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Während Hierzulande über Integration, Doppelte- oder nicht Staatsbürgerschaft, Obergrenze und Kontingente (was übrigens nicht das Selbe ist) schwadroniert, gestritten und neben Stimmung auch Politik gemacht wird, gibt es Menschen die schon seit Jahrzehnten den Status als Flüchtling haben – aus politischen Gründen.

yt_rkgtnm-2fte_ikl959(watch on yt; arabic with english subtitle 4:52 Min.)

In einem kleinen Film (via) erzählt einer, welcher den Flüchtlingsstatus ererbt hat, weshalb sich aus dem Elend von Menschen viel Geld ziehen lässt – und das Elend an anderer Stelle deswegen nicht gelindert wird.

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Zusammengestückelter Versuch verschiedene Zecken bzw. deren Größe abzubilden. Die kamen zu mir gekrabbelt als ich auf verschiedenen „wilden Wiesen“ saß. Die ganz Kleinen auf der linken Seite, kaum einen Millimeter groß, find ich am grusligsten (zum Vergrößern Bild anklicken).

Vermeiden lässt sich solcher blutgieriger Besuch an eher sonnigen Orten und wo das Gras auch ab und an gemäht wird. Oder man schmiert sich mit Chemie ein. Wobei auch zu lesen ist, dass mehrmalige Stiche von Zecken auch Borreliose-Infektionen vorbeugen/verhindern können sollen. Gestochen hat mich indes noch keine (oder ich habs noch nicht bemerkt)…

In einer Welt mit mehr Maschinen und immer mehr Automatismen und einem Wirtschaftsmodell was auf Lohn- und Erwerbsarbeit basiert kann es zu Divergenzen kommen – zwischen Notwendigkeit und Nutzen, zwischen Sinn und Überfluss. In China finden Menschen einen Arbeitsplatz als „Lebensretter“. Der Titel zum Video wurde passend gewählt: Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (wovon es auch hierzulande viele gibt, die um einiges weniger „sozial“ sind als als die hier zu sehende Aufgabe…)

chinesische_arbeitsbeschaffunsmaßnahme-yt(watch on yt: https://youtu.be/9eOEfXQ4vPQ )

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Titelbild der Titanic mit Kanzlerin Merkel als Gustl Mollath. (screenshot)

Viel wurde geschrieben zum Fall Mollath.

Und diskutiert.

Zu sehen gab es auch einiges.

Ende des Jahres 2015 lief im Bayerischen Fernsehen ein behutsamer und von den Bildern her beeindruckender Film zur Person und den Ereignissen welche einige Jahre immer wieder für Schlagzeilen sorgten. Es ist ein persönliches Schlaglicht auf einen Menschen der Zwangstherapiemaßnahmen am eigenen Leib erfahren hat. Die ARD hat sich in der Reihe Radiofeature auch schon mal damit beschäftigt – ein klein wenig kritisch wirkt der Beitrag „Dunkelkammer Psychatrie“ (download, ca 55 Min.)

mollath_doku_nachthimmel_ikl959Nachthimmel im Zeitraffer (screenshot)

Zurück zum Film: Es ist beeindruckend den Schilderungen der Erlebnisse hinter den geschlossenen Mauern zu lauschen (wie etwa der Arzt in der Nachbarzelle für Ruhe sorgt). Dabei nimmt dies in der Dokumentation von Annika Blendl und Leonie Stade nicht nur zeitlich untergeordnete Rolle ein – was konkret in solchen Einrichtungen passierte und passiert. Um so absurder wirkt die Welt jenseits dieser Mauern. Der Versuch Mollaths in die „Normalität“ zurückzukehren – die es vorher nicht gab und auch danach nicht gibt – wird hingegen sehr konkret. Mit dem Leben in Gefangenschaft wurde er entmündigt, Dinge verschwanden (wie das Grab seiner Familie auf dem Friedhof in Nürnberg). Wiedergutmachen kann man das nicht. Diese Welt ist es nicht.

