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Tag Archives: Leipzig

Ziemlich bunt wird es vermutlich im Europaparlament nach der Wahl 2014 zugehen, denn

In Deutschland wurde für die Wahlen zum Europäischen Parlament zunächst eine Drei-Prozent-Sperrklausel eingeführt, die eine verlässliche Mehrheitsbildung im Europäischen Parlament und das reibungslose Funktionieren der EU-Exekutive gewährleisten sollte. Dies beschloss der Bundestag am 13. Juni 2013 [...]

Am 18. Dezember 2013 verhandelte das Bundesverfassungsgericht mündlich über die Klagen. Am 26. Februar 2014, drei Monate vor der bevorstehenden Wahl (25. Mai), erklärte das Bundesverfassungsgericht die Drei-Prozent-Hürde für verfassungswidrig und nichtig. (src)

what_democracy_feels_like-ikl959.com“Mach Dein Kreuz nicht mehr beim kleineren Übel. Auch Husten nervt! NEIN!” (seen in Leipzig)

Eine Veranstaltung in der vergangenen Woche widmete sich dem Thema “Gefahrengebiet Connewitz” und lud zu Diskussion und Vortrag ins UT-Connewitz. Das Interesse groß, die Befindlichkeiten divers, die Diskussion lahm – könnte eine Einschätzung lauten (der Saal leerte sich während der bis auf wenige emotionale Ausbrüche spürbar unterspannten bzw. planlosen Atmosphäre). Politisch wurde es (im Gegensatz zu der Forderung der Initiatoren) nicht sehr.

Anlass die eigene Kiezigkeit zum Gegenstand eines Abends zu machen ist ein – nach Auszug eines städtischen Amtes – jüngst eröffneter Polizeiposten (hinter den mittlerweile mit Sichtschutzfolie beklebten Fenstern befinden sich ein paar Tische und Stühle mit Computern); bislang weist kein blau-leuchtendes Schild die Räumlichkeiten als polizeiliche aus. Ab und an stehen Männer und Frauen in blauen Uniformen mit Pistolen im Holster vor der Tür, rauchen und quatschen. Die erkenntlich polizeilichen Dienstfahrzeuge parken am Straßenrand und um die Ecke. Dass es auch zivile Bestreifung gibt soll nicht unerwähnt bleiben, kommt die staatliche Repression doch manchmal auch bunt-bürgerlich daher. Das neue Polizeibüro, wenige hundert Meter vom Connewitzer Kreuz entfernt – was bereits seit einiger Zeit mit Kameras überwacht wird (s.u.) -

cc-tv-connewitzer_kreuz(src)

veranlasste einige Ladenbetreibende und Einzelhändler zu einem (politischem?) Statement. In dem Faltblatt heißt es treffend: “Hier wird nicht das potenzielle Ausüben von Straftaten kontrolliert, sondern der der Raum an sich.” Den Vorwurf von Kiezromantik versuchen die Schreibenden nach einer Liebeserklärung (“stets ein alternatives linkes Viertel geblieben [...] so sind wir gern in diesem Kiez, auch wegen seiner Geschichte. Weil es hier die dringend notwendigen Freiräume gibt, weil wir hier unsere kulturellen und politischen Ansätze entwickeln und ausleben können”) mehr schlecht als recht zu leugnen. Nicht nur Beamte in und ohne Uniform kontrollieren und observieren sondern auch Überwachungsinstrumente – etwa Kameras. An dieser Stelle scheint eine Analogie zum Verhalten von Kühen in automatisierten Melkmaschinen einigen Lesenden unangebracht – doch ohne Menschen geht es denen besser, haben die Viecher erwiesenermaßen weniger Stress – bei Menschen ist das vielleicht ähnlich? Stressgefühle wegen Überwachung dürfte diese versteckte und jüngst im Quartier (Simildenstraße) entdeckte kleine Kamera nicht ausgelöst haben:

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Dass die Behörden versteckte Kameras für ihre Ermittlungstätigkeit nutzen ist nicht neu. Während der Ausbau der öffentlichen Überwachung an Ampeln und Gebäuden ohne weitere größere Proteste stattfindet, werden PolizistInnEn die ihre Dienstfahrten statt in dem Polizeirevier in der Richard-Lehmann-Straße in der etwa 800 Meter entfernten Biedermannstraße beginnen und beenden als Bedrohung wahrgenommen. Gewiss ist das Unbehagen berechtigt, steigert es doch die Wahrscheinlichkeit auf dem Weg durch den Kiez von einem gelangweilten dienstabsolvierendem Beamten aus irgendwelchen Gründen angehalten und gerüffelt, kontrolliert oder gar festgesetzt/eingesackt zu werden.

