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bug_super-Makro_ikl959.combug climbed and found on top of an object called human finger (click pic to enlarge)

Spannende Dokumentation, welche weitere Puzzle über die sich zuspitzenden Ereignisse in der arabischen und islamischen Welt darstellen, betrachtet den Aufstieg der Houthis in Yemen:

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Die Reporterin begibt sich selbst an die Orte und spricht mit Beteiligten und zeigt das Leben auf der Straße, Bombenanschläge, Terrormilizen.yt-rise-of-houthi-reporterAuch vom filmischen und der Motivwahl ist der Film über Zerfalls- bzw. Neuorganisationserscheinungen einer religiös-gespaltenen Gesellschaft/Region durchaus sehenswert. (on yt: doku, 45 min, 2015, eng)

Im Leipziger Hauptbahnhof ist noch bis diesen Sonntag (05. Juli 2015) in der mittleren Etage eine Fotoausstellung von Rudi Weissenstein zu sehen, der Zeit seines Lebens mit der Kamera unterwegs war und ein einzigartiges Fotoarchiv schuf. Auf den Bildern sind alltägliche Szenen – Arbeiter, Konzertaufführung, Stadtaufnahmen und Landschaften des jüdischen Palästina vor und nach der Gründung des Staates Israel zu sehen.
mosha_magdiel1946-rudi_weissenstein_“Jugendliche im Moshav Magdiel. In dem Moshav war ein Heim für junge Überlebende der Shoa untergebracht. 1946” 

Seit letztem Wochenende gab und gibt es noch bis zum Sonntag einige weitere Veranstaltungen in Zusammenhang mit der jüdischen Woche in Leipzig. Mehrere Ausstellungen haben auch längere Laufzeiten.

with Henryk Mikołaj Góreckis Piesni Maryjne op.54

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Parade-der-Unsichtbaren-Leipzig-30.-Mai-2015.-Foto-Detlef-M.-Plaisier-54(src, auch bei L-IZ Fotos; deutsch-arabischer?/persischer? Banner zum Thema)

Menschen versammelten sich am Wochenende um durch die Straßen Leipzigs zu laufen und für eine Stadtentwicklung einzusetzen, welche “die Unsichtbaren” berücksichtigt. Anlass der Demonstration sind die Feierlichkeiten des historisch 1.000ten Jubiläums der Stadt, bei welchen sie sich bzw. sie “die Unsichtbaren” ein weiteres Mal benachteiligt sehen. Obwohl: es sind nicht die “Unsichtbaren” selbst, welche auf die Thematik der Ausgegrenzten aufmerksam machen wollen.

“[…] Wir wollen den Gedenkzirkus der Stadt Leipzig entlarven. Wir wollen auf die prekarisierten und in Armut lebenden, verdrängten und nicht gewollten Menschen in Leipzig aufmerksam machen. Denen, denen es nicht um die bloße Selbstbeweihräucherung dieses Standorts Leipzig gehen kann. […]” (src)

“Parade der Unsichtbaren” war die Veranstaltung gelabelt. Stellvertretend sollen geisterhafte Puppen die mit uns lebenden Menschen dargestellt haben. Wobei der Umzug selbst die Absicht hatte, die Parade als eine eigene Skulptur gegen die von der Stadt inszenierten Großfiguren in Bewegung zu setzen.

Ein seltsam gewundener Satz, welcher während der Demonstration verlesen wurde, ist der folgende, welcher in seiner Absicht nicht ganz eindeutig ist:

[…] Aber auch die Sichtbaren und Hörbaren, die gemeinsam und für die Überhörten sprechen, denn wenn wir in die Runde schauen, sind andere Menschen noch weniger sichtbar, weil sie zum Beispiel wegen ihres Passes oder nicht weißer Hautfarbe ausgeschlossen werden. […] (src)

Vermutlich ist die Flüchtlingspolitik des Staates gemeint. Also andere Menschen [als wer?] waren nicht sichtbar, weil sie ausgeschlossen wurden – was war das für eine Demo?