Die Kritik Gustl Mollaths an den alltäglichen Mechanismen findet sich gleich zu Beginn des Film – etwa wenn er sich in einer Einkaufspassage wundert wieso eine Hose weniger als 10€ kosten kann während woanders Millionen unter dem Tisch verschwinden. Es sind die kleinen Dinge welche seine Aufmerksamkeit bekommen. Mit viel Verstand und ein wenig Witz erlebt der Zuschauer einen Menschen der um sein Recht kämpft und das erfahrene Unrecht als Räderwerk durchlebte ohne dabei apathisch geworden zu sein.

Sehr einprägsam das Beispiel zu den psychatrischen Gutachten, welche nach Aussage eines Gutachters bis zu 60% Falschdiagnosen darstellen. 50% Falschdiagnose sei kein Fortschritt meint Gustl Mollath zu Recht und belegt dies mit einer fallenden und verschwindenden Münze vorm Dom…

Beeindruckend die exakten Formulierungen des Protagonisten und deutlich fühlbar dessen wachsendes Misstrauen gegenüber seinem Verteidiger, den er nur als weiteren Funktionsträger identifiziert. Dass in dem Film verschiedene Seiten und Ansichten (etwa von Journalisten) zu Wort kommen bereichert dieses Dokument. Recommended to watch!

yt_Mollath_Doku_watch_v=PC6EgHlhf9I_(Blendl/Stade; D 2015; 87 Min.; Link zur Doku auf yt. )

Zu finden auf yt auch noch ein Gespräch mit den Autorinnen der Dokumentation „Mollath – Und plötzlich bist du verrückt“ Annika Blendl und Leonie Stade bei MünchenTV.

Am heutigen Montag, 11.01.2016, wird PEGIDA nicht in Dresden sondern in Leipzig sich versammeln. Anlass: das einjährige Bestehen des Leipziger Bündniss.

Auch andere __-GIDAs werden ihre Versammlung nach Leipzig verlegen. Es darf mit mehreren tausend Teilnehmenden in der Messestadt gerechnet werden.

Lutz Bachmann rief am vergangenen Montag in Dresden mit Nachdruck zur Teilnahme am 11.01.2016 in Leipzig auf.  (src)

auch Kameradschaften und organisierte Nazis haben sich für den Tag heute nach Leipzig angekündigt. Die politischen Lager getrennt zu halten – scheint Polizeistrategie zu sein, angesichts der schwergepunkteten Patri_gidaisten im Norden am Zoo/Finanzamt und der Gegendemonstrierenden im Süden der Stadt. Aktionskarte für den heutigen Tag in Leipzig (via):

CYboqEVWAAAL620In Statements von Seiten der Stadt wurden Einschränkungen für den Verkehr und anderweitige Behinderungen vorausgesagt.

with Monteverdis „Magnificat a6“

yt-monteverdi-magnificat

sind „Die Artisten in der Zirkuskuppel“ (wkpd zum Film) bzw. „Die unbezähmbare Leni Peickert“

alex_kluge-artisten_in_der_zirkuskuppel-ratlosBeide Filme von Alexander Kluge entspringen einer anderen, vergangenen Zeit und zeigen doch ähnliche Probleme – die auf der Bühne befindliche Kunst im Verwertungsraum Kapitalismus, dessen Zwänge und Abhängigkeiten. Die Suche nach Neuem, welches durch Revolution und menschliches Vermögen teilweise befördert wurde – die Artisten als Revolutionäre – die Innovation des Zirkus in Zeiten von Revolution (aufwendige Wasserspiele zur Zeit der Französischen Revolution 1789, in Russland 1917).

alex_kluge-artisten_zirkuskuppel_magicZur Dressur der Tiere zur Unterhaltung der Menschen findet sich keine kritische Bemerkung. Jedoch wird auch schon im Film die Unterscheidung zwischen analoger „Wirklichkeit“ im Zirkuszelt und dem dimensionslosen „Abbild“ auf dem Bildschirm angesprochen. Nebenbei wird aus der Dialektik der Aufklärung zitiert:

„Zur Genese der Dummheit

Das Wahrzeichen der Intelligenz ist das Fühlhorn der Schnecke ‚mit dem tastenden Gesicht‘, mit dem sie, wenn man Mephistopheles glauben darf, auch riecht. Das Fühlhorn wird vor dem Hindernis sogleich in die schützende Hut des Körpers zurückgezogen, es wird mit dem Ganzen wieder eins und wagt als Selbständiges erst zaghaft wieder sich hervor. Wenn die Gefahr noch da ist, verschwindet es aufs neue und der Abstand bis zur Wiederholung des Versuchs vergrößert sich. Das geistige Leben ist in den Anfängen unendlich zart. Der Sinn der Schnekke ist auf den Muskel angewiesen, und Muskeln werden schlaff mit der Beeinträchtigung ihres Spiels. Den Körper lähmt die physische Verletzung, den Geist der Schrecken. Beides ist im Ursprung gar nicht zu trennen. […] Dummheit ist ein Wundmal.“

dialektik_der_aufklaerung-genese_der_dummheit

Wer über deutsche Gemütlichkeit und Kultur etwas lernen möchte kommt um Spielmannszüge mit Gleichschritt und Büchsenknallen, mit Uniform, Blasmusik und Trommelwirbel nicht herum. Zu sehen sind in einem Bericht (auf yt) über das Schützenfest auf der Blanke im Jahr 2011 nicht nur deutsche marschlastige volksfestliche Bräuche und kaffegetunktes Beisammensein:

schuetzenfest-blanke-yt_

Bei dem Spielmannszug (wkpd) handelt es sich um eine alte Tradition, die sich bis heute erhalten hat. Die trommelnde, pfeifende und schießende Gemeinschaft hat in diversen historischen Umständen gewirkt und tut dies noch heute. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Tradition der im Gleichschritt durch die Straßen musizierenden(?) Formation in Deutschland am weitesten verbreitet – mancherorts als wichtiges Kulturgut geachtet und zur Schau gestellt. Und auch heute noch offen als Phänomen für Interessierte, Zuwanderer und Gäste? Zur Situation in Nordhorn zum Thema Flüchtlinge war bereits Ende 2014 hier etwas über die angespannte Lage zu lesen.

schuetzenfest-blanke-yt2_(screenshot von yt – Bericht Nordhorn TV aus dem Jahr 2011, 14 Min.)

Während auf youtube/google ein Video zu finden ist, in welchem ein Teil der Ereignisse um eine gewalttätige Nazi-Bürger-Demonstration gegen Polizisten und eine Flüchtlingsunterkunft zu sehen sind, bei addn.me ein Artikel erschien, welcher eher nüchtern über die Ereignisse des Abends vom 21.8.2015 in der Nähe von Dresden berichtet:

Eine Stunde vor Mitternacht eskaliert die Situation schließlich und ein entschlossener Mob attackiert die Polizei mit Flaschen, Böllern und anderer Pyrotechnik. Die Bauzäune werden auf die Straße gezerrt und einige versuchen, Barrikaden zu errichten.Die unterbesetzte Polizei bekommt die Situation lange Zeit nicht unter Kontrolle. Lichtraketen werden von Beamten gezündet, welche den Parkplatz ausleuchten sollen. Dadurch wird die Menge sichtbar, die immer noch mehrere hundert Menschen umfasst. “Deutschland den Deutschen! Ausländer raus” schallt es aus den Kehlen des Mobs. Die Polizei ist überfordert und versucht die Menge aufzulösen. Schließlich weiß sie sich nicht weiter zu helfen und beginnt damit, massiv Tränengas einzusetzen. Das gesamte Areal versinkt im weißen beißenden Nebel. Alle Anwesenden – Rassisten, Gegendemonstranten, DRK-Helfer, Journalisten und letztlich auch die Beamten kämpfen mit der Wirkung des Tränengases. Offenbar das Letzte und einzige Mittel, um die Ausschreitungen des rassistischen Mobs unter Kontrolle zu bekommen. (src)