Die Wahrscheinlichkeit Opfer einer Polizeikontrolle zu werden ist indes als weißer Durchschnittsdeutscher niedriger als etwa ein Mensch mit einer anderen Hautfarbe. Kameras sind da weniger wählerisch.

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Dass die Insel Connewitz schon lange nicht mehr bzw. nie wirklich eine alternative Insel jenseits kapitalistischer Verwertungslogik war, sondern diese Mythen selbst schuf & aufs Revers packte wird hoffentlich wenige Köpfe erstaunen. Dass der Kiez wie jeder Stadtteil eine eigene soziale und infra-Struktur hat und aufgrund dessen die Lebensqualität bestimmt wird ist ebenfalls nicht neu. Der polizeiliche Hotspot verankert die Präsenz der Exekutive ohne Zweifel stärker als bisher im Stadtteil. Von Einigen wurde es als politisches Signal verstanden (Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung bezeichnete den Polizeiposten als “geniale Idee”) und die mit ihrem Büro im Viertel zu findende Linke Jule Nagel wünschte sich eine stärkere Politisierung der Anwohnenden. Eine der ersten öffentlichen Reaktionen war eine mehr oder weniger erfolgreiche Satire (siehe NoPoliceDistrict-Connewitz und Connewitzer-Dorf-Union Demonstrationen indymedia oder indylinksunten) vor der polizeilichen Behausung.

Der repressive Kontext all dessen sollte nicht unerwähnt bleiben – CCTV (siehe auch invenati-Antifa-Le), verdeckte Überwachung, zivile Bestreifung und letzten Endes Niemand der für etwaige Gesetzesbrüche haftbar zu machen wäre (wie die Überwachung eines linken Kulturzentrums in Freiburg jüngst zeigt, siehe TAZ.de).

Believe it or not – this is the old pal moon (not the great mother sun) rising:the_moon_is_rising_ikl959.com(shot in Leipzig a while ago; compare this or that)

during the night in distance the city is gleaming
licht-nacht_ikl959.com(shot in Leipzig)

In Hamburg wurde es ausgerufen, erweitert, wieder verkleinert – das Gefahrengebiet. Die sich darin bewegende Bevölkerung unterliegt einer gefühlten Polizeiwillkür, denn Kontrollen, Platzverweise und sogar Freiheitsentzug aka Ingewahrsamnahmen werden zu einem adäquaten und öfter genutztem Instrumentarium der rechtsstaatlichen Exekutive. Ist die reale Umsetzung in Anbetracht einer möglichen Gefahr verhältnismäßig? Das Wissen um die eigenen Rechte und Pflichten schwindet all zu oft im Angesicht von uniformierten Staatsbeamten, deren Auftreten trägt nicht selten zur weiteren Verunsicherung bei.

In Leipzig wurde kein Gefahrengebiet ausgerufen, trotzdem ist ein erkenntlich repressiver Moment aufgetaucht: Zivilfahrzeuge, in welchen Polizisten unterwegs sind. So kommt es zu dem karnevaleskem Moment, dass erkenntlich ein uniformierter in einem roten Auto am Steuer sitzt und durch die Straßen fährt. Ist der grade im Dienst oder auf dem Heimweg? Unterwegs zu einem Spezialeinsatz? Oder sind alle Dienstfahrzeuge in der Reparatur und die Polizei least ihre Einsatzwagen schon?Ach nein, es gab doch neue Dienstwagen. Also ist es Strategie – zivile Bestreifung. Bleibt nur zu sagen: nach sächsischem Polizeigesetz sind die Beamten im Dienst (ob zivil oder nicht) verpflichtet ihren Dienstausweis zu zeigen - auch ich (obwohl nicht im Dienst!) werde ja kontrolliert und soll mich ausweisen. Der sächsische Polizeiausweis