Passend in diesem Zusammenhang ein Zitat aus dem Aufruf:

[…] Stadt als Marke und unseren Lebensraum als Zonen des Profits zu etablieren. Wäre da nicht die Tatsache, dass diese ihre Erzählung der Stadt nicht unsere Erzählung ist: der Prekären, Verdrängten, Ausgeschlossenen, Ungewollten. Dass sie nicht die Erzählung der Geflüchteten ist und nicht derjenigen Opfer eines rassistischen Dauerzustandes. […] (src)

Unsichtbares zum Thema zu machen hat den Vorteil, dass Widerspruch ausbleibt – oder meint das zugleich nicht ohne Stimme?

Die Bewohner*innen, die sich die Mieten nicht mehr leisten können, sind die Armen – die Erwerbslosen, prekär-Beschäftigen, Aktivist*innen in alternativen Kulturprojekten, usw. Dieses andere Leipzig ist nicht aufgefordert worden sich unter der Stadtgöttin Lipsia zu vereinen, sie werden von keiner der Löwenskulpturen repräsentiert. Sie sind ausgeschlossen und unsichtbar. […] Die Nicht-Repräsentanz der Unterpriviligierten ist Ausdruck einer politischen Praxis, die diese Unterpriviligierten produziert. (src)

Unterprivilegierte und Unterrepräsentierte sind verschiedene paar Schuhe. Inwieweit ist die Unsichtbarkeit der bettelnden Menschen und prekär-Beschäftigten, der Erwerbslosen und anderer Lebensverhältnisse wirklich gegeben? Fehlt nur die Abbildung? Solche sozialen Themen passen unverwunderlicherweise ja nicht zu einer 1000 jährigen Stadtfeier. Übrigens nicht nur dort. Bleibt die Frage wie auf ausgegrenzte Menschen aufmerksam gemacht werden kann und wer dann zum Objekt wird (wie in Frankfurt). Und wie es mit einer Recht-auf-Stadt-Bewegung in Leipzig weitergeht. Das Recht-auf-Mobilität wurde das Wochenende teilweise eingelöst: die LVB etwa bot ihre Verkehrsmittel den Kunden zur kostenfreien Nutzung an.

kefir-70-jahreneulich in Russland: Erinnerung an 70 Jahre Sieg – Pobeda – (auf Kefir-Packung)

Unwillkürlich musste ich in Anbetracht der derzeitigen teilweise hysterisch zu nennenden Berichterstattung über den aktuellen Arbeitsausstand der GDL an den Berliner Verkehrsarbeiterstreik aus dem Jahr 1932 denken – bei dem es unter anderen Zusammenhängen und Umständen sogar zu Toten und Verwundeten kam…Berlin, BVG-Streik, StreikpostenAnders als damals, als der Streik auch politische Auswirkungen hatte, ist die Situation heute. Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) gaben auf ihrer Internetseite bekannt:

Somit bleibt der GDL keine andere Wahl, als nach dem Ultima-Ratio-Prinzip erneut ihre Mitglieder zum Streik aufzurufen:

am Montag, den 4. Mai 2015 um 15 Uhr im DB-Güterverkehr und

am Dienstagmorgen um 2 Uhr im DB-Personenverkehr.

