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„Alle 40 müssen raus“ heißt der Film aus dem Jahr 1993. Dabei handelt es sich um das erste Gespräch von RAF-Aktivistinnen mit einem Kamerateam. Roger Willemsen führte das Gespräch, eben jener Willemsen der Jahre später Dinge wie die „Deutschlandreise“ produzierte:

Die Bemerkung Tucholskys, dass eine „Reisebeschreibung in erster Linie für den Beschreiber charakteristisch ist, nicht für die Reise“, gilt auch für die Deutschlandreise. Den Medien-Ekel, der den Fernsehmann Willemsen befallen hat, projiziert der Intellektuelle auf die vorgeblich gesuchte Ursprünglichkeit. Doktrinär und narzisstisch wie nur je ein Kind der fünfziger Jahre erhebt er seine Haltung zur generellen Maxime: „Vermutlich würde es den Menschen das Sprechen über ihr Land erleichtern, wenn sie sich alle als Heimatvertriebene erkennen wollten, davongejagt aus künstlichen Paradiesen. Von der Heimat lohnt es sich nur zu sprechen als von einem Mangel, dem Inbegriff des Verlorenen.“ Das ist es: aus künstlichen Paradiesen kann man nicht verjagt werden, man kann nur den Glauben daran verlieren. In den Jahren nach Adorno schien alles dem Ideologieverdacht anheimgefallen, für Willemsen unterliegt alles dem Falschheitsverdacht. Es gibt kein richtiges Deutschland im Falschen. Und sehr selten echten Mischwald. (Quelle)

Das mit dem Mischwald erinnert sehr an Deutschland im Herbst. Passend zur RAF. Das Gespräch zwischen Willemsen und den RAF-Aktivistinnen konnte nur stattfinden, weil die RAF den Staat nicht mehr provozieren wollte:

1990 bot Bundesjustizminister Klaus Kinkel (FDP) den RAF-Häftlingen Haftentlassung an, wenn die Illegalen von weiteren Aktionen absähen. Die RAF ging indirekt darauf ein und erklärte 1992, „die Eskalation zurücknehmen“ zu wollen. Heute ist bekannt, dass die so genannte Kinkel-Initiative einen Bruch unter den RAF-Häftlingen auslöste. Während Brigitte Mohnhaupt und andere das Angebot zurückwiesen, wollten Karl-Heinz Dellwo, Lutz Taufer und andere darauf eingehen. (Quelle)

Später gab es dann doch noch Tote… Aber darum solls hier nicht gehen. Sondern um die Ideologie & das Denken der Inhaftierten RAF-Aktivistinnen im Jahr 1993, vier Jahre nach der sogenannten „Wende“, ein Jahr nach der verlautbarten Entradikalisierung…

Im Interview (v.l.n.r.): Christine Kuby; Irmgard Möller; Hanna Krabbe; Gabriele Rollnik; Interviewer: Roger Willemsen (Regie: Oliver Tolmein & Roger Willemsen; 1993 44 Min.)

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