[...] ist auf Papier gedruckt. Auf dem laminierten Ausweis befinden sich der Polizeistern, der Familien- und Vorname, die Amtsbezeichnung, die Ausweisnummer sowie ein Lichtbild des Inhabers. Der Papierausweis trägt die Unterschrift des Beamten und das Dienstsiegel der beschäftigenden Dienststelle. [...] Alle Angehörigen des Polizeivollzugsdienstes (Polizeivollzugsbeamte und sonstige Bedienstete, die vollzugspolizeiliche Aufgaben wahrnehmen) sind im Besitz eines fälschungsgesicherten Polizeidienstausweises. Der Polizeivollzugsbeamte hat grundsätzlich seinen Polizeidienstausweis im Dienst mit sich zu führen. (src)

sieht so aus:polizei-dienstausweis-sachsen

(src)

§8 Sächsisches Polizei-Gesetz (Ausweispflicht):

Auf Verlangen des Betroffenen haben sich Bedienstete der Polizeibehörden und des Polizeivollzugsdienstes auszuweisen. Das gilt nicht, wenn die Umstände es nicht zulassen oder dadurch der Zweck der Maßnahme gefährdet wird. (src)

Wie die Umstände waren und wodurch gefährdet war – die Juristerei gleicht der Philosophie, das Erscheinen und Agieren der Polizei ist manchmal ebenso willkürlich.

Weshalb nun die Zivilstreife (wkpdia)? Georg Kreisler würde sagen, aus Angst.

[...] Die Polizei in ihrer ganzen Blüte, von der du Schutz und Opfermut verlangst, schützt dich nicht aus Sympathie oder Güte, nur aus Angst, nur aus Angst.

Der Polizist, dem du des nachts begegnest und der dich Heim führt, falls du etwas schwankst, tut das nicht weil du ihn lobst oder segnest, nur aus Angst, nur aus Angst.

Er hat Angst vor dem Chef, er hat Angst vor der Nacht, er hat Angst Jemand könnte ihn sehen, er hat Angst vor sich selbst, seiner Frau, seiner Macht, er hat Angst vor den eigenen Ideen und hat Angst es könnt ohne ihn gehn.

Die Polizei sitzt heute in der Falle, sie hilft Dir nur weil du sie dazu zwangst. Aber sonst ist sie genau so wie alle: sie hat Angst, nichts wie Angst. [...] (src)

(via – lesenswert; vgl. auch indymedia 2011)

Braunkohle aus der Region gab es mal vor paar Jahren bissel intensiver (sehenswertes über die Situation in Espenhain im Jahr 1990 bei Spiegel-TV zu finden) als heute, auch wenn immer noch gebaggert und verbrannt wird.kraftwerk_lippendorf_ikl959(im Süden Leipzigs)

bayerischer_platz-leipzig_s-bahn_ikl959.com(neue S-Bahn-Haltestelle Bayerischer Platz in Leipzig)

Heute ist in Leipzig nach etwa zehn Jahren werken der City-Tunnel für die Öffentlichkeit in Betrieb gegangen. Nun beginnt eine Phase der Neugestaltung – alte S-Bahn-Stationen an der alten Route gelegen werden zukünftig der Vergangenheit angehören (Leipzig Ost, Sellerhausen); die alte Bahnstrecke soll(te ?) nach Stilllegung für den unmotorisierten Verkehr und Pedastriants als Weg und/oder Naherholung nutzbar gemacht werden – ob dem so wird darf beobachtet werden.

Nun beginnt also die Tunnel-Ära in Leipzig. Dies wird nicht ohne Veränderung innerhalb der Immobilienlandschaft bleiben bzw. hat sich schon vollzogen. Mobilitätsaspekte bestimmen nachhaltig die Wohnungs- und Lebensumgebungswahl.