Das Zugpersonal im Güter und Personenverkehr beendet die Streiks am Sonntag, den 10. Mai 2015 um 9 Uhr. (src)

Während hierzulande über den angekündigten Streik bei der Bahn AG auch gern Superlative Verwendung finden (“Rekordstreik” und ähnliches – vermutlich nicht nur weil es keine ausgeprägte Streikkultur und -erfahrung gibt) lassen sich bei den Sichtweisen Verständnis (2014: weltanschauung.blog, zeit.de) bis zu Ablehnung  zu den angekündigten Arbeitsausständen finden. Bei Spiegel-Online findet sich ein Barometer was Meinungsabbildend sein soll:

meinungsbaromter-spiegel-online-gdl-2015(src)

Immer wieder findet sich in den Berichten über den Streik der GDL das Wort “Machtkampf” – mögliches Resultat einer verkürzten Darstellung der Abläufe als Konflikt zwischen einem engstirnigen Gewerkschaftsführer und einem umsatzorientiertem Börsenunternehmen, aber auch adäquater Ausdruck des Konflikts zwischen Arbeitnehmer und Geschäftsführung. Anton Pannekoek (1873-1960) schrieb bereits 1947:

Die wirksamste Form des Kampfes gegen die Kapitalisten ist der Streik. Streiks sind mehr denn je nötig, um gegen die Tendenz der Kapitalisten zu kämpfen, ihre Profite zu erhöhen, indem sie die Löhne herabdrücken, indem sie Dauer und Intensität der Arbeit erhöhen.

Die Gewerkschaften als Instrumente des organisierten Widerstandes haben sich gebildet, indem an die starke Solidarität und die gegenseitige Hilfe appelliert wurde. Die Entwicklung des “big business” ließ die Macht des Kapitals enorm anwachsen, zugleich konnten die Arbeiter die Verschlechterung ihrer Lage nur in einzelnen Fällen herabmindern. Die Gewerkschaften verwandelten sich in Vermittlungsinstanzen zwischen Arbeitern und Kapitalisten. Sie unterzeichneten Verträge mit den Unternehmern und versuchten, diese den oft widerspenstigen Arbeitern aufzudrängen. Die Gewerkschaftsführer hofften, sich dem Machtapparat des Staates und des Kapitals, der die Arbeiterklasse beherrscht, unersetzlich zu machen. Die Gewerkschaften wurden so Instrumente des Monopolkapitals, das sich ihrer bediente, um den Arbeitern ihre Bedingungen zu diktieren.

Unter diesen Verhältnissen nimmt der Kampf der Arbeiterklasse mehr und mehr die Form von wilden Streiks an. Diese sind spontane und massive Explosionen eines lange unterdrückten Widerstandswillens, direkte Aktionen, in denen die Arbeiter ihren eigenen Kampf in ihre Hände nehmen, indem sie Gewerkschaften und Führer zum Teufel jagen. (src)

Streik ist der Moment, in welchem sich der zum Objekt degradierte Arbeitnehmer seiner vertraglich vereinbarten Funktionserfüllung auf bestimmte Zeit verweigert – mit dem Ziel mit Hilfe des Arbeitsausfalls der Unternehmensleitung die Bedeutung seiner sonst verrichteten Tätigkeit zu verdeutlichen und zum Beispiel eine höhere Wertschätzung in der Entlohnung oder Arbeitserleichterungen zu erreichen. In Zeiten steigender Automatisierung, erhöhtem Arbeitsdruck und prekärer Beschäftigungsverhältnisse läuft kollektive Arbeitsniederlegung Gefahr ein Mittel zu werden, welches in seiner Auswirkung schnell zum Teil eines betriebswirtschaftlichen Strategiepapiers zur Schadenbegrenzung wird – eine Betonung solcherlei Faktoren vernachlässigt den ohnehin vernachlässigten humanen Aspekt.

Längst nicht mehr (weil nie gewesen?) Realität: “Alle Räder stehen still wenn ihr mächtiger Arm es will.” Albert Hahn 1903 – Eisenbahnerstreik.