wurde in der Dresdner Innenstadt ein Banner gemalt und aufgehängt, was in seiner Botschaft fast resigniert wirkt:

heidenau-antwort-auf-nazis„IHR seid das Volk, IHR seid Heidenau, IHR seid Rostock-Lichtenhagen“ (src)

bug_super-Makro_ikl959.combug climbed and found on top of an object called human finger (click pic to enlarge)

Spannende Dokumentation, welche weitere Puzzle über die sich zuspitzenden Ereignisse in der arabischen und islamischen Welt darstellen, betrachtet den Aufstieg der Houthis in Yemen:

yt-rise-of-houthi-Y7HQRyJDTPo-map

Die Reporterin begibt sich selbst an die Orte und spricht mit Beteiligten und zeigt das Leben auf der Straße, Bombenanschläge, Terrormilizen.yt-rise-of-houthi-reporterAuch vom filmischen und der Motivwahl ist der Film über Zerfalls- bzw. Neuorganisationserscheinungen einer religiös-gespaltenen Gesellschaft/Region durchaus sehenswert. (on yt: doku, 45 min, 2015, eng)

Im Leipziger Hauptbahnhof ist noch bis diesen Sonntag (05. Juli 2015) in der mittleren Etage eine Fotoausstellung von Rudi Weissenstein zu sehen, der Zeit seines Lebens mit der Kamera unterwegs war und ein einzigartiges Fotoarchiv schuf. Auf den Bildern sind alltägliche Szenen – Arbeiter, Konzertaufführung, Stadtaufnahmen und Landschaften des jüdischen Palästina vor und nach der Gründung des Staates Israel zu sehen.
mosha_magdiel1946-rudi_weissenstein_„Jugendliche im Moshav Magdiel. In dem Moshav war ein Heim für junge Überlebende der Shoa untergebracht. 1946“ 

Seit letztem Wochenende gab und gibt es noch bis zum Sonntag einige weitere Veranstaltungen in Zusammenhang mit der jüdischen Woche in Leipzig. Mehrere Ausstellungen haben auch längere Laufzeiten.

with Henryk Mikołaj Góreckis Piesni Maryjne op.54

gorecki_op.54_yt_ikl959.com

DANCIN'_sunriseanywhere in the green – before sunrise

Parade-der-Unsichtbaren-Leipzig-30.-Mai-2015.-Foto-Detlef-M.-Plaisier-54(src, auch bei L-IZ Fotos; deutsch-arabischer?/persischer? Banner zum Thema)

Menschen versammelten sich am Wochenende um durch die Straßen Leipzigs zu laufen und für eine Stadtentwicklung einzusetzen, welche „die Unsichtbaren“ berücksichtigt. Anlass der Demonstration sind die Feierlichkeiten des historisch 1.000ten Jubiläums der Stadt, bei welchen sie sich bzw. sie „die Unsichtbaren“ ein weiteres Mal benachteiligt sehen. Obwohl: es sind nicht die „Unsichtbaren“ selbst, welche auf die Thematik der Ausgegrenzten aufmerksam machen wollen.

„[…] Wir wollen den Gedenkzirkus der Stadt Leipzig entlarven. Wir wollen auf die prekarisierten und in Armut lebenden, verdrängten und nicht gewollten Menschen in Leipzig aufmerksam machen. Denen, denen es nicht um die bloße Selbstbeweihräucherung dieses Standorts Leipzig gehen kann. […]“ (src)

„Parade der Unsichtbaren“ war die Veranstaltung gelabelt. Stellvertretend sollen geisterhafte Puppen die mit uns lebenden Menschen dargestellt haben. Wobei der Umzug selbst die Absicht hatte, die Parade als eine eigene Skulptur gegen die von der Stadt inszenierten Großfiguren in Bewegung zu setzen.