Derzeit noch ungebaut in Leipzig das Williams-Quartier (Bernhard-Göring Str.)
b.göringstr.-williams-quartier-leipzig-ikl959.com

(unten) Den Baustart schon hinter sich die Stadtvillen in der Südvorstadt:

alfred_kästner_strasse_stadtvillen_leipzig02-ikl959.com(oben/unten: im Bau befindlich “Stadtvillen Südvorstadt”, Alfred-Kästner-Straße Leipzig; klick to enlarge)

alfred_kästner_strasse_stadtvillen_leipzig-ikl959.com

Wie schön dass es bald neuen Wohnraum gibt (zuletzt verschwanden immer mehr Sozialwohnungen, jedoch sind Stadtvillen kein bezahlbarer Ersatz), obwohl trotz dessen der existierende Leerstand unverständlich bleibt, wie etwa hier zu sehn.

oder: Die vermeintliche Insel Connewitz

Derzeit in Leipzig plakatiert zu finden “Who killed Bambi?“. Es ist ein Text, welcher sich mit dem gesprühten Handwerk in der Öffentlichkeit, im öffentlichen Raum, beschäftigt. Primär geht es um die Frage, ob es gerechtfertigt ist gesprühte Auftragswerke mit Hatelines zu crossen. Im Text wird zur Schlussfolgerung gekommen: Die “private Aneignung des öffentlichen Raums sowie den damit verbundenen Versuch der Verdrängung einer Subkultur halten wir für nicht hinnehmbar.” Gesprühte Auftragsarbeiten werden als Aufwertung des Lebensraumes verstanden – jene bunten Bilder im eigenen Kiez würden die Gentrifizierungsspirale auch vor der eigenen Haustür weiter drehen, nun sei auch von der eigene Wohnraum, das Lebenskonzept Connewitz bedroht (click pic to enlarge).

who_killed_bambiDoch schräg wird der Text an späterer Stelle. Dort wird der Insel-Charakter des Kiezes zum Identifikationspunkt. Wider besseres Wissen scheint sich das Wohlfühlen unter vermeintlich herrschaftsfreien Connewitzern breit gemacht. Es ist ein Ort zum wohl fühlen.

“In Connewitz ergibt sich zusätzlich noch die lokale Besonderheit, dass das Gebiet Aktions-, Wohn-, Rückzugsraum und vieles mehr ist für Menschen, die sich in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft unwohl fühlen und frei sein wollen von den mit dieser Gesellschaft verbundenen Zwängen staatlicher Kontrolle. Vor allem linksradikale Menschen und Gruppen sammeln sich deshalb in diesem Stadtteil und erreichen durch diese Konzentration von emanzipatorischer Politik eine erhöhte Effizienz und Aktionsfreiheit, sowie auch persönliche Freiheit, welche in Deutschland sonst so nicht zu finden ist. Dadurch bildet Connewitz auch einen Schutzraum für Menschen, welche von [...] Gewalt betroffen sind, welche leider fester und systematischer Bestandteil der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft sind.” (src)

Dass die Exekutive auch vor den Connewitzer Haustüren patrouilliert, kontrolliert und observiert ist bekannt. Welcher Rückzugsraum? Welche Aktionsfreiheit, welche “persönliche Freiheit, welche in Deutschland sonst so nicht zu finden ist” macht den Ort so beliebt, die Mieten steigend, das Leben dort so vermeintlich unbeschwert und süß? Es ist das Einrichten in der Kiezigkeit.

Eine Analyse könnte etwa lauten: es sind nicht die bunten (Auftrags-)Bilder, welche den günstigen Lebensraum bedrohen, sondern der Grad der Bereitschaft sich dort niederlassen zu wollen (welcher die Mietpreise bestimmt). Gewiss spielen dabei auch bunte Wände eine Rolle, aber mehr als das der schicke neue (Bio-)Supermarkt um die Ecke, der Weg zum Bahnhof/Straßenbahn/Autobahn, die Clubdichte oder das Freiheits-Lebensgefühl-Versprechen, welches einige Faktoren der Gentrifizierung sind. Letzteres findet sich etwa in der Überheblichkeit an einem Ort zu leben, welcher eine persönliche Freiheit bereithält, die “in Deutschland sonst so nicht zu finden ist” und dürfte wider der Absicht zur weiteren Aufwertung des Stadtteils und damit zur Gefährdung der Bezahlbarkeit des eigenen Wohnraums beitragen.