462px-Gansch_het_raderwerk_staat_stil_als_uw_machtige_arm_het_wil“Gansch het raderwerk staat stil als uw machtige arm het wil.” (src)

DSC00012_bhublots watching day or night? oreille listen charles trenet – le soleil (yt-listen) or douce france

Robert Musil:

Der vollentwickelte Antisemit ist eine vollkommen paranoide Geistesverfassung. Sieht in allem Bestätigung; ist nicht zu widerlegen… Man darf es nicht dahin kommen lassen! Die Wurzel des Antis[emiten] sind: Unkenntnis des Begriffs der Objektivität. Glaube, dass alles Höhere falsch oder verdorben sei (Respektlosigkeit des Unwissenden). Nichtbesitz der Kulturhemmung…

aus: Allerhand Fragliches. 1978. S. 69

IMG_1380_b(“The Best Things In Life Aren’t Things”, seen in south-portugal)

with Arvo Pärts “Spiegel im Spiegel”

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“Die Menschen sind arme Wesen”, sagte er.
Luce nach einem Augenblick:
“Wir, wie ruhig wir sind! – Die anderen, die haben Fieber. Der Krieg. Die Fabriken. Man hastet. Arbeiten, leben, genießen…”
“Ja”, sagte Pierre. “Die Stunde ist kurz.”
“Ein Grund mehr nicht zu rennen!” sagte Luce. “Man ist bald am Ende. Wandern wir in kleinen Schritten.”
“Aber sie rennt, die Stunde”, sagte Pierre. “Halten wir sie gut fest.”
“Ich halte sie fest, ich halte sie fest”, sagte Luce, ihm die Hand haltend.

Romain Rolland: Pierre und Luce. 2. Auflage 1961. S. 95

Teil 9 hier zu finden

  • SWR2: Anarchisten am Rio de la Plata (27 Min.) (download) (via)
  • WDR-Zeitzeichen: Sozialistengesetz 1878 (14 Min.) – oder: Die fernen Ursprünge der SPD (download) (via)
  • NDR: Hannah Arendts Töchter (20 Min.) (download)
  • SWR2-Aula: Wie der Kapitalismus uns zu Selbstausbeutern macht – Han Byung-Chul (28 Min.) (download)

Es folgt der obligatorische Hinweis, dass einiges sowohl in seiner inhaltlichen Ausrichtung als auch der Form nach durchaus Kritik würdig ist.

Im Januar 2015 jährte sich der Tod des Asylbewerbers in einer Polizeizelle in Dessau zum zehnten Mal. Die Journalistin Margot Overath hat die Ereignisse und Fakten sowie den Umgang und die Diskussion in einem Beitrag für den MDR noch einmal zusammen gefasst. Mehrfach ist von verschiedenen Menschen im Beitrag zu hören: ich verstehe das nicht.

Die Ungeheuerlichkeiten und Widersprüche werden im Beitrag noch einmal ausgesprochen:

download von der site des MDR=src

Der Kern des ganzen ist das Feuerzeug. Und das Feuerzeug war nicht in der Zelle. […] Erst sieben Jahre danach wurde es nach Spuren untersucht.

Bleibt die Frage inwieweit die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Dessau (oder eine andere Ermittlungsbehörde) den Todesfall trotz der vernichteten und verschwundenen Unterlagen, schweigenden und vergesslichen Beamten, fehlerhaftem Obduktionsbericht und einseitiger Ermittlung der staatlichen Behörden zukünftig unparteiisch – nämlich im Sinn einer Wahrheitssuche – ermitteln wird. Dazu gehört auch die Möglichkeit Mord.

vida_festa!A vida e uma festa! (seen in south-Portugal)

velo_riebeckplatz2.ikl959(disappeared/demolished building, Riebeckplatz Halle/Saale some years ago)

lichtverschmutzung_dresden-waldschloesschen-_ikl959(seen in Dresden at Elbe, near Waldschlösschen)

Kein ganz kompletter Repost, aber der Anlass aktuell: (a) Regierung der USA meint, den Kurden ganz offiziell mit Waffen unter die Arme greifen zu wollen, d0x/?rt.com) und (b) der Podcast des SWR-Forum (vom 27. Juni 2014) zum Thema “ISIS”, welche zur Zeit Menschen im Irak zu zehntausende fliehen lassen (44 Min; Download)

Der in der Radiosendung erwähnte Zerfall des Irak wurde bereits vor einigen Jahren von einem amerikanischen Filmemacher thematisiert & anschaulich gemacht – James Longley.