Ein seltsam gewundener Satz, welcher während der Demonstration verlesen wurde, ist der folgende, welcher in seiner Absicht nicht ganz eindeutig ist:

[…] Aber auch die Sichtbaren und Hörbaren, die gemeinsam und für die Überhörten sprechen, denn wenn wir in die Runde schauen, sind andere Menschen noch weniger sichtbar, weil sie zum Beispiel wegen ihres Passes oder nicht weißer Hautfarbe ausgeschlossen werden. […] (src)

Vermutlich ist die Flüchtlingspolitik des Staates gemeint. Also andere Menschen [als wer?] waren nicht sichtbar, weil sie ausgeschlossen wurden – was war das für eine Demo?

Passend in diesem Zusammenhang ein Zitat aus dem Aufruf:

[…] Stadt als Marke und unseren Lebensraum als Zonen des Profits zu etablieren. Wäre da nicht die Tatsache, dass diese ihre Erzählung der Stadt nicht unsere Erzählung ist: der Prekären, Verdrängten, Ausgeschlossenen, Ungewollten. Dass sie nicht die Erzählung der Geflüchteten ist und nicht derjenigen Opfer eines rassistischen Dauerzustandes. […] (src)

Unsichtbares zum Thema zu machen hat den Vorteil, dass Widerspruch ausbleibt – oder meint das zugleich nicht ohne Stimme?

Die Bewohner*innen, die sich die Mieten nicht mehr leisten können, sind die Armen – die Erwerbslosen, prekär-Beschäftigen, Aktivist*innen in alternativen Kulturprojekten, usw. Dieses andere Leipzig ist nicht aufgefordert worden sich unter der Stadtgöttin Lipsia zu vereinen, sie werden von keiner der Löwenskulpturen repräsentiert. Sie sind ausgeschlossen und unsichtbar. […] Die Nicht-Repräsentanz der Unterpriviligierten ist Ausdruck einer politischen Praxis, die diese Unterpriviligierten produziert. (src)

Unterprivilegierte und Unterrepräsentierte sind verschiedene paar Schuhe. Inwieweit ist die Unsichtbarkeit der bettelnden Menschen und prekär-Beschäftigten, der Erwerbslosen und anderer Lebensverhältnisse wirklich gegeben? Fehlt nur die Abbildung? Solche sozialen Themen passen unverwunderlicherweise ja nicht zu einer 1000 jährigen Stadtfeier. Übrigens nicht nur dort. Bleibt die Frage wie auf ausgegrenzte Menschen aufmerksam gemacht werden kann und wer dann zum Objekt wird (wie in Frankfurt). Und wie es mit einer Recht-auf-Stadt-Bewegung in Leipzig weitergeht. Das Recht-auf-Mobilität wurde das Wochenende teilweise eingelöst: die LVB etwa bot ihre Verkehrsmittel den Kunden zur kostenfreien Nutzung an.

kefir-70-jahreneulich in Russland: Erinnerung an 70 Jahre Sieg – Pobeda – (auf Kefir-Packung)

Unwillkürlich musste ich in Anbetracht der derzeitigen teilweise hysterisch zu nennenden Berichterstattung über den aktuellen Arbeitsausstand der GDL an den Berliner Verkehrsarbeiterstreik aus dem Jahr 1932 denken – bei dem es unter anderen Zusammenhängen und Umständen sogar zu Toten und Verwundeten kam…Berlin, BVG-Streik, StreikpostenAnders als damals, als der Streik auch politische Auswirkungen hatte, ist die Situation heute. Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) gaben auf ihrer Internetseite bekannt:

Somit bleibt der GDL keine andere Wahl, als nach dem Ultima-Ratio-Prinzip erneut ihre Mitglieder zum Streik aufzurufen:

am Montag, den 4. Mai 2015 um 15 Uhr im DB-Güterverkehr und

am Dienstagmorgen um 2 Uhr im DB-Personenverkehr.

