überspringe Navigation

Ein erneuter Verweis auf eine Dokumentation. Sie hat den Titel: “Hausbesetzer in Kreuzberg. Im Turm.”

Es ist eine Reise in eine Zeit vor etwa 30 Jahren, was jedoch eher wie 50 erscheint – sehr viel hat sich geändert mit dem Verschwinden der DDR (aber auch der vorpersonalcomputerisierten Welt). Die Freien Räume die es mal an der Mauer, besser: in deren Schatten auf der Westseite gab, sind verschwunden (angefangen vom Kubat-Dreieck bis hin zur privaten hinter-Mauer-Romantik). mom_with_child.ikl959Die Dokumentation von Backes, welcher die Haus-Besetzer-Szene in Berlin-Kreuzberg (54% der Berliner hatten damals angeblich Verständnis für die Aktivisten) zeigt, bietet einen unvermittelten Einblick in den Alltag der Hausbewohner, steht wegen der Nähe sogar vor dem vorzeitigem Abbruch. Der Alltag ist wie der Film nicht immer spannend, nichts desto trotz finden einige Aspekte Erwähnung (wie etwa dass die Bewohner Häuser bewohnen welche für preussische Offiziere gebaut wurden, selbst jedoch Sozialhilfe beziehen oder studieren) die für die heutige Auseinandersetzung mit dem Thema relevant sein könnten. “Zusammen lieben, lachen, kämpfen” ist eine der Handlungsmaximen der Bewohner – das Kollektiv gegen das Kollektiv – und scheint wie einem Märchenbuch entnommen. Dass keine heile Welt herrscht in dem genommenen und selbstbestimmten Haus wird offenbar. Dies liegt jedoch nicht nur an dem Innen, auch an dem Außen. So wird etwa gesprochen über Gewalt, über die Konzentration von chemischen Stoffen im Wasser der ~werfer der Polizei. der_staat_sagt_halt_ikl959.comDie Dokumentation zeigt gemeinsame Träume & Ängste & Utopien und stellte unwillkürlich die Frage nach deren Wirksamkeit und Ausdruck heute. 90 besetzte Häuser gab es damals in Berlin-West und es war etwas, womit sich die Stadt durchaus ein wenig  schmückte. “Instandbesetzt”…

instandbesetzt_ikl959Die Bezugnahme auf eine Studie aus der Schweiz ist in ihrer Analyse scheinbar noch immer aktuell. Die Experten schrieben 1981:

Wir können die Augen nicht davor verschließen, dass die gewalttätigen Jugendlichen in einer Welt aufwachsen, in der sie dauernd mit Gewalt, auch mit legitimierter Gewalt, konfrontiert sind. Am Fuße des NKZ, des Neuen Kreuzberger Zentrums, steht: “Schade, daß Beton nicht brennt.”

Hausbesetzer in Kreuzberg. Im Turm (D 1981, ca. 55 Min.) von Wieland BackesDerzeit noch hier zu finden.

the_head_is_next_ikl959.comI liked this (seen in Halle/Saale)

Eine durchhalte-Kampagne (“Ich bin gut”) des Jobcenter findet sich derzeit in deren Räumlichkeiten. Für alle, die nach 50, 70 oder 90 Bewerbungen keinen Sinn mehr sehen, keine Hoffnung mehr haben einen Platz zum Arbeiten zu finden: auch nach 100 Bewerbungen besteht, ja: was besteht eigentlich. Hoffnung? Bewerben um der Bewerbung willen. (“Potentiale erkennen, Chancen nutzen”) Die Frage nach der (fairen) Bezahlung der geleisteten Tätigkeit wird dabei noch nicht gestellt…

die_perfekte_bewerberin_agentur_fuer_arbeit_ikl959.com“Die perfekte Bewerberin: Eine, die auch nach 100 Absagen nicht aufgibt.” (click pic to enlarge)