—- Repost::::

Einer der besten Dokumentarfilme die ich in den letzten drei Jahren gesehen habe. Die Thematik Irak war damals aktueller als heute, trotzdem hat der Film von den Bildern her eine eigene Ästhetik & ist deswegen unglaublich faszinierend. Er stammt von James Longley der 1972 in Oregon geboren wurde. Er studierte Film und Russisch an der University of Rochester und Wesleyan University in den USA, und dem All-Russian Institute of Cinematography (VGIK) in Moskau. Seine Dokumentation “Portrait of Boy with Dog” wurde 1994 mit dem Student Academy Award durch die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ausgezeichnet. Er arbeitete und lebte dann in New York City, in Sibirien und Moskau. 2001 reiste er nach Palestina um seinen ersten Dokumentarfilm “Gaza Strip” zu drehen (den ich leider nicht gesehen habe, es aber gern mal würde – wer Hinweise hat wo zu finden – ich wäre dankbar; eine Einschätzung: “Gaza Strip culminates in a nighttime raid in April, when Israeli bulldozers stormed into the Khan Younis refugee camp under the cover of tank and helicopter fire, and destroyed the homes of 450 Palestinians – the first of many such armed incursions into Area A by the IDF.Quelle). 2002 reiste Longley in den Irak um seine Vorarbeiten an seinem zweiten Dokumentarfilm “Iraq in Fragments” zu beginnen, der im Januar 2006 Premiere feierte. Der Film gewann einige Preise: auf dem Sundance Festival wurde er mit den Preisen “Best Documentary Directing”, “Best Documentary Editing”, und “Best Documentary Cinematography” belohnt, daneben gewann der Film einige weitere internationale Auszeichnungen.

Zwischen Februar 2003 und April 2005 wurden in Irak über 300 Stunden Filmmaterial gedreht von denen in dem Film knapp 90 zu sehen sind. Der Film gliedert sich in drei Teile: Sunniten, Schiiten und Kurden.

„My idea was to follow a student at one of the local Shiite religious schools. Wandering through the narrow back alleys of Najaf in search of permissions, Nadeem and I soon found ourselves at the office of Moqtada Sadr.”

„This seemed like an interesting story to document, so I began developing contacts within Sadr’s organization who allowed me to film. Moqtada Sadr himself was too difficult to access, so I settled for Sheik Aws al Kafaji. […] He was genial and open, giving me far more access to his movement than I expected.”

“The Sadr organization was deeply suspicious of foreigners, and you couldn’t really blame them. I was never sure why they trusted me as much as they did.” (Quelle)

Zu sehen ist war der Film Iraq in fragments hier. (R: James Longley; USA 2007; 94 Min)

Longley war im Juni 2009 in Iran, arbeitete an einem neuen Film über die Wahlen und die beginnenden Proteste gegen das Regime. Er wurde am 14. Juni 2009 mit seinem Übersetzer verhaftet als er Menschen auf der Straße in Teheran befragen wollte (Bild unten entstand angeblich kurz vor seiner Verhaftung). Zu lesen was Longley für Erfahrungen sammelte in Iran nach der Wahl & über seine Verhaftung kann mensch hier finden.

earthworm_ikl959Illuminated earthworm.

free_gaza_from_hamas_ikl959.com(shot in Dresden, 2012)

In Israel gibt es (nach Wikipedia alles superlative) Feiertage, welche den Alltag entschleunigen, brechen, verunmöglichen. Einer der Feiertage mit Namen Jom Kippur (wkp) liegt schon wieder in Sichtweite. Vor einer ganzen Weile wurde ein Film gebloggt der nichts an Anschaulich- und Einprägsamkeit des gebrochenen Alltags verloren hat. Passt wegen seiner unter-spannten Atmosphäre noch weniger in die derzeitige Situation als ohnehin schon, oder vielleicht gerade.