Das Zugpersonal im Güter und Personenverkehr beendet die Streiks am Sonntag, den 10. Mai 2015 um 9 Uhr. (src)

Während hierzulande über den angekündigten Streik bei der Bahn AG auch gern Superlative Verwendung finden („Rekordstreik“ und ähnliches – vermutlich nicht nur weil es keine ausgeprägte Streikkultur und -erfahrung gibt) lassen sich bei den Sichtweisen Verständnis (2014: weltanschauung.blog, zeit.de) bis zu Ablehnung  zu den angekündigten Arbeitsausständen finden. Bei Spiegel-Online findet sich ein Barometer was Meinungsabbildend sein soll:

meinungsbaromter-spiegel-online-gdl-2015(src)

Immer wieder findet sich in den Berichten über den Streik der GDL das Wort „Machtkampf“ – mögliches Resultat einer verkürzten Darstellung der Abläufe als Konflikt zwischen einem engstirnigen Gewerkschaftsführer und einem umsatzorientiertem Börsenunternehmen, aber auch adäquater Ausdruck des Konflikts zwischen Arbeitnehmer und Geschäftsführung. Anton Pannekoek (1873-1960) schrieb bereits 1947:

Die wirksamste Form des Kampfes gegen die Kapitalisten ist der Streik. Streiks sind mehr denn je nötig, um gegen die Tendenz der Kapitalisten zu kämpfen, ihre Profite zu erhöhen, indem sie die Löhne herabdrücken, indem sie Dauer und Intensität der Arbeit erhöhen.

Die Gewerkschaften als Instrumente des organisierten Widerstandes haben sich gebildet, indem an die starke Solidarität und die gegenseitige Hilfe appelliert wurde. Die Entwicklung des “big business” ließ die Macht des Kapitals enorm anwachsen, zugleich konnten die Arbeiter die Verschlechterung ihrer Lage nur in einzelnen Fällen herabmindern. Die Gewerkschaften verwandelten sich in Vermittlungsinstanzen zwischen Arbeitern und Kapitalisten. Sie unterzeichneten Verträge mit den Unternehmern und versuchten, diese den oft widerspenstigen Arbeitern aufzudrängen. Die Gewerkschaftsführer hofften, sich dem Machtapparat des Staates und des Kapitals, der die Arbeiterklasse beherrscht, unersetzlich zu machen. Die Gewerkschaften wurden so Instrumente des Monopolkapitals, das sich ihrer bediente, um den Arbeitern ihre Bedingungen zu diktieren.

Unter diesen Verhältnissen nimmt der Kampf der Arbeiterklasse mehr und mehr die Form von wilden Streiks an. Diese sind spontane und massive Explosionen eines lange unterdrückten Widerstandswillens, direkte Aktionen, in denen die Arbeiter ihren eigenen Kampf in ihre Hände nehmen, indem sie Gewerkschaften und Führer zum Teufel jagen. (src)

Streik ist der Moment, in welchem sich der zum Objekt degradierte Arbeitnehmer seiner vertraglich vereinbarten Funktionserfüllung auf bestimmte Zeit verweigert – mit dem Ziel mit Hilfe des Arbeitsausfalls der Unternehmensleitung die Bedeutung seiner sonst verrichteten Tätigkeit zu verdeutlichen und zum Beispiel eine höhere Wertschätzung in der Entlohnung oder Arbeitserleichterungen zu erreichen. In Zeiten steigender Automatisierung, erhöhtem Arbeitsdruck und prekärer Beschäftigungsverhältnisse läuft kollektive Arbeitsniederlegung Gefahr ein Mittel zu werden, welches in seiner Auswirkung schnell zum Teil eines betriebswirtschaftlichen Strategiepapiers zur Schadenbegrenzung wird – eine Betonung solcherlei Faktoren vernachlässigt den ohnehin vernachlässigten humanen Aspekt.