Ein sehenswerter, da in seiner Form und Umsetzung überaus ästhetisch und (manchmal alles andere als) kleinteilig, kritischer und fast zeitloser Film (der unausweichlich ein Abbild seiner Entstehungszeit ist, der jedoch die industriellen Prozesse und Entwicklungen markant heraus präpariert welche noch heute wirken) ist eine Dokumentation von Hartmut Bitomsky: Der VW-Komplex (1989). vw_komplex-das_volkswagen_werk_und_die_deutsche_arbeitsfrontEin Blick in die Vergangenheit und Anfänge der Autofabrik ist ebenso enthalten wie ein Blick in die Zukunft. In der Dokumentation von Bitomsky geht es um einen VW-Komplex – so wird auch die Architektur und Stadtplanung der (als wenig lebenswert dargestellten) Autostadt Wolfsburg gezeigt. In Analogie zu den ersten Filmaufnahmen der Cinematographie (Arbeiter verlassen die Fabrik, der Gebrüder Lumiere) werden Arbeiter beim Verlassen der VW-Fabrik Ende des 20. Jahrhundert gezeigt. Es scheint sich zunächst nichts geändert zu haben. Der Arbeiter wird gezeichnet im Spannungsverhältnis zwischen seinem Dasein als Individuum und der gesichtslosen arbeitenden Masse. Die Frage nach der Erwerbsarbeit und dem Verhältnis zu den Menschen entwickelt sich zu einer immer wieder zu findenden Fragestellung. Immer wieder wird auch das Spannungsverhältnis der stetigen Technisierung und Enthumanisierung der Industrie offenbart – der Mensch in Konkurrenz zur Maschine (oder umgekehrt?).

Die Werkstätigen sind VWs stärkste Kundenschicht. Ein Zehntel der Produktion geht an sie. Mit jedem Arbeitsplatz der irgendwo abgebaut wird geht ein potentieller Autokäufer verloren. [...] Ein Verkehr lässt sich vorstellen, der Autofahrer nicht mehr benötigt, ebenso die Autofabrik, den Arbeiter. Es gibt den Zusammenhang von Autofahren und Industriearbeit.

Es verschwinden nicht nur die Arbeitsplätze, es verschwindet die Arbeit selbst. Was damit verloren geht ist noch gar nicht auszudenken. (src: VW-Komplex)

vw_komplex-kaefer_und_arbeiter_Gewiss ist die Diskussion um Erwerbsarbeit und Industrialisierung kein neues Themenfeld. Mit dem von heute aus gesehen Zeitsprung um über zwanzig Jahre zurück wird der offensichtliche Grad menschlicher Abhängigkeit (richtiger: der Industrieproduktion) von der Robotik um einiges eindrücklicher. In der Dokumentation werden die Besonderheit (die Nazis finanzierten sich über Anlagen von privaten Einzahlern ihre Kübelwagen für die Front; zunächst waren Zwangsarbeiter eine billige auszubeutende Arbeitskraft) und der spätere und anhaltende Erfolg des deutschen Projekts Volkswagen nach gezeichnet, hinterfragt, angedeutet. Film (D 1989, 90 Min.) derzeit noch hier zu finden.

lady-bird_tries_to_fly_again

click pic to enlarge!
kuenstliche_dna_und_diebesgut.ikl959.com“Achtung. Unsichtbare Markierungen! Die künstliche DNA führt zum Täter und macht Diebesgut unverkäuflich. MIBRAG” (gesehen am Tagebau Schleenhain bei Leipzig)

bunte_republik_neustadt_in_schwarz-rot-gold.ikl959.comJüngst schmückte sich die Bunte Republik Neustadt in Dresden (ohne nationalen Fußballtaumel) mit den national Farben. Dabei gabs mal eine Zeit, da wurden bunte Pässe ausgegeben, da war der Kiez zumindest dem Anspruch nach anderes Hoheitsgebiet. Angekommen ist man bei einem Volksfestcharakter mit Wurstbuden, bei dem black-red-gold nicht fehlen darf…