jom_kippur-tel_aviv(src, 2,30 Min)

Ein Besuch in einer von Raketeneinschlägen bedrohten Region in Israel im Jahr 2012 – damals folgte (ähnlich wie heute) als Reaktion auf die Einschläge und die permanente Bedrohung der Bevölkerung eine militärische Intervention im Gebiet der Raketenabschüsse. Ein gewisser Grad der Entspannung blieb und bleibt in den bedrohlichen Momenten (etwa in Form älterer Männer, auf einer Bank sitzend) erhalten; die Anspannung der jugendlichen Menschen, welche die Situation zum ersten Mal erleben ist indes spür- und nachvollziehbar.

life_under_rockets_israel_yt_ikl959.com(src; 8,30 Min)

Die Situation heute: eine größere Anzahl Raketen mit einer besseren Reichweite schlägt derzeit noch immer (aus dem Gazastreifen von der Hamas und anderen paramilitärischen Vereinigungen abgefeuert) in Israel ein (IDF-reports on twttr).

Seit dem Beginn der Operation „Schutzlinie“ (Protective Edge) am 8. Juli 2014 wurden über 971 Raketen aus dem Gazastreifen – der übrigens noch bis 2005 unter israelischer militärischer Kontrolle lag – in Richtung Israel abgeschossen. 754 davon schlugen in Israel ein und etwa 201 wurden durch das israelische Raketenabwehrsystem abgefangen & noch im Himmel zur Explosion gebracht, 27 aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen trafen den Gazastreifen selbst. Derweil gab es auch in den größeren Städten wie Tel Aviv und Jerusalem Bombenalarm, auch weiter nördlich – wie etwa Haifa. Raketeneinschläge wurden auch aus Bethlehem und Hebron gemeldet. 40.000 israelische Staatsbürger wurden aus der Reserve mobilisiert und sind Teil der ZAHAL geworden, die über einen (neuerlichen) Einmarsch in den Gazastreifen nachdenkt (pro & con invading Gaza).

Ein offener Brief A.B. Yehoshua aus dem Jahr 2009 an einen Journallistenkollegen hat kaum an Bedeutung verloren – die Ereignisse, Berichterstattung und Akteure von heute sind wenig verschieden von damals.

All we are trying to do is get their leaders to stop this senseless and wicked aggression, and it is only because of the tragic and deliberate mingling between Hamas fighters and the civilian population that children, too, are unfortunately being killed. The fact is that since the disengagement, Hamas has fired only at civilians. Even in this war, to my astonishment, I see that they are not aiming at the army concentrations along the border but time and again at civilian communities. (src – lesenswert!)

Derweil ist die außenpolitische Situation heute eine andere als 2009. Neben etwa Syrien gibt es andere angrenzende Staaten mit keiner/einer instabilen legitimierten politischen Kraft. Zuletzt schlugen auf der Halbinsel Sinai, unweit zur israelischen Grenze, in Ägypten abgeschossene Raketen in einem Supermarkt ein (FAZ). Aus dem Südlibanon wurden Raketen in Richtung Israel abgefeuert, ist etwa in diesem Beitrag zu vernehmen:

rockets-from_gaza_july2014_YT(src: yt)

Bisher kommen die Raketen welche in Israel einschlagen vor allem aus dem Westen – die Reaktion des Staates sind über 1300 israelische Angriffe in den Gazastreifen, bei welchen über 170 Menschen starben. Ein Teil der Strategie der Terroristen, welche die Raketen gen Israel abschießen, besteht in der Nutzung ziviler Einrichtungen als Operationsbasen. Es ist eine ungleiche Kriegsführung, bei welcher von den in Gaza tätigen Aktivisten sowohl zivile Opfer im Aktionsumkreis billigend in kauf genommen werden, gleichzeitig jedoch wegen der ungesteuerten Raketen vor allem Zivilisten zum Ziel der Angriffe werden.