Leipzig ist eine Stadt, in welcher die technische Überwachung des öffentlichen Raums ausgebaut wird. An einigen Stellen lassen sich Kameras an prädestinierter Stelle finden. Es ist eine schleichende Gewöhnung an eine jederzeitige Observation, welche irgendwie an eine totale Dystopie, etwa Orwells 1984, denken lässt…  Willkommen beim CC-TV!

leipziger_camera_arthur-hoffmann-ecke-richard_lehmann_strasse.ikl959.com_b_click pic to enlarge (Kamera auf Ampel an der Ecke Arthur-Hoffmann Straße/Richard-Lehmann-Straße, Leipzig)

day-tripper – one way ticket yeah….tram_passes_in_night_in_leipzig_cl-ikl959(b&w here)

[...]

She was a day….. tripper, one way ticket, yeah!
It took me so….. long to find out, and I found out

She’s a big teaser, she took me half the way there
She’s a big teaser, she took me half the way there, now

[...]
Day tripper
Day tripper, yeah! (src)

Einer der Kandidaten für den Ende Januar neu zu besetzenden Oberbürgermeisterstuhl in Leipzig ist der vormals parteilose, jetzt für die CDU sich in der Spur befindende Kandidat Horst Wawrzynski. Er kennt sich aus in Leipzig, schließlich ist er ehemaliger Polizeipräsident der Stadt. Erst im Oktober 2012 hatte er den Posten an seinen Nachfolger übergeben & sich mit einem “großen Tusch” – der Stürmung eines Wohnhauses in der Stö in Leipzig – verabschiedet.

horst_Wawrzynski_Uniform_ikl959Für Leipzig & Kosmetische-Gesichts-Operationen (siehe Bild-Zeitung) “Horst W.” (click pic):

horst_wawrzynski-skyline-leipzig_ikl959

Oder auch: “alle gegen Horst.”

leipzig_waehlt-alle_gegen_horst

Alle wahlberechtigten Leipziger welche keine Lust auf einen vormaligen Polizeipräsidenten als OB haben, die demokratische Gelegenheit nutzen & dessen Wahl verhindern wollen (& denken Wählen sei der richtige Weg) können sich die Unterlagen zur Wahlteilnahme nach Hause oder sonstwohin schicken lassen. Dort ist vielleicht die Zeit den Wahlzettel kreativ umzugestalten bzw. zu ergänzen. Oder zum Tofu-Fisch einwickeln. Und da uns die Wahl bleibt: vielleicht auch um dieses Stück Papier mit Horst-W-Konterfeis zu schmücken und nachher als Kunst zu verkaufen…

Klick pic to enlarge!pfand_gehoert_daneben-leipzig(“PFAND GEHÖRT DANEBEN.” mit facebook Adresse…; gesehn in Leipzig)

(Renamed Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig)

 

Die Verhaftung eines mutmaßlichen Brandstifters in Leipzig vollzog sich doch nicht “auf bei frischer neuer Tat“, wie zunächst gemeldet. Des nachmitternächtens begab sich ein Tross vermummter und bewaffneter Spezialbeamter in ein Wohnhaus in Leipzig-Gohlis,   – klingelte einige Bewohner des Hauses aus ihrem bürgerlich-proletarischen Schlaf – und verschaffte sich dann (vielleicht filmreif, siehe hier) Zutritt zu den Räumen des potentiellen Delinquenten:

Angeblich wurden die Bewohner des Hauses in Gohlis-Nord, in dem auch der tatverdächtige Brandstifter wohnt, gegen 2.30 Uhr aus den Betten geklingelt. Ein Nachbar habe dann durch den Türspion vermummte und bewaffnete Polizisten im Treppenhaus gesehen, die sich offenbar vor der Wohnungstür des verhafteten Mannes postierten. Nachdem sich die Beamten Zutritt zu der Wohnung verschafft hätten, sei der 27-Jährige geschnappt und abgeführt worden. (src)

Ob sich der junge Mann beim Zuschnappen der Beamten wohl verletzt hat? Offen bleibt in jedem Fall weshalb nicht ganz offiziell über den Einsatz gesprochen wurde & eine andere Version von “auf bei frischer neuer Tat” verlautbart wurde.