Längst nicht mehr (weil nie gewesen?) Realität: „Alle Räder stehen still wenn ihr mächtiger Arm es will.“ Albert Hahn 1903 – Eisenbahnerstreik.

462px-Gansch_het_raderwerk_staat_stil_als_uw_machtige_arm_het_wil„Gansch het raderwerk staat stil als uw machtige arm het wil.“ (src)

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Robert Musil:

Der vollentwickelte Antisemit ist eine vollkommen paranoide Geistesverfassung. Sieht in allem Bestätigung; ist nicht zu widerlegen… Man darf es nicht dahin kommen lassen! Die Wurzel des Antis[emiten] sind: Unkenntnis des Begriffs der Objektivität. Glaube, dass alles Höhere falsch oder verdorben sei (Respektlosigkeit des Unwissenden). Nichtbesitz der Kulturhemmung…

aus: Allerhand Fragliches. 1978. S. 69

IMG_1380_b(„The Best Things In Life Aren’t Things“, seen in south-portugal)

with Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“

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„Die Menschen sind arme Wesen“, sagte er.
Luce nach einem Augenblick:
„Wir, wie ruhig wir sind! – Die anderen, die haben Fieber. Der Krieg. Die Fabriken. Man hastet. Arbeiten, leben, genießen…“
„Ja“, sagte Pierre. „Die Stunde ist kurz.“
„Ein Grund mehr nicht zu rennen!“ sagte Luce. „Man ist bald am Ende. Wandern wir in kleinen Schritten.“
„Aber sie rennt, die Stunde“, sagte Pierre. „Halten wir sie gut fest.“
„Ich halte sie fest, ich halte sie fest“, sagte Luce, ihm die Hand haltend.

Romain Rolland: Pierre und Luce. 2. Auflage 1961. S. 95

Teil 9 hier zu finden

  • SWR2: Anarchisten am Rio de la Plata (27 Min.) (download) (via)
  • WDR-Zeitzeichen: Sozialistengesetz 1878 (14 Min.) – oder: Die fernen Ursprünge der SPD (download) (via)
  • NDR: Hannah Arendts Töchter (20 Min.) (download)
  • SWR2-Aula: Wie der Kapitalismus uns zu Selbstausbeutern macht – Han Byung-Chul (28 Min.) (download)

Es folgt der obligatorische Hinweis, dass einiges sowohl in seiner inhaltlichen Ausrichtung als auch der Form nach durchaus Kritik würdig ist.

Im Januar 2015 jährte sich der Tod des Asylbewerbers in einer Polizeizelle in Dessau zum zehnten Mal. Die Journalistin Margot Overath hat die Ereignisse und Fakten sowie den Umgang und die Diskussion in einem Beitrag für den MDR noch einmal zusammen gefasst. Mehrfach ist von verschiedenen Menschen im Beitrag zu hören: ich verstehe das nicht.

Die Ungeheuerlichkeiten und Widersprüche werden im Beitrag noch einmal ausgesprochen:

download von der site des MDR=src

Der Kern des ganzen ist das Feuerzeug. Und das Feuerzeug war nicht in der Zelle. […] Erst sieben Jahre danach wurde es nach Spuren untersucht.

Bleibt die Frage inwieweit die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Dessau (oder eine andere Ermittlungsbehörde) den Todesfall trotz der vernichteten und verschwundenen Unterlagen, schweigenden und vergesslichen Beamten, fehlerhaftem Obduktionsbericht und einseitiger Ermittlung der staatlichen Behörden zukünftig unparteiisch – nämlich im Sinn einer Wahrheitssuche – ermitteln wird. Dazu gehört auch die Möglichkeit Mord.

vida_festa!A vida e uma festa! (seen in south-Portugal)

velo_riebeckplatz2.ikl959(disappeared/demolished building, Riebeckplatz Halle/Saale some years ago)

lichtverschmutzung_dresden-waldschloesschen-_ikl959(seen in Dresden at Elbe, near Waldschlösschen)