der vormals bunte BRN-Pass (src), heute augenscheinlich Vergangenheit

warum_werfen_die_mit_steinen_papa-ich_hab_angst-ikl959.comBürgeramt in Leipzig Connewitz. (click pic to enlarge)

lost_someone_crossing_the_street_ikl959(seen in dresden)

old_vs_new_gdr-1_ikl959renovated one vs. old oneold_vs_new_gdr-n2_ikl959new (above) vs. …old_vs_new_gdr-o2_ikl959old vs. …old_vs_new_gdr-n1_ikl959new vs. …old_vs_new_gdr-o1_ikl959old. (seen in dresden); click pics to enlarge!

http://streetfiles.org/photos/detail/1786348(src, via)

Im Jahr 1942 wurde das für Zollhundeführer “bestehende Verbot der Hundezucht aufgehoben und das Züchten geeigneter Hündinnen gestattet. Die Kosten der Aufzucht trug das Reich. Die Aufsicht über den Zuchtbetrieb lag bei den Zollhundelehrern. Um ihnen die dafür notwendigen Kenntnisse [der Rassenkunde, Anm.] zu vermitteln, wurden sie in einer Heeresschule für Diensthunde- und Brieftaubenwesen als Zuchtwarte ausgebildet. [...] Im übrigen kam es in den letzten beiden Kriegsjahren auf die Rasse der Hunde nicht mehr an. Es wurden schließlich alle Hunde genommen, die wesensmäßig den Ansprüchen entsprachen.

(Walter Eulitzer: Der Zollgrenzdienst. Bonn 1968. S. 290)

Wie sieht ein Floh aus? Bild anklicken zum ansehen!floh_supermakro_ikl959Er ist vor allem klein, der Floh, aber noch groß genug um gesehen zu werden. One flea less…

1363866087(src)

Im deutschen Rechtsstaat wird seit einer Weile gedealt – vor Gericht, mit den Richtern und Verfahrenbeteiligten. Vielleicht hat damit auf justizieller Ebene etwas Ausdruck gefunden, was in der Gesellschaft schon immer zu finden war. Nur komisch bleibts – der Dealer in der Robe. Und eine kritische Vorstellung von etwas, das zukünftig so benannt werden könnte: Der eine hat Geld, der andere das Verfahren. Oder auch: Bist du mal angeklagt und hast genügend Finanzen  – dann kauf Dich vom Verfahren frei! Der eine dealt mit den Richtern, der Andere ist gezwungen sich von diesen Befragen zu lassen, hat vielleicht dabei nicht mal das Geld das Verfahren angemessen zu finanzieren.

[/ wildes Gedankenformulieren im Fall von Wulfs-50.000 Euro-Verfahrensendbetrag und dem stockend angelaufenen Verfahren gegen Lothar König]

(via)

update: auch im Prozess gegen einen Beschuldigten welcher in Leipzig mehrere Autos angezündet haben soll, wurde versucht zu dealen….

Aus einem Publikationsorgan der Volkspolizei während der 1950er:

die_leitungen_sind_abhoerbar.ikl959Vorsicht bei Gespraechen auf dem Polizeinetz. Die Leitungen sind abhoerbar!

In diesem Fall mal wieder “Antikommunismus”. Angstmachenwollende antisowjetische Propaganda – ein Rotarmist vor dem Kölner Dom…er_ist_bewaffnet-wollt_ihr_ihn_hier_haben_ikl959“Er ist bewaffnet – wollt Ihr ihn hier haben?”; Werbeplakat für einen westdeutschen Wehrbeitrag.

Gescheiterte Freundschaftswerbung? Irritierend & erheiternd bleibt es…bei_den_genossen_der_polnischen_volksarmee-ikl959(“BEI DEN GENOSSEN DER POLNISCHEN VOLKSARMEE”, aus NVA-Journal)

day-tripper – one way ticket yeah….tram_passes_in_night_in_leipzig_cl-ikl959(b&w here)

[...]