(screenshot vom LVZ-Film 18.09.2012)

Trotz des möglicherweise fahndungstechnischen Erfolgs wird die Chronik über brennende Autos in Leipzig ergänzt:

03.11.12: Gegen 23 Uhr wurde die Feuerwehr in die Leinestraße im Stadtteil Dölitz-Dösen gerufen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Ein dort abgestellter Kleinwagen brannte vollständig aus. Verletzte wurde niemand, es entstanden auch keine weiteren Sachschäden. [...] Brandstiftung könne ebenso wenig ausgeschlossen werden wie ein technischer Effekt. Das Auto wurde sichergestellt und soll nun genauer untersucht werden. (src)

Teil 1 der Chronik hier zu finden (& wie dort vermerkt brennen die KfZ ab und an von allein – auch gern mal während der Fahrt), Teil 2 hier.

Nicht nur in Leipzig sondern auch in sachsen-anhältischen Kleinstädten haben in der Vergangenheit Autos gebrannt (viele mögen sich auch noch an Berlin erinnern), MDR-Exakt nahm sich zuletzt ganz naiv-lebensnah dem Thema mit der Frage: “Kann man Brandstifter therapieren?” an, andererseits entschied man:  “Der Prototyp des Serienbrandstifters ist jung, männlich, ledig, betrunken.” (src)

Autos brannten zuletzt auch mal wieder in Leipzig (siehe die Chronik hier, und hier), zuletzt in der Nacht zu vergangenem Samstag mehrere Fahrzeuge:

29.09.12: Los ging es gegen 23.50 Uhr in der Zillstraße. Dort hat nach Angaben der Polizei ein noch unbekannter Täter einen Kia angezündet.Gut zwei Stunden später brannten gleich fünf Wagen. Ein Toyota, zwei Opel und zwei Volkswagen wurden zwischen 2 und 2.30 Uhr Opfer der Flammen. Sie waren in der Landberger Straße, dem Wangerooger Weg und dem Juister Weg abgestellt. Durch die große Hitzeentwicklungen wurden an zwei Tatorten drei weitere Fahrzeuge beschädigt. „Eine Festnahme gab es nicht, wir haben aber den einen oder anderen Verdacht“, sagte Polizeisprecherin Annerose Lüdemann gegenüber LVZ-Online.

Seit Januar gehen immer wieder typische Familienautos mit relativ geringem Zeitwert in Flammen auf, zuletzt am 17. September ein Ford Escort in der Sylter Straße. Offenbar gehen die Anschläge auf das Konto eines Serienbrandstifters. (src)

Übergangen wird nach dieser Zählung in der Polizeimeldung offenbar der Brand drei Tage zuvor:

26.09.12: Aus bisher unbekannter Ursache ging im Stadtteil Schönau das ordnungsgemäß auf einem Parkplatz an der Lyoner Straße abgestellte Fahrzeug gegen 22 Uhr in Flammen auf. [...] Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf und untersuchte das Pkw-Wrack zur Klärung der Brandursache am Donnerstag. (src)

Es ist offensichtlich dass Unentschiedenheit bezüglich des Brandstifters oder der Brandstifter besteht. Fest zu stehen scheint: vor allem das Plattenbaugebiet im Norden Leipzigs wird des öfteren nächtens von brennenden Autos und den danach folgenden Feuerwehreinsätzen heimgesucht.

Mehr als 17 Autos sind nach Polizeiangaben seit Jahresbeginn im Plattenbaugebiet zwischen Sylter Straße und Wangerooger Weg in Flammen aufgegangen – soviel wie sonst in ganz Leipzig zusammen in einem Jahr. Spannend die Frage wann ein oder mehrere Tatverdächtiger in Gewahrsam genommen werden (der Druck auf die ermittelnden Behören endlich etwas vorzeigen zu müssen steigt mit jedem weiteren Brand) und wie dann die Berichterstattung erfolgen wird.