Der Gazastreifen wird bis dato weiterhin mit LKWs, welche zivile Güter wie Lebensmitteln und Treibstoff transportieren, versorgt – aus Israel (src). Dort leben wegen der ständigen Raketeneinschläge und den erweiterter Flugentfernungen jetzt knapp sechs Millionen Menschen unter ständiger Lebensbedrohung.IDF_rockets-UK(mögliche Reichweite der Raketen aus dem Gazastreifen übertragen auf Großbritannien, src)

Die Entführung und Ermordung dreier Jugendlicher (Lizas Welt) ist ein weiterer Teil der jüngst wieder offen aufgebrochenen Auseinandersetzung, deren friedliches Ende immer weniger als eine baldige realistische Option erscheint.

Rasterfahndung umdrehen – mithilfe des Stromverbrauchs gucken wo unbewohnte Häuser sind, welche dann besetzt werden können. So lautet eine Idee in dem Hörstück Radio Wauland über die vernetzte digitalisierte und doch reale Welt.

800px-Akustikkoppler_CCC_Datenklo(eigenbau des Akustikkoppler aka Datenklo des CCC  – src)

Der Untertitel Tune in, turn on and hack yourself kommt indes ein wenig selbstzerstörerischer daher als das LSD-Original von Prof. Leary.  Protagonist in dem zeitweise psychedelischen Hörstück ist Wau Holland, dem Mitbegründer des CCC (bis dato unveröffentlichte O-Töne fanden von ihm Verwendung), der so Dinge sagte wie “Was ist denn das einen Rechner aufzumachen, dagegen die Gesellschaft aufzumachen” (src).

Das Stück gibts hier zum download finden & sei an dieser Stelle zum anhören empfohlen.

berlusconi_bloody_on_speaker_(seen near Leipzig, click pic to enlarge)

Eine Nacherzählung ohne Anspruch auf Faktizität und Vollständigkeit über den 28. Juni 2013:

In Berlin steht ein offensichtlich verwirrter Mensch (leicht/un-bekleidet und mit einem Messer in der Hand) vor dem Roten Rathaus im Neptunbrunnen. Als die Polizei eintrifft soll er im Wasser liegen, welches bereits etwas blutig ist – der Mann hat sich selbst verletzt. Die Beamten sehen (vielleicht ist der prominente touristische Ort unweit des Fernsehturms von Bedeutung) unmittelbaren Handlungsbedarf, obwohl in dem Augenblick Leib und Leben keiner weiteren Person bedroht ist.

berliner-kurier_de_neptunbrunnen_toter(src)

Ein Polizist übersteigt den Brunnenrand, versucht mit Manuel F. zu sprechen, der reagiert nicht. Der Uniformierte steigt wieder aus dem Brunnen. Mit gezogener Pistole macht sich ein anderer Beamter die Füße nass, stellt sich zu Manuel F. ins Wasser, geht auf den Verwirrten zu, fordert diesen auf sein Messer niederzulegen. Dieser reagiert, sieht sich vermutlich seinerseits durch die auf sich gerichtete Waffe bedroht, handelt irrational und geht auf den Beamten zu – welcher zurückweicht.

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Ein Schuss kracht (anfängliche Berichte sprachen zunächst davon einer der sieben anwesenden außerhalb des Brunnens stehenden Polizisten habe geschossen…). Manuel F. fällt nicht gleich um, so Augenzeugen (acht Sekunden soll er senkrecht gestanden haben), dann fällt er ins Wasser – getroffen in die linke Brust. Er verliert das Bewusstsein, spätere Wiederbelebungsversuche im herbeigeeilten Krankenwagen sind erfolglos. Wegen der Kugel aus der Polizeiwaffe starb Manuel F., stellt das Obduktionsgutachten danach fest.