She was a day….. tripper, one way ticket, yeah!
It took me so….. long to find out, and I found out

She’s a big teaser, she took me half the way there
She’s a big teaser, she took me half the way there, now

[...]
Day tripper
Day tripper, yeah! (src)

“Aus jemandem einen Soldaten machen, heißt, ihn das Gehorchen in alltäglichen Situationen lehren, die das Gehorchen auch dann noch als etwas Alltägliches erscheinen lassen, wenn die Situation alles andere als alltäglich ist. [...] Da die Einübung des Gehorsams mittels (oftmals sinnlos erscheinender und einander widersprechender) normativer Forderungen erfolgt, die sich auf einen routinisierten Alltag beziehen, außerdem jene Ausbildungssituationen, die sich auf den Kampf beziehen, fiktiv sind, tritt das eigentliche Ziel der militärischen Ausbildung, im Ernstfall mit dem Töten ernst zu machen, auf eigentümliche Weise in den Hintergrund – eine der Vorraussetzungen dafür, dass das Töten als ‘Handwerk’ gelernt werden kann.”

(Hubert Treiber – Wie man Soldaten macht. 1992 S. 397 f)

In diesem Fall mal “Antikommunismus”:antikommunismus_in_muenchen-1960

Bolschewistische
Agenten
propagieren den
Kommunismus
Afrikaner werden in
Moskau zu
Agenten…

Der K….
nütz…

DDR-Bildunterschrift: “Diese antikommunistische Hetzaustellung gehörte wie Bundeswehrzeltlager und NATO-Gebetsstunden zum Programm des Eucharistischen Weltkongresses (München 1960). Der evangelische Kirchentag dieses Jahres [1961, Anm.]  aber soll ein noch gefährlicherer Höhepunkt des kalten Krieges werden. Deshalb die Wahl der Frontstadt Westberlin als Tagungsort.” (Juli 1961)

e-t-und-t1Erst ist dem Tod kalt.e-t-und-t2Dann ist der Ente kalt.e-t-und-t3

Lange schaute er der Ente hinterher.

Als er sie aus den Augen verlor war der Tod fast ein wenig betrübt.

Aber so war das Leben.

(src via d.t., thx!)

_Richtlenkschuetzen_NVA-ikl959.com“The instructor can give the court directing sagittarius references about direction and distance.”; This is how (futuristic ?!?!) military (here: NVA soldiers) looked like more than three decades ago. (click pic to enlarge)

kommuismus_globe_propaganda_1961-ikl959.com(the sovjetstar wear on, the globe follows on the way to communism; propaganda 1961)

_asteroid2012_da14_closest_distance_to_earth_screenshot_animation_ikl959.com(screenshotsrc; 2013.02.15: Distance to earth: 1,620,000 Miles ~ 27.700 km; nur einer von vielen in der letzten Zeit entdeckten Erdbahnkreuzern? “1990 kannte man 72, 1999 schon 515,  2003 waren es 1386 Erdbahnkreuzer. 2010 sind 4789 bekannt gewesen.”(src) Es ist davon auszugehen dass es heute noch mehr sind. Bleibt die Frage ob es wirklich mehr oder wir nur sensibler geworden sind? via t.r. thx!)

Weil heutzutage der Begriff Kommunismus so gern unkritisch Verwendung findet hier der Beginn einer Bildserie mit kommunistischer Propaganda (mal sehen wie lang die wird…). Teil 1 aus dem Jahr 1961:

Programm des Kommunismus.  Востокprogramm_des_kommuismus_1961-ikl959.com

(“Das sind die Zeichen unsrer Zeit:

Vom Himmel hoch hat’s neuerdings geklingelt!

Auf Posten gegen die Vergangenheit

umrauscht ein rotes Weltraumschiff die Erde.