“acab (türk. Vorname)” (gesehen in Leipzig); siehe dazu auch:

(Nürnberger Zeitung, 8. März 2011, src)

Wie lange es wohl noch dauert bis die verschiedenen Brände in Leipzig in der letzten Zeit eine überregional wirksame Skandalmeldung wert sind? Immerhin hat sich die MDR-Sendung “Kripo-Live” Anfang Juni dem Thema angenommen.

(Danke an M. für das Foto, 03.06.12, Leipzig-Connewitz)

Schon jetzt lässt sich eine erstaunliche Chronik von diesbezüglichen Vorfällen (brennenden Autos) finden. Ab und an brennen die Fahrzeuge jedoch auch von ganz allein:

22.08.11: Kurz vor Mitternacht loderten plötzlich Flammen aus einem Auto vor einem syrischen Restaurant auf. Die Feuerwehr musste anrücken und schaffte es relativ zügig den Brand in der Universitätsstraße zu löschen. Bislang geht die Polizei von Brandstiftung aus.  (src-mit video)

23.01.12:  “Im Stadtteil Gohlis-Nord sind ein Fahrzeug in der Sylter Straße und zwei Autos im Wangerooger Weg gegen 1 Uhr angezündet worden” , sagte Polizeisprecher Mario Weigelt [...] Es werde von Brandstiftung ausgegangen [...] Alle drei Autos fingen nach Polizeiangaben im vorderen Teil der Motorhaube Feuer. „Bei allen drei Autos brannte es im gleichen Bereich, da wage ich, zu bezweifeln, dass es sich um einen technischen Defekt handelt“, erklärte Weigelt. „Das ist ein neues Phänomen, wir müssen das beobachten und uns dementsprechend darauf vorbereiten.“ Die Ermittler stünden bereits im Austausch mit Behörden etwa in Berlin und Hamburg. Beide Städte haben immer wieder verstärkt mit Bränden und Brandstiftungen an Autos zu kämpfen. (src)

27.01.12: In Leipzig-Mockau ist in der Nacht zum Freitag gegen 4 Uhr ein PKW vollständig ausgebrannt. [...] Die Ursache ist noch unklar. (src)

23.02.2012, Grimma (bei Leipzig)  / 06:25: Brand eines PKW auf dem Gelände eines Autohauses. (src)

02.03.12: [...] geriet das Fahrzeug gegen 21 Uhr aufgrund eines technischen Defektes in Brand. Die 56-jährige Fahrerin konnte sich unverletzt aus dem Wagen retten. (src)

30.03.12: Im Markranstädter Ortsteil Kulkwitz ist am Freitagabend ein Auto komplett ausgebrannt. Wie die Feuerwehr mitteilte, wurden die Rettungskräfte kurz vor 19 Uhr alarmiert. [...] Die Brandursache ist bislang noch unklar. (src)

31.03.2012, Grimma (bei Leipzig)  / 20:30 Uhr Brand eines PKW auf Freifläche eines Autohauses. (src)

22.04.12: [...] brannte kurz vor 2 Uhr ein Renault-Kleintransporter in der Stötteritzer Rudolph-Herrmann-Straße. Das Feuer war aus unbekannter Ursache unter dem rechten Radkasten ausgebrochen. Gegen 3.15 Uhr brannte ein Nissan Micra an der Grünauer Zschampertaue vollständig aus. (src)

23.04.12: Ein Citroen-Berlingo ist am Montag in den frühen Morgenstunden völlig ausgebrannt. Gegen 3.20 Uhr stellte die Polizei  in der Gröpplerstraße in Leipzig-Neulindenau den Totalschaden des Wagens fest. Brandstiftung wird als Ursache nicht ausgeschlossen. (src)