Über den Tod im Neptunbrunnen wurde in Berlin schnell Unverständnis geäußert:

manuel_F_2013_berlin(scrnsht)

Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen den Beamten, welcher den tödlichen Schuss abgab, wurde nach 56 Tagen eingestellt – der Verdacht, dieser habe nicht in Notwehr gehandelt, konnte nicht erhärtet werden (Zeit.de). 40cm Brunnenrand sind also nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Berlin für Polizisten ein unüberwindliches Hindernis. Warum stieg überhaupt ein Polizist in den Brunnen (indem sich sonst niemand aufhielt als der Verwirrte), wenn der Sprecher der Berliner Polizei meint:

In der Ausbildung lernen die Beamten, dass man sich Personen mit langen Messern nicht nähern soll. Eine Distanz muss hergestellt werden. (via)

Der fehlende Warnschuss wird da zur Nebensache (weil er auch eher Anwendung findet wenn Jemand flüchtet). Jedoch blieben und bleiben bis heute Fragen offen nach der Legitimität des Schusswaffengebrauch überhaupt (siehe Artikel Bettina Hammer bei Heise) und nach der Qualität der Schulung der Bereitschaftspolizisten. Wenn die Pistole zum Einsatz kommt, dann wäre etwa im Fall von Manuel F. gezielt nichtletaler Einsatz sinnvoller gewesen, als den Menschen aus dem Leben zu reißen (was für ein Leben dieser auch immer gehabt hat & auch wenn der Polizeisprecher meinte in den Fuß schießen hätte nichts gebracht). Der Vorfall hat wenig dazu beigetragen in die Zielsicherheit der Beamten zu vertrauen. Die Polizei versuchte noch vor Ort die Berichterstattung über ihr Verhalten zu verhindern, indem anwesende Augenzeugen ihre Video-Telefone und Fotoapparate abgeben mussten… Ein Grund mehr an das Ereignis vor einem Jahr zu erinnern.tod-am-neptunbrunnen

(src)

In den USA gab es 2009 einen ähnlich Vorfall was die Linsendichte angeht- ein Polizist erschoss dort vor diversen laufenden Handy- und Überwachungskameras Oscar Grant. Der Fall sorgte wegen seiner Eigenheiten in Folge für mehr Unmut als der Tod von Manuel F.  in Berlin. Am Ende steht dann eine monatlich aktualisierte Liste mit Toten auf dem Konto der amerikanischen Polizei. Oder eben zählbar vielen Opfern der deutschen Polizeigewalt (& sei diese auch rassistisch motiviert & die Liste lückenhaft).

poem_in_the_wood(seen @ a party in wood near Dresden)

eln

melancholie und freude sind wohl schwestern

und aus den bäumen fällt verblühter schnee

mit jedem pulsschlag wird aus heute gestern

auch glück kann weh tun auch der moment tut weh

 

light_breaks_through_ikl959thru open door & pane breakes the light (shot near Berlin)

Bereits vor einer Weile schonmal auf eine fantastische slowmotion-supermacro Aufnahme mit einer Libelle hingewiesen. Weil es zu groß ist, der kleine/kurze Moment des tanzenden Wassertropfen, hier die Verlinkung:

yt-slo-mo-drop

Fantastisch der Tropfen nach dem Tropfen, der wie Spannungsgeladen auf der Oberfläche tanzt, einen neuen kleineren Tropfen bildend… watch on yt

Auch ein must-see: gefärbte Tropfen fallen (in Milch?!). Die vertikal wirkende Energie wird ziemlich gut sichtbar.

yt-slo-mo-drop02(watch on yt)

 

 

cctv_cork_ireland_ikl959“CCTV cameras in operation” (shot in Cork, Ireland)

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