Schubkraft? Das Kommunistische Programm.

Die Völker sehen fröhlich sich umarmt,

und ihre Feinde wissen sich umzingelt.

Paul Wiens)

Der Mythos um die Bombardierung der Stadt Dresden im Jahr 1945 ist so alt wie teilweise ungeheuerlich. Und das Gedenken daran bis heute umstritten. Die Gedenken müsste es wohl treffender formuliert werden, denn es gibt derer einige:

Aus Anlass der Bombenangriffe auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 und mit Blick auf die Geschichte unserer Stadt erinnern wir an die Opfer von Nationalsozialismus und Krieg. (src)

menschenkette_dresden_2013_ikl959(geplante Menschenkette über zwei Elbbrücken zum 13. Februar 2013 in Dresden)

Wir? Wir:

Die Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden [...] gemeinsam mit den Fraktionen des Stadtrates, Vertreterinnen und Vertretern von Wirtschaft und Wissenschaft, Kultur, Sport,  Gewerkschaften und Kirchen, mit der Jüdischen Gemeinde und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren [und, Anm.] alle Bürgerinnen und Bürger [...]. Menschenkette am 13. Februar 2013 Auftakt 17.00 Uhr am Rathaus (Brunnen hinter dem Rathaus, gegenüber der Kreuzkirche) Zusammenschluss um 18.00 Uhr (src)

Es soll ein Gedenken sein an die “Opfer des NS und des Krieges”. (waren nicht alle Opfer des Nationalsozialismus? – Nein.) Selbst bei den Toten wird kategorisiert – jedoch andere Kategorien als z.B. Jean Amery gefunden hat (s.u.). Die Sinnlosigkeit des Sterbens in diesem Krieg des deutschen Volkstaumels für eben jene idealisierte und ideologisierte völkische Einheit kristallisiert sich bis heute ungerechtfertigter Weise in dem Opfergedenken einiger Dresdner und angereister Revisionisten. Dieses Gedenken, welches zu oft nur im luftleeren Raum stattfindet bzw. die eigentlich von der Volksgemeinschaft  gestärkte ultimative Opferrolle (=deren Tod) der anders Definierten & Gekennzeichneten selbst einzunehmen gedenkt/eingenommen hat/einnimmt. Der als anders wahrgenommenen fremde Teil, ja zum Teil verfremdete Teil der Volksgemeinschaft, wird dem eigenen Leid gleichgesetzt oder schlicht verneint. Jean Amery formulierte treffend:

“Da  und  dort  wird  vielleicht  jemand  einwenden, dass  auch  der  Frontsoldat ständig  [zu ergänzen wäre wohl: und auch die an der Heimatfront irgendwann, es war ein "totaler und radikaler Krieg" - O-Ton-Goebbels - Anm.] vom  Tode umfangen war und dass darum der Tod im Lager nicht eigentlich einen spezifischen Charakter und eine unvergleichliche Problematik hatte. Muss ich erst noch sagen, dass dieser Vergleich untauglich ist? Der Soldat starb den Helden – oder Opfertod: der Häftling den des Schlachtviehs. Der Soldat wurde ins Feuer getrieben, und sein Leben war nicht viel wert, das ist wahr, dennoch war ihm vom Staate nicht das Sterben verordnet, sondern das Überstehen. Des Häftlings letzte Pflicht aber war der Tod.” (src)

Im Verbecherverlag jüngst ein Buch erschienen (fast schon zu spät), welches das Gedenken an die Bombardierung Dresdens ganz abschaffen möchte. Inhaltlich habe ich keinen Einblick genommen, die Textankündigung des Verlags lautet:

Dresden, imaginiert als die schöne, unschuldige Kunst- und Kulturstadt, ist das deutsche Opfernarrativ schlechthin – unnötig bombardiert, kurz vor Ende des Krieges mit »Hunderttausenden Toten«. Die alliierten Luftangriffe vom 13. bis 15. Februar 1945 bilden einen festen Bezugspunkt der Erinnerung und des Gedenkens in Dresden. Durch die Jahrzehnte war die Stadt Kulminationspunkt und Ausdruck jeweils aktueller Geschichtspolitik. Sie präsentiert sich als Symbol für Frieden und Versöhnung und inzwischen
sogar für wahrhaftiges Erinnern gegen geschichtsrevisionistische Nazis. Nicht zuletzt aufgrund des jährlichen Naziaufmarsches werden nun Mythen hinterfragt, Fakten erforscht und die  nationalsozialistische Geschichte Dresdens benannt. Aber reicht das? Muss nicht vielmehr das Gedenken selbst abgeschafft werden? Dieser Band sagt: ja! (src)

Soviel Geschichtsverdruss… Dabei würde vielleicht schon ein anderes Gedenken (inhaltlicher & formaler Art) reichen, oder gibt es etwas gegen denken gehen einzuwenden? Die victimisierte Haltung einiger erinnernder Versammlungen in der Stadt heute hätte vermutlich auch gut zum alljährliches Gedenken an der Ruine (=dem Opfer, dem Niederlagenresultat, der anschaulich gemachten Zerstörung) der Frauenkirche gepasst (dort wurden mit imperialismuskritischen Attitüden giftige Worte und Aussagen gegenüber dem sinnlosen anglo-amerikanischen Bombenterror verlautbart). So sah das alljährliches Gedenken zu DDR-Zeiten am Denkmals-Schuttberg  Frauenkirche während der 1980er aus:

_frauenkirche-dresden-ruine-1980er-ikl959.com

Heute sitzt & schlendert man wieder hindurch, durch die wieder aufgebaute Altstadt am Neumarkt. Man ist wieder drinnen, im warmen und bunten, musikalischeren (& auch wieder verkompletierten Bild) der barocken Stadt. Der Versuch heute etwas aus der Geschichte gelernt zu haben wird am deutlichsten in einer Kampagne, welche  Wörter stark machen will, schlicht: Werte einfordert über deren Inhalt und Definition sich lange diskutieren ließe.

13.februar-dresden_bekennt_farbe_ikl959(“13. Februar 2013 Mit Mut, Respekt und Toleranz – Dresden bekennt Farbe“, gesehn in Dresden)

Diese Kampagne der Stadt Dresden ist ein Signal. & es ist gleichzeitig schon im Vorhinein des 13. Februars ein Moment, der (Volks-?)Gemeinschaft suggeriert die so schon lange nicht mehr existiert. Und wenn: dann nur einmal im Jahr – am 13. Februar. Oder eben auch (in anderer Form) während des Jahre im nationalen scheinbar kollektiven Fußballtaumel. Das Gedenken an die Bombardierung Dresdens wird & sollte m.M.n. nicht in Vergessen geraten. Weshalb? Weil sich vor, aber auch nach der Bombardierung der Stadt die Spuren der massenhaften Menschenvernichtung der als minderwertig, gefährlich, rebellisch, schlicht: aus der Gesellschaft auzuschließender Elemente, finden ließ:

“[...] [Es] war mehr als eine Ironie des Schicksals, dass bei den Leichenverbrennungen nach den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 Überreste jener Wachmannschaften [unter der Bezeichnung SS Bataillon Streibel, Anm.] tätig waren, die die gleiche ‘Praxis’ in den Vernichtungslagern der ‘Aktion Reinhardt‘ und nach den Massenerschießungen der ‘Aktion Erntefest‘ [...] ausgeübt hatten.”

(Wolfgang Scheffler: Probleme der Holocaustforschung, S. 281; in: Deutsche Polen Juden, Berlin 1987)

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Der Tod wurde ein Meister wegen Deutschland. Der Tod wird kein Meister gegen Deutschland.