Kein ganz kompletter Repost, aber der Anlass aktuell: (a) Regierung der USA meint, den Kurden ganz offiziell mit Waffen unter die Arme greifen zu wollen, d0x/?rt.com) und (b) der Podcast des SWR-Forum (vom 27. Juni 2014) zum Thema „ISIS“, welche zur Zeit Menschen im Irak zu zehntausende fliehen lassen (44 Min; Download)

Der in der Radiosendung erwähnte Zerfall des Irak wurde bereits vor einigen Jahren von einem amerikanischen Filmemacher thematisiert & anschaulich gemacht – James Longley.

—- Repost::::

Einer der besten Dokumentarfilme die ich in den letzten drei Jahren gesehen habe. Die Thematik Irak war damals aktueller als heute, trotzdem hat der Film von den Bildern her eine eigene Ästhetik & ist deswegen unglaublich faszinierend. Er stammt von James Longley der 1972 in Oregon geboren wurde. Er studierte Film und Russisch an der University of Rochester und Wesleyan University in den USA, und dem All-Russian Institute of Cinematography (VGIK) in Moskau. Seine Dokumentation „Portrait of Boy with Dog“ wurde 1994 mit dem Student Academy Award durch die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ausgezeichnet. Er arbeitete und lebte dann in New York City, in Sibirien und Moskau. 2001 reiste er nach Palestina um seinen ersten Dokumentarfilm „Gaza Strip“ zu drehen (den ich leider nicht gesehen habe, es aber gern mal würde – wer Hinweise hat wo zu finden – ich wäre dankbar; eine Einschätzung: „Gaza Strip culminates in a nighttime raid in April, when Israeli bulldozers stormed into the Khan Younis refugee camp under the cover of tank and helicopter fire, and destroyed the homes of 450 Palestinians – the first of many such armed incursions into Area A by the IDF.Quelle). 2002 reiste Longley in den Irak um seine Vorarbeiten an seinem zweiten Dokumentarfilm „Iraq in Fragments“ zu beginnen, der im Januar 2006 Premiere feierte. Der Film gewann einige Preise: auf dem Sundance Festival wurde er mit den Preisen “Best Documentary Directing”, “Best Documentary Editing”, und “Best Documentary Cinematography” belohnt, daneben gewann der Film einige weitere internationale Auszeichnungen.

Zwischen Februar 2003 und April 2005 wurden in Irak über 300 Stunden Filmmaterial gedreht von denen in dem Film knapp 90 zu sehen sind. Der Film gliedert sich in drei Teile: Sunniten, Schiiten und Kurden.

„My idea was to follow a student at one of the local Shiite religious schools. Wandering through the narrow back alleys of Najaf in search of permissions, Nadeem and I soon found ourselves at the office of Moqtada Sadr.”

„This seemed like an interesting story to document, so I began developing contacts within Sadr’s organization who allowed me to film. Moqtada Sadr himself was too difficult to access, so I settled for Sheik Aws al Kafaji. […] He was genial and open, giving me far more access to his movement than I expected.”

“The Sadr organization was deeply suspicious of foreigners, and you couldn’t really blame them. I was never sure why they trusted me as much as they did.” (Quelle)

Zu sehen ist war der Film Iraq in fragments hier. (R: James Longley; USA 2007; 94 Min)

Longley war im Juni 2009 in Iran, arbeitete an einem neuen Film über die Wahlen und die beginnenden Proteste gegen das Regime. Er wurde am 14. Juni 2009 mit seinem Übersetzer verhaftet als er Menschen auf der Straße in Teheran befragen wollte (Bild unten entstand angeblich kurz vor seiner Verhaftung). Zu lesen was Longley für Erfahrungen sammelte in Iran nach der Wahl & über seine Verhaftung kann mensch hier finden.

earthworm_ikl959Illuminated earthworm.

free_gaza_from_hamas_ikl959.com(shot in Dresden, 2012)