08.05.12: An der Schönefelder Allee schlugen die Täter die Seitenscheibe eines Mittelklassewagens ein und legten auf der Rückbank Feuer, erklärte Polizeisprecher Mario Weigelt am Mittwoch. [...] Die Hintergründe der Zündelei seien unklar, so Polizeisprecher Weigelt. Anders als in anderen Großstädten haben es die Täter in Leipzig offenbar nicht auf Luxuskarossen abgesehen. Mittelklasse- und Kleinwagen würden ebenso abgefackelt wie Transporter oder Baustellenfahrzeuge. Einen politischen Hintergrund der Taten schließt die Polizei aus. (src)

22.05.12: Gegen 23.30 Uhr vermeldeten Anwohner in der Bremer Straße, Ecke Wangerooger Weg [Gohlis-Nord], einen brennenden Mittelklassewagen. [...]Gegen 0.45 Uhr eilten die Einsatzkräfte dann erneut in den Stadtteil, weil in der Sylter Straße, wenige Meter vom ersten Brand entfernt, ein Kleinwagen Feuer gefangen hatte.  [...] Nach ersten Erkenntnissen wurde in beiden Fahrzeugen Brandbeschleuniger benutzt. (src)

29.05.12: Gegen 23.45 Uhr brannte in der Sylther Straße [Gohlis-Nord] ein Kleintransporter, zwei Stunden später in der Zillstraße ein Personenkraftwagen. Die Polizei geht in beiden Fällen von Brandstiftung aus, wollte Details zum verwendeten Brandbeschleuniger oder zu weiteren Spuren an den Tatorten aber nicht veröffentlichen. (src)

01.06.12: Ein Mannschaftstransporter der sächsischen Bereitschaftspolizei geriet am Donnerstag Nachmittag in Obergräfenhain II in Brand. Der Ford Transit, der auf dem Weg zu einem Einsatz [...]  in Leipzig war, hatte unmittelbar zuvor die Autobahn 72 verlassen. Die Besatzung des Kleinbusses bemerkte das Feuer im Motorraum und begann mit Löschversuchen, die aber nicht zum Erfolg führten.  (src)

03.06.12: [...] brannten in Connewitz zwei Autos. [...] geht die Polizei derzeit von einem technischen Defekt aus. (src)

04.06.12: In einem Leipziger Taxi ist [...] während der Fahrt Feuer ausgebrochen. Wie die Polizei mitteilte, bemerkte der Fahrer den Rauch gegen 7.25 Uhr in der Rietschelstraße. Zu diesem Zeitpunkt war noch ein Passagier im Wagen. Beide Männer konnten das Fahrzeug aber unverletzt verlassen. Das Taxi brannte komplett aus. (src)

07.06.12: Im Leipziger Osten ist am Donnerstagabend gegen 22.50 Uhr ein Fahrzeug in Brand geraten. Der Oberklasse-Wagen war in der Bautzmannstraße abgestellt und wurde durch die Flammen stark beschädigt, hieß es aus dem Lagezentrum der Polizei. Die Ursache des Feuers ist noch unklar. (src)

Eine politische Tat wird bislang von den Ermittlungsbehörden verneint, so diesbezügliche letzte Verlautbarungen. Der Grund: es brennen auch ältere und mittelklasse Wagen. Die hier begonnene Chronik der “burning cars” in Leipzig wird ggf. ergänzt, wird jedoch vermutlich keinen Abschluss finden, denn wie Eingangs erwähnt: die Kraftwagen entzünden sich ab und an (auch während der Fahrt) schon mal von ganz allein…

(gesehen in Leipzig, Friedenspark)

(SNOW-RCS auf dem alten Ring-Messehaus in der Leipziger Innenstadt, sieht heute jedoch so aus. ORG hier, wie es im September 2010 mit Beiden Anfing hier)

Was hat Ihre Geldanlage mit diesem Auto gemeinsam? ‘Airbag: Höchststandabsicherung’, ‘Sicherheitsgurt: Kapitalgarantie’, ‘Kennzeichen: einzigartig’, ‘Handbremse: kontrollierte Schwankungen’, ‘Anhängerkupplung: kompatibel‘. EINIGES! Sprechen Sie uns an!

(gesehen in einer Sparda-Bank, Leipzig)

(“Listening to Musik”, gesehen in Leipzig-Probstheida)

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