(part I 2013 hier; Dresden 2010; Dresden 2011, Dresden 2012, to be continued…)

i listened some MGMT & i liked it… (instead [or despite??] the one-hit-wonders; the audience looks dead – what did u expect? just another body-count with some handmade music…- enjoy!) (via t.r., thx!)
mgmt_live_letterman

frozen_water_ikl959(ice-puddle, macro & inv.)

13.feb.2010-dd_hansastr_ikl959_(Dresden Februar 2010, Hansastraße/Bischofsweg)

Wie siehts aus derzeit im Freistaat? Einige Urteile wurden gefällt. Auch in Zusammenhang mit den alljährlichen Ereignissen im Februar. Einiges erscheint leicht als der Versuch die Staatskasse aufgrund von Straf-Zahlungen von widerspänstigen Geistern finanziell zu bespülen; ach nein, es wird eingesperrt. Hinzukommen so Sachen wie die “Absprechung der Immunität von Abgeordneten” (von Hahn bis Lichdi, um gegen jene ermitteln und ein Verfahren einleiten zu können) welche sich an den Protesten gegen den victimisierten Trauermarsch der Rassisten beteiligten. In Sachsen-Anhalts-Landeshauptstadt Magedburg verlief der Nazi-Marsch zuletzt nicht ganz unerfolgreich, siehe das Bild:magdeburg_nazidemo_route_2013_ikl959& die Naziroute hier; immerhin: weniger Innenstadt als die Jahre zuvor, doch ist das relevant?). Die Polizei musste den Nichtdemokraten ihr demokratisches Recht zugestehen & deren deutsche Weltanschauung sicher auf die Straße tragen.

Die Strategie scheint erkennbar: Nazis laufen lassen & Protestierende festsetzen/verhaften. Letzten Endes ja sogar nachvollziehbar – in der Öffentlichkeit taucht kaum etwas über verletzte Menschen durch einen Naziaufmarsches auf; statt dessen Berichte über gefrustete Gegendemonstranten bzw. die Versuche den Rassisten den Weg zu verbauen. All dies lässt erahnen wie sich Dresden in etwa einem Monat anfühlen könnte. Der Eventcharakter (und damit vielleicht sogar schon bedeutsam für Tourismus & sonstwas in der Barock-Stadt) hat sich die letzten Jahr gut entwickelt. Für die sächsische Landeshauptstadt ist es das Jahres-Großereignis; (die Menschenanzahl die sich im Stadtgebiet bewegte findet sich sonst nur bei Fussballnationalspielen mit deutscher Beteiligung; 2010 wurde der große Februar-Umzug der aus ganz Europa angereisten Trauermärschler durch die Stadt erstmals verhindert – am wenigsten durch die bürgerliche Veranstaltung der Stadt jenseits der Elbe, sondern durch die massenhaft – auch von Auswärts angereisten – in der Kälte harrenden Blockierer & spazierenden Anwesenden diesseits der Elbe – Fussballspielen hätte vielleicht dem ein oder anderen besser getan, vor lauter Langweile) 13.feb.2010-dd_ikl959(Friedensstr., Dresden Februar 2010)

Wie wirds 2013 in Dresden aussehen? Einfach, wichtig und richtig bleibt die Kritik & das Mobilisierungspotential gegen den Braun-gefärbten Umzug in Dresden, schon weil das über die Jahre zu einem Event geworden ist an dem Niemand fehlen sollte. Oder so… “Naiv” und “seltsam komisch” erscheint im Rückblick ein Foto aus dem Jahr 2010 (unbekannt da noch die Ereignisse um die zur Tat schreitenden mordenden nationalen Untergründler, von einigen Publikationsorganen nichts weniger als diffamierend als “Dönermorde” bezeichnet…):13.feb.2010-dd_nazis_essen_heiml.doener_ikl959to be continued…

blaues_wunder-sw(Elbbrücke “Blaues Wunder”, Dresden)

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.