ist die wahre echte Feministin. Frauen als handelndes Subjekt wahrzunehmen, heißt Frauen ernst zu nehmen.

    Alice Schwarzer hat Frauen immer wieder in die Opfer-Objekt-Rolle versetzt – nicht um Gleichberechtigung zu schaffen, sondern um Macht zu erhalten und zu sichern.
    Unsere Gesellschaft ist zerrissen und innerlich verfeindet – dank dieser Bundesverdienstkreuzträgerin.

  3. also das buch „der dressierte mann“ ist schon krass provozierend und auch unzulässig generalisierend. ich empfinde es vor allem als eine provokation gegenüber den frauen (deren vilar ja selbst eine ist). dem buch ist auch die epoche anzumerken der es entstammt – einiges wirkt seltsam antiquiert. beim lesen stellt sich dann auch immer wieder die frage: soll ich das ernst nehmen oder ist das hier nur überzogene polemik… im oben verlinkten gespräch aus dem jahr 1971 ist sie mit den vorwürfen konfrontiert, also in der diskussion zu erleben.

  4. Tolle Frau – ich bewundere sie.

  5. da hast du aber viel zeit in deine seite gesteckt, c. sieht zumindest auf den ersten und den zweiten blick so aus. bissel wirres psyche steckt auch mit drin wie’s scheint.

  6. Ich habe Ihr Buch gelesen, leider erst mit 40. Sowas hätte ich als 16 jähriger gebraucht. Sie ist eine echte Frau. Ich würde Ihr gerne dafür danken, dass Sie mich in meinen Ahnungen über die Realität, die durch ständiges Propaganda immer mit Zweifeln gezogen wurde, befreit hat und ich sehe jetzt die Welt ohne diesen Nebel. Es hilft zwar nicht die Situation zu ändern, aber wenigstens weiss man wie es aussieht. Ich bin Ihr dankbar, dass ich jetzt von der zweifelnden Unsicherheit befreit wurde.

    • zweifelnde unsicherheit ist meist angenehmer als selbstsichere überheblichkeit… und wie geschrieben: das buch und die darin plakatierten zuschreibungen sind ein produkt ihrer zeit und heute eigentlich überholt (z.b.die rollenzuschreibungen sind heute so nicht mehr haltbar)… der gewinn liegt aber darin frauen als menschen & als handelnde subjekte wahrzunehmen, welche kalkuliert und strategisch vorgehen.


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